1717. N.C.I.S. Katze – Der Pflaume ist an allem schuld

N.C.I.S. Katze – Der Pflaume ist an allem schuld

In der obersten Etage des alten Leuchtturms, der sich direkt im Hafen befand, öffneten sich die Türen des Aufzugs. Special Agent Atheno Grips, ein alter Bengalkater, der noch sehr viel Feuer in den Augen hatte, betrat das Büro des Naval Cats Investigative Service. Mit festem Schritt ging er auf seinen Schreibtisch zu, setzte sich wortlos in seinen Sessel und nahm einen großen Schluck aus dem Pappbecher, den er in seiner Pfote hielt. Erst danach sah er sich um und blickte seine Agents der Reihe nach an.
»Was?« fragte er genervt.
»Boss, du sagst uns immer, dass wir freundlich grüßen sollen, wenn wir morgens ins Büro kommen.« Tony DiNase, ein gemütlich wirkender, roter Kater war von seinem Sessel aufgestanden und blickte sich unsicher zu den Kollegen um, von denen er aber in diesem Moment keine Hilfe bekam. »Warum gehst du dann nicht mit gutem Beispiel voran?«
Grips fixierte ihn für einige Sekunden mit seinem stechenden Blick, ohne weiter zu reagieren. Schließlich hob er seinen Becher, wiegte ihn mehrmals hin und her. »Hallo? Dein Ernst Tony? Willst du wirklich riskieren, dass ich auch nur einen von euch anspreche, bevor ich meinen Baldriantee getrunken habe?«
Tony blickte verlegen auf seine Pfoten und setzte sich wieder. »Sorry, Boss, hatte ich vergessen.«
Atheno Grips sah seine Agents noch einmal an und begann zu grinsen. »Ach, kommt schon Leute. Haltet ihr mich echt für so einen Griesgram?« Er lachte, was die anderen erleichtert aufatmen ließ. »Dann geht mal an die Arbeit. Hoffen wir, dass wir eine ruhige Schicht haben, ohne dass uns irgendwelche Problem dazwischenkommen.« Kaum hatte er seinen Satz beendet, begann eine Schnur an der Wand zu zittern. Grips griff zum Dosentelefon, straffte sie Leitung und nahm den Anruf an. Wortlos hörte er zu und nickte zwischendurch. Nach einer knappen Minute hängte er die Dose wieder ein, stand auf und lief zum Aufzug. »Nehmt euer Zeug. Wir haben einen Fall. Es wurde in eine Pizzeria eingebrochen.«
Tony stutzte und blieb kurz stehen. »Wir sind der N.C.I.S., wir sind zuständig, wenn es sich um Probleme auf See handelt oder irgendwas im Umfeld des Hafens passiert. Was zur Hölle haben wir in einer Pizzeria zu suchen?«
Grips schüttelte den Kopf, packte Tony an der Pfote und zog ihn mit sich. »Es handelt sich um Luciano‘s, unser Stammlokal nebenan.«
Tony riss die Augen auf. »Luciano‘s? Warum sagst du das nicht gleich? Natürlich sind wir dafür zuständig.« Er sprintete los, war als erster im Aufzug. »Jetzt beeilt euch doch mal. Wir müssen eine mittelschwere Katastrophe verhindern.« Er strich sich über seinen Bauch. »Ob wir bei der Gelegenheit vielleicht eine Portion Fleischbällchen in Tomatensoße bekommen können? Die mag ich besonders gern.«
Tim McKatze, Atheno Grips und die beiden Frischlinge Oh-Oh und Pummel folgten ihm auf dem Fuße und fuhren ins Erdgeschoss, wo die Laborantin Abby Schnuto bereits auf sie wartete.
»Abby, was machst du denn hier? Wir müssen zu einem Einsatz.« Grips wollte sie bereits wieder zurückschicken, doch die kleine Katze schnitt ihm das Wort ab. »Es geht um Luciano. Da kann ich unmöglich untätig in meinem Labor sitzen, schließlich geht es um die beste Pasta der Welt.«

