567. Eine schlaflose Nacht

Eine schlaflose Nacht

Timo lag im Bett und konnte vor Aufregung nicht schlafen. Beim letzten Blick auf die Uhr war es 22 Uhr gewesen. Der Schlaf wollte sich einfach nicht einstellen. Das Land der Träume war so weit entfernt, wie nie zuvor. Und die Zeit bis zum Aufstehen wollte ebenfalls nicht vergehen. Jedes Mal, wenn Timo auf die Uhr sah, war es nur ein paar wenige Minuten später geworden.
»Kann nicht endlich mal die Sonne aufgehen? Ich will, dass es endlich Weihnachten wird. Ich will endlich meine Geschenke auspacken. Wenn ich bloß schon wüsste, was ich alles bekomme.«
Timo tippelte ununterbrochen mit seinen Finger auf die Matratze. Das half aber auch nicht gegen die riesige Aufregung. An Schlaf war wirklich nicht zu denken.
Irgendwann wurde es dann draußen hell. Die Nacht war fast vorbei. Timo hatte das Gefühl, dass die dunklen Stunden mehrere Tage gedauert hatten.
»Endlich! Jetzt muss ich nur noch warten, bis mich Mama wecken will.«
Mama kam auch ein paar Minuten später und war überrascht, dass Timo schon wach war. Laut gähnend stand Timo auf, machte sich im Bad fertig und zog sich seine Klamotten an. Dann lief er die Treppe hinunter.
»Juhuu, es ist Weihnachten. Endlich ist es so weit. Endlich bekomme ich meine Geschenke.«
»Erstmal wird gefrühstückt.«, wurde er von Mama gebremst. »So lange wirst du noch warten müssen.«
Timo verzog den Mund, setzte sich dann aber ohne zu maulen an den Küchentisch. Noch während er sich Butter auf sein Brot schmierte, musste er laut gähnen. Einen Moment später fielen ihm die Augen zu und sein Kopf  sackte nach unten.
Timo war nach der langen Nacht so müde, dass er eingeschlafen war. Mama grinste, hob ihnvorsichtig vom Stuhl hoch und brachte ihn zurück in sein Kinderzimmer.
»Jedes Jahr das Gleiche. Bekommt er halt seine Geschenke heute Nachmittag.«
Sie legte Timo ins Bett, deckte ihn zu und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.
»Frohe Weihnachten, mein kleiner Schatz.«

(c) 2016, Marco Wittler

566. Schneewittchen feiert Weihnachten

Schneewittchen feiert Weihnachten

Das Weihnachtsfest macht auch nicht vor dem Märchenland halt. In dieser ganz besonderen, sehr besinnlichen Zeit, dort vieles ganz anders, als wir es kennen.
Der Wolf macht Schneewittchen kleine Geschenke, die Ritter laden Feuer speiende Drachen zum Essen ein, Dornröschen feiert mit allen Feen, auch der Bösen, ein rauschendes Fest, die kleine Meerjungfrau schmückt ihren Weihnachtsbaum mit Seesternen und Rapunzel benutzt Teile ihres wirklich sehr langen Haars als Lametta.
Und auch Schneewittchen feiert Weihnachten. In diesem Jahr hat sie sich besonders viel Mühe gegeben. Jedem einzelnen ihrer sieben Zwerge hat sie ein paar wunderschöne Geschenke gemacht. Für den Kopf hat sie Mützen, Handschuhe für die Hände und Schals für die Hälse gestrickt, damit sie auf dem Weg zur Arbeit nicht frieren müssen.
Jedes Geschenk hat sie einzeln und liebevoll in buntes Geschenkpapier gewickelt und unter den Baum gelegt. Und dann ist es endlich so weit. Sie nimmt sich ein kleines Glückchen in die Hand, klingelt damit und lässt ihre sieben Zwerge herein.
Überglücklich stürmen sie herein. Sie bedanken sich bei Schneewittchen und drücken sie an sich. Dann schnappen sie sich ihre Geschenke, reißen das Papier auf und verteilen es überall im Raum.
Sieben Mützen werden ausgepackt, sieben Schals aus dem Geschenkpapier geholt und vierzehn Handschuhe überglücklich anprobiert.
Auch Schneewittchen hat Geschenke bekommen. Sieben Stück sind es an der Zahl. Von jedem ihrer Zwerge hat sie einen wunderschönen Edelstein geschenkt bekommen.
»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.«, freut sie sich und will die Zwerge nur zu gern zum Dank an sich drücken, aber sie sind nicht mehr da.
»Nanu?«, wundert sich Schneewittchen. »Wo seid ihr denn?«
Sie sieht sich überall im Raum um, kann aber keinen einzigen der sieben Zwerge entdecken. Das einzige, was sie sieht, sind große Berge zerrissenes Geschenkpapier.
»Wir sind doch hier!«, hört sie plötzlich sieben Stimmen.
Schneewittchen kämpft sich durch das Papier und sucht. Es hat sich tatsächlich so viel Papier aufgetürmt, dass die Zwerge darunter verschwunden sind.
»Ihr seid mir ein paar Lümmel.«, sagt sie lachend, gräbt die sieben Zwerge einen nach dem anderen aus und drückt sie an sich.
»Frohe Weihnachten, Jungs.«

