Flaschenpostbote Knut genießt den Tag
Flaschenpostbot Knut hatte es sich etwas abseits der Stadt gemütlich gemacht. Er lag lang ausgestreckt auf einer Seegraswiese, kaute entspannt auf einem Seegrashalm und genoss die Stille dieses Tages.
An seiner Seite waren der Seestern Enno, der auf seiner Brust klebte und der Krake Fiete, der zu diesem Picknick an jedem seiner acht Arme etwas mitgebracht hatte. Mit einem davon reichte er dem Meermann eine Flasche prickelnder Limonade.
»Wie machst du das eigentlich jeden Tag?«, fragte Knut irgendwann, ohne den Blick von der Meeresoberfläche abzuwenden. »Du hast acht Arme und an jedem trägst du während der Arbeit eine schwere, lederne Umhängetasche. Trotzdem schaffst du es noch, durch die Stadt zu schwimmen. Wie geht das? Hätte ich nur eine davon an der Schwanzflosse hängen, käme ich gar nicht mehr vom Fleck.«
Fiete grinste breit. »Ist ein Betriebsgeheimnis. Wir Kraken sprechen darüber nicht mit Außenstehen.«
Knut seufzte. Er hätte von der Antwort eh nichts gehabt. Ihm fehlten dazu weitere sieben Schwanzflossen.
»Ist es nicht schön, dem Licht der Sonne zuzuschauen, wie es sich in den Wellen bricht und immer neue Formen bildet? Da kann man sich ganz viele Dinge zu ausdenken. Fiete sah hoch und grinste wieder. Da vorn schaut es aus wie frisch gepflücktes Seegras.« Schnell pflückte er ein Büschel vom Boden und verstreute es großzügig über Knut, der vor Überraschung den Mund aufriss und sich fast an den Halmen verschluckt hätte.
Sie legten sich wieder ins Seegras und schwiegen, während sie sich in ihren Köpfen die unglaublichsten Geschichten ausdachten, um sie eines Tages irgendwem auftischen zu können.
(c) 2021, Marco Wittler
Bild: Nik Karlov auf Pixabay
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