424. Das kleine Rentier

Das kleine Rentier

Weihnachten.
Der Schlitten des Weihnachtsmanns stand bereit, die Rentiere waren angespannt und der große Sack mit den Geschenken aufgeladen. Die Weihnachtselfen standen bereit, um ihren Boss vor seinem Flug zu verabschieden. Zwischen ihnen warteten aber noch ein paar andere Neugierige.
Es waren drei junge Rentiere, die ihren Eltern zuschauen wollten, wie diese in den Himmel hinauf steigen. Einer von ihnen, war besonders aufgeregt. Es war zwar nicht das erste Mal, dass er am Weihnachtsabend zuschauen durfte, aber es war immer wieder ein großer Augenblick für ihn.
„Wann geht es denn endlich los? Ich kann es kaum noch abwarten.“, rief der kleine Rudi seinen beiden Freunden immer wieder zu.
„Wann kommt er denn endlich aus dem Haus? Der Weihnachtsmann wird noch zu spät zu den Menschenkindern kommen.“
Der Weihnachtsmann ließ sich aber noch Zeit.
„Wenn ich den Schlitten ziehen würde, hätte ich schon längst an die Tür geklopft, um dem Boss Bescheid zu sagen, dass es Zeit für den Abflug ist. Ich kenne mich nämlich bestens mit dem Flugplan aus. Mein Papa hat ihn seit Monaten auf dem Schreibtisch liegen gehabt. Ich habe ihn jeden Tag gelesen und auswendig gelernt.“
Und dann wurde Rudis Blick träumerisch, während er weitersprach.
„Eines Tages werde ich auch den Schlitten durch die Lüfte ziehen.“
Die zwei anderen Rentiere begannen zu lachen.
„Du willst den Schlitten ziehen? Bist du nicht viel zu klein dafür? Du wächst viel langsamer als wir. Bevor du den Schlitten auch nur aus der Nähe sehen darfst, sind wir schon längst davor gespannt.“
Doch davon ließ sich Rudi nicht entmutigen. Er versuchte, sich so groß, wie es eben ging, zu machen und rief ganz laut entgegen, dass er es schon schaffen würde.
„Was wirst du schaffen?“, fragte da eine tiefe Stimme hinter ihm.
Rudi drehte sich um. Der Weihnachtsmann stand direkt hinter ihm und sah dem Rentier direkt in die Augen.
„Oh, äh, nun ja.“, stotterte er.
„Meine Freunde behaupten, dass ich es nie schaffen werde, später einmal den Schlitten zu ziehen oder ihn auch nur aus der Nähe zu sehen. Dabei ist das doch mein allergrößter Traum.“
„So, so.“, schmunzelte der Weihnachtsmann und wandte sich an die anderen beiden Rentiere.
„Man zerstört nicht die Träume seiner Freunde. Man sollte sie viel lieber dabei unterstützen.“
Dann nahm er den kleinen Rudi an die Hand und zog ihn sanft hinter sich her.
„Und du kommst heute mal mit mir. Hast du Lust, neben mir im Schlitten zu sitzen und mich zu begleiten?“
Rudis Augen leuchteten vor Freude. Zuerst bekam er kein einziges Wort heraus. Aber dann schluckte er einmal kräftig, jubelte laut und hüpfte in den Schlitten.

(c) 2012, Marco Wittler

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