634. Böse Träume

Böse Träume

Paul lag im Bett. Schon seit Stunden versuchte er, irgendwie einzuschlafen. Aber es wollte einfach nicht klappen. Er hatte es bereits versucht, sich selbst Schlaflieder vorzusingen. Er hatte eine Zeit versucht, an gar nichts zu denken, damit er vor lauter Langeweile einen Weg in den Schlaf fand. Er sogar ausprobiert, Schäfchen zu zählen. Aber als er bei tausend Schäfchen immer noch wach war, hatte er auch das aufgegeben.
Dass er noch immer nicht eingeschlafen war, lag nicht nur daran, dass er hellwach war. Es lag auch daran, dass er Angst hatte. Große Angst. Angst vor den Träumen, die ihn jede Nacht heimsuchten. Er fürchtete sich vor ihnen.
»Was soll ich bloß machen, wenn ich wieder einen Alptraum bekomme?«, flüsterte er leise vor sich hin und sah sich immer wieder unsicher in seinem Zimmer um.
»Jede Nacht das gleiche Problem. Das muss doch irgendwann mal aufhören.«
Er stand auf, kroch in der Dunkelheit durch sein Zimmer und sammelte alle Kuscheltiere ein, die er finden konnte. Dann legte er sie in sein Bett und versteckte sich zwischen ihnen.
»Wenn das ganze Bett voll ist, finden mich die Monster aus meinen Träumen bestimmt nicht und lassen mich in Ruhe.«
Doch auch das half ihm nicht in den Schlaf.
Paul stand erneut auf und zog leise die Rollläden an seinem Fenster hoch. Das Licht des Mondes und der Sterne kam herein und hellte das Zimmer ein wenig auf.
»So kann ich wenigstens rechtzeitig sehen, wenn ein Monster rein kommt und mich fressen will. Dann kann ich weglaufen und Hilfe holen.«
Die Angst konnte Paul trotzdem nicht vertreiben. Sie blieb, wo sie war.
»Ach, menno. Was soll ich bloß machen? Irgendwann muss ich schlafen, sonst bin ich Morgen den ganzen Tag müde und kann mich in der Schule wieder nicht konzentrieren.«
Da klopfte es leise an der Tür. Paul hörte es sofort. Er hielt vor Schreck den Atem an. War da ein Monster im Flur? Nein. Das konnte nicht sein. Monster würden niemals anklopfen. Also nahm er seinen ganzen Mut zusammen.
»Herein.«
Er zog sich schnell die Decke über den Kopf und verhielt sich ganz still.
»Kannst du wieder nicht schlafen?«, hörte er Mamas Stimme.
Paul kam wieder zum Vorschein und schüttelte den Kopf.
»Ich weiß einfach nicht, was ich gegen meine bösen Träume machen soll.«
Mama lächelte und setzte sich auf das Bett.
»Wovon träumst du denn immer?«, wollte sie wissen.
Paul sah sich ängstlich um, als hätte er Angst, dass die Träume Wirklichkeit würden, wenn er sie laut aussprach.
»In meinen Träumen kommt immer wieder ein riesiger Dinosaurier mit langen spitzen Zähnen. Der will mich bestimmt fressen.«
»Ach, je.« Mama lächelte. »Da hast du ja ganz umsonst Angst.«
Paul sah sie verwundert an.
»Wieso? Sind denn Dinosaurier nicht gefährlich?«
»Doch. Dinosaurier sind sogar sehr gefährlich. Sie sind groß, haben immer Hunger und können mit ihren Zähnen alles in Stücke zerreißen. Aber sie fressen keine Kinder. Ihre liebste Leibspeise sind böse Träume. Sie schleichen sich herein, schnuppern in allen Ecken und finden ganz schnell jeden Alptraum. Dann schnappen sie ihn und fressen ihn in einem Stück. So passen sie die ganze Nacht auf die auf, damit du ruhig schlafen kannst.
»Wow.«, machte Paul. »Wenn ich das vorher gewusst hätte. Ich habe die ganze Zeit umsonst Angst gehabt. Jetzt kann ich bestimmt besser schlafen.«
Dann drückte er Mama noch einmal an sich und zog die Decke wieder über seinen Kopf. Minuten später schlief er tief und fest.

