566. Schneewittchen feiert Weihnachten

Schneewittchen feiert Weihnachten

Das Weihnachtsfest macht auch nicht vor dem Märchenland halt. In dieser ganz besonderen, sehr besinnlichen Zeit, dort vieles ganz anders, als wir es kennen.
Der Wolf macht Schneewittchen kleine Geschenke, die Ritter laden Feuer speiende Drachen zum Essen ein, Dornröschen feiert mit allen Feen, auch der Bösen, ein rauschendes Fest, die kleine Meerjungfrau schmückt ihren Weihnachtsbaum mit Seesternen und Rapunzel benutzt Teile ihres wirklich sehr langen Haars als Lametta.
Und auch Schneewittchen feiert Weihnachten. In diesem Jahr hat sie sich besonders viel Mühe gegeben. Jedem einzelnen ihrer sieben Zwerge hat sie ein paar wunderschöne Geschenke gemacht. Für den Kopf hat sie Mützen, Handschuhe für die Hände und Schals für die Hälse gestrickt, damit sie auf dem Weg zur Arbeit nicht frieren müssen.
Jedes Geschenk hat sie einzeln und liebevoll in buntes Geschenkpapier gewickelt und unter den Baum gelegt. Und dann ist es endlich so weit. Sie nimmt sich ein kleines Glückchen in die Hand, klingelt damit und lässt ihre sieben Zwerge herein.
Überglücklich stürmen sie herein. Sie bedanken sich bei Schneewittchen und drücken sie an sich. Dann schnappen sie sich ihre Geschenke, reißen das Papier auf und verteilen es überall im Raum.
Sieben Mützen werden ausgepackt, sieben Schals aus dem Geschenkpapier geholt und vierzehn Handschuhe überglücklich anprobiert.
Auch Schneewittchen hat Geschenke bekommen. Sieben Stück sind es an der Zahl. Von jedem ihrer Zwerge hat sie einen wunderschönen Edelstein geschenkt bekommen.
»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.«, freut sie sich und will die Zwerge nur zu gern zum Dank an sich drücken, aber sie sind nicht mehr da.
»Nanu?«, wundert sich Schneewittchen. »Wo seid ihr denn?«
Sie sieht sich überall im Raum um, kann aber keinen einzigen der sieben Zwerge entdecken. Das einzige, was sie sieht, sind große Berge zerrissenes Geschenkpapier.
»Wir sind doch hier!«, hört sie plötzlich sieben Stimmen.
Schneewittchen kämpft sich durch das Papier und sucht. Es hat sich tatsächlich so viel Papier aufgetürmt, dass die Zwerge darunter verschwunden sind.
»Ihr seid mir ein paar Lümmel.«, sagt sie lachend, gräbt die sieben Zwerge einen nach dem anderen aus und drückt sie an sich.
»Frohe Weihnachten, Jungs.«

(c) 2016, Marco Wittler

564. Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns

Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns

Arne saß mit seiner Freundin Amelie in seinem Zimmer. Gemeinsam sahen sie sich gerade ein Buch mit Weihnachtsbildern an. Auf einem davon war der Weihnachtsmann abgebildet.
Amelie kicherte. »Der hat aber einen dicken Bauch.«
Sie zeigte mit dem Finger auf den Bauch und lachte. »Der ist ja noch dicker als mein Opa.«
Arne lachte auch. »So einen dicken Mann habe ich noch nie gesehen.«
Er kam auf eine Idee. Arne stand auf, nahm das Buch unter den Arm und Amelie an die Hand. Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer.
»Papa!«, stürmte er los und legte sein Buch auf den Tisch. »Warum ist der Weihnachtsmann so dick?«
Papa sah auf das Bild und blickte dann Mama fragend an, die sich gerade um die kleine Schwester Anna kümmerte.
»Das weiß ich leider nicht. Aber dem Papa fällt bestimmt die richtige Antwort noch ein.«
Sie grinste.
Papa bekam einen roten Kopf. Die richtige Antwort? Woher sollte er die nur nehmen?
Schnell griff er nach dem Buch, blätterte ein paar Seiten vor, ein paar zurück, bis er wieder den Weihnachtsmann vor sich sah.
»Also gut. Warum ist der Weihnachtsmann so dick? Schauen wir mal, was hier alles steht.«
Papa glitt mit dem Zeigefinger an ein paar Buchstaben entlang und las.
»Ah! Hier ist auch schon die Antwort.«
Arne und Amelie setzten sich mit an den Tisch, stützten ihre Köpfe mit den Händen auf hörten gespannt zu. Selbst Anna schien zu gefallen, was Papa zu erzählen hatte.

