631. Ordnung muss sein

Ordnung muss sein

Ella saß in ihrem Kinderzimmer und spielte als Mama herein kam und nach dem Rechten sah.
»Du meine Güte, wie sieht es denn hier aus?«
Ella sah genervt zu Mama und sagte kein Wort. Sie wusste schon, was jetzt kommen würde.
»Dein Zimmer ist ein Schlachtfeld. Hier sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa. Da bekommt man ja keinen Fuß mehr auf den Boden, ohne sich die Beine zu brechen.«
Das war der Moment, den Ella am meisten hasste. Jetzt würde sie bestimmt wieder ihr Zimmer aufräumen müssen. Dabei fand sie es gar nicht so schlimm. Immerhin wusste sie genau, in welcher Ecke welches Spielzeug lag. Und wenn sie mal zur Toilette musste, konnte sie sich einfach einen Weg zur Tür frei räumen.
»Jetzt ist es erstmal vorbei mit Spielen, mein kleines Fräulein.«, schimpfte Mama weiter. »Jetzt räumst du erstmal auf und sorgst für Ordnung.«
Mama seufzte.
»Manchmal möchte ich wissen, was alles in deinem Kopf vorgeht. Da drin ist es bestimmt genau so unordentlich wie in deinem Zimmer. In deinen Gedanken musst du auch mal Ordnung bringen, sonst wird das mit dem Rest eh nie was werden.«
Dann verschwand Mama wieder in ihre ordentliche Welt des Wohnzimmers und schloss die Tür hinter sich.
Zwei Stunden später öffnete sich die Tür wieder. Mama sah erneut ins Kinderzimmer und seufzte erneut. Es hatte sich nichts verändert. Noch immer war der gesamte Fußboden mit Spielzeugen übersät.
Na ja, eine Sache hatte sich schon verändert. Ella saß nicht mehr inmitten des Chaos und spielte. Stattdessen hatte sie auf ihrem großen, gemütlichen Sessel Platz genommen, die Augen geschlossen und summte leise eine kleine Melodie vor sich hin.
»Was machst du denn da?«, fragte Mama sauer. »Ich dachte du sorgst für Ordnung. Und nun sitzt du nur faul da rum?«
Ella öffnete grinsend die Augen.
»Ich bin nicht faul. Ich sorge gerade für Ordnung in meinen Gedanken. Bevor ich mit meinem Kopf nicht fertig bin, wird das eh nichts mit meinem Zimmer. Das hast du selbst gesagt.«
Dann schloss sie ihre Augen wieder und summte weiter vor sich hin.

(c) 2018, Marco Wittler

Diese Geschichte ist Teil einer Bloggerparade zum Thema „Ordnung“. Jeder teilnehmende Blogger hat sich auf seine eigene Art und Weise Gedanken dazu gemacht und etwas geschrieben. Die anderen Beiträge findest du unter folgenden Links. Klick dich doch einfach mal rein.

Mit dabei sind diesmal:

29.01. – Jacky
30.01. – Sabrina
31.01. – Annette
01.02. – Tina B.
02.02. – Marco
03.02. – Tina J.

629. Gute Vorsätze

Gute Vorsätze

Hannah saß in ihrem Zimmer auf dem Boden und war von unzähligen Spielzeugen umringt. Es war fast kein Platz mehr, um ungefährdet hindurch zu gehen. Irgendwann kam Mama herein.
»Du meine Güte. Hier sieht es aber aus. Ein Schlachtfeld ist nichts dagegen. Da muss dringend aufgeräumt werden.«
Hannah seufzte. »Aber ich habe doch schon letztes Jahr aufgeräumt.«
Mama bahnte sich vorsichtig einen Weg zum Bett und setzte sich. »Dann ist es ja ein guter Zeitpunkt, sich zum Jahresanfang einen guten Vorsatz zu machen.«
Hannah sah sie stirnrunzelnd an.
»Das macht man so. Man überlegt sich etwas, das man a dem Jahresanfang in seinem Leben besser machen möchte. Papa will weniger ungesundes Zeug essen, dein Bruder will mehr lernen, um seine Schulnoten zu verbessern und ich will endlich etwas abnehmen. Und du?«
Hannah seufzte und sah sich in ihrem Zimmer um.
»Na gut. Du hast ja Recht. Ich will in Zukunft mein Zimmer aufräumen.«
»Prima.«, freute sich Mama. »Dann fang am Besten gleich damit an.«

