478. Schlechte Noten

Schlechte Noten

Lena kam von der Schule nach Hause. Normalerweise strahlte sie jeden Tag über das ganze Gesicht, denn lernen machte ihr viel Spaß. Heute war ihre Laune allerdings alles andere als gut.
»Was ist denn mit dir los?« fragte Mama beim Mittagessen.
»Hat dich jemand in er Schule geärgert oder ist irgendwas passiert?«
Lena schüttelte nur den Kopf und seufzte laut.
»Nein das ist es nicht.«
»Was ist denn dann los?«
Lena seufzte wieder und wurde rot im Gesicht.
»Ich habe in Deutsch eine schlechte Note bekommen.« flüsterte sie leise.
»Wir haben einen Aufsatz geschrieben. Meiner war nicht so gut. Die Lehrerin hat mir dafür nur eine Vier gegeben.«
Sie wartete auf ein Donnerwetter, aber zum Glück waren ihre Eltern nicht sauer.
»Da müssen wir unbedingt dran arbeiten.« sagte Papa.
»Schlechte Noten sind nicht in Ordnung. Jetzt musst du mehr lernen und üben. Ich werde dir dabei helfen. Dann klappt es bei der nächsten Arbeit bestimmt besser. Ich habe früher nie so schlechte Noten bekommen, weil ich immer viel gelernt habe. Wenn ich dir helfe, wirst du auch so gut.«
Lena war froh. Etwas mehr lernen war besser, als Hausarrest oder irgendwelche Verbote.

Eine Woche später saß Lena an ihrem Schreibtisch und hatte tiefe Falten auf der Stirn. Sie dachte angestrengt nach, kam mit ihren Hausaufgaben aber nicht weiter.
»Brauchst du Hilfe?« fragte Papa, der gerade den Kopf durch die Tür schob.
Lena nickte und winkte ihn heran.
»Wir sollen ein Gedicht über den Frühling schreiben. Mir fällt aber nichts Gutes ein. Die Regeln für Gedichte sind richtig kompliziert. Man kann da so viel falsch machen.«
Papa lächelte, nahm sich Papier und Stift und setzte sich mit an den Schreibtisch.
»Ich werde dir helfen.«
Schon begann er zu schreiben. Ein Vers nach dem anderen entstand auf seinem Blatt. Nach nur fünf Minuten war er fertig.
»Hier. Schreib das ab. Das ist perfekt. Und beim nächsten Mal kannst du dir daran ein Beispiel nehmen und machst es allein.«
Lena freute sich. Sie hatte nicht gehofft, so schnell mit den Hausaufgaben fertig zu werden.

Am nächsten Mittag kam sie grinsend aus der Schule zurück.
»Wie hat deiner Lehrerin dein Gedicht gefallen?« wollte Papa wissen, noch bevor sie durch die Wohnungstür gekommen war.
»Sie war begeistert.« erzählte Lena sauer, holte gleich ihr Heft aus dem Tornister und hielt es Papa vor die Nase.
»Waaas?« war Papa entsetzt.
»Mein Gedicht hat eine Fünf bekommen? Das kann doch gar nicht sein.«
»Meine Lehrerin hat gesagt, dass du dich an keine einzige Regel für Gedichte gehalten hast. Du sollst in Zukunft einen Blick in mein Deutschbuch werfen, bevor du mir hilfst.«
Papa wurde ganz rot im Gesicht und wusste nicht mehr, was er darauf antworten sollte.
»Dann bist du früher wohl doch kein so guter Schüler gewesen, wie du immer erzählt hast.« rief Mama aus der Küche.
»Ich glaube, ich muss da wohl auch noch viel lernen.« flüsterte Papa kleinlaut.

(c) 2014, Marco Wittler

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