586. Wo sind die Ostereier?

Wo sind die Ostereier?

Es war Ostern. Max hatte die ganze Nacht kaum schlafen können, so aufgeregt war er. Und nun saß er mit Mama und Papa am Frühstückstisch und konnte es kaum erwarten, in den Garten zu laufen. Zum Glück spielte das Wetter mit. Die Sonne schien. Den Ostereiern sollte es also gut gehen. Sie würden nicht im strömenden Regen ertrinken.
»Wann darf ich denn endlich nach draußen?«, drängelte Max.
Mama verdrehte genervt die Augen. Diese Frage hatte sie ihrem Sohn mittlerweile schon fünf Mal beantwortet.
»Du wirst dich gedulden müssen, bis Oma und Opa da sind. Sie wollen mit in den Garten gehen.«
Max verzog den Mund und schmollte. So lange konnte er einfach nicht warten. Zu groß war die Gefahr, dass ihm jemand zuvor kam und alle versteckten Eier einsteckte.
Zum Glück kamen die Großeltern dann aber direkt nach dem Frühstück. Jetzt konnte es endlich losgehen. Max zog sich seine Schuhe an, öffnete die Tür zum Garten und lief mit seinem kleinen Korb nach draußen.
Er flitzte in die eine Ecke, von dort in die nächste Ecke. Er ging zu jedem Busch, sah hinter jedem Blatt nach und drehte jeden Stein einzeln um. Was er dabei fand war … Nichts.
Nirgendwo war auch nur ein einziges Ei zu finden. Auch der übliche Schokoladenhase befand sich nicht hier im Garten.
Verärgert lief Max zur Terrasse und warf seinen leeren Korb auf den Boden.
»Es war schon jemand vor mir hier und hat mir alle Einer geklaut.«
Er sah sich noch einmal um. Mit Blick auf den Zaun, den Papa um den ganzen Garten gebaut hatte, fiel ihm ein, dass es gar nicht so einfach war, von außen hier herein zu kommen.
»Oder der Osterhase war gar nicht hier.«, fügte er kleinlaut und traurig hinzu.
»Wie konnte mich der Osterhase nur vergessen? Er war doch jedes Jahr hier. Er wird doch bestimmt eine Liste mit allen Kindern haben, denen er Eier und Schokolade zu verstecken hat.«
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Verwirrt sah Mama den Rest der Familie an. Wer konnte das denn sein? Es waren alle Gäste bereits hier.
Sie ging zur Tür. Max folgte ihr neugierig. Dann öffneten sie gemeinsam die Tür. Als sie sahen, wer da vor ihnen stand, wären ihnen beinahe die Augen aus den Köpfen gefallen. Es war der Osterhase.
»Tut mir leid. Ich habe es nicht mehr rechtzeitig geschafft, etwas bei euch im Garten zu verstecken. Mir geht es grad nicht so gut.«
Entschuldigend zeigte er die beiden Krücken vor, auf die er sich stützte.
»Ich bin gestern hingefallen und habe mir ein Bein gebrochen.«
Max seufzte erleichtert. Der Osterhase hatte ihn doch nicht vergessen.
Der Osterhase griff hinter sich und holte ein gefülltes Osterkörbchen hervor.
»Das ist für dich lieber Max. Und jetzt muss ich weiter. Ich muss noch ganz viele Kinder besuchen.«
Max Augen begannen plötzlich zu leuchten.
»Moment mal. Ich werde dir helfen, wenn ich darf. Du zeigst mir die Häuser der anderen Kinder und ich werde für dich die Eier verstecken. Das wollte ich schon immer machen.«
»Und ich werde euch zwei mit meinem Auto durch die Stadt fahren.«, schlug Mama vor.
Der Osterhase lächelte verlegen und bedankte sich.
»Das ist wirklich oberklasse von euch. Mit Hilfe habe ich gar nicht gerechnet.«
Max und Mama packten die vielen bunten Eier in den Kofferraum des Autos. Dann fuhren sie zu dritt von einem Haus zum anderen und versteckten die Eier in allen Gärten und versüßten so das Osterfest der Kinder.

(c) 2017, Marco Wittler

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