(c) 2017, Marco Wittler

491. Der Traumfänger

Der Traumfänger

»Er ist endlich da!« riefen die Kinder von den Hügel aus zum Dorf hinunter. »Der Traumfänger ist wieder da.«
In diesem Moment kam ein großer, von zwei Eseln gezogener Planwagen um die Kurve und hielt genau auf das Dorf zu. Auf seiner Seite stand in großen Buchstaben etwas geschrieben: Mario, der große Traumfänger.
Die Kinder waren begeistert, denn nur die wenigsten von ihnen hatten den Traumfänger persönlich kennengelernt. Sie kannten ihn nur aus den Erzählungen ihrer Eltern.
»Jetzt können wir endlich träumen.«
Der Wagen hielt auf dem Dorfplatz und ein großer, dürrer Mann stieg aus. Die Bewohner umringten ihn sofort und baten ihn,  die erste Nacht bei ihm zu verbringen, bevor er zu anderen gehen würde.
»Was macht eigentlich dieser Traumfänger?« wollte die kleine Maria wissen.
»Weißt du denn gar nichts?« war ihr großer Bruder Anton genervt. »Er bleibt bei den Leuten über Nacht und fängt für sie Träume ein. Nur wenn er bei jemandem im Haus ist, kann man etwas träumen.«
Maria bekam große Augen. »Ich werde etwas träumen? Das kann ich mir noch gar nicht so richtig vorstellen.«
Aber so kam es tatsächlich. Nacht für Nacht verbrachte der Traumfänger seine Zeit in den Häusern der Dorfbewohner und fing ihnen die Träume aus der Luft, bis er eines Abends bei Marias Familie vor der Tür stand.
Das kleine Mädchen war sehr gespannt. »Ich will endlich meinen allerersten Traum erleben.«
Doch dann sah sie den müden Blick und hörte das leise Seufzen des Traumfängers.
»Was ist denn mit dir?« fragte Maria.
»Ich bin so unglaublich müde. Ich kann nicht mehr. Jede Nacht bin ich wach, sitze an den Betten der Menschen und fange ihre Träume ein. Ich würde nur zu gern einmal selbst schlafen und träumen. Aber das habe ich schon sehr lange nicht mehr machen können. Ich bin der einzige Traumfänger. Deswegen werden immer nur die anderen träumen können.«
»Aber das ist doch unfair. Da muss man doch was gegen machen.«
Mario seufzte wieder. »Wenn das so einfach wäre. Die Träume fangen sich leider nicht von allein.«
»Aber vielleicht kann man daran etwas ändern.« war Maria fest entschlossen.

Am Abend setzten sie sich zusammen ans Bett und redeten über das Fangen von Träumen.
»Sie fliegen um uns herum. Sie sind die ganze Nacht in der Luft und ziehen dort ihre Kreise.« erklärte Mario.
»Der Schläfer kann damit nichts anfangen, weil er im Bett liegt. Deswegen braucht er Hilfe. Ich greife in die Luft und ertaste die Träume. Wenn ich einen erwischt habe, lasse ich ihn fallen, damit er auf dem Schläfer landet. Schon kann der Mensch etwas Schönes träumen.«
»Es wäre toll, wenn es ein Traumfängernetz gäbe, worin sich die Träume verfangen. Dann könnten wir jede Nacht träumen und du könntest endlich einmal schlafen.«
Maria sprang auf und kramte in ihrer Bastelkiste. Daraus holte sie nach ein paar Augenblicken ein paar kleine Ringe, etwas Wolle und Federn hervor. Mit ganz viel Mühe und Fingerspitzengefühl bastelte sie sich nun ein Netz. Mario half ihr dabei, so gut er konnte, gab Tipps, wenn er der Meinung war, dass noch etwas fehlte. Nach ein paar Stunden waren sie fertig und mit der Arbeit zufrieden.
»Der Traumfänger ist fertig. Hoffen wir, dass er funktioniert.«
Mario hängte ihn unter die Decke des Raumes, direkt über das Bett. Dann legte sich die ganze Familie darunter zum Schlafen. Mario durfte bleiben und die neue Erfindung ausprobieren. Nach und nach schliefen die Menschen ein.

Am nächsten Morgen wachten sie alle frisch und ausgeruht auf. Die ganze Familie hatte ein Lächeln in ihren Gesichtern.
»Ich wusste gar nicht, dass Träume so schön sind.« war Maria begeistert und Mario konnte ihr nur zustimmen.
»Der Traumfänger ist toll. Aber dafür nimmt er mir jetzt die Arbeit weg.«
»Du brauchst keine Angst haben.« beruhigte ihn Maria. »Jeder Mensch möchte träumen. Das möchten sie jede Nacht. Ab jetzt kannst du Traumfänger basteln und sie verkaufen. Das ist doch eine viel bessere Arbeit. Du kannst ab jetzt nachts selbst schlafen.«
Das gefiel Mario sehr gut. So wurde aus dem Traumfänger der Traumfängerhersteller.