Der Weihnachtsmann war einmal ein großer, schlanker und sportlicher Mann. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit füllte er seinen großen Sack mit Geschenken, legte sich diesen über die Schulter und machte sich zu Fuß auf den Weg zu den Menschenkindern, um ihnen eine Freude zu machen.
Er kletterte an Dachrinnen hinauf auf die Dächer und rutschte durch die Kamine in die Wohnzimmer. Unter jeden Christbaum legte er Geschenke, die er in den Sommermonaten wohl überlegt ausgesucht hatte. Dann ging es weiter zum nächsten Haus.
Der Weihnachtsmann war wirklich sehr sportlich. Er schaffte den Weg zu allen Kindern in nur einer Nacht, so schnell war er zu Fuß.
Doch eines Tages, an einem schon lange zurück liegenden Weihnachtsfest, bekam er großen Hunger.
»Nanu, was ist denn jetzt los?«, wunderte er sich. »Ich habe noch nie Hunger verspürt, wenn ich Geschenke verteilt habe.«
Er dachte kurz nach. Dann fiel ihm ein, dass er sein Abendessen vergessen hatte. Nun war es dafür zu spät.
»Ich muss etwas zu Essen finden, sonst schaffe ich nicht den ganzen Weg.«
Der Weihnachtsmann sah sich um, wo er sich gerade befand, nämlich mitten in einem Wohnzimmer.
»Schau an, schau an. Was haben wir denn da?«
Auf einem Tisch stand eine Schale mit frisch gebackenen Keksen. Ihr Duft lockten den Weihnachtsmann magisch an.
»Wenn ich mich nicht täusche, sind das Weihnachtskekse. Vielleicht sollte ich sie einmal probieren.«
Der Weihnachtsmann hatte noch nie Kekse gegessen. Am Nordpol gab es keinen Laden, wo man sie kaufen konnte. Zum selber backen fehlte ihm die Zeit.
Er stopfte sich einen Keks in den Mund und kaute darauf herum.
»Mmh, ist das lecker«.
Er nahm einen zweiten Keks, dann noch einen, bis schließlich die Schale leer war.
»Wie?« Keine Kekse mehr da? Schade. Na gut, dann mache ich mich wieder auf meinen Weg.«
Der Weihnachtsmann lief zum nächsten Haus und kletterte dort ins Wohnzimmer. Auch hier fand er eine Schale mit Keksen.
»Glück gehabt. Ich kann weiter naschen.«
So ging es dann in jedem Haus. Der Weihnachtsmann brachte Geschenke und nahm sich dafür Kekse.
Als er einige Stunden später wieder auf dem Heimweg war, fiel ihm das Laufen schwer. Nur mit größter Mühe konnte er sich zum Nordpol schleppen.
»Was ist denn nur mit mir los?«, wunderte er sich.
»So schwer ist mir das Laufen noch nie gefallen. Ich bin doch ein guter Sportler.«
Er legte den leeren Geschenkesack zur Seite und sah zu seinen Füßen hinab. Er versuchte es jedenfalls. Denn die Füße waren nicht mehr zu sehen. Sie waren unter einem dicken Bauch versteckt.
»Oh nein. Was ist passiert? Ich bin plötzlich ganz dick geworden. Wie konnte das nur geschehen?«
Dem Weihnachtsmann fielen wieder die vielen Schalen voller Kekse ein, die ihm so gut geschmeckt hatten. Er seufzte laut und schlich sich nach Hause.
»Jetzt muss ich mir etwas Neues überlegen, wie ich im nächsten Jahr meine Geschenke an die Kinder auf der ganzen Welt verteilen kann. Ich glaube, ich sollte mir einen Rentierschlitten anschaffen.«

Arne, Amelie und Anna sahen Papa mit großen Augen an.
»Und das ist wirklich so passiert?«, fragte Arne zur Sicherheit.
»Ganz bestimmt.«, antwortete Papa. »Das steht sogar hier im Buch.«
Arne nahm ihm das Buch aus der Hand und sah sich die Buchstaben an.
»Schade, dass ich noch nicht lesen kann. Aber wenn du sagst, dass es hier steht, dann wird das auch richtig sein.«
Er nahm Amelie wieder an der Hand und ging mit ihr zurück in sein Kinderzimmer.

