1262. Die einsame Prinzessin

Die einsame Prinzessin

Die kleine Prinzessin stand am Fenster eines hohen Burgturmes und sah hinab in den Hof. Dort spielten die Kinder der Soldaten und Bediensteten und hatten wohl ganz viel Spaß. Lautes Lachen drang immer wieder hier herauf.
Immer wieder seufzte die Prinzessin, denn hier oben in ihrer Kammer fühlte sie sich oft sehr einsam. Sie bekam nie von anderen Kindern Besuch. Selbst durfte sie aber auch nicht in den Hof hinab, da ihre Eltern dies zu verhindern wussten. Zwei Soldaten waren immer in der Nähe der Prinzessin und achteten darauf, dass das Mädchen keinen Kontakt zu anderen bekam. Man wollte verhindern, dass ihre Manieren darunter litten.
»Ich würde so gern einmal mit den Kindern durch den Hof laufen, laut lachen und mit ihnen Spiele spielen. Wenn ich doch nur wüsste, wie ich das anstellen soll.«
Da kam ein heller Schemen durch die Wand herein und formte sich zu einem durchsichtigen Körper. Ein Geist war erschienen.
Die kleine Prinzessin wich ängstlich zurück. »Wer bist du und was willst du von mir?«
»Ich beobachte dich schon lange und weiß, wie traurig und einsam du bist. Dagegen sollten wir etwas unternehmen. Ich bin der Geist deines Urgroßvaters und finde es gar nicht schön, wie man dich behandelt. Das hätte ich mit meiner Tochter niemals gemacht. Komm, wir werden das jetzt ändern.«
Der Geist streckte der Prinzessin die Hand entgegen. Zögerlich griff sie zu. Dann flogen die beiden durch das geöffnete Fenster und sanken langsam in den Hof hinab. Nun konnte die Prinzessin das erste Mal spielen, lachen und Spaß haben. Erst am Abend ging es wieder zurück in die Kammer. Von diesem Tag an half ihr der Geist immer wieder zu ihren Freunden.

(c) 2022, Marco Wittler

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