Die dunkle Höhlenwelt (Hörgeschichte)

Die dunkle Höhlenwelt oder „Papa, woher kommen die Blitze?“
gelesen von Alex Frost

(c) 2018, Marco Wittler und Alex Frost

Und hier die Geschichte zum Lesen.

538. Wo bleiben die Gewitter?

Wo bleiben die Gewitter?

Max saß im Garten unter dem großen Sonnenschirm und schwitzte.
»Puh, ist das heiß heute. Da mag ich mich gar nicht bewegen. Hoffentlich wird es bald etwas kühler.«
Er sah auf das große Thermometer an der Wand.
»Was?«, rief er gequält. »Es sind schon sechsunddreißig Grad? Das ist mir echt zu heiß. Wie lange soll das denn so bleiben?«
Das wusste Papa leider auch nicht. »Wir können ja mal das Radio einschalten. Nach den Nachrichten kommt der Wetterbericht.«
Stöhnend erhob sich Papa aus seinem Liegestuhl nahm seine Füße aus dem kühlenden Wassereimer und schleppte sich ins Haus.
»Uh! Ah! Ist das heiß!«
Dann verschwand er durch die Terrassentür. Ein paar Minuten später kam er mit einem kleinen, tragbaren Radio wieder nach draußen. Er steckte ein paar Batterien in ein kleines Fach, suchte nach dem richtigen Sender und drehte die Lautstärke auf.
»Die Nachrichten laufen gerade. Wir haben Glück. Gleich kommt der Wetterbericht.«
Der Sprecher berichtete noch eine Weile von wichtigen, politischen Dingen, bis es dann endlich so weit war.
»Und nun zum Wetter. Der deutsche Wetterdienst hat eine Unwetterwarnung heraus gegeben, die ab heute Abend 18:00 Uhr gilt. Von Westen kommend ziehen Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und vereinzelten Hagelschauern auf. In der Nacht ziehen sie dann weiter in den Ostteil des Landes. Morgen bleibt es weiter schwül und es ziehen neue Gewitter auf, die sich vor allem im Sauer- und Siegerland entladen.«
Max seufzte, als Papa das Radio abschaltete.
»Och, man. Der Wetterbericht ist doof. Die sagen immer, dass es abends mit dem Gewitter los geht und sich alles abkühlt, aber hier in Hemer kommt das irgendwie immer einen Tag später als in anderen Städten. Tante Tina in Köln bekommt bestimmt schon heute das Unwetter.«
Mit dieser Behauptung hatte er gar nicht so unrecht. Im Sauerland kamen die Gewitter immer recht spät an.
»Woran liegt das eigentlich? Was ist denn bei uns anders?«
Papa überlegte, zuckte dann aber mit den Schultern. »Keine Ahnung.«
Max grinste. »Den dicken Gewitterwolken ist bestimmt der Weg ins bergige Sauerland zu anstrengend. Das ist wie bei Onkel Paul. Der braucht mit seinem dicken Bauch bergauf auch länger als ich.«
Papa lachte.
»Meinst du wirklich? Das kann ich nicht glauben. Wolken laufen doch nicht. Sie fliegen durch den Himmel.«
»Und wenn sie schlapp sind, laufen sie auf dem Boden weiter.«, behauptete Max immer noch. Lass uns einfach nachschauen. Du wirst es dann schon selbst sehen. Fahren wir den Wolken entgegen.«
Das ließ sich Papa nicht zwei Mal sagen. Den Spaß wollte er sich tatsächlich gönnen.

Ein Stunde später, Max und Papa waren gerade mit dem Auto auf einer einsamen, steilen Landstraße unterwegs, als es am Himmel langsam dunkel und grau wurde.
»Das Gewitter ist jetzt ganz nah. Jetzt müssen wir uns nur noch umschauen.«
Und dann sah Papa sie tatsächlich als erster. »Das glaub ich jetzt nicht.«, brachte er keuchend hervor.
»Das sitzt tatsächlich eine Wolke am Straßenrand.«
Mit müden Augen saß sie da und hielt den Daumen der rechten Hand hoch – das Zeichen von Anhaltern.
»Nehmt mich bitte mit!«, rief sie Max und Papa laut entgegen. »Ich schaff den Weg ins Sauerland nicht allein.«
Max lachte und zeigte mit dem Finger auf die Wolke.
»Siehst du? Ich hab es ja gewusst. Nehmen wir sie mit?«
Papa überlegte kurz. »Aber nur, wenn sie über unserem Haus als erstes regnet.«

