528. Der einsame Mond oder ‚Papa, warum hängen Sterne am Weihnachtsbaum?‘ (Papa erklärt die Welt 39)

Der einsame Mond
oder ‚Papa, warum hängen Sterne am Weihnachtsbaum?

Ein paar Tage vor Weihnachten stellte Papa den großen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer auf. Gemeinsam mit seiner Tochter Sofie schmückte er ihn von oben bis unten mit bunten Kugeln, glitzerndem Lametta, süßen Holzfiguren, vielen Lämpchen und kleinen Sternen.
»Wow.«, bewunderte Sofie den Baum. »Er sieht wundervoll aus. So schön hat unser Weihnachtsbaum noch nie ausgesehen.«
»War doch eine gute Idee von mir, dieses Jahr noch ein paar Sterne zu kaufen.«, war Papa mit sich selbst zufrieden.
»Da hast du Recht.«
Sofie bekam plötzlich einen nachdenklichen Gesichtsausdruck.
»Papa, warum hängen Sterne am Weihnachtsbaum?«, fragte Sie neugierig.
Papa kratzte sich am Kinn. Er dachte noch nach.
»Das ist eine sehr gute Frage. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich erst kürzlich gehört habe. Sie handelt zufällig von kleinen Weihnachtssternen. Und die werde ich dir jetzt erzählen.«
Sofie strahlte über das ganze Gesicht.
»Oh ja, eine Geschichte.«
»Und wie fängt eine Geschichte immer an?«, fragte Papa.
Sofie lachte schon voller Vorfreude und antwortete: »Ich weiß es. Sie beginnt mit den Worten ›Es war einmal‹.«
»Ja, das stimmt. Absolut richtig. Also, es war einmal …«

Es war einmal zum Weihnachtsfeste, dass der Mond im dunklen, schwarzen Himmel aufging und die Menschen auf der Erde beobachtete, wie sie sich um einen großen, bunt geschmückten Baum versammelten, sich gegenseitig Geschenke machten und den Abend mit ihren Liebsten verbrachten.
»Ach, ist das schön.«, war der Mond begeistert. »Wie gerne würde ich auch einmal Weihnachten feiern. Stattdessen hänge ich hier oben am Himmel und bin ganz allein und einsam.«
Er schniefte leise vor sich hin und wischte sich eine Träne aus dem Auge.
»Zum Glück kann ich wenigstens den Menschen zuschauen und mir vorstellen, selbst dabei zu sein.«
Während der nächsten Stunden zog er über die Erde hinweg und sah in unzählige Häuser. Überall wurde gefeiert und niemand war allein. Kurz bevor der Mond am frühen Morgen unterging seufzte er noch ein letztes Mal und verschwand anschließend in seinem Bett.
In diesem Moment ging die Sonne hinter dem Horizont auf. Sie hatte gehört, dass der Mond traurig war und dass er sich einsam fühlte.
»Der arme Mond. Er tut mir so leid. Wenn ich nur wüsste, wie ich ihm eine Freude machen könnte. Aber mir fällt nichts ein.«
Auch die Sonne zog nun über den Himmel hinweg. Ihr ging es dabei viel besser, denn die Erde war in ihr warmes Sonnenlicht getaucht. Ihre Sonnenstrahlen spiegelten sich im Schnee des Winters und ließen die ganze Welt glitzern.
»Wie schön es da unten ist. Die Menschen sind wirklich zu beneiden.«
Und da fiel der Sonne plötzlich etwas ein.
»So etwas Wundervolles würde dem Mond bestimmt auch gefallen. Wenn der Himmel um ihm herum so glitzern würde wie der Schnee, dann würde er sich bestimmt nicht mehr so einsam fühlen.«
Dann nahm sie ein paar ihrer Sonnenstrahlen und zerbrach sie vorsichtig in unzählige kleine Stücke, die sie über den ganzen Himmel verteilte.
»Und das ihr mir schön artig zum Mond seid.«, sagte sie zu den kleinen Lichtstücken. »Er ist ein sehr netter Kerl und verdient nur das Beste.«
Am Abend verschwand die Sonne wieder hinter dem Horizont. Aber sie legte sich nicht ins Bett, sondern beobachtete heimlich den Himmel.
Ein paar Minuten später ging der Mond auf und kletterte langsam am Himmel hinauf.
»Du meine Güte. Was ist denn hier passiert?«
Er sah sich begeistert um. Egal in welche Richtung er sah, überall waren kleine, helle Lichter, die wie winzige Diamanten glitzerten.
»Wer seid ihr denn? Wo kommt ihr her?«
Eines der kleinen Lichter kam näher und lächelte freundlich.
»Wir sind Sterne. Die Sonne hat uns gemacht, um dir zu Weihnachten ein Geschenk zu machen. Wir werden dir von nun an Gesellschaft leisten, damit du dich nie wieder einsam fühlen musst.«
Der Mond wurde rot im Gesicht, so dankbar war er. Nun wusste er, wie schön es war, wenn jemand an Weihnachten an jemand anderes dachte.
»Vielen Dank, liebe Sonne. Du bist wirklich eine sehr, sehr liebe und gute Freundin.«
Und dann zog der Mond die Nacht über durch den Himmel und begrüßte jeden Stern einzeln und gab jedem einen Namen.

»Und so sind die Sterne entstanden?«, fragte Sofie.
Papa nickte grinsend, deckte seine kleine Tochter zu.
»Und deswegen hängen wir sie jedes Jahr an unseren Weihnachtsbaum?«
»Ganz genau. Weil die ersten Sterne zum Weihnachtsfest am Himmel erschienen sind. Und nun schlaf gut, meine kleine Prinzessin.«
Sofie grinste, als Papa das Licht ausschaltete.
»Das war eine tolle Weihnachtsgeschichte. Aber ich glaube dir davon kein einziges Wort.«

(c) 2015, Marco Wittler

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