Gefangen in der Trizone
Die Türen des Turbolifts öffneten sich mit einem leisen Zischen zu beiden Seiten und verschwanden in den Wänden. Captain Teddy, Kommandant des Raumschiffs SILBERTATZE grinste. Er griff sich mit den Pfoten an beide Ohren, wie er es jedes Mal tat, wenn er sich selbst Glück wünschte und sprang in den großen Raum, der sich vor ihm erstreckte.
Er fühlte sich großartig. Dieser Stunt, die Meisterwerk einer akrobatischen Leistung, hätte sogar Spider-Teddy in den Schatten gestellt. Zumindest stellte er es sich in diesem Moment so vor.
»Besatzung hergehört!« Er ließ seinen Blick kreisen, sah jedem anwesenden Plüschtier in die Augen. »Unsere Kommandobrücke ist viel zu ungemütlich. Wir müssen jeden Tag eine ganze Schicht hier verbringen. Da sollten wir es uns auch gemütlich machen können.«
Captain Teddy zog eine Fernbedienung mit nur einem Knopf aus der Tasche seiner Uniformjacke. Er drückte darauf. Das Licht erlosch. Dafür flammten vier Scheinwerfer auf, die sich in der Mitte des Raums kreuzten. Unter dem Sessel in der Mitte entstand eine Öffnung, in die dieser langsam versankt. Stattdessen senkte sich nun von oben eine gemütliche Hängematte herab, in der er es sich mit einem wohligen Seufzer gemütlich machte.
»Setzt einen neuen Kurs. Wir sollten dringend die Chill-Out-Zone erkunden, kartografieren und schauen, ob wir mit einer neuen, unbekannten Zivilisation Kontakt aufnehmen können. Vielleicht lädt man uns auch auf einen frisch gebrühten Kaffee ein. Gegen eine leckere Limo hätte ich auch nichts einzuwenden.«
Noch bevor sich die SILBERTATZE in Bewegung setzen konnte, öffneten sich ein weiteres Mal die Türen des Turbolifts. Ein hochgewachsener, drahtiger Luchs mit langen Pinselhaaren auf seinen Ohrspitzen trat ein. Augenblicklich wurde es still auf der Brücke und die Temperatur schien um mehrere Grad zu sinken. Mit einem unguten Gefühl drehte Captain seinen Kopf und blickte den Neuankömmling erschrocken an.
»Mister Speck!«
Dieses Plüschtier war kein Mitglied der Mannschaft, sondern der persönliche Assistent und Adjutant des Admirals, der die gesamte Raumschiffflotte befehligte.
»Mister Speck!«, wiederholte sich Teddy, während er aufsprang und dem unangekündigten Besucher die offene Hand entgegenstreckte. Dieser ignorierte die Begrüßung.
»Captain Teddy Mc…«
Der Captain riss entsetzt die Augen auf. »Stopp! Nicht weiter!«
Speck ignorierte ihn. »Captain Teddy McTeddy, wie schön, dass wir uns endlich einmal persönlich begegnen.«
Teddy spürte alle Augen auf sich und meinte, ein leises Kichern aus mehreren Richtungen hören zu können. Er verfluchte den Erzähler dieser Geschichte für seine Einfallslosigkeit. Warum nur hatte er ihm diesen lächerlichen Namen gegeben, während andere Raumschiffskommandanten wie echte Helden klangen. Er seufzte genervt.
»Das Oberkommando macht sich Sorgen.«, fuhr Mister Speck fort. »Während die anderen Forschungsschiffe regelmäßig Berichte ihrer Forschungsreisen schicken, geschieht dies von der SILBERTATZE nur sehr unregelmäßig und in sehr großen Abständen. Es hat den Anschein, als würden sie keine neuen Welten entdecken, neues Leben und neue Zivilisationen. Aus diesem Grund wurde ich an Bord geschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen und sie eine Weile zu beobachten.«
Der Captain ließ kurz den Kopf hängen. Es war vorbei mit den ruhigen Tagen, an denen er einfach nichts tat. Nun musste er wohl oder übel seinem Job nachgehen.
»Wir sind sehr wohl an unserem Forschungsauftrag interessiert. Der falsche Eindruck entsteht eher dadurch, dass wir besonders weit fliegen und uns sehr intensiv mit unserer Arbeit auseinandersetzen.«
»Können sie mir das zeigen?«
Zeigen? Dieser Anstandswauwau mit den Pinselohren wollte jetzt und gleich zuschauen, wie die SILBERTATZE Forschungen betrieb?