(c) 2015, Marco Wittler

401. Träumerhosen

Träumerhosen

Fabio lag in seinem Bett und konnte nicht schlafen. Immer wieder wälzte er sich unruhig hin und her. Schon nach kurzer Zeit war seine Decke völlig verdreht.
In den Nächten war es ihm immer viel zu unheimlich. Es war viel zu dunkel und viel zu wenig Licht. Man konnte kaum etwas im Zimmer erkennen. Es wäre nicht einmal möglich gewesen, ein Monster zu sehen, wenn es sich angeschlichen hätte.
Und genau das war das Problem. Fabio hatte große Angst vor Monstern, Geistern und Gespenstern. Er war der Meinung, dass sie sich überall im Zimmer versteckten und nur darauf warteten, dass der kleine Junge einschlief. Dann konnten sie sich ungesehen zu ihm schleichen und für schlechte Träume sorgen.
»Ich will nicht schlafen.«, maulte er immer wieder ganz leise vor sich hin.
Und wenn er dann doch irgendwann einmal einschlief, wurde er später, mitten in der Nacht, wieder wach, wenn er einen bösen Traum hatte. Dann weinte er so lange, bis Papa zu ihm kam, um ihn zu trösten.
Eines Tages wurde es Fabio zu viel. Er stellte sich im Wohnzimmer vor seine Eltern und beschwerte sich.
»Ich will keine schlechten Träume mehr haben. Könnt ihr nichts dagegen tun?«
Mama und Papa sahen sich fragend an.
»Ich denke, wir werden schon was finden.«, sagte Mama schließĺich nach ein paar Augenblicken.
»Wir fahren zusammen in die Stadt.«
Fabio jubelte laut und zog sich sofort seine Schuhe an.

Eine Stunde später waren sie wieder zu Hause. Stolz präsentierte Fabio eine große Einkaufstasche.
»Was hast du denn da drin?«, wollte der neugierige Papa wissen.
Und schon holte der kleine Junge zwei neue Kleidungsstücke heraus. Es waren eine dunkelblaue und eine lila Hose mit Sternen drauf.
»Das sind Träumerhosen. Die sind richtig cool.«, erklärte Fabio.
»Wenn ich die vor dem Einschlafen anziehe, beschützen sie mich und sorgen für richtig schöne Träume. Da haben Monster, Geister und Gespenster keine Chance mehr.«
Jubelnd lief er ins Kinderzimmer und legte sich die erste der beiden Hosen auf seiner Bettdecke bereit.
»Ich freue mich schon auf heute Nacht.«, sagte er.

