545. Eine echte Superheldin

Eine echte Superheldin

Endlich war es wieder so weit. Die letzte Woche hatte lange genug gedauert. Endlich konnte Emma wieder eine Folge ihrer Lieblingsserie Supergirl sehen.
»Hach, ist sie nicht toll?«, schwärmte sie immer wieder, bis das Abenteuer ausgestanden und die Sendung zu Ende war.
»Ich wäre auch so gern eine Superheldin.«, sagte sie schließlich. »Ich will auch Superkräfte haben und den Menschen in meiner Stadt helfen.«
Sofort lief sie in Begleitung ihrer großen Schwester nach draußen in den Garten und probierte aus, was Besonderes in ihr steckte.
Zuerst sprang sie immer wieder in die Luft. Mehr als ein paar Zentimeter waren allerdings nicht drin.
»Mist. Fliegen kann ich nicht. Dann bin ich bestimmt sehr stark.«
Sie lief zu Papas Auto und packte es an der vorderen Stoßstange. Sie hob den Wagen hoch, dass heißt, sie versuchte es, bis ihr Gesicht rot anlief.
»Och nö. Superstark bin ich auch nicht. Aber vielleicht hab ich einen Hitzeblick oder Laseraugen.«
Angestrengt sah sie auf deinen Stein am Boden. Es tat sich aber nichts.
»Oder ich bin das schnellste Mädchen der Welt.«
Emma lief los. Sie lief so schnell, wie sie es noch nie in ihrem Leben getan hatte. Das war allerdings nicht sehr viel mehr wie im Sportunterricht.
»Ich hab nicht mal Superpuste. An meinem letzten Geburtstag hab ich eine Ewigkeit gebraucht, bis alle Kerzen auf der Torte aus waren. Ich bin keine Superheldin.«
»Sei nicht traurig, Schwesterchen.«, tröstete Lisa. »Nicht jeder Mensch kann eine Superheld sein. Dann wäre es ja auch nichts Besonderes mehr. Außerdem gibt es sowas nur im Fernsehen.«
Emma schüttelte den Kopf. »Ach Quatsch. Superhelden gibt es wirklich. Und wenn ich keine Superkräfte habe, dann suche ich halt jemand anderes. Ich werde einfach Superheldenhelferin. Jeder Superheld braucht Freunde, die ihn bei seinen Aufgaben unterstützen und alles dafür tun, seine geheime Identität zu schützen. Wenn ich bloß wüsste, wer von meinen Freunden ein Superheld ist.«
Sie flitzte zurück ins Haus und lief in ihr Kinderzimmer. Dort sah sich Emma die Telefonliste ihrer Mitschüler und Freunde genau an.
»Irgendwer von euch muss doch ein Superheld mit Superkräften sein.«
Nur leider konnte sie sich nicht daran erinnern, dass jemals eines der anderen Kinder etwas Besonderes getan hätte.
»Ich werde auch keine Superheldenhelferin. Das ist so gemein.«
Traurig setzte sie sich auf ihr Bett und zog ihre Decke über den Kopf.
»Das macht doch nichts, kleine Schwester.«, tröstete Lisa zum zweiten Mal an diesem Tag.
»Man muss keine Superkräfte haben, um Gutes zu tun und anderen Menschen zu helfen. Das geht auch ganz ohne. Es gibt sogar Superhelden, die ganz einfache Menschen sind.«
»Ja, du hast Recht. Und ich glaube, einen davon hab ich gerade gefunden.«
»Wen denn?«, fragte Lisa.
»Na dich. Du kannst ganz super anderen Menschen trösten und sie wieder glücklich machen. Du bist eine echte Superheldin. Und ich werde deine Superheldenhelferin.«
Überglücklich drückte Emma Lisa an sich.

(c) 2016, Marco Wittler

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