»Mammamia, ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Tragödie das ist.« Luciano war dicker, weißer Kater, der normalerweise besonders viel Gemütlichkeit ausstrahlte. Doch nun war er am Boden zerstört und wischte sich immer wieder die Tränen aus den Augen.« Jemand ist in der Nacht eingebrochen und hat mich beraubt. Ihr müsst ihn schnell zur Strecke bringen, sonst kann ich mein Ristorante dicht machen.«
»Aber den Fleischbällchen geht es doch bestimmt gut.«, erkundigte sich Tony wie beiläufig. »Apropos, kann ich mir für die Mittagspause vielleicht ein oder zwei …« Er überlegte kurz. »Ach nein, gib mir lieber gleich drei Portionen mit. Man weiß ja nie, wie lang so ein Arbeitstag wird. Außerdem habe ich ein paar hungrige Kollegen im Team, die gern aus fremden Näpfen futtern.« Er musste niemanden anschauen, denn die Beschwerde kam sofort.
»Ist gar nicht wahr. Ich halte mich mittlerweile extra zurück.«, mischte sich Tim McKatze ein. »Zumindest solang ich nicht so einen großen Hunger habe.«
»Und du hast immer Hunger, Timmiboy.« Abby klopfte ihm auf die Schulter.
»Das ist leider wahr.«, musste Tim ehrlicherweise zugeben.«
Luciano seufzte. »Das ist ja das Schlimme.« Er war froh, endlich zu Wort kommen zu dürfen. »Der Dieb hätte gern die Kasse stehlen dürfen und meine vergoldeten Kerzenständer, stattdessen hat er meinen gesamten Vorrat an Fleischbällchen mitgenommen und alles andere ignoriert.«
»Was?«, schrieen Tim und Tony entsetzt wie aus einem Munde. »Oh-Oh, mach Tatortfotos. Pummel sucht nach Spuren.«, gaben sie hektisch Befehle. »Und beeilt euch. Wir müssen den Fall bis zur Mittagspause lösen, sonst werden wir alle verhungern.«
Die beiden jungen Agents legten sich mächtig ins Zeug, zumindest in den Momenten, in denen sie sich nicht vor kleinen Staubfuseln und Wollmäusen erschreckten.
»Könnte das hier etwas bedeuten?«, rief Pummel schließlich und deutete auf einen dunklen Flecken am Boden.
»Iiihhh!«, war Oh-Oh schockiert. »Ist das etwa Blut? Ich glaube, mir wird schlecht.« Schon begann er zu taumeln, war kurz davor umzukippen, als Atheno Grips Entwarnung gab. »Seit wann ist Blut violett?« Er zog eine Kralle durch die Pfütze, roch an der Flüssigkeit und kostete sie. »Pflaumensaft.« Er riss die Augen auf. »Das kann nur eines bedeuten: Der Pflaume ist an allem Schuld.«
»Ähm, Boss, meinst du nicht die Pflaume? Das wäre grammatikalisch jedenfalls richtig.«
»Tony, willst du mich veralbern?« Grips dachte kurz darüber nach, ob er die Tony … ach nein, ganz dumme Idee. »Es ist DER Pflaume. In meiner Kindheit lebte er am anderen Ende der Straße, hatte schon damals nur Dummheiten im Kopf. Eines Tages brach er in ein ein Fabrikgebäude ein und stürzte in die Saftpresse, in der sich gerade Pflaumensaft befand. Von da an war sein sonst so schönes braun getigertes Fell dunkel violett und hinterließ hier und da kleine Saftpfützen. Selbst die gründlichste Wäsche hat ihn nicht mehr reinigen können. Er verschwand danach, wurde nie wieder gesehen. Ich hatte ich schon lange vergessen. Und dann taucht er plötzlich in unserem Revier auf. Wir müssen ihn finden und dingfest machen, bevor er das nächste krumme Ding dreht.«
Das Team wandte sich zum Ausgang, wurde aber von Luciano aufgehalten. »Es tut mir leid, dass ich euch die geliebten Hackbällchen nicht anbieten kann. Dafür habe ich hier aber einen Topf voll mit frisch gekochten Spaghetti.«
Natürlich bedankten sich die Special Agents, lehnten aber ab. Die Spaghetti waren klasse, keine Frage, aber kein Vergleich zu Hackbällchen.
»Ich würde gern welche mitnehmen.« Abby kam mit großen, strahlenden Augen auf Luciano zu und ließ sich eine extra große Portion einpacken.