(c) 2012, Marco Wittler

225. Verschlafen

Verschlafen

Es war Abend geworden. Die Sonne bewegte sich immer weiter Richtung Horizont und färbte sich rot. Überall in der ganzen Stadt bereiteten sich nun unzählige Kinder für das Bett vor. Hier und da lasen ein paar Väter und Mütter Geschichten vor, in anderen Häusern wurde diese Aufgabe von einem Hörspiel übernommen.
»Schlaf schön, mein Schatz. Gleich kommt das Sandmännchen.«, war aus allen Kinderzimmern zu hören.
Ein paar wenige Stimmen versuchten sich noch gegen das Unvermeidliche zu wehren. Doch dann sahen sie ein, dass es wirklich schon sehr spät geworden waren und gähnten so laut, dass es fast überall zu hören war.
Die Zeit verging, es wurde langsam dunkler und die Nacht brach herein. Der Mond kletterte am Firmament empor und zog eine große Schar glitzernde Sterne hinter sich her und verteilte sie wie kleine weiße Farbtupfer auf dem Himmelszelt.
Mittlerweile war es so spät geworden, dass nun auch die Eltern ins Bett gingen.
»Da stimmt doch etwas nicht.«, wunderte sich eine kleine Fledermaus, die gerade durch die Straßen flog und hier und da in die Fenster sah.
»Warum schlafen denn die Kinder nicht?«
Sie hatte sich nicht verguckt und auch nicht geträumt. Es war tatsächlich so, wie sie es gesehen hatte. Nicht ein einziges Kind in der ganzen Stadt schlief. Sie waren alle wach und munter. Eines von ihnen war Paul.
Paul saß aufrecht in seinem Bett und konnte nicht schlafen. Das war sehr ungewöhnlich, denn normalerweise schlief er immer nach wenigen Minuten ein.
»Was ist denn heute los? Haben wir etwa Vollmond?«
Er stand auf, ging zum Fenster und sah hinaus. Doch am Himmel war nur ein großer, heller Halbkreis zu sehen.
»Also daran kann es nicht liegen. Vielleicht habe ich ja noch etwas Hunger.«
Mit diesen Worten verließ er sein Zimmer, schlich sich in die Küche und aß ein Butterbrot.
Während er genüsslich vor sich hin kaute, bemerkte er etwas. In Haus nebenan brannte noch Licht. Dort stand sein Freund Tim vor dem Kühlschrank. Konnte er etwa auch nicht schlafen?
Verdutzt ging Paul wieder die Treppe hoch und warf einen neuen Blick aus dem Fenster. In jedem Haus seiner Straße brannte Licht. Hinter jedem Fenster war ein waches Kind zu sehen.
»Schläft denn heute niemand? Da stimmt doch etwas nicht.«
Er zog sich an und schlich sich aus dem Haus. Auf dem Bürgersteig hatten sich bereits andere Kinder eingefunden. Sie redeten alle miteinander. Offenbar konnte kein einziges von ihnen einschlafen.
»Hat denn jemand von euch den Sandmann heute Abend gesehen? Vielleicht hat er uns ja vergessen und wir sind deshalb noch wach.«
Diese Erklärung schien alle zufrieden zu stellen.
»Aber dann müssen wir etwas unternehmen.«, rief Paul in die Menge hinein.
»Wenn wir jetzt nicht bald einschlafen, werden wir Morgen den ganzen Tag müde sein. Wir müssen den Sandmann unbedingt finden.«
Also machten sie sich in mehreren großen Gruppen auf die Suche und liefen dabei in alle Himmelsrichtungen.
Nach und nach liefen sie durch alle Straßen der Stadt. Aber der Sandmann war einfach nicht zu entdecken. Es schien wirklich so, als hätte er die Kinder vergessen.
Nach einer ganzen Weile stand Paul an einer Kreuzung, die er nicht kannte.
»Komisch. An dieser Stelle ist doch normalerweise keine Straße.«, wunderte er sich.
So viel er wusste, stand an dieser Stelle ein großes Haus. Dieses war aber nun verschwunden.
Er sah sich um und fand ein Schild.
»Sandstraße.«
In diesem Moment hatte er eine Idee.
»Los, kommt alle hinter mir her. Ich glaube, hier sind wir richtig.«
Schnell liefen die vielen kleinen Füße den Bürgersteig entlang, bis sie vor dem einzigen Haus an dieser Straße standen.
»Ob er tatsächlich hier wohnt?«, fragte Tim.
»Das finden wir ganz schnell heraus.«, antwortete Paul, bevor er zur Eingangstür lief.
Unter dem Klingelknopf hing ein Schild. Darauf stand ein Name: Sandmann.
»Ich habe ihn gefunden.«
Sofort sammelten sich die Kinder vor der Tür. Jeder drückte einmal kräftig auf die Klingel. Dann warteten sie gespannt, was nun geschehen würde.
Zunächst blieb es ruhig. Doch dann hörten sie, wie jemand eine Treppe hinunter stolperte, etwas um stieß, einmal laut fluchte und dann die Tür öffnete.
Vor den Kindern stand ein kleiner, bärtiger Mann, der nicht viel größer war, als sie selbst.
»Was wollt ihr denn hier? Solltet ihr nicht schon längst in euren Betten liegen und schlafen?«
Paul ging einen Schritt vor.
»Wir können nicht schlafen. Der Sandmann ist nicht zu uns gekommen.«
»So ein Blödsinn. Der Sandmann kommt doch jede Nacht.«
In diesem Moment wurde der Mann bleich. Er sah auf seine Armbanduhr und blickte dann die Kinder an.
»Du meine Güte. Ich bin doch der Sandmann. Ich habe verschlafen.«
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, rannte er seine Treppe hoch. Die Kinder konnten hören, wie er sich laut fluchend umzog, seinen Sandbeutel suchte und dann wieder hinunter kam.
»Vielen Dank, dass ihr mich geweckt habt. Ihr geht jetzt schnell wieder nach Hause, legt euch in eure Betten und dann komme ich, um euch meinen Sand in die Augen zu streuen.«
Damit waren Paul und seine Freunde einverstanden.
Kurz darauf schliefen die Kinder der ganzen Stadt.
Die letzte Station des Sandmanns war Pauls Zimmer. Nachdem er dem Jungen Sand in die Augen gestreut hatte, entdeckte er auf der Fensterbank ein kleines Geschenk.
Der Sandmann öffnete es und sah hinein. Im Innern fand er einen Wecker und einen Brief. Darauf stand etwas geschrieben.

Lieber Sandmann, ich möchte dir einen meiner beiden Wecker schenken. Wenn du ihn regelmäßig aufziehst, wird er dich jeden Tag pünktlich wecken und du wirst nie wieder verschlafen.