(c) 2016, Marco Wittler

412. Der Nikolaus ist krank

Der Nikolaus ist krank

Klaus nieste laut. Er zog ein frisches Taschentuch aus der Verpackung und putzte sich schnaubend die Nase.
„Oh nein. Ich bin krank. Warum muss mir das gerade heute passieren? Ich hab doch keine Zeit für eine Grippe.“
Noch einmal nieste er und hustete gleich ein paar mal hinterher.
„Ich muss doch noch arbeiten.“
Er sah auf dem Kalender. Es war der fünfte Dezember. Die Uhr an der Wand schlug sechs Uhr am Abend.
„Die Kinder werden traurig sein, wenn sie ihre Lieferung nicht pünktlich bekommen.“
Klaus rappelte sich hoch, schleppte sich zur Garderobe und holte seinen roten Mantel hervor. Doch dann begannen seine schwachen Beine zu zittern und zwangen ihn, sich wieder in seinen Sessel zu setzen.
„Ach, es hat keinen Sinn. Ich kann heute nicht der Nikolaus sein.“
Klaus seufzte laut, schnäuzte in sein Taschentuch und wünschte sich einen warmen Tee herbei. Doch die Küche war ein paar Meter entfernt und er fühlte sich nicht kräftig genug, um hinüber zu gehen.
Langsam beugte er sich zum Schreibtisch rüber und zog sein Telefonbuch zu sich. Er blätterte durch die Seiten.
„Irgendwer muss mir helfen. Einer meiner Freunde muss den Job dieses Jahr für mich übernehmen.“
Es dauerte eine Weile, bis er jemanden fand, der bereits Erfahrungen im Verteilen von Geschenken hatte. Also zog Klaus sein Handy aus der Hosentasche und wählte die passende Nummer.
„Olli?“, fragte Klaus.
„Olli, bist du das? Ich versteh dich so schlecht. Ich hab eine Grippe und kann nicht so gut hören. Kannst du bitte schnell zu mir kommen? Ich brauche unbedingt deine Hilfe.“
Olli sagte tatsächlich zu und machte sich, zur Erleichterung des Nikolauses, sofort auf den Weg. Es dauerte nur eine halbe Stunde, bis er an die Tür klopfte.
„Komm rein.“, rief Klaus.
„Die Tür ist offen.“
Olli trat ein, klopfte sich den Schnee von den Füßen und hüpfte besorgt ins Wohnzimmer.
„Klaus, was ist denn los? Kannst du etwa nicht zur Arbeit? Heute ist doch dein großer Tag.“
Klaus schüttelte den Kopf und hielt seinem Freund ein Thermometer unter die Nase.
„Ich hab sogar Fieber. Das ist mir noch nie passiert.“
Olli sah auf die Anzeige.
„Du kannst auf keinen Fall arbeiten. Dafür bist du eindeutig zu krank. Das werde dieses Jahr ich für dich machen.“
Klaus seufzte erleichtert.
„Danke, mein Freund. Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann.“
Olli grinste.
„Wir arbeiten doch beide das Gleiche. Wir beschenken die Kinder dieser Welt. Was spielt es da für eine Rolle, ich das zu Ostern mit einem Berg Eiern mache oder zu Nikolaus mit Schokolade?“
Olli der Osterhase schnappte sich den großen Sack des Nikolauses und hüpfte damit in den Schnee hinaus.

(c) 2012, Marco Wittler

411. Die dicke Schneeflocke

Die dicke Schneeflocke

In den Wolken herrschte reges Treiben. Unzählige kleine Schneeflocken machten sich bereit auf ihren ganz großen Auftritt. In ein paar Minuten würden sie zur Erde fallen und sie weiß färben.
»Leute, ihr wisst, was zu tun ist.«, sagte der Schneegeneral.
»Aber zur Sicherheit gehen wir den Plan noch einmal durch.«
Die Schneeflocken nickten eifrig und hörten ihm zu.
»Um Punkt achtzehn Uhr öffnen wir die Wolkentore. Ihr werdet euch in Zweierreihen aufstellen und dann todesmutig in die Tiefe stürzen. Ich erwarte von euch einen erstklassigen Sprung zur Erde. Keiner von euch wird aus der Reihe tanzen. Also dreht euch schön hin und her, damit sich die Menschen da unten über euch richtig freuen können.«
Die Schneeflocken hoben die rechte Hand an die Stirn und salutierten.
Nur noch fünf Minuten. Die Aufregung steigerte sich immer mehr. Nur eine dicke Flocke war etwas unsicher. Das lag aber auch daran, dass sie von den anderen immer gehänselt wurde.
»Du fällst bestimmt wie ein schwerer Stein zum Boden.«, flüsterten sie ihr immer wieder zu.
»Du bist eine Schande für das ganze Schneeflockenvolk. Dich hätte man gar nicht erst ausbilden sollen.«
Und dann war es so weit. Die Tore der Wolken wurden geöffnet. Der General stand ganz vorn und gab das Kommando zum Sprung.
»Auf geht’s, Männer. Ich will keine Angst in euren Augen sehen. Los, raus mit euch.«
Die Flocken reihten sich ein und sprangen in die Tiefe. Sie tanzten in der Luft hin und her, wirbelten wie wild herum und färbten die Erde schließlich weiß ein, als hätte jemand ein großes Laken ausgebreitet. Doch dann kamen die Flocken ins Stocken. Es ging nicht mehr weiter.
»Los, dicker. Mach schon. Entweder du springst oder machst uns Platz.«, rief jemand von hinten.
»Du bist eh viel zu dick für den Job.«
Alle lachten. Das machte es der dicken Schneeflocke noch viel schwerer zu springen.
»Hör nicht auf sie.«, flüsterte der General.
»Ich war in meiner Jugend auch dick und nun schau, was aus mir geworden ist. Wenn du nur ganz fest an dich glaubst, dann kannst du alles erreichen.«
Er zwinkerte freundlich.
»Und nun spring. Ich bin davon überzeugt, dass du für etwas ganz Besonderes bestimmt bist.«
Die dicke Schneeflocke schöpfte Hoffnung. Sie sah sich noch einmal um, dann sprang sie nach draußen.
»Hui, ist das ein Wind.«, jubelte sie laut.
»Das macht riesig viel Spaß.«
Die anderen Schneeflocken sahen ihr nur verwirrt nach. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass sie wirklich springen würde.
»Aber wo lande ich denn jetzt?«, fragte sich schließlich die dicke Flocke, als der Boden unter ihr schon bedrohlich nahe gekommen war.
Doch dann war es bereits zu spät, sich darüber Gedanken zu machen. Sie blieb an der Spitze einer großen Tanne hängen.
»Schaut mal.«, rief ein Kind aus einem nahen Haus.
»Da draußen glitzert etwas auf unserem Weihnachtsbaum.«
Sofort liefen die Menschen nach draußen und besahen sich die dicke Schneeflocke.
»Das ist noch viel schöner, als der Weihnachtsstern, den wir jedes Jahr auf die Spitze setzen.«
Also blieb in diesem Jahr der Weihnachtsstern im Keller und die Menschen feierten gemeinsam mit der dicken Schneeflocke, die nun richtig stolz war, dass sie sich getraut hatte, aus der Wolke zu springen.