»In Ordnung. Wenn sie es so wollen. Legen wir los.« Captain Teddy ließ mit seiner Fernbedienung die Hängematte verschwinden und seinen Sessel wieder erscheinen. Er nahm Platz. »Kurs setzen auf die Trizone.«, sprach er mit entschlossener Stimme. »Maximale Geschwindigkeit.«
Wäre Mister Speck nicht so gefühlskalt gewesen, er hätte schwer geschluckt. Die Trizone, ein System mit drei Sonnen, die um einen gemeinsamen Mittelpunkt kreisten und unzähligen, unerforschten Planeten. Die genaue Anzahl kannte niemand. Bewohnt wurden sie von drei berüchtigten Piratengruppen, die jede für sich standen, aber gemeinsame Sache machten. Die einen enterten vorbeifliegende Raumschiffe und verkauften sie als Ersatzteile im Kleinanzeigenmarkt, die anderen nahmen die Mannschaften fest und machten sie zu Sklaven, während die Dritten überall auftauchten und sich über andere Völker lustig machten.
»Es wird ausreichen, wenn wir zu Anfang eine leichtere Forschung anstreben.«, merkte Speck ausweichend an.
»Warum denn das?« Captain Teddy blickte dem Luchs direkt in die Augen. »Haben sie Angst? Wenn die SILBERTATZE Forschung betreibt, dann richtig.«
Der Flug ging schnell vorbei. In wenigen Stunden war die Trizone erreicht. Andere Raumschiffe waren hier nicht mehr anzutreffen. Wer sich u sein Hab, Gut und seine Mannschaft sorgte, umflog diesen Sektor mit genügend Abstand.
Captain Teddy ließ den Antrieb abschalten. Die SILBERTATZE glitt nun langsam an den einzelnen Planeten vorbei.
»Sehen sie? Alles völlig ungefährlich. Keine Piraten, keine Angriffe. Verstehe gar nicht, warum sich jedes Plüschtier ins Hemd macht, wenn es um die Trizone geht.«
Kaum hatte er das letzte Wort ausgesprochen, begann die Luft um den Kommandanten und den Adjutanten des Admirals zu glitzern. Sie konnten sich nicht mehr bewegen und verschwanden schließlich von der Brücke. Jemand hatte sie mit einem Transporterstrahl entführt.
Teddy und Speck fanden sich in einem dichten, grünen Dschungel wieder. Man hatte sie offensichtlich auf der Oberfläche eines Planeten abgesetzt. Noch ehe sie sich vorsichtig umschauen konnten, knackte ein Ast hinter ihnen.
Blitzschnell drehten sie sich um und sahen sich einer mannsgroßen Zitrone gegenüber. Sie trug kurze, zerschlissene Hosen und ein rotes Bandana um die Stirn. Ihr Blick war hasserfüllt. Sie spannte die Muskeln in ihren Armen an, die dicker waren als die Schenkel des Captains. Sie griff zu einem Holzprügel und ging direkt zum Angriff über. »TRIZONE!«, brüllte sie den beiden Raumfahrern entgegen.
Teddy grinste breit und schob Mister Speck zur Seite. »Das ist eine Aufgabe für einen echten Helden, nicht für einen Sesselfurzer.«
Er griff zum Gürtel und zog … Mister Speck gefroren der Blick. Wo war die Waffe des Captains? Statt einer Laserkanone hielt er eine Saftpresse in der Hand. Mit dieser stürzte er sich auf die Zitrone und quetschte sie bis auf den letzten Tropfen aus.
Er lachte und kippte seine Beute in ein Glas.
»Wie? Was?« Mister Speck war verwirrt. »Was ist da gerade passiert? Hatten sie keine Angst?«
Teddy McTeddy schüttelte den Kopf. »Angst? Wovor? Wir sind hier in Theos Trizonenkneipe. Dieses Spiel mit einer Zitronenmarionette machen wir jedes Mal, wenn ich Lust auf Limo habe.«
Das dichte Grünzeug des Dschungelpflanzen, schob sich zur Seite und gab den Blick auf eine Bar frei, dahinter ein gemütlicher Plüschwaschbär. »Prost Teddy!«
»Prost Theo!«
Mister Speck schüttelte den Kopf. Er setzte sich auf einen der Barhocker und seufzte. Das wird mir niemals jemand glauben.«
Captain Tedd lachte und legte den Arm auf die Schultern des Luchses. »Sie müssen es auch niemandem erzählen. Behalten sie es einfach für sich und genießen sie die Limo.« Er drückte ihm ein Glas in die Hand. »Willkommen an Bord, willkommen in meiner Mannschaft.«
(c) 2026, Marco Wittler

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