Dein Paul

(c) 2009, Marco Wittler

194. Der kleine Junge, der nicht schlafen wollte

Der kleine Junge, der nicht schlafen wollte

Adam saß am Fenster und blickte in die tiefe Nacht hinaus. Es war so dunkel, dass man nichts mehr sehen konnte. Doch das konnte ihn nicht von seiner Beschäftigung abbringen.
»Suchst du etwas?«, fragte seine Mutter.
Doch Adam schüttelte den Kopf. Mit der Hand zeigte er auf den Wandkalender.
»Es ist schon der fünfzehnte Dezember. Aber es ist noch nicht eine einzige Schneeflocke vom Himmel gefallen. Ich will, dass es endlich richtig Winter wird.«
Sein Schlitten stand schon seit einem ganzen Monat an der Haustür bereit. Es war draußen sogar schon richtig kalt geworden, aber der Schnee ließ auf sich warten.
»Du kannst doch Morgen wieder schauen, ob sich das Wetter geändert hat.«, schlug seine Mutter vor.
»Es ist schon spät und du solltest längst im Bett liegen und schlafen.«
Aber Adam tat so, als hörte er sie nicht.
»Ich werde nicht eher vom Fenster verschwinden, bevor es nicht angefangen hat zu schneien.«
Nach und nach gingen seine Eltern und Geschwister schlafen. Sie hatten die nächsten Tage so viel für Weihnachten vorzubereiten, dass sie ausgeschlafen sein wollten.
Adam war das alles egal. Er wollte der Erste sein, der die ersten Schneeflocken sah.
Die Zeiger auf der Uhr tickten und drehten sich weiter im Kreis. Die Nacht zog vorbei und ein neuer Morgen kündigte sich an. Die Sonne stieg auf und erhellte den ganzen Himmel.
»Verdammt. Es sind wieder keine Wolken zu sehen.«
Adam war enttäuscht. So einen späten Winter hatte er noch nie erlebt.
Inzwischen waren die anderen aufgestanden. Ausgeschlafen und vergnügt versammelten sie sich um den großen Tisch und aßen das Frühstück.
»Willst du nicht zu uns kommen?«, fragte sein großer Bruder.
»Nein.«, war die knappe Antwort.
»Ich habe keine Zeit. Wenn ich jetzt zu euch komme, verpasse ich die Schneewolken. Aber ihr könnt mir ein Brot herüber bringen.«
Also aß Adam am Fenster.

Mit jedem Tag, der verging, wurde Adam müder. Er gähnte immer öfter und hatte große Mühe, seine Augen offen zu behalten.
»Willst du nicht vielleicht doch irgendwann schlafen gehen?«
Seine Mutter machte sich Sorgen um ihren Sohn. Doch dieser lehnte ab. Er durfte auf keinen Fall den Winteranfang verpassen.

Am Vorabend des Weihnachtsfestes geschah es dann.
Nein, der Winter kam nicht plötzlich über das Land geschneit. Es war Adam, der nun so müde war, dass ihm seine Augen endgültig zu fielen und er laut zu schnarchen begann. Er war tatsächlich eingeschlafen.
Seine Mutter seufzte erleichtert und brachte ihn ins Bett. Während sie mit der schweren Last die Treppe hinauf stieg, sah sie kurz aus einem Fenster hinaus. Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Da fielen Schneeflocken vom Himmel. Dick und schwer bedeckten sie innerhalb weniger Minuten das Land. Der Winter war nun doch endlich gekommen.
»Adam, du musst aufwachen. Der Winter ist da.«, rief die Mutter.
Adam hörte sie nicht. Sein Schlaf war tief und fest.

Adam wurde wach. Laut gähnte er durch sein Zimmer. Dann sah er sich um und stellte sofort fest, dass er eingeschlafen sein musste.
»Oh nein. Hoffentlich, hat der Winter nicht ohne mich begonnen.«
Er stand auf und lief ans Fenster. Schnee war keiner zu sehen. Nur die vielen bunten Blumen auf der Wiese.
»Da habe ich ja Glück gehabt.«
Er ging die Treppe hinunter und blieb plötzlich verwirrt stehen.
Bunte Blumen? Zur Winterzeit?
Er raste in die Küche.
»Was ist passiert?«
Seine Mutter musste lachen. Dann erklärte sie ihm, dass er viel zu lange nicht geschlafen hatte. Irgendwann war seine Müdigkeit so groß geworden, dass er den ganzen Winter hindurch geschlafen hatte.
»Der März ist schon fast vorbei. Du hast sogar den Frühlingsanfang verschlafen.«
In diesem Moment kamen seine Geschwister herein und schwärmten von dem vielen Schnee, den sie den ganzen Winter über genossen hatten.
»Über einen Meter hoch lag er. Von Weihnachten an konnten wir bis letzte Woche jeden Tag mit dem Schlitten fahren. Das war der schönste Winter, den wir je erlebt haben.«
Adam konnte es nicht fassen. Er schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
»Wie dumm bin ich doch bloß gewesen. Das passiert mir bestimmt kein zweites Mal.«
Und so blieb ihm nichts anderes übrig, als bis zum nächsten Winter zu warten. Bis dahin ging er jeden Abend pünktlich in sein Bett und schlief.