(c) 2016, Marco Wittler

 

372. Gewitterblitze

Gewitterblitze

Es war bereits dunkel geworden, als die ersten Regentropfen in dieser Sommernacht vom Himmel fielen. Die Nacht war schwül und viel zu warm, doch in den nächsten Stunden würde es die lang ersehnte Abkühlung geben.
Aber als der Regen stärker wurde, kam starker Wind auf. Nur wenige Minuten später wurden die Wolken von einem hellen Licht zerrissen, dem ein lauter Schlag folgte. Es war ein kräftiges Gewitter, das nun über das Land zog und für Unruhe sorgte.
Hin und wieder sah Papa aus dem Fenster, nippte an seiner Tasse Tee, die schon lange kalt geworden war und las dann wieder ein paar Zeilen in seinem Buch.
Plötzlich war da ein leises Geräusch aus dem Kinderzimmer zu hören. Erst war es nur ein kleines Wimmern, doch dann steigerte es sich schnell zu einem Weinen. Papa seufzte und stand auf.
»Was ist es denn dieses Mal?«, murmelte er vor sich hin und warf einen Blick in das dunkle Zimmer.
»Warum weinst du denn, Leon?«, fragte er.
Sein kleiner Sohn saß weinend auf dem Bett und hatte seine Arme um seine Beine geschlungen.
»Ich kann nicht schlafen. Da draußen ist dauernd helles Licht und es kracht ganz laut.«
Wieder schluchzte er und dicke Krokodilstränen rannen an seinen Wangen herab. Papa sah nach draußen. Das Gewitter stand so unglücklich am Himmel, dass jeder Blitz zu sehen war und sein grelles Licht in das Kinderzimmer werfen konnte.
»Das ist doch nur ein Gewitter. Das ist nichts Schlimmes. Hier im Haus kann uns nichts passieren. Das weißt du doch.«
Tröstend nahm er Leon in den Arm, aber der Junge wollte sich trotzdem nicht beruhigen lassen.
»Aber es ist so hell. Da kann ich nicht einschlafen. Das ist gar nicht cool.«
Papa überlegte hin und her. Irgendwas musste ihm einfallen.
»Stört das helle Licht denn wirklich so sehr beim Einschlafen?«
Leon nickte.
»Das sieht man, auch wenn die Augen zu sind. Unter dem Kopfkissen kann ich mich auch nicht verstecken, da krieg ich dann nicht genug Luft.«
Papa hatte plötzlich eine Idee.
»Ich glaube, wir können das Gewitter verjagen. Wir müssen uns nur überlegen, womit wir das anstellen können.«
Er sah Leon grinsend an.
»Was ist das Schlimmste, dass du dir in der Nacht vorstellen kannst?«
Da musste Leon gar nicht lange überlegen. Die Antwort kam sofort aus ihm raus geschossen.
»Helle Gewitterblitze.«
Das war es. Leon musste nun auch grinsen. Er sprang aus seinem Bett und kramte nur Sekunden später einen alten Fotoapparat hervor.
»Ich werde das Gewitter von hier weg blitzen.«
Bei jedem Blitz, der sich nun vom Himmel herab wagte, drückte er den Auslöser seiner Kamera und blitzte zurück.
»Nimm das, du blödes Gewitter und lass mich endlich ruhig schlafen.«
Und wer hätte es gedacht? Nur fünf Minuten später war das Unwetter weiter gezogen. Das helle Licht wurde immer dunkler und der Donner war nur noch aus weiter Ferne zu hören.
»So werde ich das jetzt immer machen.«, gähnte Leon laut, als er sich zufrieden ins Bett legte.
Kurze Zeit später schlief er wieder tief und fest.

