407. Katze des Grauens

Katze des Grauens

Es war bereits Abend geworden. Die Geschäfte hatten ihre Türen geschlossen und die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden.
Jonas stand mit seinem großen Bruder Tom auf dem Gehweg der Hauptstraße. Autos waren kaum noch unterwegs. Es war den Leuten einfach viel zu kalt.
»Los, beeil dich.«, rief Tom seinem Bruder nach.
»Mama wartet schon auf das Brot.«
Jonas Blick war an einem der Schaufenster hängen geblieben. Darin standen viele beleuchtete Kürbisse, hingen kleine Geister an Fäden von der Decke herab und kleine Monster bevölkerten den restlichen Platz dazwischen.
»Heute ist Halloween.«, murmelte er vor sich hin.
»Was?«, fragte Tom.
»Halloween? Das ist doch alles nur Blödsinn. Den Kindern werden Gruselgeschichten erzählt, obwohl es ein Tag, wie jeder andere ist. Es gibt keine Gespenster, Geister oder Monster. Und nun komm endlich.«
»Bist du dir da sicher?«, wollte Jonas wissen.
»Nur weil du noch keine Monster gesehen hast, bedeutet das doch nicht, dass es sie nicht gibt.«
Aber Tom schüttelte nur lachend den Kopf.
»Alles Märchen. Monster gibt es nicht. Schluss, aus, fertig.«
Sie gingen die Straße weiter entlang, bis sie plötzlich einen riesig großen Schatten vor sich sahen, der aus einer Seitenstraße kam.
»Was ist denn das?«
Die Antwort kam sofort. Sie hörten ein lautes Fauchen.
»Das ist nur eine Katze. Mehr nicht. Die kann uns nichts tun.«, erklärte Tom mit zittriger Stimme.
»Eine Katze? So groß? Bist du dir da wirklich sicher?«
Aber Tom war sich gar nicht mehr sicher. So groß konnte eine Katze doch gar nicht sein. Vorsichtig gingen die Jungs ein paar Schritte weiter, bis sie wieder das Fauchen hörten.
»Kommt das näher? Greift sie uns an?«
Tom bekam es mit der Angst zu tun.
»Ich dachte, es gibt keine Monster. Gilt das auch für Monsterkatzen?«, fragte Jonas.
Aber Tom gab keine Antwort. Er wollte umdrehen und einen anderen Heimweg wählen, als das Fauchen ein weiteres Mal zu hören war.
»Sie will uns nicht gehen lassen. Wenn wir jetzt nicht stehen bleiben, fällt sie bestimmt über uns her und frisst uns auf.«
»Was machen wir denn jetzt?«
Jonas blickte sich um und suchte verzweifelt nach einem Versteck. Doch so schnell ließ sich keines finden.
Das Fauchen kam immer näher. Die Monsterkatze war ganz nah. Es konnte nur noch wenige Sekunden dauern, bis sie um die Straßenecke biegen würde.
Die Jungs zitterten am ganzen Leib, bis das schreckliche Tier zum Vorschein kam.
»Oh, ist die süß.«, freute sich Jonas plötzlich und verlor seine Angst.
Vor ihnen saß ein kleines Katzenbaby, das am ganzen Körper zitterte.
»Schau, Tom. Sie hat selbst große Angst. Sie hat ihre Mama verloren.«
Die Jungs atmeten tief durch. Vorsichtig näherten sie sich der kleinen Katze. Jonas nahm sie auf den Arm, streichelte sie und nahm sie mit nach Hause. Auf dem Heimweg mussten sie noch ein paar Mal über ihr verrücktes Erlebnis lachen. Die kleine Katze fauchte nun nicht mehr. Sie lang glücklich in Jonas Arm und schnurrte zufrieden.

(c) 2012, Marco Wittler

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