1466. Freddie Maus reist zum Mond

Freddie Maus reist zum Mond

Freddie Maus wälzte sich seit einer gefühlten Ewigkeit in seinem Bettchen hin und her. Es fiel ihm unglaublich schwer, den Weg ins Traumland zu finden.
»Ich verstehe das gar nicht. Das ist mir doch noch nie passiert. Wenn ich in etwas richtig gut bin, dann ist es schlafen. Aber heute will es mir einfach nicht gelingen.«
Freddie war verzweifelt. Er musste etwas finden, um einschlafen zu können. Er überlegte hin und her, suchte nach einer funktionierenden Idee und erinnerte sich schließlich an einen uralten Tipp seiner Oma. »Wenn du nicht schlafen kannst, musst du Schäfchen zählen.«
Freddie seufzte. »Ich weiß ja nicht, wofür das gut sein soll, aber dann kann ich dem Bauer Morgen Bescheid geben, ob seine Herde noch vollständig ist oder nicht.«
Freddie zog sich eine warme Jacke über und verließ das Haus durch einen seiner vielen Geheimgänge. Draußen suchte er sich einen Platz auf der Veranda, von dem aus er über die nahe Weide blicken konnte.
Da standen sie sie, gönnten sich ein Mitternachtsmahl aus Gras und Blümchen oder lagen auf dem Boden und schliefen. Watteweiche Schafe gab es hier in großer Zahl. »Wenn ich damimt fertig bin, ist es schon wieder Morgen und die Sonne geht auf. Dann kann ich bestimmt gar nicht mehr schlafen. Aber Oma wird sich bei ihrem Tipp schon etwas gedacht haben.« Freddie hielt einen Finger in die Richtung des Schafes, das am Zaun stand. »Eins, zwei, drei, vier, fünf, …« Freddie stutzte, sah auf seinen Finger herab und dann wieder zur Herde. »Ihr müsst auch stehenbleiben. Jetzt muss ich wieder von vorn beginnen. Eins, zwei, drei, vier, … hiergeblieben. Ihr könnt doch nicht einfach die Plätze tauschen.«
Unglaublich. Diese Schafe wollten einfach nicht gezählt werden.
Freddie Maus ließ den Arm sinken und schüttelte den Kopf. Diese Aufgabe überforderte ihn völlig. »Ich muss mir etwas Anderes einfallen lassen. Vielleicht sollte ich ein Abenteuer erleben, das mich müde macht.«
Er sah sich um. Sein Blick fiel auf den großen Mond, der gerade durch die aufreißende Wolkendecke zum Vorschein kam. Irgendwie sah er aus, als würde er …
Freddies Mund klappte auf und die Zunge schnellte gierig hervor. »Er besteht aus Käse. Das sehe ich ganz genau. Das muss ein Camembert sein.«
Freddie grinste breit. »Wenn ich schon nicht schlafen kann, dann will ich wenigstens etwas Leckeres futtern. Ich werde zum Mond reisen und ihn Stück für Stück auffressen. Dann werde ich so kugelrund wie er.«
Der Entschluss war gefasst. Doch wie sollte Freddie Maus den Mond erreichen. Das waren mindestens drei Meter bis zum Himmel, vielleicht sogar dreieinhalb. Mit einem kräftigen Sprung würde er das niemals schaffen. »Ich brauche eine Mondreisemaschine.«
Freddie ging durch seinen Geheimgang zurück ins Haus und sah sich in allen Zimmern um. Irgendwo musste es etwas geben, dass ihm half. Erst in der Küche keimte Hoffnung in ihm auf. »Wenn es damit nicht klappt, dann mit nichts anderem.«
Er schnappte sich die kleine Maschine und schleppte sie hinaus unter das Sternenmeer. »Hoffentlich stoße ich mir am Mond nicht den Kopf oder bleibe an einem der Sterne hängen.«
Freddie schaltete die Maschine ein. Unter ihm surrte es laut. Irgendwas drehte sich im Kreis. Langsam wurde es warm unter dem Po der Maus, bis es nach ein paar Minuten laut PLOPP machte. Dem ersten folgten weitere PLOPPS. Kleine Maiskörner verwandelten sich in windeseile in lecker duftendes Popcorn. Die Masse unter Freddie stieg schnell an und drückte ihn zur Seite weg. Er plumpste auf den Boden und sah enttäuscht zu, wie sich das Popcorn um ihn herum verteilte.
»Menno. Das habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Ich dachte, es ploppt mich direkt bis zum Mond. Was soll ich denn jetzt futtern?«
Freddie war enttäuscht und wollte sich in sein Mauseloch zurückziehen, als ihm der unwiderstehliche Duft des Popcorns in die Nase stieg. »Ach je. Ich kapiere aber auch gar nichts.« Er lachte und ließ sich wieder auf den Boden fallen. »Ich meckere, dass ich nichts zu futtern bekommen, dabei liegt hier mehr als genug.«
Er schnappte sich ein aufgepopptes Maiskorn und stopfte es sich in den Mund. Mit lautem Schmatzen ließ er es sich schmecken und vergaß schnell seine Reisepläne zum Mond, der erleichtert zur Erde hinabblickte. Wieder einmal war es ihm gelungen, nicht gefuttert zu werden.
Freddie hingegen hatte nun die perfekte Einschlafhilfe gefunden, die gar nicht so weit von Omas Idee entfernt war. Er zählte das Popcorn, das in meinem Mund verschwand. »… hundertfünf, hundertsechs, hundertsieben …« Dabei war es ihm nun völlig egal, ob er einschlafen konnte oder nicht.

(c) 2023, Marco Wittler

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