Willy Cowboywurm – Immer hart am Wind
Die Sonne war gerade hinter dem Horizont verschwunden und schickte einen letzten Strahl als Gruß zum Himmel, über den sich schon bald die Nacht als dicke, dunkle Decke legen würde.
In Carson City, mitten im Nirgendwo des Wilden Westens beendeten die Bewohner ihre letzten Erledigungen, bevor sie an ihre Abendbrotstische verschwanden.
Willy Cowboywurm, letzter Held dieser verlassenen Gegend stand in der Mitte der staubigen Straße und warf einen Blick nach Osten und einen nach Westen. In der Ferne war nichts Auffälliges zu entdecken. Es deutete sich eine friedliche Nacht an.
Er nickte zufrieden, rückte mit seiner Schwanzspitze seinen Hut zurecht und kroch zu Saloon hinüber, wo auf ihn schon ein leckeres Essen wartete.
»Schönen guten Abend.«, rief ihm Nick zu, der gerade hinter der Theke ein paar frisch gespülte Gläser verräumte. »Ich habe bereits alles vorbereitet. Dein Essen steht an deinem Stammplatz.«
Willy nickte dem Barkeeper zu, bedankte sich und nahm Platz. Die Bohnen in Tomatensoße dampften regelrecht um die Wette. »Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich Bohnen liebe.«
Nick lachte. »Doch, das kann ich. Nicht umsonst serviere ich sie dir jeden Abend aufs Neue. Ich glaube sogar, dass du mehr Bohnen verdrückst, als der Rest der Stadt zusammen.«
»Genau so ist es.«, bestätigte Willy und begann zu essen.
Nach einer halben Stunde, mittlerweile war es in Carson City dunkel geworden, waren Pferdehufe auf der Straße zu hören. Mit jedem Schritt kamen sie näher, bis sie schließlich vor dem Saloon Halt machten. Willy musste gar nicht zur Tür schauen. Schon am Klang hatte er gehört, dass es drei Tiere sein mussten, demnach auch drei Reiter, die hier etwas essen, trinken oder beides machen wollten.
Die Flügeltüren wurden kraftvoll aufgestoßen. Drei Männer betraten den Saloon und blieben im Eingang stehen. »Hey, Barkeeper, wir haben gehört, dass sich ein gewisser Willy Cowboywurm hier aufhalten soll. Er soll wissen, dass die Smith Brüder in der Stadt sind und nach ihm suchen. Lass nach ihm schicken. Wir warten auf ihn.«
Statt zu antworten, zeigte der Wirt zum einzig besetzten Tisch.
»Ohne von seinem Teller aufzublicken, wodurch dank der Hutkrempe seine Augen nicht zu sehen waren, sprach Willy die Männer an.
»Ich bin bereits hier. Was kann ich für euch tun und ist es das Wert, dass ich mein Abendessen für euch unterbreche?«
Der Älteste der Smith Brüder trat vor und blieb unmittelbar vor dem Tisch stehen. Mit einem breiten Grinsen legte er seine rechte Hand auf seinen Colt, bereit ihn jederzeit zu ziehen.
»Wir wollten dich nur in Kenntnis setzen, dass wir in den nächsten Minuten zur Bank rüber gehen werden, um den Tresor zu leeren. Du kommst uns besser nicht in die Quere, sonst wird es dir übel ergehen. Wir haben zwar von deinen angeblichen Heldentaten gehört, glauben davon aber kein einziges Wort. Wie sollte uns auch ein mickriger Wurm gefährlich werden, der nicht einmal Hände und Finger besitzt, um eine Waffe abzudrücken.« Er lachte laut. »Also bleib schön an deinem Tisch sitzen, iss deinen Teller auf, damit es Morgen schönes Wetter gibt und stell dich uns einfach nicht dichten Weg. Dann wird es auch keine Verletzten geben.«
Schon wollte er sich umdrehen, als Willy aufstand. Zum ersten Mal, seit die drei Männer den Saloon betreten hatten, hob er den Kopf, blickte seinem Gegenüber ernst in die Augen, dass diesem kurz fröstelte.
»Ihr habt euch die falsche Stadt ausgesucht.«, sagte der Cowboywurm leise, ruhig, aber bestimmt. »Ihr setzt euch ganz flott wieder auf eure Pferde und verschwindet von hier.«
»Sonst was?«
»Mache ich euch Beine und blase euch weg.«
Erst jetzt fiel dem Smith auf, dass auch Willy einen Gürtel um die Hüfte gebunden hatte, an dem ein Colt angebracht hatte und fragte sich erneut, wie ein Wurm nach diesem greifen wollte, um sich zu verteidigen.
»Dann wollen wir mal sehen, wer schneller ziehen und schießen kann.«
In den Augen des Bankräuber blitzte wilde Entschlossenheit auf. Ohne weitere Worte zu machen, griff er nach seinem Colt, holte ihn aus dem Halfter und richtete ihn auf Willy, der sich noch schneller um die eigene Achse drehte.
»Ich habe euch gewarnt.« Dann ließ der Cowboywurm einen Furz entweichen, der seine drei Gegner nicht nur von den Socken holte, sondern ihnen auch den Atem raubte.
»Und jetzt raus aus meiner Stadt, bevor noch Schlimmeres passiert.«
Die Bankräuber mussten sich Tränen aus dem Gesicht wischen, so sehr brannte es ihnen in den Augen. Sie rannten aus dem Saloon und sprangen regelrecht auf ihre Pferde, die sie in Windeseile aus der Stadt brachten.
»Und jetzt weißt du auch, warum ich Bohnen so sehr liebe.«, sagte Willy Cowboywurm, der sich wieder an den Tisch setzte und seine Mahlzeit fortsetzte.
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