(c) 2012, Marco Wittler

410. Weihnachten mit der Zahnfee

Weihnachten mit der Zahnfee

Eigentlich war es eine Nacht, wie jede andere auch. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, war es dunkel geworden und die Menschen lagen schlafend in ihren Betten. Um diese Zeit machte sich die kleine Zahnfee auf den Weg, um die Zähne der Kinder gegen einen Taler einzutauschen.
»Puh, ist das kalt heute. Ich hätte lieber zu Hause bleiben sollen.«, beklagte sich die kleine Fee und dachte an ihren weichen Sessel, der neben dem warmen Kamin stand.
Doch dann sah sie auf die Lange Liste mit Namen, die sie in Händen hielt.
»Warum müssen eigentlich immer bei schlechtem Wetter die meisten Wackelzähne herausfallen?«
Die Fee mochte keine Kälte und die ständig fallenden Schneeflocken machten es ihr noch schwieriger, vorwärts zu kommen. Immer wieder fielen sie auf die Flügel und brachten die kleine Fee damit aus dem Gleichgewicht.
»Wenn das so weiter geht, stürze ich noch ab und werde heute gar nicht mehr fertig.«, seufzte sie.
Doch dann hörte sie über sich ein seltsames Geräusch, das so gar nicht in die Ruhe der Nacht passte. Es waren leise Glöckchen, die ununterbrochen klingelten. Dazwischen mischte sich immer wieder ein lautes Lachen.
»Ho, ho, ho.«, war eine kräftige Männerstimme zu hören.
»Was mag das denn sein?«, wunderte sich die Fee, sah sich um und entdeckte sehr schnell einen großen Schlitten, der von neun fliegenden Rentieren durch den Himmel gezogen wurde. Gerade in diesem Moment setzte dieses sonderbare Gespann zur Landung auf einem Hausdach an. Im Schlitten selbst saß ein dicker Mann mit weißem Bart und rotem Mantel.
»Bist du auch eine Zahnfee?«, fragte die kleine Fee vorsichtig.
»Ich? Eine Zahnfee?«, fragte der Mann zurück.
»Sehe ich denn aus wie eine kleine zierliche Fee?«, amüsierte er sich und klopfte sich auf den dicken Bauch.
»Nein, ich bin der Weihnachtsmann. Heute ist Weihnachten und ich bringe den artigen Kindern Geschenke. Das mache ich jedes Jahr.«
»Ich bin aber eine Zahnfee.«, erklärte die kleine Fee.
»Ich sammel die herausgefallenen Wackelzähne der Kinder ein und schenke ihnen dafür einen Taler.«
Der Weihnachtsmann hörte es sich genau an und lächelte.
»Du hast eine verantwortungsvolle Aufgabe, die den Kindern viel Freude bringt. Aber ist das nicht alles ein wenig schwer, wenn man so klein ist und mit den eigenen Flügeln fliegen muss?«
Die kleine Fee seufzte laut.
»Du kannst dir nicht vorstellen, wie schwierig das ist. Aber ändern kann ich es leider nicht.«
Der Weihnachtsmann schmunzelte.
»Weißt du was? Ich habe da eine prima Idee.«
Er schob seinen großen Geschenksack zur Seite und schuf etwas Platz.
»Setz dich hin. Ich nehme dich heute Nacht mit. Wir besuchen beide Kinder, also haben wir das gleiche Ziel. Dann sind wir beide nicht allein unterwegs und können uns sogar unterhalten.«
Die kleine Fee freute sich und ließ sich sofort im Schlitten nieder. So schnell war sie noch nie unterwegs gewesen.

Von diesem Tag an, machten sich Zahnfee und Weihnachtsmann jedes Jahr an Weihnachten auf den Weg zu den Kindern, um sie glücklich zu machen.