(c) 2016, Marco Wittler

565. Die Geschenke sind weg

Die Geschenke sind weg

Es war mitten in der Nacht, als das Handy klingelte. Es dauerte ein wenig, bis der Weihnachtsmann aus seinem tiefen Schlaf erwachte, auf das Display sah und den Anruf entgegen nahm.
»Hier Weihnachtsmann. Wer spricht?«, fragte er müde.
Er hörte ein paar Sekunden lang zu, nickte immer wieder und bekam dann große Augen.
»Das ist ja eine Katastrophe! Ich komme sofort!«
Er kletterte aus dem Bett, zog seine rote Hose, den Mantel und die schweren Stiefel an und verließ sein Haus. Sein Ziel war seine Spielzeugwerkstatt. Dort warteten bereits seine Wichtel und Weihnachtselfen.
»Ihr erlaubt euch auch keinen dummen Scherz mit mir?«, fragte der Weihnachtsmann, während er durch die große Eingangstür stürmte.
Aber die Frage konnte er sich selbst beantworten, als sein Blick auf den großen Geschenkesack fiel. Er war leer. Völlig leer. Kein einziges Geschenk steckte in ihm.
»Wir wissen auch nicht, wie das passieren konnte.«, entschuldigte sich der Oberwichtel. »Am Abend waren die Geschenke noch an Ort und Stelle. Dann fiel eine der Maschinen aus. Wir haben sie repariert. In dieser Zeit muss jemand alle Geschenke geklaut haben.«
Der Weihnachtsmann nahm seine Mütze vom Kopf und fuhr sich nervös mit einer Hand durch das weiße Haar.
»Aber Morgen ist Weihnachten. Dann warten die Kinder überall auf der Welt auf die Geschenke. Wir müssen schnell etwas unternehmen, sonst fällt das Fest ins Wasser. Etwas Schlimmeres hätte uns nicht passieren können.«
Er teilte seine Wichtel und Elfen in kleine Gruppen auf. Jeder sollte beim Suchen helfen. Der Weihnachtsmann aber blieb in der Werkstatt zurück und wartete auf gute Nachrichten.
Und während er immer wieder im Kreis lief, nervös auf die Wanduhr sah, hörte er plötzlich ein leises Kichern.
»Hm? Wer ist da? Wer lacht da über mich? Sofort raus kommen!«
Er sah sich um, blickte in jede Ecke und unter jede Maschine.
»Ha! Erwischt!«
Mit seinen großen Händen griff er zu und ließ nicht mehr los. Aus einem sonst leeren Holzfass der Weihnachtsmann zwei Engel heraus, denen es jetzt gar nicht mehr zum Kichern zu Mute war. Stattdessen bekamen sie knallrote Gesichter.
»Was macht ihr hier? Was habt ihr hier zu suchen?«
Die Engel sahen verschüchtert zu Boden und brachten kein einziges Wort heraus.
»Entweder ich bekomme sofort eine Antwort oder ich trage euch in mein goldenes Buch ein. Dann bekommt ihr dieses Jahr nämlich kein einziges Geschenk.«
Erschrocken sahen sie den Weihnachtsmann an. »Das kannst du doch nicht machen.«, beschwerten sie sich.
»Kann ich nicht?«
Der Weihnachtsmann ging zum Schreibtisch, schlug das Buch auf und griff zu seinem Füller.
»Halt! Moment!«
Sie flitzten zu ihm. »Ist ja schon gut. Wir haben die Geschenke versteckt. Es sollte nur ein dummer Streich sein. Wir geben sie dir ja zurück.«
Der Weihnachtsmann legte seinen Stift zurück.
»Wo sind sie?«
Die Engel liefen zu einem der großen Fenster und deuteten mit ihren Zeigefingern nach draußen.
»Wir haben sie dort in dem Schneehaufen versteckt.«
Und dann bekamen sie wieder rote Gesichter. »Vorhin war er jedenfalls noch da.«
Dort, wo der Haufen ein paar Stunden zuvor gestanden hatte, lag nun eine hohe, geschlossene Schneedecke. Es hatte kräftig geschneit.
Der Weihnachtsmann bekam einen wütenden Gesichtsausdruck.
»Wisst ihr eigentlich, was ihr da angestellt habt? In wenigen Stunden muss ich mich auf den Weg machen. Wenn wir die Geschenke bis dahin nicht gefunden haben, werden Millionen Kinder auf der ganzen Welt enttäuscht sein und fürchterlich weinen.«
Er überlegte, lief ein paar Mal im Kreis und überlegte weiter. Schließlich holte er sein Handy aus der Tasche.
»Jetzt kann uns nur noch ein absoluter Experte helfen, jemand der sich besser mit Verstecken auskennt, als irgendwer anderes. Ich hoffe für euch zwei, dass er gerade Zeit hat und nicht Urlaub macht.«
Er wählte eine Nummer und wartete.
»Ja, hier Weihnachtsmann. … Ja, ich weiß, dass es gerade eine ungünstige Zeit ist, um mit dir zu Telefonieren. … Ja, ich muss auch noch den Baum aufstellen und schmücken … Ich will mich auch gar nicht unterhalten, denn ich brauche ganz dringend deine Hilfe.«
Er erklärte möglichst schnell, was geschehen war. Dann beendete er das Gespräch und setzte sich auf einen Stuhl.
»Jetzt können wir nur noch warten. Ich hoffe, dass unser Helfer nicht zu lange braucht, um hierher zu kommen.«
Kaum hatte er das gesagt, öffnete sich die Tür und ein langohriges Tier kam herein gehoppelt.
»Osterhase. Gott sei Dank, bist du endlich da. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber freue.«
Der Osterhase grinste.
»Keine Ursache, mein Freund. Ich werde mich auch sofort an die Arbeit machen.«
Gemeinsam verließen sie die Werkstatt.
»Der Osterhase hat die beste Nase für schwer zu findende Verstecke.«, erklärte der Weihnachtsmann den Engeln. »Er wird nicht lange brauchen, dann sind die Geschenke wieder da. Er wird das Versteck riechen.«
Und genau so geschah es dann auch. Der Osterhase hob seine Nase in die Luft, schupperte und hoppelte kreuz und quer über den frischen Schnee. Irgendwann blieb er stehen.
»Hier ist es. Hier muss das Versteck sein. Ich kann es riechen.«
Der Weihnachtsmann schnappte sich eine Schaufel und machte sich an die Arbeit. Schon nach wenigen Minuten tauchten tatsächlich die Geschenke auf. Sie waren vollzählig.
Inzwischen waren auch die Elfen und Wichtel wieder aufgetaucht. Sie halfen, die Geschenke wieder ins Trockene zu bringen.
Die zwei Engel entschuldigten sich für ihren Streich und versprachen, nie wieder das Weihnachtsfest in Gefahr zu bringen.
Den Osterhasen packte der Weihnachtsmann ein paar Stunden später mit auf den großen Schlitten und brachte ihn persönlich nach Hause und übergab ihm die Geschenke für seine große Familie.