Ein paar Stunden später warf Mama wieder einen Blick in Hannahs Zimmer. Sie war sehr verwundert, denn das was sie da sah, hatte sie so nicht erwartet. Überall lag Spielzeug auf dem Boden, auf dem Bett und in jeder Ecke.
»Wolltest du nicht dein Zimmer aufräumen?«
Hannah strahlte über das ganze Gesicht.
»Ja, das wollte ich. Ich habe auf ganz fleißig alles aufgeräumt. So sauber hast du mein Zimmer noch nie gesehen.«
»Und was ist dann passiert?«
Hannah grinste.
»Dann habe ich ein wenig gespielt und schon war es alles wieder unordentlich.«

(c) 2017, Marco Wittler

543. Der neue MP3-Player

Der neue MP3 Player

Max wirbelte durch sein Kinderzimmer. Auf seinen Ohren saß ein dicker Kopfhörer. Den MP3 Player hatte er in der Hand. Wie immer hörte er sich seine Lieblingshörspiele an. Die kannte er zwar schon auswendig, Spaß hatte er trotzdem an ihnen.
Plötzlich rutschte ihm das kleine Gerät aus der Hand und krachte mit einem lauten Knall gegen die Wand. In vielen Einzelteilen fiel er zu Boden und gab keinen Ton mehr von sich.
»Oh nein.« Max sah entsetzt auf die Überreste seines Lieblingsspielzeugs.
»Was mache ich denn jetzt? Womit soll ich denn jetzt meine Geschichten hören?«
Laut rufend lief er die Treppe runter zum Wohnzimmer.
»Mama! Papa!«
Tränen standen in seinen Augen, als er seinen Player auf den Couchtisch legte.
»Er ist runter gefallen und kaputt gegangen. Ich kann nichts mehr hören.«
Mama seufzte und wischte ihrem Sohn die Tränen aus dem Gesicht.
»Das tut mir Leid, Spatz. Aber wir haben keinen Ersatz hier. Du wirst warten müssen, bis wir das nächste Mal zum Einkaufen in die Stadt fahren.«
Papa hatte noch einen Vorschlag. »Du kannst meinen Radiowecker aus dem Schlafzimmer haben. Damit kannst du wenigstens Musik hören.«
»Musik? Was soll ich denn damit? Musik interessiert mich nicht. Da gibt es keine spannenden Geschichten.«
Traurig verzog sich Max wieder in sein Kinderzimmer. Dort setzte sich schmollend in seinen kleinen Sessel.
Ein paar Minuten später öffnete sich die Tür. Papa kam mit einer Tasche herein. Auf sein T-Shirt hatte er sich mit großen Buchstaben das Wort ‚MP3 Player‘ geschrieben.
»Was hat denn das zu bedeuten?«, wurde Max neugierig.
»Bis du einen neuen Player hast, übernehme ich die spannenden Geschichten.«
Er holte ein Buch aus seiner Tasche und begann, daraus vorzulesen.
»Juhuu!«, jubelte Max und wirbelte wieder durch sein Zimmer.

(c) 2016, Marco Wittler

323. Die kleine Plüschrobbe

Die kleine Plüschrobbe

Im Kinderzimmer herrschte große Aufregung. Alle Kuscheltiere wurden nervös und begannen zu zittern.
»Sie sind wieder da.«, rief der kleine graue Elefant, der sich am Fenster postiert hatte.
Was war da nur los? Ich will es dir erklären.
In diesem Kinderzimmer lebte ein Mädchen namens Mia. Tag für Tag wuselte sie von einer Ecke in die nächste, machte große Unordnung und ärgerte ihre Kuscheltiere.
Da konnte es schon mal vorkommen, dass die grüne Schildkröte gegen die Wand flog oder der dicke Teddy über den Boden geschliffen wurde.
In den letzten drei Wochen war Mia mit ihren Eltern im Urlaub gewesen. Und genau jetzt, in diesem Moment kam die Familie wieder nach Hause.
»Oh je, oh je.«, jammerte ein kleiner Hund.
»Jetzt ist die Schonzeit vorbei. Gleich kommt sie herein gestürmt und dann werden wir wieder stundenlang gequält.«
Ein leises Wimmern war aus seinem Maul zu hören.
»Du hast es doch noch gut.«, quatschte der Elefant dazwischen.
»Mich packt sie immer am Rüssel und schleudert mich hin und her. So ein gemeines und fieses Kind habe ich noch nie erlebt. Nur zu gern würde ich mich in den Kindergarten schleichen und mich von einem anderen Kind adoptieren lassen. Es kann ja nur besser werden.«
Dieser Meinung waren sie alle, die sie dort in den Regalen saßen.
»Aber schaut sie euch doch mal an.«, warf plötzlich die kleine Robbe ein.
»Sie sieht so müde aus. Der Urlaub war bestimmt ereignisreich und die Rückfahrt unglaublich anstrengend. Ich bin mir sicher, dass sie niemandem von uns etwas antun wird. Sie will bestimmt nur kuscheln und einschlafen.«
Sofort schüttelten alle entsetzt die Köpfe.
»Das kommt auf keinen Fall in Frage.«, hieß es da.
»Ich gehe das Risiko nicht ein.«, war eine weitere zittrige Stimme zu hören.
»Das ist bestimmt nur ein Trick. Ich werd mir schon mal ein sicheres Versteck unter dem Schrank suchen.«, sagte der Fuchs.
»Tut sie euch denn gar nicht leid?«, sagte die Robbe traurig.
Doch auf diese Frage bekam sie keine Antwort.
Alle ihre Freunde drehten sich um und sahen weg.
Im Flur wurde ein Schlüssel ins Türschloss gesteckt und gedreht. Ein paar Stimmen waren zu hören.
»Sie sind drin. Gleich geht’s los.«, flüsterte der Elefant, der kurz davor stand, in Panik zu geraten.
Mia öffnete die Tür, kam in ihr Zimmer und ließ ihre kleine Tasche auf den Boden fallen. Sie sah sich um. Ihre Augen wanderten durch die Regale. Nach und nach betrachtete sie ein Kuscheltier nach dem anderen, bis ihr die kleine Robbe auffiel, die sich als einzige nicht abgewandt hatte.
Mia überlegte kurz, dann ging sie darauf zu, schnappte sich die Robbe und legte sich mit ihr auf das Bett.
»Ich bin ja sooo müde.«, stöhnte das Mädchen.
»Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend Autofahren ist.«
Dann drückte sie ihr Kuscheltier sanft an sich und schlief fast sofort ein. Doch vorher murmelte sie noch ein paar kleine Worte.
»Lieb, dass du auf mich gewartet hast.«
Die kleine Robbe hätte vor Freude einen Luftsprung machen können. Aber davon wäre Mia bestimmt wieder wach geworden. Stattdessen warf sie einen Blick zu den Regalen und sah die vielen erstaunten Augen ihrer Freunde, die nun richtig neidisch waren und nur zu gern mitkuscheln würden.

