421. Das Weihnachtsglöckchen

Das Weihnachtsglöckchen

Weihnachten.
Der große Schlitten des Weihnachtsmanns flog geschwind um die ganze Welt, damit die Kinder überall rechtzeitig ihre Geschenke unter dem Baum finden konnten. Gezogen wurde er von neun kräftigen Rentieren, deren Zaumzeug mit wunderschön klingenden Glöckchen geschmückt war. Und diese Glöckchen waren unglaublich stolz darauf, den wachsamen Ohren die Ankunft des Weihnachtsmanns anzukündigen.
Kräftig schaukelten sie hin und her. Bei jeder Bewegung der Tiere und jeden Windhauch ließen sie ihren hellen Klang erklingen.
Doch dann geschah etwas, dass es so noch nie zuvor gegeben hatte. Bei einem der Glöckchen löste sich der Befestigungsknoten und es fiel hinab zur Erde.
„Oh nein, oh nein. Das darf nicht sein.“, weinte es traurig.
„An des Weihnachtsmannes Schlitten gehör‘ ich hin. Nicht dort, wo ich jetzt bin.“
Doch der Schlitten kam nicht zurück, denn den Verlust hatte niemand bemerkt. So lag das kleine Glöckchen auf einer verlassenen Straße, einsam und allein.
„Meine Hoffnungen schwinden. Kann mich bitte jemand finden?“, rief es verzweifelt.
Aber egal, wer an ihm vorbei kam, kein einziger Mensch nahm Notiz von ihm.
Irgendwann kam ein alter Straßenkehrer. Er war damit beschäftigt, die Gehweg vom Schnee zu befreien. Sein Augenlicht war nicht mehr das Beste. Und so geschah es, dass er das kleine Glöckchen ungesehen fort kehrte. Es rutschte in einen Abfluss und verschwand in der Dunkelheit.
Sofort kamen ein paar Mäuse herbei. Sie hatten Hunger und hofften auf etwas Fressbares. Stattdessen fanden sie das Glöckchen, ergriffen es mit ihren Pfoten und liefen damit zurück in ihre Höhle.
„Weh mir. Lasst mich frei. Ach, käme bloß endlich Hilfe herbei.“
Doch dann gab es eine große Überraschung. Die Mäuse wollten das Glöckchen gar nicht fressen oder ihm ein Leid antun. Sie hängten es in ihrer Höhle auf und erfreuten sich an seinem schönen Glanz.
„Einen Weihnachtsbaum kann ich euch leider nicht bieten.“, sprach der Mäusevater zu seiner Familie.
„Wir haben einfach nicht genug Geld dafür. Aber in diesem Jahr habe ich etwas viel Schöneres für uns gefunden. Ein echtes Weihnachtsglöckchen.“
Er tippte das Glöckchen vorsichtig mit der Pfote an und brachte es zum Klingen. Die kleinen Mäuse lauschten dem wunderschönen Geräusch und freuten sich, das schönste Weihnachtsfest aller Zeiten zu erleben.
Das Glöckchen selbst hatte nun seine Angst und seine Trauer verloren. Es hatte eine wichtige Aufgabe am Schlitten des Weihnachtsmanns gehabt. Doch was es nun tat, war sehr viel wichtiger. Es gab den ganz kleinen Wesen, die nicht viel im Leben hatten, einen kleinen Funken Hoffnung.

(c) 2012, Marco Wittler

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