(c) 2016, Marco Wittler

561. Das schönste Geschenk aller Zeiten

Das schönste Geschenk aller Zeiten

Malte war aufgeregt, sehr aufgeregt sogar. Endlich war Heiligabend, endlich Weihnachten. Er saß vor dem Weihnachtsbaum und sah so viele verpackte Geschenke vor sich. Er konnte es kaum erwarten, eines von ihnen zu öffnen.
»Nun macht es doch nicht so spannend.«, bettelte er schließlich. »Welches Geschenk davon ist für mich?«
Er drehte sich immer wieder zu Mama und Papa um. Irgendwann ließen sich die beiden dann erweichen.
»Es ist das ganz große auf der linken Seite.«, sagte Mama lächelnd.
»Was?«, war Malte überrascht. »Das Größte ist wirklich für mich? Da muss ich aber ein besonders artiges Kind in diesem Jahr gewesen sein.«
Er stand auf und holte sich das Geschenk heran. Stück für Stück riss er das bunte Geschenkpapier auseinander. Zum Vorschein kam ein brauner Pappkarton, dem man nicht ansehen konnte, was in ihm steckte. Auf ihm klebte kein Bild und Wörter waren auch nicht aufgedruckt.
»Was da wohl drin steckt?«
Malte klopfte einmal gegen die Pappe. Zu hören war aber nichts. Dann zog er den Klebestreifen vom Deckel und klappte diesen zur Seite.
»Wahnsinn!«, staunte er. »Das ist ja ein irres Geschenk.«
Malte bekam große Augen. Mit beiden Händen griff er in den Karton, holte Styroporkugeln hervor warf sie jubelnd in die Luft.
»Das ist Schnee! Juhuu! Es schneit!«
Immer wieder flogen die weißen Kügelchen durch die Luft und verteilten sich überall im Wohnzimmer auf dem Boden. Dass sich unter dem Styropor das eigentliche Geschenk befand, war ihm in diese Augenblick völlig egal. Den ferngesteuerten Roboter sah er gar nicht, so viel Spaß hatte er an seinem Schneegestöber.
»Endlich Schnee zu Weihnachten!, jubelte Malte weiter. »Das habe ich noch nie in meinem ganzen Leben erlebt. Das ist das schönste Geschenk aller Zeiten.«

