525. Weiße Weihnacht

Weiße Weihnacht

Der Himmel war grau verhangen. Dicke Wolken, egal wohin das Auge sah. Es regnete wie aus Eimern. Und das an Weihnachten. Schon wieder. Jedes Jahr das Gleiche.
Jonas war sauer. Zu Weihnachten gehörte eine dicke Schneedecke. Aber wieder nichts. Es gab immer nur Regen. Was für eine Enttäuschung.
»Soll ich jetzt etwa Konfetti auf den Rasen schmeißen?«

Zur gleichen Zeit saß eine kleine Schneeflocke in ihrer Wolke und sah zur Erde hinab. Sie hörte die vielen Kinder, die traurig waren und sich sich immer wieder beschwerten, dass keine weiße Weihnacht geben würde.
»Oh nein.«, sagte sich die kleine Schneeflocke. »Das darf doch einfach nicht sein. Die Kinder sind alle traurig, nur weil wir Schneeflocken in unseren Wolken sitzen und den Regen an unserer Stelle zur Erde fallen lassen. Daran muss man doch was ändern.«
Sofort rief sie die anderen Schneeflocken zu sich und erzählte ihnen von den traurigen Kindern. Sie hätte aber nicht damit gerechnet, dass ihre Artgenossen sauer sein würden.
»Wir haben auch Weihnachten.«, beschwerten sich die anderen Schneeflocken. »Wir haben uns auch einen freien Tag verdient. Wir werden bestimmt nicht zur Erde schneien. Wir wollen lieber feiern.«
Das war das Einzige, was die kleine Schneeflocke von ihnen zu hören bekam.
Ihr taten trotzdem die vielen Kinder auf der Erde leid.
»Ist mir egal, was ihr sagt. Ich werde jetzt schneien, auch wenn ich das ganz allein mache. Irgendwem kann ich damit ganz bestimmt eine kleine Freude machen.«
Und schon machte sie sich auf den Weg und fiel sanft aus den Wolken.
Nun bekamen die anderen Schneeflocken ein richtig schlechtes Gewissen. Sie seufzten laut und ließen sich schließlich ebenfalls aus den Wolken fallen. In großer Zahl schneiten sie zu Boden.

Ein kräftiger Schneefall färbte ein paar Minuten später die Erde weiß ein und schufen eine dicke Schneedecke. Jonas saß mit großen Augen vor dem Fenster und konnte sich daran gar nicht satt sehen.
»Wahnsinn.«, sagte er immer wieder zu sich. »Es schneit an Weihnachten. Das habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.«

(c) 2015, Marco Wittler

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