469. Die Silvesterrakete

Die Silvesterrakete

Tim sah auf den Kalender. Nur noch einen Tag bis Silvester. Er bekam ein flaues Gefühl im Magen.
»Kann ich nicht einfach im Bett bleiben und bis ins neue Jahr durchschlafen?«
Er hasste Silvester. Er konnte es nicht leiden. Er erinnerte sich noch sehr gut daran, dass ihm sein großer Bruder vor ein paar Jahren einen kleinen Knaller auf den Kopf geworfen hatte. Dort war dieser dann auch explodiert. Es hatte zwar nur ein wenig geschmerzt, aber der Schreck war dafür umso größer gewesen.
»Ich will nicht mit nach draußen. Ich mag es auch nicht knallen hören. Das ist doch alles richtig doof.«
Mama und Papa seufzten. Die ganze Familie war bei Onkel Markus zum Feiern eingeladen. Das konnten sie so kurzfristig nicht mehr absagen.
»Willst du es dir nicht vielleicht einfach vom Fenster aus ansehen? Du kannst dann im Wohnzimmer sitzen bleiben.« schlug Mama vor. Aber auch damit war Tim nicht einverstanden.
»Ich will überhaupt kein Silvester. Wenn es nach mir gehen würde, müsste man es abschaffen. Das wäre das ein Tag wie jeder andere auch.«
»Wir müssen uns wohl etwas einfallen lassen.« flüsterte Mama leise zu Papa.

Von Stunde zu Stunde wurde Tim nervöser, auch wenn es noch einen ganzen Tag dauern sollte. Er konnte bis zur Feier sogar noch einmal schlafen. Aber er konnte sich nicht beruhigen, denn Papa war mit Onkel Markus in den Baumarkt gefahren, um irgendwas einzukaufen. Wer sollte ihn denn jetzt trösten? Mama stand nämlich in der Küche und bereitete das Essen vor.

Am Silvesterabend konnte sich Tim kaum auf seinem Stuhl halten. Er war so nervös, dass er die ganze Zeit hin und her rutschte und immer wieder zur Toilette laufen musste. Alle paar Minuten sah er ängstlich zur Uhr hinauf.
Pünktlich um Mitternacht begannen alle außer Tim zu jubeln. Er sah sich stattdessen nach einem passenden Versteck um, im dem er die nächste halbe Stunde überleben konnte.
»Lasst uns die große Rakete in den Himmel schießen.« rief Papa und stürmte in den Flur. Ein paar Augenblicke später kam er zurück und hielt eine große, dicke Rakete in den Armen. Sie schien so schwer zu sein, dass er sie kaum tragen konnte.
Tim bekam große Augen. Die Panik war ihm richtig anzusehen.
»Was … was … was wollt ihr damit hier drinnen? Wir werden bestimmt alle sterben.« stotterte er.
»Hier stirbt niemand.« beruhigte ihn Onkel Markus.
»Die haben wir speziell für die gebaut. Sie rast nicht in den Himmel, sie explodiert nicht und macht auch keinen Krach. Das ist die Tim-Spezial-Silvester-Rakete, die niemandem Angst macht.«
Genau in diesem Moment drückte Papa auf einen Knopf und brachte damit unzählige bunte Lämpchen zum Leuchten.
»Hier ist aber noch ein zweiter Knopf.« erklärte er.
»Der ist für unseren Tim reserviert. Würdest du ihn bitte drücken?«
Tim spürte, wie er rote Ohren bekam. Jetzt war die Angst wieder da. Warum sollte er sich dem Ding nähern? War das vielleicht ein Trick?
»Keine Angst. Dir wird wirklich nichts passieren. Stattdessen haben wir eine ganz große Überraschung für dich.«
Vorsichtig, ganz langsam, näherte er sich der Rakete. Mit geschlossenen Augen streckte er seinen Finger aus, wartete kurz ab und drückte schließlich auf den Knopf.
Es klickte im Innern, dann öffnete sich die Rakete und aus ihrem Inneren fielen ganz viele Bonbons auf den Fußboden.
»Frohes neues Jahr.« wünschten sie dem grinsenden Tim und jeder wollte ihn unbedingt einmal drücken.

(c) 2014, Marco Wittler

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