582. Nik und Nele jagen die Raumsonde (Nik und Nele 07)

Nik und Nele jagen die Raumsonde

Die Zwillinge Nik und Nele saßen nach dem Abendessen gemeinsam mit Papa vor dem Fernseher und sahen sich die Nachrichten an. Immer wieder wurde von Politikern berichtet, die mehr Macht haben wollten, von Ländern, in denen das Geld knapp wurde, von Kriegen und Streitigkeiten.
»Gibt es denn gar keine guten Nachrichten?« beschwerte sich schließlich Nele. »Müssen die jeden Tag über schlimme Sachen berichten?«
In diesem Moment erschien ein unscheinbarer, grauer Felsbrocken neben dem Nachrichtensprecher. Zuerst schenkten ihm die Kinder keine Aufmerksamkeit. Doch dann wurden sie hellhörig.
»… nähert sich nach über sieben Jahren Flug die Raumsonde Dawn dem Zwergplaneten Ceres, der sich im Asteroidengürtel hinter der Umlaufbahn des Mars befindet. Unter anderem soll sie die Oberfläche des Himmelskörpers fotografieren und kartografieren. Die Wissenschaftler erhoffen sich unter anderem, mehr über die Zusammensetzung von Ceres herauszufinden. Dabei sollen auch hochauflösende Bilder von einem besonders hellen Fleck gemacht werden, für dessen Existenz es bis heute keine Erklärungen gibt.«
Nik und Nele sahen sich an und bekamen große Augen. »Wir gehen jetzt ins Bett.« sagten sie gemeinsam wie aus einem Munde und flitzten hinauf ins Kinderzimmer.
»Nanu, was ist denn mit den Beiden los?« wunderte sich Papa. »Die gehen doch sonst nicht freiwillig schlafen.«
Er zuckte nur mit den Schultern und machte es sich in den Polstern des Sofas gemütlich.
Im Kinderzimmer waren die Zwillinge ganz aufgeregt und sprangen gemeinsam auf die untere Matratze des Etagenbettes.
»Was macht denn die NASA da oben? Die haben auf Ceres nichts zu suchen. Die machen noch alles kaputt.« regte sich Nele auf.
»Wir müssen ganz schnell etwas unternehmen.« entschied Nik und suchte im Bett nach einem Gegenstand. »Wo ist er denn?«
»Langsam solltest du wissen, wo er sich befindet.«
Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