(c) Marco Wittler

559. Weihnachten bei der Viererbande

Weihnachten bei der Viererbande

Draußen lag hoher Schnee. Dicke Schneeflocken tobten durch die Luft. In jeder Stadt, in der Straße und an jedem einzelnen Haus duftete es bereits nach Weihnachten, obwohl es noch ein paar Tage bis Heiligabend dauerte.
Drinnen, im warmen Wohnzimmer, saß Mama Yvonne auf dem Sofa und grübelte.
In diesem Moment öffnete sich mit einem lauten Rumms die Eingangstür.  Eine Gruppe vermummter, kleiner Personen in dicken Jacken kam herein gestürmt. Die Viererbande, wie sie von allen genannt wurde, machte sich im gesamten Flur breit. Dann flogen Jacken, Handschuhe, Schals, Schuhe und Mützen durch die Gegend und blieben einfach liegen, wo sie gelandet waren.
Mama stand auf hastig auf und trat der Bande mutig entgegen. sie stemmte ihre Hände in die Seiten und setzte ein grimmiges Gesicht auf.
»Marc, David, Sina, Lucas!«, rief sie laut.
»Wie oft habe ich euch eigentlich schon gesagt, dass ihr eure Klamotten nicht einfach überall liegen lassen könnt? Los, ab damit an die Garderobe, wie es sich gehört.«
Mit einem schiefen Grinsen gehorchten ihre vier Kinder.
»Und wenn ihr fertig seid, kommt bitte zu mir ins Wohnzimmer.«
Es dauerte nur wenige Augenblicke, da saß die komplette Viererbande um den Wohnzimmertisch verteilt. alle sahen Mama neugierig an.
»In ein paar Tagen ist Weihnachten.«, begann sie schließlich. »Kein einziges meiner Kinder hat mir bis heute auch nur einen Weihnachtswunsch gesagt. So langsam wird es dafür Zeit, wenn ihr nicht ohne Geschenk vor dem Weihnachtsbaum sitzen wollt.«
Die Kinder grinsten still. Jedes Jahr das gleiche Problem. Sie wussten einfach nicht, was sie sich wünschen sollten. Mama seufzte.
»Also, ihr geht jetzt in die Küche, nehmt euch Stift und Papier und schreibt Wunschzettel. Ihr kommt nicht eher zurück, bis ihr fertig seid.«
Die Viererbande stand auf. Jeder setzte sich an den Küchentisch, aß etwas und kritzelte drauf los. Zwischendurch tuschelten die Kinder miteinander, fragten, was der jeweils andere zu Weihnachten haben wollte. Erst eine ganze Stunde später kamen sie zurück ins Wohnzimmer und legten vier gefaltete Zettel auf den Tisch. Dann verzogen sie sich in ihre Zimmer.
Mama faltete die Zettel auseinander und las.
Die Wünsche passten zu jedem der Kinder. Während der letzten Monate hatten sie immer wieder von dem geredt, was nun auf den Wunschzetteln stand. Doch dann stutzte Mama und wunderte sich.
Marc hatte dieses Jahr noch etwas Zusätzliches aufgeschrieben. ›Der Weihnachtsmann soll bitte nich ein zweites Geschenk mitbringen. Es ist nicht für mich, sondern für den guten Geist, der auf unserem Dachboden lebt.‹
Bei David las sie etwas Ähnliches. ›Ich wünsche mir nich ein zweites Geschenk. Das liegt nicht daran, dass ich gierig bin, sondern ich möchte es an das kleine Monster aus dem Keller weiter geben, dass mich nie in seinem Leben ein Geschenk bekommen hat.‹
Der dritte seltsame Wunsch kam von Sina. ›Lieber Weihnachtsmann. Ein Wunsch ist gut, zwei Wünsche sind nich besser. Deswegen hätte ich gern zwei Weihnachtsüberraschungen. Eines davon gebe ich aber dem dicken Schneemann, der draußen vor der Tür steht. Er ist immer so einsam, wenn es Nacht wird. Er würde sich bestimmt über eine kleine Kleinigkeit freuen.‹
Und zum Schluss blieb nur noch Lucas übrig. Er hatte es seinen Geschwistern gleich getan. ›In diesem Jahr will ich zwei Geschenke. Das zweite gebe ich aber weiter an das kleine Mäuschen, dass nebenan in der Scheune lebt und immer so wahnsinnig friert. Ich verspreche auch, dass ich das zweite Geschenk nicht für mich behalten werde.‹
Mama wunderte sich immer mehr. Solche Wunschzettel hatte sie noch nie gelesen. Aber da Weihnachten vor der Tür stand, wollte sie alle Fünfe gerade sein lassen. Sollte die Viererbande ruhig zwei Geschenke in diesem Jahr bekommen.

