380. Das kleine Mädchen vom anderen Stern

Das kleine Mädchen vom anderen Stern

Das kleine Mädchen saß auf seiner grünen Welt und sah zum dunklen Sternenhimmel hinauf. Über ihr glitzerten unzählige kleine helle Punkte.
»So viele Sterne.«, staunte es dann immer wieder.
Doch an diesem Abend entdeckte es etwas Neues. Ein neuer Stern war dort oben erschienen.
»Nanu? Wer bist du denn?«, wollte das kleine Mädchen wissen.
In ihrer Neugier holte es ein Fernrohr aus seiner Tasche und besah sich den Neuling genau.
»Oh, ist das eine schöne Welt.«, begann es sofort zu schwärmen.
Es hatte einen kleinen Planeten entdeckt, der von grünen Erdteilen und noch mehr blau glitzerndem Wasser bedeckt war.
»Wie gerne würde ich dort hin reisen und mich einmal umschauen. Es muss ein richtiges Paradies sein.«
Es überlegte, wie es die weite Reise schaffen könnte. Es dauerte eine ganze Nacht und einen weiteren Tag, bis ihm eine Idee in den Kopf kam.
Das Mädchen lief in sein kleines Haus und holte einen bunten Sonnenschirm hervor.
»Los, Wind, blase. Puste mich hinauf in den Himmel zu dieser paradiesischen Welt.«
Es spannte den Schirm auf, hielt ihn hoch und wurde sogleich von einem Windstoß ergriffen und hinweg geweht.
Die Reise war anstrengend und lang. Das Mädchen musste ständig aufpassen, den Stock seines Schirm nicht loszulassen. Doch dann hatte sie die Welt mit den grünen Erdteilen und blauen Ozeanen erreicht.
Die kleinen Füße des Mädchens landeten auf frischen, grünen Grashalmen, die unter der Sohle kitzelten.
»Es ist wirklich schön hier. Aber dieses Paradies ist viel größer als meine Welt und scheint viele schöne Geheimnisse für mich bereit zu halten.«
Es sah sich um und entdeckte schon mit dem ersten Blick unzählige Pflanzen, Büsche, Bäume und Kräuter, die es noch gar nicht kannte. Fröhlich begann es über die Wiese zu tanzen. Doch nach ein paar Metern blieb es überrascht stehen, als es unter seinen Füßen etwas anderes spürte.
»Oh, nein, was ist denn das?«
Eine braune, stinkende Masse klebte unter beiden Füßen. Das Mädchen war in einen großen Hundehaufen getreten.
»Das ist ja eklig.«
Es sah sich um und entdeckte weitere Häufchen in verschiedenen Größen.
»Macht denn hier niemand sauber?«
Angewidert öffnete es seinen Schirm und ließ sich ans Meer tragen. Doch als es sich dort umsah, war es schockiert.
»Was ist denn das für ein Dreck?«
Schwarze Teerklumpen schwappten auf dem Wasser und wurden mit jeder Sekunde ans Ufer gespült.
»Wo kommt das denn alles her?«
Mitten auf dem Meer entdeckte das Mädchen eine große Fabrik.
»Das ist eine Ölbohrplattform.«, erklärte ein alter Mann, der gerade über eine Düne ans Wasser gekommen war.
»Sie holen das Öl aus der Erde und machen daraus Benzin, Plastik, Farben und viele andere nützliche Dinge. Das haben sie uns immer erzählt. Aber seit dieses Ungetüm dort steht, hat es alle Strände in der Umgebung mit seinem Dreck verseucht.«
Der alte Mann sah müde und enttäuscht aus.
»Aber wie könnt ihr das nur mit eurer Welt machen? Liebt ihr sie denn nicht?«, wollte das Mädchen erbost wissen.
Der Alte zuckte mit den Schultern und bat das Mädchen, ihm zu folgen. Hinter den Dünen zeigte er ihr eine große Deponie.
»Wir Menschen haben wohl aufgehört, an unsere Welt zu denken, denn wir denken nur noch an uns selbst. Alles, was wir nicht mehr brauchen, und das ist sehr viel, werfen wir weg. Die Dinge werden an Orten, wie diesem gesammelt. Irgendwann schütten sie Erde darüber und vergessen, was sie hier angestellt haben. Alles andere wird verbrannt und verpestet unsere Luft.«
Das hatte das Mädchen auch schon festgestellt. Seit sie auf diesem falschen Paradies angekommen war, kratzte es seltsam in ihrem Hals und es musste ständig husten.
»Die Abgase von den Autos und den Fabriken steigen in die Luft auf. Dadurch wird es immer wärmer. Eines Tages, so sagen unsere Wissenschaftler, wird das Eis unserer Pole schmelzen und die Küstenländer überschwemmen und weg spülen. Aber daran sind wir alle selbst schuld, weil uns die Welt egal geworden ist.«
Der alte Mann seufzte traurig und wollte dem Mädchen noch andere Dinge zeigen. Aber es hatte genug gesehen. Auf so einer schmutzigen Welt wollte es keine weitere Minute ihres Lebens verbringen. Es verabschiedete sich, klappte den Sonnenschirm auf und flog wieder zurück nach Hause.
Auf dem Heimweg dachte es voller Zorn an die Menschen dieser einstmals schönen Welt, wie verschwenderisch und gedankenlos sie damit umgingen.
»Wie schön, dass das Wasser steigen und dann alles fort spülen wird. Vielleicht bekommt diese Welt dann noch einmal die Chance neu anzufangen.«
Doch dann verflog dieser Zorn und das Mädchen wurde sehr traurig. Es dachte an die Menschen, die ihre Heimat verlieren würden. Es sah noch einmal zurück und entdeckte ein paar Kinder, die traurig aus den Fenstern sahen. Sie hatten bestimmt keine Schuld daran, wie verkommen ihre Welt geworden war.
»Ich werde bald zu euch zurück kommen. Und dann werde ich euch helfen, euren schönen blauen Planeten in ein Paradies zurück zu verwandeln.«
Als das Mädchen wieder auf seiner kleinen grünen Welt landete, hatte es bereits eine neue Idee im Kopf. Es holte einen Beutel aus seinem Haus und stopfte ihn mit Pflanzensamen voll.
»Ich werde mit den Kindern dieser Welt neu anfangen. Wir werden gemeinsam neue Blumen, Büsche, Bäume und Kräuter pflanzen.«
Fröhlich singend tanzte es dann über seine Wiese und freute sich bereits auf seinen nächsten Besuch auf der grünen und blauen Welt.

(c) 2011, Marco Wittler

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