516. Eine E-Mail für Oma

Eine E-Mail an Oma

Sophie saß an ihrem Schreibtisch und langweilte sich. Vor ihr lagen ein Blatt Papier und einige Buntstifte. Ihr fiel aber nichts ein, was sie hätte malen oder schreiben können.
In diesem Moment steckte Mama den Kopf zur Tür herein.
»Na, was machst du gerade, Spätzchen?« fragte sie.
»Nichts!« war die kurze Antwort.
»Ich wollte einen Brief an Oma schreiben, aber mit fällt nichts ein.«
Mama überlegte ein wenig und hatte dann ein paar Vorschläge.
»Schreib ihr, wie es dir gerade geht und worüber du nachdenkst. Du kannst ihr von unserem Ausflug zum Leuchtturm berichten und was du noch alles in den Ferien erlebt hast.«
Sophie nickte strahlend. Das ist eine tolle Idee. Ich fange sofort an, damit ich nachher Omas Antwort lesen kann.«
Nun musste Mama grinsen. »So schnell geht das aber nicht. Wenn dein Brief fertig ist, müssen wir ihn zuerst zum Briefkasten bringen. Der Postbote holt ihn dann ab und erst ein oder zwei Tage später kommt der Brief dann bei Oma an. Wenn sie dir zurück schreibt, dauert es noch einmal so lange.«
Sophie ließ sofort wieder ihre Mundwinkel nach unten sinken.
»Ich muss dann wirklich so lange warten? Das dauert mir zu lange. Da muss es doch was Schnelleres geben.«
Mama nickte. »Ich habe da eine Idee. Wir sollten mal an meinen Computer gehen.«
Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer, setzten sich aufs Sofa und schalteten den Computer an. Nach einer kurzen Minute konnten sie loslegen.
»Und wie bekommen wir da meinen Brief rein?«
Sophie versuchte verzweifelt ein Blatt Papier in den Monitor zu schieben.
»Da ist doch gar kein Schlitz.«
Mama schüttelte den Kopf.
»Wir schreiben Oma eine E-Mail. Wir tippen alles über die Tastatur und schicken deinen Brief dann über das Internet weg. Dann kann ihn Oma schon nach ein paar Sekunden lesen.«
»Nach ein paar Sekunden schon?« Sophie bekam große Augen.
»Kommt dann ein Postbote mit einer Rakete vorbei?«
»Nein.« sagte Mama. »Das alles ganz von allein.«
Sophie wollte das nicht so richtig glauben, begann dann aber zu tippen und hörte nicht auf, bevor sie fertig war.
»Und nun ab die Post.« rief sie begeistert und klickte mit der Maus auf ‚Senden‘.
»Mein ist jetzt wirklich schon bei Oma angekommen?«
Mama nickte.
»Das werde ich sofort überprüfen.«
Sophie sprang auf, verließ die Wohnung und lief eine Etage tiefer.
»Oma, wo bist du? Ich habe dir einen Brief geschrieben. Ist der schon da? Schau doch mal in deinen Computer.« war das Letzte, das Mama durch die offene Tür hörte.

Nach einer Viertelstunde kam Sophie wieder nach oben. Sie war ganz aus der Puste, setzte sich aber sofort wieder zu Mama an den Computer.
»Der Brief war tatsächlich sofort da. Unglaublich. Ich hab ihn dann gleich mit Oma zusammen gelesen. Danach haben wir mir dann auch geantwortet. Jetzt bin ich neugierig, ob das in die andere Richtung auch so schnell geht.«
Sie sah auf den Monitor und begann zu grinsen.
»Da ist ja mein Brief. Jetzt müssen wir beiden nur noch lesen was Oma und ich mir geschrieben haben.«

(c) 2015, Marco Wittler

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2 thoughts on “516. Eine E-Mail für Oma

  1. Tolle Geschichten.
    Mein Freund und ich führen eine Fernbeziehung und immer wenn er auf dem Rückweg nachhause ist telefonieren wir ganz lange. Nach einer Zeit kam dann immer das gemecker „erzähl mal irgendwas“ „irgendwas schönes irgendwelche Geschichten“ „einfach nur zuhören will ich“
    Irgendwann habe ich dann angefangen Kinder Geschichten vorzulesen. Die sind perfekt dafür. Danke! Wir sind in der Sammlung schon bei über der Hälfte!

    • Hallo Mia.
      Das ist auch von dir eine tolle Geschichte. Ich finde es klasse, dass ihr mit meinen Geschichten etwas für euch und die Heimfahrten gefunden habt.

      Lieben Gruß,
      der Marco

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