Ein paar Tage später war es dann so weit. Heiligabend stand nicht nur auf dem Kalender, sondern auch vor der Tür. Der Christbaum stand festlich geschmückt im Wohnzimmer. Aus der Küche duftete es nach leckerem Punsch. Die Viererbande saß vor dem Baum. Gespannt warteten die auf das alljährliche Startkommando.
»Ihr dürft.«, gab Mama schließlich die Erlaubnis.
Marc war der erste, der sich sein Geschenk nahm. David, Sina und Lucas waren aber nur wenige Sekunden langsamer. Das Geschenkpapier flog in großen und kleinen Fetzen durch die Luft. Die Freude über die Geschenke war riesig groß.
»Und was ist mit den zweiten Geschenken?«, fragte Mama ein paar Minuten später.
»Die bringen wir jetzt weg.«, sagte Marc und zwinkerte seinen Geschwistern zu.
Die Viererbande stand auf. Sie schnappten sich ihre Geschenke, zogen ihre Winterklamotten an und verließen gemeinsam das Haus.
Nun wurde Mama richtig neugierig. Sie zog sich ebenfalls etwas Warmes über und schlich ihren Kindern hinterher.
Der Weg war nicht weit. Nur fünfhundert Meter weiter klingelte Sina an einer Haustür. Es wurde geöffnet und eine ältere Dame kam zum Vorschein.
»Aber das ist doch …«, murmelte Mama grinsend.
Sie kannte die alte Dame sehr gut. Sie stand jedes Jahr am Eingang des Kaufhauses und sammelte Geschenke für arme Kinder, die sonst keine Überraschung an Weihnachten bekamen.
»Eine tolle Viererbande hab ich da.«, freute sich Mama und ging mit einem Lächeln zurück nach Hause.

(c) 2016, Marco Wittler

557. Das schönste Geschenk

Das schönste Geschenk

Es war Weihnachten. Der Christbaum war festlich geschmückt, an fast jedem seiner Äste hing glänzendes Lametta. Bunte Kugeln brachten viel Farbe und die vielen kleiner Lichter leuchteten um die Wette.
Überall im Wohnzimmer standen Weihnachtsfiguren. Auf einem kleinen Tisch hatte Mama eine Krippe mit Figürchene aufgebaut. Überall duftete es herrlich. Und nun war es Zeit für die Bescherung.
Die Geschwister Tim und Marie saßen auf dem Boden und packten ihre Geschenke aus. Tim hatte sich eine Flugdrohne gewünscht. Das war so etwas wie ein kleiner Hubschrauber mit mehreren Propellern.
»Wuhuu!«, jubelte er. »Genau das, was ich schon immer haben wollte.«
Neben ihm wurde kurz darauf mindestens genau so laut gejubelt.
»Jaa! Super! Endlich das große Barbie Strandhaus.«, freute sich Marie.
Tim sah zu ihr rüber. »Mein Geschenk ist toller. Es ist cooler und schöner.«
Marie blickte zurück. »Stimmt ja gar nicht. Mein Strandhaus ist besser. Es ist edler und viel größer als dein komisches Ding da.«
Schon gab es den ersten Streit. Immer wieder versuchten die beiden den anderen zu überzeugen. Aber das klappte natürlich nicht.
»Hey, ihr beiden.«, mischte sich irgendwann Papa ein. »Jetzt ist aber Schluss damit. Es ist Weihnachten. An so einem Tag geht es nicht darum, wer das Schönste Geschenk bekommen hat. Jeder hat das, was er wollte. An Weihnachten denkt man auch mal an andere.«
Damit hatte er natürlich Recht. Beschämt sahen die Kinder für ein paar Augenblicke zu Boden. Und dann holten sie jeweils ein kleines Geschenk hervor, dass sie Mama in die Hand drückten.
»Hätten wir fast vergessen.«, entschuldigte sich Tim. »Frohe Weihnachten.«
Mama lächelte. Den Streit hatte sie jetzt schon wieder vergessen. Sie packte ihre beiden Geschenke aus und freute sich wirklich sehr über die kleinen Überraschungen ihrer Kinder. Sie drückte einmal Tim und einmal Marie an sich.
»Vielen Lieben Dank. Ich hab euch lieb.«
»Ha!«, sagte Tim plötzlich und wandte sich an seine Schwester. »Hast du gesehen? Bei meinem Geschenk hat sie sich mehr gefreut. Ich hab ihr das schönere Geschenk gemacht.«
»Ist ja gar nicht wahr.«, wehrte sich Marie. »Mein Geschenk ist viel schöner und sie wird sich darüber noch ganz, ganz lange freuen.«
Und da war er wieder, der Weihnachtsstreit. Mama und Papa seufzten.