(C) 2009, Marco Wittler

193. Ich will nicht schlafen

Ich will nicht schlafen

Paul hüpfte wie ein wilder Gummiball durch das Wohnzimmer. Im Radio lief gerade sein Lieblingslied. Er sang laut und freute sich. Doch nach drei Minuten war es vorbei. Die Kindersendung war zu Ende. Es folgten die Nachrichten.
»Das ist gemein. Ich will noch mehr hören.«, beschwerte er sich und drehte am Regler und suchte nach einem neuen Sender. Doch überall lasen die Frauen und Männer Meldungen aus aller Welt vor.
»Ich glaube, es wird Zeit, dass du ins Bett gehst.«, sagte Mama vorsichtig.
Nun standen die bösen Worte mitten im Raum. Paul hatte sie gehört. Er ließ das Radio los und versteifte sich am ganzen Körper.
»Nein. Jetzt noch nicht.«, presste er leise aus seinem Mund heraus.
Mama seufzte. Es war jeden Abend das gleiche Problem.
»Aber draußen ist es schon dunkel. Es wirklich schon sehr spät.«
Sie zeigte auf die Uhr an der Wand.
»Du möchtest doch Morgen nicht verschlafen, sondern pünktlich im Kindergarten ankommen.«
Paul schüttelte kräftig seinen Kopf. Der Kindergarten interessierte ihn jetzt nicht.
»Will Musik hören. Das Radio soll endlich welche spielen.«
Wieder drehte der das Rad nach links und nach rechts. Aber überall waren nur Nachrichten zu hören.
»Ach Paul.«, sagte Mama.
»Was soll ich bloß mit dir anstellen? Ich wäre froh, wenn du auch nur einen einzigen Abend ohne Murren ins Bett gehen würdest.«
Sie überlegte. Fiel ihr vielleicht etwas ein?
»Wenn sich das nicht ändert, können wir demnächst keine Kindersendung mehr hören. Dann bleibt das Radio abgeschaltet.«
Paul zog seine Hand zurück. Diese Drohung klang ernst. Sollte er tatsächlich auf die schöne Musik verzichten, um länger wach bleiben zu können?
»Mir egal.«, rief er.
»Will nicht ins Bett.«
Mama setzte sich in den Sessel und stützte ihren Kopf auf ihre Hände. So schwierig hatte sie es sich nicht vorgestellt.
»Kindersendungen im Fernsehen darfst du dann aber auch nicht mehr anschauen.«
Nun war Paul wie erstarrt. Mit so einer harten Strafe hatte er nicht gerechnet. Konnte Mama wirklich so hart zu ihm sein? War es das tatsächlich wert? Doch dann kam ihm eine Idee.
»Ich brauche die alte Flimmerkiste nicht.«, sagte Paul mit fester Stimme.
Er ging zum Fernseher. Mit einem breiten Grinsen zog er den Stecker aus der Dose.
Inzwischen waren die Nachrichten vorbei, das Wetter und die Staumeldungen vorgelesen. Nun spielte das Radio wieder Musik.
»Was ist denn hier los?«, fragte plötzlich Papa, der gerade aus dem Keller kam.
»Paul, ich dachte, du wärst schon längst im Bett und würdest auf mich warten. Da habe ich mich wohl getäuscht. Wir hatten doch abgemacht, dass nach der Kindersendung das Radio abgeschaltet wird und du dich umziehst.«
Paul sah ihn mit großen Augen an.
»Aber ich will noch nicht ins Bett. Ich will Musik hören und hüpfen.«
Wieder sprang er im Kreis herum.
Da ging Papa ins Kinderzimmer und holte ein Buch, das auf dem Nachttisch lag.
»Dann kann ich das hier ja ins Regal stecken. Wer nicht ins Bett geht, mag auch keine Geschichten hören.«
Paul war auf einmal wie elektrisiert. Papa würde ihm keine Geschichte vorlesen? Das war das Allerschlimmste, was er sich vorstellen konnte. Sofort war er wieder am Radio, schaltete es ab und flitzte in sein Zimmer. Kaum lag er unter seiner Decke rief er laut durch die Wohnung.
»Ich bin im Bett, Papa. Du kannst mir doch noch was vorlesen.«
Nun musste Mama lachen.
»Hätte ich doch bloß gewusst, dass es so einfach ist.«
Papa gesellte sich zu seinem Sohn und setzte sich auf das Bett.
»Wo ist denn das Buch mit den Geschichten?«, fragte Paul unsicher.
Papa lehnte sich an die Wand und faltete die Hände auf seinem Bauch.
»Ich werde dir heute nichts vorlesen. Stattdessen erzähle ich dir eine uralte Geschichte von einem kleinen Jungen, der nicht ins Bett gehen wollte.«
Paul jubelte. Die Geschichten, die sich Papa selbst ausdachte, waren immer die Besten.
»Es war einmal …«, begann Papa zu erzählen.

(c) 2009, Marco Wittler

097. Der Traummacher oder „Papa, woher kommen die Träume?“ (Papa erklärt die Welt 10)

Der Traummacher
oder »Papa, woher kommen die Träume?«

»… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.«
Papa klappte das Märchenbuch zu
Liest du mir noch eine zweite Geschichte vor?«, fragte Sofie.
»Nein, für heute ist Schluss. Es ist schon spät genug. Es ist Zeit, dass du schläfst.«, kam die Antwort.
Papa deckte seine kleine Tochter zu. Er gab ihr noch einen Kuss auf die Wange und wünschte ihr eine gute Nacht.
»Schlaf gut, mein Engel und träum schön.«
Sofie zog die Stirn kraus.
»Papa, woher kommen eigentlich die Träume?«
Papa hielt inne, kratzte sich am Kinn und dachte nach.
»Das ist eine gute Frage. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich erst kürzlich gehört habe. Sie handelt zufällig von einem Traummacher. Und die werde ich dir jetzt erzählen.«
Sofie strahlte über das ganze Gesicht.
»Oh ja, eine Geschichte.«
»Und wie fängt eine Geschichte immer an?«, fragte Papa.
Sofie lachte schon voller Vorfreude und antwortete: »Ich weiß es. Sie beginnt mit den Worten ›Es war einmal‹.«
»Ja, das stimmt. Absolut richtig. Also, es war einmal …«

