1727. Flaschenpostbote Knut und das Schicksal der Wale

Flaschenpostbote Knut und das Schicksal der Wale

Flaschenpostbote lehnte sich gemütlich zurück und genoss das äußerst seltene Gefühl, dass die Sonne auf seinem schuppigen Schwanz hinterließ. Als Meermann hatte er nicht so oft das Vergnügen, sich oberhalb der Wasseroberfläche aufzuhalten. Doch heute war das anders. Er hatte sich mit Otto verabredet, einem Buckelwal von stattlichen Ausmaßen.
»Geht es dir da hinten gut?«, rief Otto über das Rauschen der Wellen hinweg.
»Alles Bestens!«, antwortete Knut.
Gerade wollte er es sich gemütlich machen, als er ein neues Geräusch hinter sich wahrnahm. Er drehte sich um und entdeckte ein riesiges Segelschiff, das schnell näher kam. Auf dem Rumpf stand in großen Buchstaben PEQUOD geschrieben.
Knut schluckte schwer. Diesen Namen kannte er nur zu gut. Die PEQUOD war ein Walfänger, der Kapitän an Bord der gefürchtete Ahab, dem schon unzählige Wale zum Opfer gefallen waren.
»Jetzt nicht schlapp machen, Otto, gib ordentlich Gas, sonst geht es dir an den Kragen.«
Der Buckelwal nickte und schlug kräftig mit seiner mächtigen Schwanzflosse. Doch der Wind war gegen ihn. Das Schiff kam immer näher.
Schon war das teuflische Lachen Ahabs zu hören, der sich gierig die Hände rieb. Ein letztes Mal rollte dieser seinen Würfel über den Tisch. »Eine Fünf! Das war es dann wohl, Flaschenpostbote.« Er griff zum Spielstein, der wie ein Schiff geformt war, setzte ihn auf dem Spielbrett fünf Felder vor und stülpte ihn über Knuts letzter verbliebener Figur, einem Buckelwal.
Knut seufzte. »Ich mag es gar nicht, mit dir Fang den Hut zu spielen. Ich verliere ständig. Das nächste Mal bestehe ich wieder auf Kapitän ärgere dich nicht. Darin hast du mich noch nie geschlagen.«
Ahab lächelte und verbeugte sich dankbar für einen unterhaltsamen Abend zu Zweit. »Ich habe es gegen meine Mannschaft geübt. Deine Siegesserie werde ich nächstes Wochenende beenden. Verlass dich drauf.«
Sie lachten und gaben sich die Hände, bevor Knut sich verabschiedete und auf den Weg zurück in die Stadt unter dem Meer machte.

(c) 2026, Marco Wittler

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