(c) 2010, Marco Wittler

099. Teddy auf der Flucht

Teddy auf der Flucht

Lange Zeit hatte Teddy in einem kleinen Schuhkarton gelebt. Dieser stand über viele Jahre in einem dunklen Keller, der nur selten von irgendwem betreten wurde. Teddys braunes Fell war über die Zeit schon ein wenig staubig geworden. Etwas muffig roch es mittlerweile auch. Doch das machte ihm nichts aus, denn hier im Keller hatte er immer seine Ruhe gehabt.
Wenn er ab und zu an frühere Zeiten dachte, dann wurde ihm immer sehr schwindelig. Er hatte in einem schrecklichen Kinderzimmer leben müssen. Sein damaliger Besitzer, ein fünfjähriger Junge, hatte Teddy immer nur hin und her geworfen. Das hatte so manchen blauen Fleck gegeben und an einem Bein war eine Naht geplatzt, aus der nun das Innenfutter heraus schaute.
»Aber das ist nicht so schlimm. Dafür kann ich hier in meinem Versteck liegen und habe meine Ruhe.«, sagte sich Teddy dann immer.
Eines Tages war wieder jemand im Keller. Das Licht wurde eingeschaltet. Der Besucher kramte in Schränken und Regalen herum.
Teddy verhielt sich so still, wie er nur konnte, damit er nicht bemerkt würde. Aber dann wurde sein Schuhkarton schließlich doch noch hervor geholt.
»Schau mal einer an.«, sagte eine Männerstimme. »Da ist ja mein alter Teddybär. Der kommt auch mit auf den Trödelmarkt.«
Trödelmarkt? Teddy glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Der Handel mit Teddybären war strengstens verboten. Zu dumm, dass die Menschen davon noch nichts gehört hatten.

