533. Der neue Bürgermeister

Der neue Bürgermeister

Der Kalender zeigte den fünfzehnten Februar. Montag Nachmittag. Im Rathaus wurde gerade gefeiert, denn am Tag vorher war ein neuer Bürgermeister für die Stadt gewählt worden. Dieser durfte nun die nächsten fünf Jahre die Stadt regieren und für das Wohl der Bürger sorgen.
Der neue Bürgermeister betrat zum ersten Mal sein neues Büro. Es war das größte und schönste Büro des ganzen Rathauses. Von hier hier aus, in einer der obersten Etagen, hatte man einen großartigen Ausblick auf die Innenstadt, in der gerade einige Menschen von Laden zu Laden liefen, um die ersten Einkäufe der Woche zu machen. Außerdem hielten sich, trotz der Winterkälte, einige Kinder auf dem Spielplatz neben dem neuen Marktplatz auf.
»Hach, ist das schön. In unserer Stadt macht es wirklich Spaß zu leben.«, sagte er zu sich selbst. »Ich bin froh, dass ich jetzt für alle Bürger da sein darf, um ihnen das Leben noch schöner und besser zu gestalten.«
Der Bürgermeister öffnete eines der Fenster und nahm einen tiefen Atemzug. Genau in diesem Moment wurde er von den Kindern des Spielplatzes entdeckt. Sie winkten ihm zu und riefen etwas, das nicht zu verstehen war.
»Was?«, rief der Bürgermeister zurück. »Was wollt ihr?«
Er verstand kein Wort.
»Moment. Ich komme runter.«
Schnell zog er sich seine Jacke über. Dann flitzte er hinunter in die Fußgängerzone, bis er vor einer Gruppe Kindern stand.
»Bist du der neue Bürgermeister?«, fragte ein Junge. »Ich kenn dich von dem Plakat da drüben.«
»Ja, ich bin der neue Bürgermeister.«, sagte der Bürgermeister grinsend. »Was kann ich für euch tun?«
Nun grinste der Junge.
»Das ist ja fein. Dann bist du auch für uns Kinder da?«
»Ich bin für alle Bürger in unserer Stadt da. Da gehört ihr Kinder auch zu.«
Das Grinsen des Jungen wurde immer breiter.
»Dann bist du ja gerade richtig gekommen. Wir brauchen nämlich deine Hilfe.«
Er zeigte mit der Hand über den Spielplatz.
»Heute ist das Wetter so schön sonnig und es ist auch nicht so kalt. Deswegen haben wir uns hier getroffen, um zu spielen. Aber der Spielplatz ist schmutzig. Überall liegt altes Laub vom Herbst und die Leute haben ihren Müll in den Sandkasten geworfen, obwohl es genug Mülleimer gibt. So macht das Spielen einfach keinen Spaß. Hilfst du uns beim sauber machen?«
Der Bürgermeister bekam einen verdutzten Gesichtsausdruck. Er sah zu seinem Büro hinauf, hinter dessen Fenster er seine grinsenden Mitarbeiter sehen konnte.
»Na klar. Ich helfe euch. Auch das gehört jetzt zu meinen Aufgaben.«
Er lud die Kinder in den nahen Einkaufsladen ein, wo sie sich Handschuhe und Müllsäcke kauften.
»Dann machen wir uns mal an die Arbeit.«
Und eine Stunde später sah der Spielplatz aus, als wäre er wie neu.

(c) 2016, Marco Wittler

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