»Wir müssen unbedingt vor der Raumsonde da sein. Wer weiß, was geschieht, wenn sie ihn dort oben entdecken. Das darf auf keinen Fall passieren.«
Das fliegende raste mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die weite Leere des Alls. Es dauerte nicht lange, bis sie am Mars vorbei flogen und in dann hinter sich ließen. Kurz darauf kam der Asteroidengürtel in Sicht.
»Wir müssen jetzt gut aufpassen.« erklärte Nele, die wieder einmal ihre Nase in das dicke Weltraumbuch gesteckt hatte.
»Hier fliegen über kleinere und größere Felsbrocken herum. Wir dürfen uns keinen Zusammenstoß erlauben.«
Der Flug wurde unruhiger. Das Bett raste mal zur einen, mal zur anderen Seite, nach oben, nach unten, vor und zurück. Ein paar Mal war es sehr knapp geworden, aber schließlich kam ein  Zwergplanet in Sicht, der schnell größer wurde.
»Da vorne ist Ceres. Wir sind gleich da und werden landen. Wir müssen nur auf die Raumsonde achten. Es sollte uns niemand sehen. Das gibt nur Probleme.«
Die Sonde hatten sie schnell gefunden. Sie hielt direkten Kurs auf den Zwergplaneten.
»Soll ich ausweichen? Aber irgendwo müssen wir auch landen. Ich weiß es einfach nicht.« Nele wusste sich keinen Rat.
»Flieg ganz knapp dran vorbei. Ich hab da eine Idee. Du musst nur die Luft anhalten.«
Sie kamen der Sonde näher. Es fehlten nur noch wenige Meter.
»Jetzt!« rief Nik und drückte auf den roten Knopf. Eines der Schutzfenster am Bett öffnete sich und die Luft verschwand ins All.
Unterdessen schnappte sich Nik die Decke und warf sie über die Sonde. Dann schloss er das Fenster wieder.
»Jetzt kann sie nichts mehr sehen.« jubelte er. »Jetzt können wir landen.«
Das Etagenbett landete nur kurz darauf nur wenige Meter neben dem hellen Punkt, der in Wirklichkeit gar nicht so hell war. Viel mehr spiegelte er das Sonnenlicht wieder.
»Da vorn ist es.«
Die Kinder liefen auf ein großes, aus Schnee und Eis gebautes Haus zu. Es hätte eigentlich ein Iglu sein können, aber dafür hatte es die falsche Form und war dafür auch viel zu groß.
Sie klopften und warteten darauf, dass ihnen die Tür geöffnet wurde.
»Nanu? Wer stört mich denn da im Urlaub?« war eine tiefe Männerstimme zu hören. Dann öffnete sich die Tür und ein weißbärtiges Gesicht zeigte sich.
»Das ist ja ein Ding.« freute sich der Mann. »Das sind ja Nik und Nele. Was macht ihr denn hier? Ihr habt mich ja schon lange nicht mehr besucht.«
»Wir kommen leider nicht ohne Grund, Weihnachtsmann. Es gibt da ein Problem.«
Die Kinder erklärten alles, was sie in den Nachrichten gehört und auf dem Weg hierher gesehen hatten.
»Wenn diese Sonde dich hier findet und von dir Fotos macht, dann werden die Wissenschaftler ganz schön überrascht sein. Sie werden dich dann bestimmt noch genauer unter die Lupe nehmen, bis sie wissen, wer hier lebt.«
Der Weihnachtsmann war entsetzt. »Das darf auf keinen Fall passieren. Das hier ist doch mein neuer, geheimer Urlaubsort. Wohin soll ich mich denn sonst zurück ziehen? Der Klimawandel hat mir schon das Wohnen am Nordpol schwer gemacht. Das Eis wird dort immer dünner. In ein paar Jahren taut dort im Sommer alles weg und mein Haus wird im Meer versinken. Ich brauche dieses Versteck hier. Was soll ich denn jetzt machen? Ich war so froh, dass ihr mir diesen Ort letztes Jahr gezeigt habt.«
Doch darauf wussten die drei keine Antwort. Deswegen zogen sie sich in das Wohnzimmer zurück und hielten Kriegsrat bei einer heißen Tasse Kakao.

Ein paar Stunden später standen sie wieder vor dem Schneehaus und hatten breite Grinsegesichter. Die Sonde war inzwischen noch ein ganzes Stück näher gekommen. Die Decke hing nur noch an einer Ecke vor der Kamera. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie herunter fallen würde.
»Gleich ist es so weit.« sagte Nik. »Seit ihr alle bereit?«
Die anderen nickten.
Da fiel die Decke auch schon ab und segelte langsam zu Boden.
»Jetzt alle freundlich lächeln und winken.«
Dann rollte Nik ein selbst gemaltes Plakat auseinander. Darauf stand in großen Buchstaben: ‚Der Weihnachtsmann wünscht frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr. Und immer schön brav sein, denn sonst gibt es keine Geschenke. Das gilt auf für die NASA.‘
»Ich hoffe, dass das funktionieren wird.« sagte der Weihnachtsmann und verabschiedete sich von den Zwilligen, die nun wieder in ihr Bett stiegen und nach Hause flogen.

Einen Abend später saßen Nik und Nele wieder mit Papa vor dem Fernseher und sahen sich die Nachrichten an.
»… erklärte nun die NASA die Mission der Sonde Dawn für gescheiert. Über das, was genau geschehen ist, sind sich die Wissenschaftler und Techniker noch uneinig. Aber offensichtlich hat sich jemand in das Steuerungssystem der Sonde gehackt. Statt echte Fotos der Planetenoberfläche zur Erde zu senden, empfing die amerikanische Raumfahrtbehörde Fotomontagen, die zwei Kinder und den Weihnachtsmann mit Grüßen an die NASA zeigen. Da nun auch dem zukünftigen Datenmaterial nicht mehr uneingeschränkt geglaubt werden kann, hat man sich nun dazu entschlossen, die Sonde abzuschalten. Sie wird in den nächsten Tagen auf den Zwergplaneten Ceres abstürzen.«
Nik und Nele grinsten sich an. Sie wussten ganz genau, was da oben im Weltall passiert war. Aber sie würden es niemals jemandem verraten.

(c) 2015, Marco Wittler

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