(c) 2012, Marco Wittler

408. Ein Geschenk für einen besonderen Menschen

Ein Geschenk für einen besonderen Menschen

Klaus saß in seinem Sessel und warf einen Blick auf seinen Kalender. Es war der 23. Dezember. Nur noch einen Tag bis Weihnachten.
»Ob ich dieses Jahr artig genug war, um ein Geschenk zu bekommen?«, fragte er sich.
Doch dann fiel ihm ein, dass er etwas ganz Wichtiges vergessen hatte.
»Oh, nein, wie konnte mir das bloß passieren? Warum bin ich aber auch so vergesslich?«
Sofort stand er auf, flitzte zum Schreibtisch und holte Papier und Stift hervor. In seiner schönsten Sonntagsschrift brachte er die Wörter auf seinen Brief.
»Was ich mir zu Weihnachten wünsche.«, murmelte Klaus vor sich hin.
»Ich hätte gerne einen dicken, kuscheligen Teddybär zum Kuscheln, wenn ich mal alleine bin. Dann wünsche ich mir ein neues Spielzeugfeuerwehrauto zum Durst löschen. Zuletzt brauche ich noch eine neue, große Wärmflasche, damit ich im Bett nicht immer so kalte Füße habe. Das war es auch schon. Ganz liebe Grüße von deinem Klaus.«
Klaus faltete den Brief sorgfältig und steckte ihn in einen Briefumschlag. Dann zog er sich warm an und ging nach draußen. Es schneite so sehr, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte.
»Bei dem Wetter wird der Postmann bestimmt keine Briefkästen mehr leeren. Jetzt muss ich doch tatsächlich meinen Wunschzettel selbst am Nordpol  beim Weihnachtsmann abgeben. Hoffentlich schaffe ich es noch rechtzeitig.«
Klaus stapfte los. Zum Glück war der Weg einfach zu finden. Er musste einfach nur Richtung Norden gehen, bis er nach etwa zehn Minuten vor den Eingangstoren der Weihnachtszentrale stand. Er klingelte, wartete ein paar Sekunden, bis sich die Tür öffnete und trat dann ein.
»Ich hab hier noch einen Wunschzettel. Hoffentlich bin ich noch rechtzeitig gekommen, um meine Geschenke Morgen unter meinem Weihnachtsbaum zu finden.«
Sofort kamen ein paar Weihnachtselfen herbei gestürmt und nahmen ihm den Brief ab.
»Aber klar doch, Chef. Für dich machen wir das gerne. Wir haben auch schon den Schlitten für dich vorbereitet, damit du heute Abend pünktlich zu deiner Tour aufbrechen kannst. Wenn du wieder zurück bist, bekommst du deine Geschenke.«
Klaus atmete erleichert auf. Als Weihnachtsmann hatte er zum Fest so viel zu tun, dass er jedes Jahr so spät dran war. Zufrieden betrat er sein großes Büro und holte seinen roten Mantel aus dem Schrank. Es wurde Zeit, die artigen Kinder der ganzen Welt zu beschenken.

(c) 2012, Marco Wittler

371. Wenn sich Piraten fürchten

Wenn sich Piraten fürchten

Die Angst ging im Dorf um. In der kleinen Gemeinde am Meer war es still geworden. Alle Piratenschiffe lagen ungenutzt im Hafen. An diesem Tag traute sich keiner der Freibeuter aus dem Haus. Es war viel zu gefährlich, sich auf der Straße sehen zu lassen. Nur das leise Zirpen einer kleinen Grille war zu hören.
Doch dann wurde die Stille gestört. Das laute Läuten der Kirchenglocke ertönte hoch über den weiß verschneiten Straßen.
»Oh nein. Könnt ihr es hören?«, bibberten die Piraten in ihrem Versteck.
»Gleich ist es so weit. Sie werden kommen und uns holen.«
Ein leises Zähneklappern war zu hören. Sie wussten, dass sich das Verstecken nicht lohnte. Jedes Jahr hatten sie es versucht und jedes Jahr waren sie am Ende doch noch entdeckt worden.
»Oh je, da kommen sie.«
In den Straßen war plötzlich eine große Gruppe Frauen zu sehen. Sie hatten sich mit Fackeln bewaffnet und leuchteten in jedes Haus hinein.
»Kommt schon. Wir wissen, dass ihr da seid. Wir erwischen euch ja doch.«
Ganz still waren nun die Piraten. Dicht kuschelten sie sich aneinander und suchten bei den anderen Schutz. Doch dann öffnete sich die Tür zu ihrem Versteck und eine grimmige Frau trat herein.
»Ach Jungs. Was soll das denn? Warum hockt ihr denn jedes Jahr im gleichen Versteck? Außerdem ist es doch gar nicht so schlimm.«
Dann nahmen sie die zitternden Piraten an den Händen und führten sie hinaus. Jeder wurde in sein Haus gebracht, wo sie ängstlich schrien.
Nun fragst du dich sicher, wovor so ein mutiger Pirat Angst hat. Ich will es dir erzählen.
Jedes Jahr am Abend vor Weihnachten wird es Zeit, dass sich die Piraten baden. Der Dreck und Gestank von einem ganzen Jahr klebt an ihrer Haut und es ist dringend Zeit, dass sie mal wieder richtig sauber geschrubbt werden. Die Frauen möchten nämlich zur Feier beim Christbaum einen sauberen Mann am Tisch sitzen haben.
Und so müssen auch heute noch jedes Jahr zu den Feiertagen die Piraten unter lauten Protesten und Angstgeschrei in die Badewanne steigen.

