422. Die Weihnachtsfeier

Die Weihnachtsfeier

Es waren nur noch wenige Tage bis zum Fest. Bei den Kindern stieg die Neugierde auf die Geschenke ins Unermessliche und die Eltern hatten alle Mühe, ihre Wohnungen und Häuser weihnachtlich zu schmücken und die Christbäume aufzustellen. Genau in diese Zeit fiel die alljährliche Weihnachtsfeier des Fußballvereins.
Die Uhr an der Wand zeigte vier Uhr am Nachmittag. Seit einer Stunde saßen die Jungs und Mädchen des Fußballnachwuchses im Vereinsheim, tranken Kinderpunsch und Kakao, aßen Plätzchen aus großen Schüsseln und erzählten sich immer wieder von den erfolgreichen Siegen gegen die gegnerischen Mannschaften und von den tollen Toren, die sie geschossen hatten. Die Niederlagen wurden natürlich verschwiegen. Darüber redete heute niemand mehr. Und als der Trainer schließlich das Wort ergriff, wurden alle ganz schnell still.
„So, Leute. Ein ganz tolles Jahr liegt jetzt hinter uns. Wir sind zwar kein Herbstmeister geworden, wie wir uns das im Sommer vorgenommen hatten, aber Tabellenletzter ist doch auch schon mal was. Das kann auch nicht jeder. Und mal ehrlich, dafür hatten wir jede Menge Spaß.“
Die Kinder sahen zunächst etwas verlegen zu Boden, doch dann stimmten sie einen lauten Jubel an, denn Spaß machte das Training wirklich.
„Und weil ihr wirklich ein ziemlich anständiger Haufen seid, wenn man mal diejenigen von euch außer Acht lässt, die jedes Mal zu spät kommen und auch die vielen Fouls mal vergisst. Und deswegen kommt jetzt ein ganz besonderer Gast zu uns, der euch vielleicht etwas mitbringt.“
Schon drehten sich alle Augen zur Eingangstür, die sich in diesem Moment öffnete. Herein kam ein dicker Mann mit rotem Mantel und weißem Bart. In seiner Hand hielt er einen großen Sack.
„Also, Leute. Begrüßt bitte den Weihnachtsmann.“
Die Kinder mussten lachen. Weihnachtsmann? Nein. Unter dem Mantel steckte doch ganz bestimmt ein ganz normaler Mensch, wahrscheinlich sogar ein Mitglied aus dem Fußballverein. Den Weihnachtsmann gab es doch gar nicht.
Doch dann packte er Geschenke aus und verteilte sie im Raum. Ja, Geschenke wollten die Kinder trotzdem haben, egal ob echter oder falscher Weihnachtsmann. Es gab für jeden kleine Fußbälle, Vereinsaufkleber und eine Tüte mit Schokolade und Keksen.
Zum Schluss riefen sie dem Gast noch ein ‚Auf Wiedersehen, lieber Weihnachtsmann‘ hinterher und dachten schon gar nicht mehr darüber nach, wer unter dem Kostüm steckte könnte.
Oder doch nicht? Nein. Ein Mädchen, Sofie war ihr Name, warf dann doch noch einen neugierigen Blick durch das Fenster nach draußen. Dabei wären ihr fast die Augen aus dem Kopf gefallen.
„Was ist denn das?“, rief sie.
Ihre Stimme wurde allerdings nicht gehört, weil die anderen Kinder viel zu laut waren.
Sofie sah noch einmal durch das Fenster. Nein. Sie hatte nicht geträumt. Der Mann mit rotem Mantel und weißem Bart stieg tatsächlich in einen großen, von neun Rentieren gezogenen Schlitten ein, gab das Startkommando und flog in den langsam dunkel werdenden Himmel hinauf. Zum Abschied ließ er noch ein fröhliches ‚Ho, ho, ho‘ erklingen, bevor er zwischen den Wolken verschwand.

(c) 2012, Marco Wittler

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