Ein paar Stunden später wurden viele Gegenstände aus dem Kofferraum eines Wagens auf einen Tisch gelegt. Dieser stand mitten auf einem großen Platz in der Stadt.
Teddy hob vorsichtig den Deckel an und sah sich um. Hier und da entdeckte er ein paar Artgenossen, die ebenfalls heute verkauft werden sollten. Einer von ihnen sah sogar besonders mitgenommen aus. Es fehlten ihm ein Auge und ein Bein.
»Oh je. Hoffentlich will mich niemand kaufen. Kinder sind ja so grausam zu uns Bären. Ich will doch einfach nur meine Ruhe haben.«
Ständig sah er Kinder über den großen Platz laufen. Sie schauten hier und schauten dort. Sie nahmen Spielzeuge in die Hand und sahen sie sich genau an.
Nach und nach verschwanden alle Teddys vom Flohmarkt. Sie wurden alle verkauft. Sogar der Einäugige wechselte seinen Besitzer.
»Vielleicht habe ich ja doch noch Glück und darf wieder in meinen dunklen Keller zurück.«
Doch dann wurde der Schuhkarton hoch gehoben, gerüttelt und geschüttelt.
»Was ist denn da drin?« Darf ich mal rein schauen?«, war eine Kinderstimme zu hören.
Der Deckel wurde abgenommen und das Gesicht eines Jungen sah hinein. Teddy bekam große Angst. Noch schlimmer wurde es, als er heraus geholt wurde. Das Kind drückte ihn an sich.
»Mama, den will ich haben. Der ist so schön kuschelig.«
Die Mama sah Teddy prüfend an.
»Nein, der ist nichts mehr. Schau ihn dir doch an. Der ist dreckig, riecht nicht mehr gut und am Bein ist er auch schon kaputt. Leg ihn wieder weg, wir finden ein schöneres Kuscheltier für dich.«
Teddy war der Mama unglaublich dankbar.
»Ja, legt mich bitte wieder weg und vergesst mich sofort. Ich bin alt, schäbig und stinke nach Keller.«, dachte er bei sich.
Doch das Kind war anderer Meinung.
»Wir können ihn doch waschen und reparieren. Mama, du kannst doch nähen.«
Die Mama gab nach, drückte dem Verkäufer ein paar Münzen in die Hand und verstaute das Kuscheltier wieder in seinem Schuhkarton.
Teddy bekam Panik. Er hatte einen neuen Besitzer bekommen. Es war ein kleines Kind und es würde nun bestimmt wieder so eine schreckliche Zeit werden, wie früher. Vielleicht würde es sogar noch schlimmer werden. Er sah sich bereits in einer Ecke des Zimmers liegen, ohne Augen und Arme.
»Hilfe!«, schrie er. Aber niemand konnte ihn hören.

Ein paar Stunden später legte das Kind den Schuhkarton auf den Schreibtisch und packte seinen neuen Bären aus.
»Super, du hast mir noch gefehlt. Du kommst gleich zu den anderen Kuscheltieren.«
Teddy wurde auf ein Regal gesetzt. Links und rechts von ihm saßen noch ein paar andere Tiere. Es waren eine Maus, die viel zu lange Beine hatte und ein weiterer Bär in einem braunen Pullover.
»Die beiden können mich bestimmt nicht leiden, weil ich der Neue bin. Sie wollen mich bestimmt schnell wieder los werden.«, bibberte Teddy vor sich hin.
Als das Kind sein Zimmer verlies, ergriff er seine Chance und kletterte am Regal hinab.
Teddy überlegte, wie er so schnell wie möglich verschwinden konnte. Dann sah er das offene Fenster. Er lief hin, kletterte an der Gardine nach oben und hüpfte nach draußen.
Er fiel weit nach unten und landete in einem Sandkasten. Ohne Pause lief er sofort weiter zum Zaun.
»Vielleicht kann ich mich ja in einem tiefen Wald verstecken. Da wird mich niemand finden.«
Weit kam er allerdings nicht, denn die Maschen des Zaunes waren viel zu eng und Teddy passte nicht hindurch. Er musste einen anderen Weg finden.
»Huch, wie kommst du denn nach draußen?«
Da war wieder die Stimme der Mutter.
Teddy wurde ergriffen und in ein neues Zimmer gebracht.
»Jetzt wollen wir dich erst einmal wieder gesund machen, du kleiner Ausreißer.«
Die Mutter holte Nadel und Faden und nähte ganz vorsichtig die geplatzte Naht zu. Teddy hatte Angst, aber es tat nicht einmal weh.
Nach der Operation ging es ins Badezimmer. Dort wurde der kleine Bär von oben bis unten gewaschen. Der Staub der vielen Jahre und der Kellergeruch verschwanden.
Teddy fühlte sich schon fast so, als wäre er gerade neu geboren worden.
»Und jetzt kommst du an deinen neuen Stammplatz.«, war das letzte, was er von der Mama zu hören bekam.
Es war mittlerweile schon dunkel geworden und der kleine Junge lag in seinem Bett. Es war Zeit zum Schlafen.
Die Mama legte Teddy mit ins Bett, wünschte eine gute Nacht und verließ das Zimmer.
»Endlich hab ich dich wieder, mein schöner, weicher Kuschelbär. Und ich werde immer aufpassen, dass du nie wieder so schlecht behandelt wirst wie früher.«
Der Junge drückte Teddy an sich und schlief ein.
»Eigentlich fühlt es sich richtig schön an, wenn man gekuschelt wird. Komisch, dass ich davor so viel Angst hatte.«, murmelte Teddy vor sich während er ebenfalls einschlief.
Etwas weiter weg saßen der Pulloverbär und die Maus mit den langen Beinen. Sie schauten den beiden Schlafenden zu und lächelten.

(c) 2008, Marco Wittler