423. Das kleine Licht

Das kleine Licht

Eines kleines Licht saß einsam und allein auf einer Kerze, weit weg von den anderen Flämmchen, die gemeinsam auf einem Adventskranz flackerten.
„Ich bin so allein hier auf dem Schrank. Das ist gar nicht fein. Ach, könnte ich doch bei den Anderen sein.“
Doch dieser Wunsch sollte ihm nicht erfüllt werden.
„Ich bin so klein, so unbedeutend. Ach, könnte ich doch etwas größer und schöner sein. Dann würden mich auch die anderen Lichter beachten.“
Aber niemand brachte es zum Adventskranz hinüber.
Irgendwann am Nachmittag kamen die Menschen in die Stube. Sie stellten einen großen, grünen Baum in der Zimmerecke auf, schmückten ihn mit bunten Kugeln, Strohsternen, kleinen Weihnachts- und Schneemännern.
„So ein schöner Baum.“, seufzte das kleine Licht.
„Er ist so schön, dass man mich noch weniger beachten wird.“
Doch dann griff einer der Menschen nach ihm und zündete damit die Kerzen auf dem Baum an. Das kleine Licht selbst wurde auf die letzte Kerze gesetzt. Nun war es doch nicht mehr allein. Nun war es von vielen kleinen Lichtern umgeben, die es alle entzündet hatte. Gemeinsam überstrahlten sie jedes andere Flämmchen und waren, gemeinsam mit dem Baum, wunderschön anzusehen.

(c) 2012, Marco Wittler

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