Flaschenpostbote Knut sticht in See
Flaschenpostbote Knut war zurück im Flaschenpostamt. Hinter sich schloss er die Tür, ließ die lederne Umhängetasche langsam von seiner Schulter rutschen, bis sie auf dem Boden lag. Mit einem Seufzer hängte er seine Uniformjacke auf und legte seine Dienstmütze weg. »Endlich Feierabend. Jetzt brauche ich erstmal ein wenig Entspannung.«
Der alte Meermann schwamm langsam ins Bad. Auf dem Weg legte er den kleinen Seestern ab, den er normalerweise auf der Brust trug und somit als Flaschenpostbote zu erkennen war. Dieser verabschiedete sich mit einer unerwartet tiefen Stimme und sagte »Hallo!«, dem einzigen Wort, zu dem er fähig war.
»Wir sehen uns Morgen wieder, Enno.«
Knut entschied sich für ein heißes Bad. Er drehte den Wasserhahn auf und ließ die Badewanne ein. Aus einem kleinen Fläschchen tropfte er eine Essenz hinein, die sehr schnell für sehr viel Schaum sorgte, in den er sich langsam hineingleiten ließ.
»Oh ja, das tut richtig gut. Ich glaube, vor Morgen früh möchte ich gar nicht mehr hier herauskommen.« Er schloss langsam seine Augen und stellte sich vor, in einem Boot oder einem kleinen Schiff zu liegen und über den weiten Ozean zu fahren.
Nach einer Weile wurde Knut müde. Stück für Stück zog es ihn in das Land der Träume, durch welches er nun mit seine Badewanne fuhr. Die sanften Wellen trugen ihn an Riffen und flachen Sandbänken entlang, vorbei an großen Schildkröten und riesigen Walen. Es fühlte sich alles so echt an, dass er sogar das Schunkeln seiner Wanne spüren konnte.
»Moin, Herr Kapitän.«, sprach ihn plötzlich eine Kinderstimme an. »Aye, aye, Captain!«, rief eine Zweite.
War das wirklich noch ein Traum? Konnte das sein? Oder stand plötzlich jemand in Knuts Badezimmer? Erschrocken riss er die Augen auf, blinzelte ein paar Mal, weil ihn die Sonne blendete, die es hier im Haus gar nicht geben sollte und sah ich um.
Seine Badewanne hatte gerade den Spielplatz passiert. Mehrere Kinder standen am Zaun und winkten dem Flaschenpostboten lachend zu, der nicht verstand, wie er hierher gekommen war. Verwirrt beugte er sich über den Rand der Wanne und blickte darunter. Dort entdeckte er seinen Kollege Fiete, den achtarmigen Kraken, der Knut grinsend durch die Stadt trug und darauf achtete, immer wieder die Wanne hin und her zu bewegen, damit es sich wie eine echte Seefahrt anfühlte.
»Hätte ich mir ja denken können, dass du dir für keinen Scherz zu schade bist.« Knut musste lachen. »Was hältst du davon, wenn wir dort vorn eine kleine Rast einlegen? Ich lade dich auf ein Seegraseis ein.«
Das ließ sich Fiete kein zweites Mal vorschlagen. Er nickte begeistert und steuerte direkt auf die nahe Eisdiele zu.
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