Captain Scott Schimpanse hat Puls
Der Turbolift bremste ab und machte auf dem obersten Deck Halt. Mit einem lauten Zischen öffneten sich die automatischen Türen und gaben den Blick auf die Brücke frei, in der es überall blinkte und piepte.
Während Captain Scott Schimpanse, Kommandant des legendären Raumschiffs BANANENSCHALE, zum Dienst erschien, sprang ein junger Bonobo von seinem Platz auf, salutierte und rief laut: »Captain auf der Brücke!«
»Rühren, Fähnrich.«, entfuhr es Schimpanse etwas knurriger, als er es geplant hatte. Er dachte kurz darüber nach, noch etwas zu sagen, zuckte dann aber mit den Schultern und winkte ab. Stattdessen drehte er sich zur Seite und steuerte zielstrebig auf die neueste High Tech Konsole zu, die gerade erst vor ein paar Tagen in der Raumschiffswerft eingebaut worden war.
»Nun denn, wollen wir mal schauen, ob du den großen Erwartungen gerecht werden kannst. Ich setze mein ganzes Vertrauen in dich und will auf keinen Fall enttäuscht werden.« Der Captain drückte den Zeigefinger seiner rechten Hand auf das Display. »Einen Cappuccino Venti mit extra viel Schaum und Kakaopulver oben drauf.«
Während sich eine Sanduhr auf dem Display drehte, trommelte er nervös mit den Fingern an der Wand. Schließlich kam das die heiß erwartete Bestätigung. »Bestätigt. Einen Cappuccino Venti mit extra viel Schaum und Kakaopulver oben drauf. Auf welchen Namen?«
Der Captain straffte seinen Körper. »Mein Name ist Captain Scott Schimpanse, Befreier unterdrückter Völker und Retter des Universums.«
Unter dem Display kam eine Abstellfläche aus der Wand, auf der ein großer Becher materialisierte. Aus zwei schmalen Metallröhrchen floss schwarzer Kaffee. Ein herrlicher Duft breitete sich auf der Brücke aus. Dann geschah nichts mehr.
»Ey, was soll das?« Nachdem ein paar Sekunden Stille geherrscht hatte, wurde der Captain ungeduldig. »Wo bleibt die verdammte Milch? Ich kann den Kaffee unmöglich schwarz trinken. Davon bekomme ich nur unnötig Puls und kann den restlichen Tag nicht mehr ruhig sitzen.«
»Entschuldigung.«, meldete sich die Computerstimme. »In meinen Tanks befindet sich keine Milch, die ich ausschenken könnte.«
Nun war es der Fähnrich, der wieder von seinem Platz aufsprang. »Es gibt da ein kleines Problem, Sir. Milch wird erst nächste Woche geliefert. Der Vollautomat verfügt über spezielle Tanks, die wir nicht mit herkömmlichen TetraPaks füllen können.«
»Dann füll ich mir die Milch eben selbst rein. Besorgen sie mir sofort welche aus der Kantine.«
»Das geht leider auch nicht. Da wir erst kurzfristig von den Lieferschwierigkeiten erfahren haben, wurde natürlich keine Milch mehr in anderen Verpackungen bestellt.«
Scott Schimpanse drückte sich Daumen und Zeigefinger auf die Augen. »Wie zum Donnerwetter soll ich dann meine Schicht überstehen? Ich habe die halbe Nacht nicht geschlafen, weil ich viel zu lange in Minecraft am Bau meines Raumschiffs gesessen habe. Ich brauche jetzt ganz dringend Milch für meinen Cappuccino, sonst bekomme ich doch noch Puls.«
Er lief auf den Kommandostuhl in der Mitte der Brücke zu, schwang sich über die Lehne und plumpste in das Polster. »Steuerung zu mir!« Aus der rechten Armlehne erhob sich ein Controller. Er umfasste einen kleinen Hebel und drückte ihn sofort nach vorn. Die BANANENSCHALE setzte sich mit Überlichtgeschwindigkeit in Bewegung und raste an unzähligen Sternen vorbei. Es ging über mehrere rote Ampeln. Immer wieder nahm er anderen Raumschiffen die Vorfahrt, bis er schließlich in die Milchstraße einbog.
»Fähnrich!« Der Captain deutete auf den Kaffeebecher. »Halten sie den aus dem Beifahrerfenster. Erst wieder reinholen, wenn er bis zum Rand gefüllt ist.«
Kaum eine Minute später hielt der Scott Schimpanse seine Cappuccino in Händen und trank genüsslich den ersten Schluck. »Ah das tut gut.« Er grinste die anderen Brückenoffiziere an. »Neuer Auftrag: Wir suchen die Kakaogalaxie, damit ich meinen Cappuccino stilecht verzieren kann.«
(c) 2025, Marco Wittler
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