403. Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Papa saß zusammen mit seiner kleinen Tochter Lena am Strand. Gemeinsam beobachteten sie, wie die Sonne am Abend immer tiefer sank.
»Weißt du eigentlich, woraus die Sonne gemacht ist?«, fragte Papa.
Lena nickte.
»Die Sonne ist ein riesiges Feuer. Das haben wir in der Schule gelernt.«
»Und wohin verschwindet die Sonne, wenn sie am Abend unter gegangen ist?«
Lena wollte bereits antworten, überlegte es sich dann aber doch noch einmal anders. Schließlich zuckte sie mit den Schultern.
»Keine Ahnung. Geht sie vielleicht zum Schlafen ins Bett?«, lachte sie.
Papa schüttelte den Kopf.
»Die Sonne versinkt im Meer. Das passiert hier direkt vor unserer Nase.«
Lena bekam große Augen.
»Sie versinkt im Meer? Das glaub ich nicht. Das viele Wasser löscht ja dann das Feuer.«
»Aber genau so ist es. Wenn die Sonne das Meer berührt, das Feuer langsam gelöscht wird und dabei etwas Wasser verdampft, kann man es ganz leise zischen hören.«
So einen Blödsinn wollte Lena dann aber doch nicht glauben.
»Das hast du dir doch bestimmt nur ausgedacht.«
Sie stemmte die Hände in ihre Seiten und sah Papa ganz misstrauisch an.
»Oder?«
Papa drehte ihren Kopf zurück zum Meer.
»Dann pass mal ganz genau auf.«
Die Sonne hatte das Wasser fast erreicht. Es konnte sich nur noch um ein paar Sekunden handeln.
»Und nun hör genau hin.«
Lena strengte sich an. Am Liebsten hätte sie die Augen geschlossen, aber sie wollte auf keinen Fall etwas verpassen. Und plötzlich hörte sie es tatsächlich. Ein ganz leises Zischen hatte den Weg in ihr Ohr gefunden.
»Mensch, Papa, du hattest wirklich Recht. Das Wasser löscht die Sonne.«
In diesem Moment gesellte sich Lenas Bruder Paul zu den Beiden und war gleich etwas verwirrt.
»Mensch, Papa, warum zischst du denn die ganze Zeit in Lenas Ohr? Was wird das denn?«
Lena sah sofort zur Seite und erwischte Papa, wie er gerade mit seinem Kopf zurück wich.
»Hab ich dich doch erwischt.«, grinste sie von einem Ohr zum anderen.
»Du hast mir also doch nur Blödsinn erzählt.«
»Aber nur, weil der Wind heute so laut ist und man das Zischen deswegen nicht hören kann.«, entschuldigte er sich lachend.

(c) 2012, Marco Wittler

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