(c) 2016, Marco Wittler

412. Der Nikolaus ist krank

Der Nikolaus ist krank

Klaus nieste laut. Er zog ein frisches Taschentuch aus der Verpackung und putzte sich schnaubend die Nase.
„Oh nein. Ich bin krank. Warum muss mir das gerade heute passieren? Ich hab doch keine Zeit für eine Grippe.“
Noch einmal nieste er und hustete gleich ein paar mal hinterher.
„Ich muss doch noch arbeiten.“
Er sah auf dem Kalender. Es war der fünfte Dezember. Die Uhr an der Wand schlug sechs Uhr am Abend.
„Die Kinder werden traurig sein, wenn sie ihre Lieferung nicht pünktlich bekommen.“
Klaus rappelte sich hoch, schleppte sich zur Garderobe und holte seinen roten Mantel hervor. Doch dann begannen seine schwachen Beine zu zittern und zwangen ihn, sich wieder in seinen Sessel zu setzen.
„Ach, es hat keinen Sinn. Ich kann heute nicht der Nikolaus sein.“
Klaus seufzte laut, schnäuzte in sein Taschentuch und wünschte sich einen warmen Tee herbei. Doch die Küche war ein paar Meter entfernt und er fühlte sich nicht kräftig genug, um hinüber zu gehen.
Langsam beugte er sich zum Schreibtisch rüber und zog sein Telefonbuch zu sich. Er blätterte durch die Seiten.
„Irgendwer muss mir helfen. Einer meiner Freunde muss den Job dieses Jahr für mich übernehmen.“
Es dauerte eine Weile, bis er jemanden fand, der bereits Erfahrungen im Verteilen von Geschenken hatte. Also zog Klaus sein Handy aus der Hosentasche und wählte die passende Nummer.
„Olli?“, fragte Klaus.
„Olli, bist du das? Ich versteh dich so schlecht. Ich hab eine Grippe und kann nicht so gut hören. Kannst du bitte schnell zu mir kommen? Ich brauche unbedingt deine Hilfe.“
Olli sagte tatsächlich zu und machte sich, zur Erleichterung des Nikolauses, sofort auf den Weg. Es dauerte nur eine halbe Stunde, bis er an die Tür klopfte.
„Komm rein.“, rief Klaus.
„Die Tür ist offen.“
Olli trat ein, klopfte sich den Schnee von den Füßen und hüpfte besorgt ins Wohnzimmer.
„Klaus, was ist denn los? Kannst du etwa nicht zur Arbeit? Heute ist doch dein großer Tag.“
Klaus schüttelte den Kopf und hielt seinem Freund ein Thermometer unter die Nase.
„Ich hab sogar Fieber. Das ist mir noch nie passiert.“
Olli sah auf die Anzeige.
„Du kannst auf keinen Fall arbeiten. Dafür bist du eindeutig zu krank. Das werde dieses Jahr ich für dich machen.“
Klaus seufzte erleichtert.
„Danke, mein Freund. Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann.“
Olli grinste.
„Wir arbeiten doch beide das Gleiche. Wir beschenken die Kinder dieser Welt. Was spielt es da für eine Rolle, ich das zu Ostern mit einem Berg Eiern mache oder zu Nikolaus mit Schokolade?“
Olli der Osterhase schnappte sich den großen Sack des Nikolauses und hüpfte damit in den Schnee hinaus.

