284. Ideen gegen Miesepeterwetter

Ideen gegen Miesepeterwetter

Kennst du das auch? Es ist mitten im November und der Herbst zeigt sich von seiner schlechtesten Seite. Die Blätter fallen von den Bäumen, es wird immer früher dunkel und es regnet von früh bis spät. Nicht einmal in der Nacht bleibt es draußen trocken. Da vergeht einem doch jede gute Laune, wenn man an den Sommer zurück denkt und sich ärgern muss, dass man jetzt nicht mehr im Sandkasten spielen oder auf der Schaukel sitzen kann. Sogar das Fahrrad ist schon in der Garage verschwunden.
Am liebsten würde man von morgens bis abends im Bett liegen bleiben und gar nichts machen. Doch das ist viel zu langweilig.
Aber Max ließ sich davon nicht beeindrucken.
»Weißt du was?«, fragte er Mama.
»Nein. Du hast es mir ja auch noch nicht erzählt.«, lachte sie zurück.
Max stemmte seine Hände in die Seiten und machte ein ernstes Gesicht.
»Ich erkläre heute den Schmuddelherbst und das Miesepeterwetter für beendet. Hier und heute beginnt wieder der Sommer.«
Mama sah ihn verwundert an.
»Wie willst du das denn schaffen? Die Jahreszeiten werden bestimmt nicht auf die hören.«
Doch Max war da ganz anderer Meinung und zwinkerte verschwörerisch.
»Du wirst schon sehen. Ich habe mich gut vorbereitet.«
Dann schob er Mama aus dem Wohnzimmer und schloss die Tür hinter sich.
»Du darfst nicht rein kommen, bis ich fertig bin. Das wird eine Überraschung.«
Max holte eine große Tasche hinter dem Sofa hervor. Er öffnete sie und holte buntes Papier, eine Kinderbastelschere und ein paar Rollen Klebestreifen heraus. Das alles verteilte er auf dem Tisch und begann den Sommer zurück zu holen.
Mama stand noch immer hinter der Wohnzimmertür und lauschte.
»Was macht der denn da drin? Ich bin ja so neugierig. Am liebsten würde ich heimlich einmal rein schauen. Aber der Junge hat sogar das Schlüsselloch mit einem Tuch verhängt.«
Sie musste also warten.

Die Zeit verging wie im Fluge. Schon zwei ganze Stunden hatte Max mit Basteln verbracht. Inzwischen war auch Papa mit Tochter Emely vom Sport zurück gekommen. Die beiden durften natürlich auch nicht ins Wohnzimmer.
Also setzte sich die Familie in die Küche und rätselte, was dort wohl vor sich gehen konnte. Aber so recht wollte ihnen nichts einfallen.
Erst eine weitere Stunde später öffnete die plötzlich die verschlossene Tür und Max kam nach draußen.
»Hallo Mama und Papa, hallo Emely.«, begrüßte er die anderen vornehm.
»Wie ihr wisst, ist das Wetter draußen ganz schön nass und kalt. Da macht es keinen Spaß irgendwas zu unternehmen. Also habe ich beschlossen, den Sommer zu uns nach Hause einzuladen, damit wir alle gemeinsam etwas gegen den Herbst unternehmen können.«
Er winkte die Familie hinter sich her.
»Folgt mir bitte ins Wohnzimmer und macht es euch dort gemütlich.«
Als Mama den Raum betrat wären ihr beinahe beide Augen aus dem Kopf gefallen, so überrascht war sie.
»Du meine Güte. Was ist denn hier passiert? Der Sommer ist ja tatsächlich bei uns gelandet.«
Überall an den Wänden klebten bunte Papierblumen, die in allen Farben des Regenbogens leuchteten. An der Decke hing eine große gelbe Sonne. Das alles wurde von mehreren Lampen beleuchtet, dass sofort jeder ein wohliges Sommergefühl bekam. Sogar im Wintergarten, zwischen den kleinen Bäumen und Palmen war das Planschbecken aufgebaut und mit warmem Wasser gefüllt.
»Wer eine Badehose dabei hat, darf es sich im Pool gemütlich machen.«, sagte Max stolz und drückte jedem einen leckeren Fruchtsaft in die Hand. In den Bechern steckten sogar kleine bunte Schirmchen.
»Und das hast du alles allein gemacht?«, wunderte sich Papa und überlegte, wie sein Sohn die Sonne an die Decke geklebt hatte.
»Nein.«, lachte Max.
»Tante Sandra hat mir geholfen. Aber die Ideen sind alle von mir.«
In diesem Moment kam die Tante hinter einem Sessel hervor. Sie hatte bereits einen Badeanzug an und machte es sich sofort im Planschbecken gemütlich.
»Also das muss man eurem Sohn aber lassen. Seine Ideen gegen schlechte Herbstlaune sind wirklich genial.«
Dann nahm sie einen großen Schluck Saft und schloss genüsslich die Augen.

(c) 2009, Marco Wittler

270. Bully im Bad

Bully im Bad

Bully war ein Hund. Ein kleiner Hund. Um genau zu sein, er war eine kleine französische Bulldogge und wurde von seinem Frauchen sehr geliebt. Und weil er noch ein Hundebaby war, umhegte und pflegte sie ihn, wo sie nur konnte.
An diesem Tag stand Bully nun vor der Haustür und wollte nach draußen. Unruhig jaulte er immer wieder leise vor sich hin.
»Ja, ich weiß, Bully. Du musst Pipi machen. Aber draußen stürmt  und regnet es. Ich will nicht, dass der Wind dich fort bläst oder du in einer Pfütze versinkst.«
Aber das half natürlich nichts. Bully hatte keine eigene Toilette und musste nun mal nach draußen. Frauchen zog sich also dick an, legte Bully Halsband und Leine um.
»Aber nur einmal um den Block. Dann gehen wir wieder rein. Ich weiß doch, dass du keinen Regen magst und vor jedem Tropfen Angst hast.«
Sie verließen das Haus. Ganz unsicher drückte sich Bully an Frauchens Bein, bevor er ganz zaghaft eine Pfote vor die andere setzte.
Plötzlich entdeckte er Pfütze. Ohne darüber nachzudenken lief Bully los und sprang hinein, dass der Matsch nur so spritzte.
»Bully, was machst du denn?« rief Frauchen entsetzt. Aber da war es schon zu spät. Ihr kleiner Lieblings wälzte sich hin und her.
»Jetzt musst du wohl in die Badewanne.« seufzte sie und brachte ihren Hund ins Haus.
Sie ließ Wasser in die Wanne und achtete darauf, dass Bully nicht durch die Wohnung und alles verschmutzte.
»Hoffentlich geht das gut.«
Sie schnappte sich den Hund und hob ihn vorsichtig über den Rand der Wanne. Bully sah das Wasser unter sich und bekam große Angst. Panisch wand er sich hin und her.
»Mensch, Bully, was machst du denn? Halt doch still.«
Doch da war es schon passiert. Der Hund glitt Frauchen aus den Händen. Sie selbst fand keinen Halt, rutschte weg und fiel der Länge nach ins Badewasser.
»Das hab ich mir dann doch anders vorgestellt.« seufzte sie und beobachtete ihren Hund, wie er sich auf dem Vorlegeteppich wälzte und diesen gründlich einsaute.

(c) 2015, Marco Wittler