(c) 2011, Marco Wittler

358. Der kleine Weihnachtself

Der kleine Weihnachtself

Nicki, der kleine Weihnachtself betrat die große Halle. Es war das erste Mal, dass er die Spielefabrik zu Gesicht bekam. Heute wurde er von seinem Lehrer hierher gebracht. Die Schulzeit war vorbei. Es wurde Zeit, dass er eine Aufgabe bekommen würde.
»Wow, das ist ja unglaublich. Ich hätte mir nicht vorgestellt, dass alles hier so riesig ist.«
Er bekam große Augen und konnte sich einfach nicht satt sehen.
»Der Weihnachtsmann ist ein sehr geschäftiger und gestresster Mann. Er ist immer im Zeitdruck.«, erklärte der Lehrer.
»Also ist es an uns, ihm so viel Arbeit, wie es nur geht, abzunehmen.«
Und schon verabschiedete er sich und ließ den kleinen Weihnachtself allein zurück.
»Aus dem Weg.«, rief ein älterer Elf und brachte einen Stapel leerer Geschenkkartons herein.
Nicki sprang zur Seite und stand schon wieder jemandem im Weg.
»Platz da. Vorsicht. Steht nicht einfach so rum.«
Der große Schlitten des Weihnachtsmanns wurde herein gezogen. Er wurde langsam Zeit, dass er auf Hochglanz poliert wurde. Eine Gruppe Wichtel lief heran. Sie waren mit Lappen, Eimern und Polierpaste bewaffnet und machten sich sofort an die Arbeit.
Nicki wusste nicht, wo er hin sollte. Egal, wem er aus dem Weg ging, sofort störte er jemand anderen.
»Aber ich will doch einfach nur arbeiten.«
Er verdrückte sich in eine Ecke und sah den anderen enttäuscht  zu.
»Ich werde mich hier bestimmt nie zurecht finden. Wenn ich doch bloß wieder zur Schule gehen könnte.«
Da trat ein großer, dicker Mann in einem roten Mantel auf ihn zu und lächelte ihn verständnisvoll an.
»Was ist denn mit dir los? Du siehst so traurig aus.«
Nicki ließ den Kopf fallen.
»Keiner hat Zeit für mich. Niemand gibt mir eine Aufgabe.«
Der große Mann hielt ihm eine Hand entgegen.
»Dann komm mal mit mir mit. Ich finde ganz bestimmt etwas für dich.«
Gemeinsam gingen sie durch die Halle.
»Hey, Kleiner.«, reif ein grimmiger Elf.
»Du kannst doch nicht dem Weihnachtsmann seine wertvolel Zeit stehlen. Was fällt dir eigentlich ein. Scher dich bloß weg von ihm.«
Aber der Weihnachtsmann hörte gar nicht darauf und ging mit Nicki weiter.
»Ich brauche jemanden, der meinen Rentieren zeigt, an welcher Stelle sie vor dem Schlitten zu stehen haben. Ich glaube, du bist genau der Richtige für diese Aufgabe.«
Er nahm den kleinen Elf mit den Händen hoch und setzte ihn auf den Schlitten.
Nicki war plötzlich unheimlich stolz, während seine Kollegen vor Neid erblassten. Von ihnen hatte noch kein einziger die Rentiere einweisen dürfen. Da wurde ihnen auf einmal klar, dass es besser war, wenn sie sich um die Neuankömmlinge in der großen Halle kümmerten.
»Und nun lasst uns den Sack mit Geschenken packen. Die Kinder warten schon auf mich.«, rief der Weihnachtsmann.

(c) 2010, Marco Wittler

292. Die unerwartete Weihnachtsüberraschung oder „Papa, wer beschenkt den Weihnachtsmann?“ (Papa erklärt die Welt 31)

Die unerwartete Weihnachtsüberraschung
oder ›Papa, wer beschenkt den Weihnachtsmann?‹

Sofie saß auf dem Sofa und blätterte durch einen Bestellkatalog. Fast auf jeder Seite fand sie etwas für ihren Wunschzettel.
Da gab es rosa Bettwäsche, kleine Ponys für ihre Puppen, ein neues Brettspiel, Hörspiele und noch vieles mehr.
»Oh je, was soll ich mir denn jetzt aussuchen? Das gefällt mir doch alles.«
Aber Papa hatte darauf bestanden, dass der Wunschzettel nicht zu lang werden dürfe.
»Na? Kommst du gut voran?«, fragte plötzlich Papa, der durch die Tür ins Wohnzimmer sah.
»Und denk daran. Wenn du dir zu  viel wünschst, glaubt der Weihnachtsmann, dass du gierig bist. Dann kommt er dieses Jahr gar nicht zu uns.«
Sofie beherzigte diese Worte, seufzte und holte wieder ein paar Merkzettel aus dem Katalog heraus. Am Ende entschied sie sich für ein Puppenhaus und ein neues Hörspiel. Da sie aber noch nicht schreiben konnte, malte sie die beiden  Dinge auf ihren Wunschzettel und packte ihn dann in einen Umschlag.
»Ich bin fertig.«
Nur wenige Sekunden später kam Papa zu ihr.
»Dann bringe ich das mal schnell zur Post, sonst kommt dein Brief zu spät am Nordpol an. Dann liegen deine Geschenke erst Silvester unter dem Baum.
»Auf keinen Fall. Fahr ganz schnell zum Briefkasten.«
Sofie runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach. Papa bemerkte es sofort und seufzte. Er wusste genau, was nun geschehen würde. Er würde wohl doch noch nicht zur Post fahren können.
»Papa, wer beschenkt eigentlich den Weihnachtsmann?«
Papa hielt inne, kratzte sich am Kinn und dachte nach.
»Das ist eine sehr gute Frage. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich erst kürzlich gehört habe. Sie handelt zufällig vom Weihnachtsmann. Und die werde ich dir jetzt erzählen.«
Sofie strahlte über das ganze Gesicht.
»Oh ja, eine Geschichte.«
»Und wie fängt eine Geschichte immer an?«, fragte Papa.
Sofie lachte schon voller Vorfreude und antwortete: »Ich weiß es. Sie beginnt mit den Worten ›Es war einmal‹.«
»Ja, das stimmt. Absolut richtig. Also, es war einmal …«

