1546. Nik und Nele jagen den Weihnachtsstern

Nik und Nele jagen den Weihnachtsstern

Es war spät geworden. Schon seit Stunden war es draußen dunkel. Nur der Vollmond und unzählige Sterne standen am Himmel und spendeten Licht.
»Was meinst du? Werden wir ihn heute Nacht sehen? Der Zeitpunkt wäre perfekt.« Nik wechselte immer wieder zwischen dem Fenster und dem Blick durch das Teleskop hin und her.
Seine Zwillingsschwester Nele überlegte und blätterte in ihrem Astronomiebuch. »Ich dachte, der Weihnachtsstern soll nur ein Komet gewesen sein. Dann wäre es äußerst unwahrscheinlich, dass er jetzt auftaucht.«
Doch in diesem Moment entdeckte Nik ein helles Licht am Himmel, das einen Moment vorher noch nicht dagewesen war. »Da ist er. Er ist aufgetaucht. Da ist der Weihnachtsstern.«
Nele sprang auf. Das konnte doch gar nicht sein. Vielleicht war es nur ein Flugzeug oder eine Sternschnuppe. Sie wollte sich unbedingt selbst davon überzeugen.
»Ich glaub das nicht. Er ist tatsächlich da. Das kann doch gar nicht sein.«
Und dann wurde es noch unglaublicher. Der Weihnachtsstern bewegte sich hin und her, mal nach links, mal nach rechts, hoch und runter. Das konnte weder bei einem Flugzeug, noch bei einer Sternschnuppe so sein.
»Wir müssen der Sache auf den Grund gehen. Es kann eigentlich nur eine einzige Erklärung dafür geben. Da draußen ist ein Raumschiff unterwegs. Wir sollten die Fremden aufsuchen und fragen, was sie hier machen. Bist du dabei?«
Nik musste nicht lange nachdenken. Er nickte sofort. Gemeinsam nahmen sie auf der unteren Matratze ihres Etagenbetts Platz. Nele schob ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter versteckt war.
Sofort begann das Bett zu zittern. Irgendwo im Inneren erklangen surrende Geräusche von Maschinen und Motoren. Die Türen zum Balkon öffneten sich, während die Kinder langsam abhoben und mit ihrem ungewöhnlichen Fluggerät nach draußen schwebten.
»Nächster Halt ist der Weihnachtsstern.«, rief Nele begeistert. Das Bett schwebte dem Himmel entgegen, während sie dicke Glasscheiben nach oben schoben und die Insassen in Schutz nahmen. Das rasten sie los.
Nach wenigen Sekunden hatten die Zwillinge den Weltraum erreicht und die internationale Raumstation passiert. Die erstaunten Gesichter der Astronauten waren lustig gewesen. Es ging vorbei am Mars, quer durch den Asteroidengürtel. Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun blieben schnell hinter dem Etagenbett zurück.
Die Kinder hielten auf das Licht des Weihnachtssterns zu. Noch immer bewegte es sich wild hin und her. »Bist du dir sicher, dass das ein anderes Raumschiff ist? So eine katastrophale Flugbahn gibt es nur, wenn jemand völlig übermüdet oder betrunken ist. Dann könnte s schnell zu einem Zusammenstoß mit einem Asteroiden kommen.«
Was Nick sagte, hatte alles Hand und Fuß. Das passte alles nicht so richtig zusammen. Was auch immer dort ein Licht aussandte, konnten unmöglich reisende Aliens sein.
»Wir sind hoffentlich bald da. Ich bin schon sehr neugierig.«
Nele steuerte das Bett durch das All und passte den Flugkurs immer wieder dem veränderten Licht an. »Moment mal. Ich habe da einen Verdacht.« Sie klappte wieder ihr Buch auf, blätterte durch die Seiten und tippte schließlich triumphierend auf ein Bild. Wir fliegen zum …«
»Das ist Pluto!«, rief Nik. »Ich erkenne ihn an seinem herzförmigen Fleck. »Aber was macht er da?«
Sie kamen näher, bis sie etwas völlig Überraschendes feststellten. Der Pluto hatte ein Gesicht und bekam in diesem Moment rote Wangen. In einer seiner Hände hielt er eine eingeschaltete Taschenlampe, die er nun sinken ließ. War tatsächlich der Zwergplanet der Ursprung des Lichts? War er der vermutete Weihnachtsstern, den die Zwillinge von der Erde aus gesehen hatte?
»Warum leuchtest du mit deiner Lampe durch das All? Gibt es dafür einen Grund?«, wollte Nele wissen.
Der Pluto senkte seinen Blick. Seine Lippen begannen zu zittern. Er stotterte. »Ich … ich … ich bin hier draußen so schrecklich einsam. Niemand beachtet mich. Niemand spricht mit mir. Bestimmt weiß niemand, dass es mich überhaupt gibt.« Er schluchzte. »Dabei ist doch jetzt Weihnachten und da sollte man nicht allein sein. Ich habe gehofft, dass jemand mein Licht sieht und mich besuchen kommt.«
Die Kinder sahen sich an. Sie verstanden sich, ohne ein Wort sagen zu müssen und nickten sich zu. »Dann feiern wir eben mit dir Weihnachten. Wir müssen dazu nur noch ein paar Dinge besorgen.«
Sie flogen wieder mit dem Etagenbett los, besorgten auf der Erde eine Packung Kekse, schöpften aus der Milchstraße eine Kanne Milch und bereiteten dem Pluto eine unvergessliche Nacht, in der er sich nicht einsam fühlen musste. Erst nach mehreren Stunden kehrten Nik und Nele zurück in ihr Kinderzimmer.

(c) 2023, Marco Wittler

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