(c) 2011, Marco Wittler

226. Angst vor Gewittern

Angst vor Gewittern

Nils und Lili standen im Garten und sahen in den Himmel hinauf.
»Das sind aber viele Wolken.«, sagte Nils.
»Ob es gleich regnen wird?, fragte Lili.
Ihr Bruder zuckte nur mit den Schultern. Ihm war es egal. Im Moment war es noch trocken. Also warum sollte er sich sorgen machen?
Mit einem geübten Sprung landete er punktgenau im Sandkasten. Schon seit Tagen arbeitete er an seinem großen Projekt. Er wollte, die größte und schönste Sandburg besitzen, die je ein Kind gebaut hatte.
Lili saß jeden Tag bei ihm und sah begeistert zu, wenn sie nicht gerade nützliche Tipps gab, wie man die einzelnen Türme noch verschönern könnte.
Während die zwei Kinder dafür sorgten, dass die Burg entstand, zogen weitere Wolken über den Himmel. Mittlerweile waren die dick, schwer und dunkel geworden. Es schien sich ein starker Regenschauer anzukündigen. Es wurde trotzdem weiter im Sand gebaut.
Irgendwann sah Mama aus dem Fenster.
»Kinder, wollt ihr nicht lieber rein kommen? Es wird bestimmt gleich kräftig regnen. Ihr wollt doch nicht nass werden.«
Aber Nils schüttelte den Kopf. Die Burg war noch nicht fertig. Lili verneinte ebenfalls.
»Wenn Nils nicht rein geht, dann bleibe ich auch draußen.«
Doch ein paar Minuten später war es dann so weit. Von allen Seiten her grummelte es. Immer wieder jagten Blitze durch den Himmel. Die ersten Regentropfen fielen zu Boden.
»Wollen wir nicht doch rein gehen?«, fragte Lili besorgt.
»Ich hab doch Angst vor Gewittern.«
Nils sah sich verzweifelt um.
»Aber die Burg ist doch noch nicht fertig. Und wenn es jetzt anfängt zu regnen und wir aufhören, ist sie bis Morgen nur noch ein Haufen Matsch.«
Also blieben sie.
Der Regen wurde immer stärker. Schon bildeten sich kleine Pfützen im Sandkasten. Die Blitze kamen immer schneller und der Donner wurde ständig lauter.
»Jetzt will ich nicht mehr.«, rief Lili.
Das Mädchen sprang auf und lief zitternd ins Haus. Nils hatte ebenfalls die Angst gepackt. Gewitter waren ihm nicht geheuer.
Nun standen die beiden am Fenster und sahen traurig auf die Sandburg.
»Ich habe so lange daran gearbeitet.«, sagte Nils enttäuscht.
»Morgen ist nichts mehr davon übrig.«
Mama legte ihm ihre Hände auf seine Schultern und versuchte ihn aufzumuntern. Doch das klappte einfach nicht.
Plötzlich lief Nils los. Hatte er sich so sehr beim letzten Donnerschlag erschrocken? Nein, denn er stürmte in den Keller und kam kurz darauf mit zwei Windschutzmuscheln wieder hoch.
»Los Lili, komm mit nach draußen. Die Muscheln stellen wir als Zelt über die Burg. Dann bleibt sie ganz.«
Er öffnete die Tür zum Garten und lief los. Seine Schwester bleib allerdings im Haus und sah verzweifelt aus. Nur zu gern hätte sie geholfen. Aber sie traute sich einfach nicht.
Nils mühte sich ab. Es wollte einfach nicht so klappen, wie er es sich vorgestellt hatte. Immer wieder blies der Wind die Schutzmuscheln fort. Allein konnte er das unmöglich schaffen.
Lili fasste sich ein Herz. Sie holte sich ihre große Lieblingsmütze, zog sie tief ins Gesicht und lief nach draußen.
Es blitzte und donnerte kurz darauf. Doch davo ließ sie sich nun nicht mehr abhalten. Die große Sandburg war in Gefahr und musste unbedingt gerettet werden.
»Sag mal, schaffst du es mal wieder nicht ohne mich?«, fragte sie Nils und stellte sich stolz in den Regen.
»Wurde auch Zeit, dass du kommst. Warum hat es so lange gedauert?«
Lili lachte.
»Ich musste erst meine Mütze suchen. Dachtest du, ich hätte Angst? Im Leben nicht.«
Nun stellten sie gemeinsam die Muscheln auf. Aber der Wind war einfach zu stark.
»Ich habe eine Idee.«, sagte Lili.
»Wir bleiben hier draußen und halten sie fest, bis der Regen aufgehört hat. Das ist doch nur ein Gewitter.«
Nils sah sich zuerst ängstlich um. Bei diesem Wetter wollte er eigentlich nur so lange wie nötig draußen bleiben. Aber da selbst seine Schwester so mutig war, konnte er nun nicht mehr kneifen.
Die Kinder blieben tatsächlich die ganze Zeit draußen und beschützten ihre Burg, bis eine halbe Stunde später auch die letzten Regentropfen verschwunden waren und die Sonne zum Vorschein kam.
Die Burg war gerettet. Sie hatte nur hier und da ein paar kleine Beschädigungen, die von Nils aber schnell repariert werden konnten.
Schon am nächsten Tag konnten sie die größte und schönste Burg aller Zeit präsentieren.

(c) 2009, Marco Wittler