Es war einmal der Weihnachtsmann. Er lebte weit weg von den Menschen in einem kleinen Haus am Nordpol. Dort verbrachte er das ganze Jahr, bastelte mit seinen Elfen Geschenke für die braven Kinder und fütterte jeden Morgen seine neun Rentiere.
Erst in der Weihnachtsnacht, ließ er seinen großen Schlitten anspannen und flog dann um die ganze Welt, um die einzelnen Geschenke zu verteilen. Und so war es auch in diesem Jahr.
»Es ist ja schon wieder so weit.«, sagte der Weihnachtsmann zu seinen Elfen.
»Morgen Nacht geht es wieder auf große Tour. Habt ihr schon meinen Reiseplan fertig und die Geschenke in meinen großen Sack sortiert? Ich bin ja schon so aufgeregt. Irgendwie ist es immer wie beim ersten Mal. Hoffentlich schlafen auch alle Kinder, wenn es los geht.«
Dann streichelte er seinen dicken Bauch und dachte dabei schon an die vielen leckeren Kekse und die Milch, die er als Dankeschön vor den Christbäumen fand.
»Wie gut, dass ich den Sommer über Diät gehalten habe. Da darf ich mir dann auch mal was Süßes gönnen.«
Da fing er selbst an zu lachen und die Elfen stimmten munter mit ein. Denn der Bauch des Weihnachtsmannes war in den letzten Monaten nicht um einen einzigen Zentimeter dünner geworden.
»Doch bevor es los geht, werde ich noch ein wenig trainieren gehen.«
Dann zog er sich seinen roten Mantel über und kletterte ein paar Mal in seinem Trainingskamin rauf und runter.

Am nächsten Abend waren sie dann alle vorbereitet. Rudolph und die anderen Rentiere Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen hatte ihre Geschirre angelegt bekommen. Der riesige Schlitten stand beladen hinter ihnen. Es fehlte nur noch der Weihnachtsmann.
»Ich komme noch zu spät.«, rief er verzweifelt.
»Aber ich kann noch nicht los. Ich finde das wichtigste Geschenk nicht.«
Die Elfen beruhigten ihn aber wieder.
»Es ist alles in Ordnung. Kümmer dich um deine Flugtour. In der Zeit suchen wir es. Wenn du zurück bist, liegt es auf deinem Schreibtisch.«
Und los ging der wilde Flug. Es ging über die eisigen Felder des Nordpols, hinweg über die verschneiten Länder. Durch jeden Kamin wurden Geschenke gebracht. Sogar in den kleinsten Hütten im warmen Afrika wurden die Kinder glücklich gemacht. Innerhalb kürzester Zeit war alles erledigt.
Kurz vor Sonnenaufgang landete der Schlitten wieder vor dem großen Haus des Weihnachtsmannes.
Müde und erledigt öffnete der Weihnachtsmann seine Tür und ließ sich ein paar Meter weiter in seinen Sessel fallen.
»Das war ganz schön anstrengend. Aber ich habe es mal wieder geschafft.«
In diesem Moment klopfte es und ein lang erwarteter Gast trat ein.
»Ich gratuliere dir, mein Freund. Wieder einmal hast du die Kinder der ganzen Welt beschenkt. Dafür hast du dir aber auch selbst etwas verdient.«
Es war, ob man es glauben mag oder nicht, der Osterhase. Er setzte sich zum Weihnachtsmann und schob ihm ein kleines Päckchen mit einer großen Schleife zu.
»Das ist für dich.«
Der Weihnachtsmann konnte es kaum erwarten und öffnete seine Geschenk sofort.
»Du meine Güte. Das sind ja neue Socken. Sogar in rot. Das ist doch meine Lieblingsfarbe.«
Mit großer Freude bedankte er sich beim Osterhasen und drückte ihn an sich.
»Die hebe ich mir für nächstes Jahr auf. Dann kommen sie über den Kamin. Ich hoffe mal, dass mir dann der Nikolaus ein paar leckere Kekse hinein steckt.«
Dann ging er schnell zu seinem Schreibtisch und holte das Geschenk für seinen Freund.
»Und das hier ist für dich.«
Der Osterhase beäugte zunächst das Päckchen von allen Seiten, bevor er es langsam und bedächtig öffnete.
»Schau mal einer an. Das sind ja neue Ohrenschützer für den Winter. Das freut mich aber sehr.«
Er setzte sich sofort aus und probierte sie gleich draußen vor der Türe aus. Denn am Ende jeder heiligen Nacht veranstaltete er mit dem Weihnachtsmann und seinen Elfen eine große Schneeballschlacht.