An der Hafenkante ging die Suche los. »Er wird seine Beute kühlen müssen. Entweder hat er dafür einen Kühlschrank auf Rädern, was ich für nicht sehr wahrscheinlich halte, denn dann könnte er sich einen eigenen Chefkoch leisten, oder er nutzt einen Kühlraum in der Nähe.«, war sich Grips sicher. »Zumindest würde ich es so machen.«
Die N.C.I.S. Agents schwärmten aus, suchten nach den kleinsten Hinweisen und Spuren, die irgendwie mit dem Einbruch in Verbindung gebracht werden konnten. Der Pflaume konnte sich unmöglich in Luft aufgelöst haben.
Nach einer Weile blieb Agent Oh-Oh am Fuße des Leuchtturms stehen. Zunächst bückte er sich, nahm eine Stelle am Boden genauer unter die Lupe, bevor er hochschreckte, kreidebleich wurde und zu zittern begann. Das blieb nicht lange unbemerkt.
»Oh-Oh, ist alles in Ordnung?«, fragte ihn Grips und sah ihm mit stechendem Blick in die Augen.
Oh-Oh nickte, überlegte kurz und schüttelte schließlich den Kopf. Er zeigte mit der Pfote zum Boden, wo sich ein violetter Fleck befand. »Er ist hier!«, flüsterte er kaum hörbar. »Der Pflaume ist in unserem Hauptquartier und nutzt die Kühlschränke des Labors für seine Beute.« Er schluckte schwer, wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. »Ich mache mir gleich in die Hose.« Er blickte an sich herab. Oh-Oh fiel ein, dass er als Kater gar keine Hosen trug und lächelte verlegen. »Wenn ich eine Hose hätte. Darf ich vielleicht jetzt gehen?«
Grips schüttelte wortlos den Kopf, winkte die anderen Agents zu sich, bis er sich flüsternd mitteilen konnte. »Wir müssen jetzt überlegt vorgehen. Der Plaume sitzt höchstwahrscheinlich in unserem Labor. Wir brauchen einen Plan.«
»Einen Plan?« Abby wurde wütend und laut. »Ich pfeife auf euren Plan. Der Typ hat mein Labor als Geisel genommen. Das kann ich unmöglich auf mir sitzen lassen. Den knöpfe ich mir persönlich vor.«
Abby riss die die Packung mit den Spaghetti aus. Mit wenigen Handgriffen hatte sie diese zu einem langen Seil mit einer Schlaufe gebunden. »Los, Tim. Zeig mir, dass du ein starker Kater bist.«
Tim McKatze nickte knapp und trat die Tür ein, als bestünde sie aus dünner Pappe. Mit einem lauten Aufschrei stürmte Abby ins Labor, schwang die Spaghetti über ihren Kopf hinweg und schnappte sich den violetten Kater mit einem gekonnten Wurf. Der Rest umwickelte ihn bis zur Unbeweglichkeit.
Abby grinste breit. »Ich war in der Schule die beste Lassowerferin meines Jahrgangs. Ich würde sogar einen winzigen Marienkäfer fangen, wenn es sein müsste.«
»Ich glaube, ich geh mich dann mal umziehen.«, hörte man Oh-Ohs Stimme, der sich erleichtert vom Ort des Geschehens entfernte. »Hat mal jemand eine neue Hose für mich?«

(c) 2026, Marco Wittler

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