Es war einmal ein junger Bursche mit Namen Martin.
Martin war ein Geschichtenerzähler. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt damit, dass er von Stadt zu Stadt zog, den Leuten die neuesten Neuigkeiten und den Kindern Geschichten und Märchen erzählte. Reich konnte man damit freilich nicht werden, aber dennoch machte es unglaublich viel Spaß.
Martin kannte alle Märchen und Geschichten des ganzen Landes. Es war ihm noch nie passiert, dass er in eine Stadt kam, den Kindern etwas erzählte und ihm anschließend jemand sagen musste, dass man diese Worte an diesem Ort bereits gehört hatte.
Der Geschichtenerzähler war überall sehr beliebt. Schon Tage, bevor er des Weges kam, verbreitete sich die Nachricht seiner Ankunft wie ein Lauffeuer.
Die Bürgermeister ließen Bühnen aufbauen und Feste vorbereiten. Die Schulen wurden informiert, dass die Kinder nicht zum Unterricht gehen mussten.
Eines Tages kam Martin in die Stadt des Königs. Er war noch nie hier gewesen, es würde sein erster Besuch sein. Doch auch hier hatte man von seinen schönen Geschichten bereits gehört. Der Bürgermeister bereitete alles vor und informierte jeden Bürger.
Als der Geschichtenerzähler auf seinem Esel durch das Stadttor geritten kam, stand bereits eine Bühne auf dem Marktplatz und eine große Horde Kinder wartete sitzend drum herum.
Martin stieg eine kleine Treppe empor, setzte sich in einen gemütlichen Sessel und holte aus einer seiner Taschen ein dickes Buch hervor.
»Ich freue mich, dass ihr alle hierher gekommen seid, um mir zuzuhören. Ich kann euch versprechen, dass ich viele Geschichten aus allen Ecken unseres schönen Landes mitgebracht habe und sie euch gefallen werden.«
Die Leute wurden still. Alle hingen nun gebannt an Martins Lippen. Sie wollten nicht einen seiner gesprochenen Sätze versäumen.

Ein wenig Abseits dieses Festes saß der König im Thronsaal seines Schlosses. Er beriet sich gerade mit seinen Ministern über neue Gesetze, als er alle Anwesenden mit der erhobener Hand um Ruhe bat.
»Was stimmt nicht in unserem Königreich? Da geht doch etwas vor sich, wovon ich nichts weiß. Wer von euch kann mir mehr berichten?«, fragte er.
Die Minister wussten nicht, was er meinte und zuckten nur mit den Schultern.
»Was ist in der Stadt los? Es ist plötzlich so still, wie sonst nie um die Mittagsstunde. Plant das Volk einen Aufstand oder ist eine böse Krankheit ausgebrochen? Findet sofort heraus, was dort vor sich geht.«
Die Minister sprangen sofort auf und verließen den Thronsaal. Sie stürmten in alle Richtungen um ihre Berater zu befragen.
Der Diener des Königs, der still am Fenster gestanden hatte, ging indes zu seinem Herrn und berichtete ihm, dass ein berühmter Geschichtenerzähler in die Stadt gekommen sei und er für die merkwürdige Stille verantwortlich gemacht werden könne.
»Die Leute hängen so sehr an seinen Lippen, dass ihnen kein einziges Wort mehr aus dem Munde kommt.«
Der König dachte nach und grübelte. Schließlich gab er einen Befehl.
»Solch einen Mann kann ich gut bei Hofe gebrauchen. Holt ihn in mein Schloss und stellt ihn in meinen Dienst. Er soll der erste königliche Geschichtenerzähler des Landes werden und künftig mich, meine Familie und den Hofstaat mit seinen Märchen unterhalten.«
Und so geschah es auch.