(c) 2012, Marco Wittler

406. Die Weihnachtsengel

Die Weihnachtsengel

Ganz weit oben im Himmel saßen zwei Engel und langweilten sich. Jeden Tag putzten sie ihre goldenen Heiligenscheine, spielten Musik auf der Harfe und hüpften von Wolke zu Wolke.
»Mir so langweilig.«, beschwerte sich der erste Engel.
»Jeden Tag sitzen wir hier oben und machen ständig die gleichen Sachen. Können wir denn nicht mal etwas Neues unternehmen?«
»Du hast ja so Recht.«, stimmte der zweite Engel zu.
»Ich möchte auch mal etwas Spannendes erleben, vielleicht ein Abenteuer oder einfach nur etwas sehen, dass ich noch nicht kenne. Aber wo? Hier im Himmel gibt es ja nur Wolken, Engel und Harfen.«
Den Beiden wollte einfach nichts einfallen, bis ihr Blick zur Erde hinab fiel.
»Oh, was ist denn da unten los?« fragte sich der erste Engel und besah das bunte Treiben der Menschen mit großem Interesse.
»Sie feiern Weihnachten.«, antwortete der zweite Engel.
»Das machen sie jedes Jahr. Familien und Freunde treffen sich, schmücken ihre Wohnstuben und beschenken sich gegenseitig. Es ist das schönste Fest, das sie kennen.«
»Das sollten wir mal genauer anschauen.«
Und so flogen die beiden zur Erde hinunter.

Als die beiden Engel in einer kleinen Stadt angekommen waren, versteckten sie ihre Flügel unter ihrem Hemden, um nicht aufzufallen. Sie gingen durch die Straßen und blickten immer wieder neugierig durch die Fenster in die Wohnstuben. Tatsächlich wurde überall Weihnachten gefeiert. Die Menschen saßen an reich gedeckten Tischen, aßen, lachten und sangen gemeinsam Lieder.
Doch dann entdeckten sie ein großes Gebäude mit vielen Fenstern, in dem es nicht so feierlich aussah. Hinter allen Fenstern saßen traurige Kinder.
Die Engel konnten das nicht verstehen. Weihnachten war doch das schönste Fest der Welt. Wie konnte man an so einem Tag nur traurig sein? Also klopften sie an, um sich nach dem Grund zu erkundigen.
Eine Frau öffnete ihnen die Tür und beantwortete alle Fragen.
»Dies ist ein Kinderheim. Bei uns leben Kinder, die keine Eltern mehr haben. Weil niemand an sie denkt und wir auch nicht viel Geld haben, bekommen sie leider keine Weihnachtsgeschenke. Deswegen ist das für sie der schlimmste Tag im Jahr.«
Das war unglaublich. Die Engel hörten es, wollten es aber nicht glauben. Keine Geschenke? Das durfte es einfach nicht geben. Sofort flogen sie zurück in den Himmel, setzten sich auf eine Wolken und dachten darüber nach, wie sie den Kindern doch noch ein schönes Fest bereiten konnten.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ihnen tatsächlich etwas einfiel.
»Genau. So machen wir es.«, beschlossen die Engel.
Sie nahmen sich einen großen Sack, stopften eine Wolke hinein und flogen damit wieder zur Erde hinab.
»Da vorne ist ein Weihnachtsmarkt. Die Menschen geben dort sehr viel Geld aus. Da werden sie bestimmt auch noch etwas für uns übrig haben.«
Sie landeten ungesehen hinter einem großen Baum. Dort verkleideten sie sich als Händler und stellten sich dann zwischen die unzähligen Verkäufer.
»Zuckerwatte! Frische Zuckerwatte.«, riefen die Engel.
»Nur unsere Zuckerwatte schmeckt himmlisch lecker.«
Die Menschen, die sich auf dem Weihnachtsmarkt aufhielten, blieben stehen und kauften die Zuckerwatte, die eigentlich eine Wolke war. Es dauerte nur ein paar Minuten bis der Sack der Engel leer war.
»Jetzt haben wir genug Geld, um den Kindern eine Freude zu bereiten.«
Sie flogen in die Stadt und kauften so viel Spielzeug von ihrem Geld, wie sie nur tragen konnten. Sie brachten alles zum Kinderheim, schlichen sich heimlich hinein und verteilten das Spielzeug in den Schlafzimmern der Kinder.
»Jetzt werden die Kinder auch ein schönes Weihnachtsfest erleben.«, sagten sich die zufriedenen Engel.
»Das werden wir von nun an jedes Jahr machen.«