»Er bekommt sein Geschenk vom Osterhasen?«, fragte Sofie ungläubig.
»Davon habe ich ja noch nie gehört. Woher weißt du das denn?«
Papa wurde rot im Gesicht.
»Naja. Es ist schon ziemlich lange her. Aber früher war ich mal einer dieser Elfen und habe dem Weihnachtsmann geholfen, die Geschenke zu basteln.«
Da musste Sofie lachen und drückte Papa an sich.
»Die Geschichte war prima. Aber trotzdem glaube ich dir davon kein einziges Wort.

(c) 2009, Marco Wittler

159. Glühwürmchen

Glühwürmchen

Die Tage waren kürzer geworden. Die Anzeige auf dem Thermometer  fiel und eine unüberschaubare Menge Schnee hatte sich auf die Erde gelegt. Überall auf dem Boden glitzerte das Licht von Mond und Sternen.
Weihnachten stand vor der Tür und alle Menschen bereiteten sich fieberhaft darauf vor. Die letzten Geschenke wurden verpackt und Häuser festlich geschmückt. Auch ein großer Weihnachtsbaum durfte in keiner einzigen Stube fehlen.
Das war im nahen Dorf so und in der Schule für Hexen und Zauberer nicht anders. Doch hier war alles etwas anders.
Der Schuldirektor, ein alter Zauberer mit langem Bart stand in der großen Eingangshalle und überwachte die Arbeiten des Hausmeisters. Dieser hatte nämlich gerade ein paar grüne Zweige unter der Decke angebracht und stemmte nun eine ziemlich große Tanne in einen Baumständer.
»Noch ein kleines Stück zurück. Nein, jetzt wieder etwas nach links. Ja, genau. Das ist perfekt.«
Der Baum stand und wurde festgeschraubt. Nun würde er während der Feiertage alle Schüler erfreuen.
»Aber was lasse ich mir denn in diesem Jahr einfallen, um ihn richtig zur Geltung zu bringen?«, fragte sich der Direktor.
Er braucht schon einen ganz besonderen Schmuck, damit er sich von den Bäumen der Dorfbewohner abhebt. Schließlich sind wir doch eine Zauberschule.«
Er zog sich seinen dicken Mantel an und begab sich in den Wald. Dort sah er sich überall um. Doch die letzten Pilze des Herbstes und ein paar alte Moose waren alles, was er fand.
»Also damit kann ich nun wirklich nichts anfangen.«
Doch in diesem Moment wurde er auf ein kleines Loch in einem Baum aufmerksam, in dem es seltsam leuchtete. Er ging vorsichtig näher und sah hinein.
»Du meine Güte, das ist ja ein ganzer Schwarm Glühwürmchen. Das ist genau das, wonach ich gesucht habe.«
Er holt mit der Hand ein Glühwürmchen nach dem anderen aus dem Loch und verstaute sie in einer kleinen Holzkiste, die er zuvor aus seiner großen Tasche genommen hatte.
»Wenn ich die kleinen Tierchen in gläserne Kugeln steckte, werden sie den Baum in ein herrliches Licht eintauchen. Die Schüler werden begeistert sein.«
Mit seinem Fund machte er sich schon nach ein paar Minuten auf den Heimweg.

Zurück in seinem Büro zauberte sich der Direktor eine große Kiste mit gläsernen Kugeln. In jede dieser Kugeln sperrte er nun jeweils einen der kleinen Leuchtkäfer.
Am Abend rief er alle Schüler in die Eingangshalle. Jeder sollte sich beteiligen und den Baum schmücken.
»Zuerst kommt das Lametta an die Äste, danach die Strohsterne und Engelsfiguren. Ganz zum Schluss hängt ihr die leuchtenden Kugeln an den Baum.«
Die Schüler sahen in die Kiste und bekamen große Augen. Sie konnten es nicht glauben, aber in jeder einzelnen Kugel war ein kleines Glühwürmchen gefangen.
Der Schulsprecher nahm eine von ihnen und trat vor den Direktor.
»Es tut mir leid, aber wir können diese Tiere unmöglich so an unseren Baum hängen. Es sind lebende Wesen und sie sind bestimmt nicht glücklich darüber, dass sie nun eine lange Zeit in einer Glaskugel verbringen müssen.«
Darüber hatte der Direktor gar nicht nachgedacht.
»Du hast natürlich Recht, mein Junge. Jetzt habe ich ein richtig schlechtes Gewissen. Was machen wir denn nun? Wir brauchen doch eine festliche Beleuchtung für unseren Baum.«
Doch die Schüler hatten bereits eine Idee. Sie schraubten die vielen Kugeln auf und ließen die Glühwürmchen frei. Zum Dank flogen die kleinen Käfer nun in den Baum hinein, verteilten sich auf den Ästen und leuchteten um die Wette.
»Sie wollen den ganzen Winter über hier in der warmen Schule verbringen. Es gefällt den Glühwürmchen hier viel besser als im kalten Wald. Sie möchten allerdings nie wieder eingesperrt werden.«, sagte der Schulsprecher.
»Dafür werde ich höchstpersönlich sorgen.«, versprach der Direktor.
Nun leuchtete der Weihnachtsbaum so schön und hell, wie er es in keinem anderen Jahr zuvor getan hatte. Und alle paar Minuten flogen die kleinen Tierchen um die Baum herum und ließen sich an einem neuen Platz nieder.

(c) 2008, Marco Wittler