Martin hatte gerade einmal eine Geschichte erzählen können, bis die Ritter des Königs ihn abgeholten. Sie führten ihn in den Thronsaal, wo er neu eingekleidet und dem König vorgestellt wurde.
»Von nun an«, sagte der König feierlich, »sollst du an meinem Hofe leben und mir Geschichten erzählen, damit ich niemals an Langeweile leiden muss.«
Martin freute sich natürlich sehr über dieses Angebot. Nun hatte er regelmäßig etwas zu Essen, ein Dach über dem Kopf und schon sehr bald würde er sehr wohlhabend sein. Aber alles sollte anders kommen, als es gedacht war.
Der König und sein Gefolge erfreuten sich tagtäglich am Geschichtenerzähler. Jeden Abend ließen sie sich ein oder zwei Märchen vorlesen.
Doch schon bald war ihnen das nicht mehr genug. Sie wollten mehr und immer mehr hören. Schon nach dem Aufstehen stand Martin am Bett des Königs bereit und erzählte, was er im ganzen Land gehört hatte. Während des Frühstücks ging es weiter. Bis zum Abend taten die Menschen im Schloss nichts anderes mehr, als ihrem Geschichtenerzähler zuzuhören. Erst als sie müde in ihren Betten lagen, kam Martin zur Ruhe.
Das viele Zuhören hatte natürlich seine Folgen. Denn schon bald trafen der König und seine Minister keine Entscheidungen mehr. Sie erließen keine Gesetze und verurteilten keine Verbrecher mehr. Das ganze Land war unwichtig geworden. Sie wollten nur noch Märchen hören.
Schon sehr bald verarmte das Land und die Menschen mussten hungern. Es gab nur einen Menschen, der davon etwas hörte.
Sofort erzählte Martin dem König von den vielen Problemen im Land. Als dann die Minister davon erfuhren, reagierten sie schockiert. Es musste sofort etwas unternommen werden, damit das Volk nicht krank wurde oder sterben musste.
Wenn da doch bloß nicht diese vielen schönen Märchen und Geschichten wären, die sie unbedingt hören wollten. Aber sie hatten doch nur für eine Sache Zeit. Es musste eine Lösung her.
Der König erteilte Martin den Auftrag, er solle sich etwas einfallen lassen.

Tagelang brütete Martin über diesem Problem. Er erzählte niemandem mehr eine Geschichte. Stattdessen versuchte er die rettende Lösung zu finden, denn das Erzählen von Geschichten und Märchen war sein einziger Lebensinhalt. Er musste einfach erzählen.
Eines Nacht lag er noch lange wach im Bett und erzählte sich selber eine kleine Geschichte. Dabei schlief er ein und erlebte den Rest seines Märchens im Schlaf.

Am nächsten Morgen war Martin ganz aufgeregt. Er konnte noch gar nicht glauben, was er in der letzten Nacht erlebt hatte. Er hatte eine Geschichte während des Schlafs genießen können. Das war die Lösung, die er gesucht hatte. Wenn der König und sein Gefolge von nun an seine Märchen im Schlaf erleben konnten, hatten sie tagsüber genug Zeit, das Land zu regieren.
Als der König davon erfuhr, war er zunächst etwas unsicher. Er wusste nicht genau, was er davon halten sollte. Geschichten im Schlaf? War das wirklich etwas Gutes oder war man dann zur Strafe am nächsten Tag viel zu müde, um arbeiten zu können? Aber zumindest war es ein Versuch wert.
Martin setzte sich am Abend in das Schlafgemach des Königs und wartete darauf, dass dieser einschlief. Ein paar Minuten später begann er, eine Geschichte zu erzählen. Doch nach ein paar Sätzen hörte er auf und lies den König den Rest selber erleben.

Am Morgen wachte der König erfrischt auf und war begeistert von dieser neuen Methode.
»Martin, du bist ein wirklich guter Erfinder. Wenn wir dich nicht hätten. So gut und erholt habe ich mein ganzes Leben noch nicht geschlafen. Von nun an, will ich jede Nacht eine Geschichte im Schlaf erleben und mein Volk soll auch daran teilhaben.«
Martin wurde rot im Gesicht. So viel Lob hatte er gar nicht erwartet. Doch dann wurde ihm bewusst, dass er noch eine große Aufgabe vor sich hatte. Wie sollte er denn das ganze Volk mit Träumen, so nannte er seine Nachtgeschichten, versorgen?
Wieder grübelte er viele Tage lang, bis er eine kleine Maschine erfand, mit der er jedem Menschen im ganzen Land den Beginn eines Traumes zuflüstern konnte, ohne sein Zimmer verlassen zu müssen.
Von nun an, schliefen die Menschen wesentlich besser. Sie träumten in jeder Nacht und waren glücklich und zufrieden.

»Und noch heute erzählt mir der Martin einen Traum in meinen Kopf, wenn ich schlafe?«
Papa schüttelte den Kopf.
»Nein, denn mittlerweile träumen nicht nur das Volk dieses Königreichs, sondern alle Menschen auf der ganzen Welt. Das wäre selbst für den Traummacher Martin zu viel. Er hat eine große Menge Helfer, die ihm dabei zur Seite stehen.«
Sofie gähnte und zog sich die Decke über den Kopf.
»Dann soll mir mal einer dieser Traummacher ganz schnell eine Geschichte in meinen Kopf schicken. Ich bin nämlich hundemüde und werde bestimmt ganz schnell einschlafen.«
Papa nickte nur, gähnte ebenfalls und verließ leise das Zimmer.
Noch einmal sah Sofie unter der Decke hervor und flüsterte leise vor sich hin.
»Und trotzdem glaube ich dir kein einziges Wort davon.«
Sie kicherte, schlief ein und träumte einen wunderschönen Traum.

(c) 2008, Marco Wittler