(c) 2012, Marco Wittler

404. Papas Geburtstagsgeschenk

Papas Geburtstagsgeschenk

Es sollte bald so weit sein. Der Tag war auf dem Kalender rot markiert. Papas Geburtstag. Schon seit einer ganzen Woche dachten die seine beiden Kinder Mira und Jonas darüber nach, womit sie ihm eine kleine Freude machen konnten. Es wollte ihnen allerdings nichts Passendes einfallen.
»Du Mama?«, fragten sie schließlich am Tag vor der großen Feier.
»Kannst du uns nicht helfen? Es fällt uns einfach kein Geschenk für Papa ein.«
Aber Mama hatte auch keine Idee.
»Vielleicht solltet ihr ihn selbst fragen. Der Papa weiß schließlich am Besten, was ihm gefällt.«
»Hm.«, murmelte Mira.
»Das könnte funktionieren. Wir fragen ihn nachher beim Einkaufen.«
Zwei Stunden später befand sich die Familie im Supermarkt. Papa schob den Einkaufswagen vor sich her, den Mama immer wieder mit ein paar Dingen füllte.
»Papa?«, fragte Jonas.
»Wie gefällt dir denn dieses Feuerwehrauto? Damit würdest du doch ganz bestimmt gerne spielen.«
Papa grinste und lehnte ab.
»Und wie wäre es damit?«
Mira hielt ihm eine Puppe in Prinzessinnenkostüm unter die Nase.
»Die ist sooo toll. Wenn du die hättest, könnten wir den ganzen Tag zusammen Teeparty im Schloss spielen.«
Aber auch das war nicht so ganz Papas Geschmack.
In der nächsten halben Stunde holten die Kinder immer mehr Sachen aus der Spielzeugabteilung heran, die ihnen selbst gut gefielen. Es gab Kuscheltiere, Kreisel, Fußballsammelkarten, kleine Hosentaschenponys, Spielzeugautos und vieles mehr. Aber irgendwie war nie das Richtige dabei.
»Puh.«
Mira setzte sich auf eine Pausenbank.
»Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, ein Geschenk für Papa zu finden. Der macht es uns gar nicht so einfach.«
Jonas, der sich neben sie gesetzt hatte, nickte erschöpft.
»Na, was ist mit euch? Macht ihr schon schlapp?«, fragte Papa.
»Wir müssen noch in die Kühlabteilung.«
»Daran liegt es nicht.«, erklärte Jonas.
»Wir wissen nur einfach nicht, was wir dir zum Geburtstag schenken sollen.«
Er seufzte.
»Ach je. Wisst ihr was?«, sagte Papa und setzte sich seinen Kindern auf die Bank.
»Ich bin so glücklich, dass wir eine Familie sind, dass ihr selbst die wunderbarsten Geschenke seid, die man sich nur vorstellen kann. Und wenn ihr dann auch versucht, so oft wie möglich artig zu sein, dann geht’s mir richtig gut.«
Mama nickte grinsend.
»Genau so seh ich das auch. Lieb und artig mag ich euch auch am Liebsten.«
Die Kinder dachten darüber nach. Nur wenige Augenblicke später hatte Mira plötzlich eine großartige Idee.

Einen Tag später saßen Mama, Papa, Oma und Opa am Kaffeetisch und wollten sich schon über den Kuchen her machen.
»Wo sind eigentlich die Kinder?«, wunderte sich Papa.
»Sie sind doch sonst immer die ersten, wenn es was zu Futtern gibt.«
»Das muss wohl an ihrem Geschenk liegen.«
Mama stand auf und holte einen riesigen Pappkarton, der mit einer roten Schleife umwickelt war, aus der Küche.
»Das soll ich dir von ihnen geben.«
Papa war erstaunt. Mit so einem großen Geschenk hatte er gar nicht gerechnet. Ganz neugierig stand er auf und öffnete das Paket.
»Alles Gute zum Geburtstag«, ertönte es, als er darin Mira und Jonas entdeckte.
»Das ist das eine tolle Überraschung.«, freute er sich und drückte seine Kinder an sich.
»Ich hab es euch ja gesagt. Ihr seid für mich das allerbeste Geschenk, das ich mir überhaupt vorstellen kann.«

(c) 2012, Marco Wittler

357. Das richtige Geschenk

Das richtige Geschenk

Hannah konnte es kaum noch erwarten. Nur noch einmal schlafen, dann durfte sie endlich ihr Geschenk auspacken.
»Hoffentlich bekomme ich dieses Jahr etwas Schönes. Letztes Weihnachten hat das Christkind auch schon daneben gelegen. Vielleicht sollte ich mal nachschauen gehen.«
Schon von den Jahren vorher wusste sie, dass das Christkind bereits ein paar Tage im Voraus die Geschenke ablieferte. Sie langen dann die restliche Zeit in der Abstellkammer auf dem obersten Regalbrett. Hannah schlich also auf Zehenspitzen durch den Flur und öffnete heimlich die Tür, die so kurz vor Weihnachten verboten war.
»Da sind sie.«, flüsterte sie und sah nach oben.
Sie nahm sich einen Hocker und kletterte darauf. Mit spitzen Fingern erreichte sie die Pakete und holte sie einzeln herunter.
»Welches ist denn für mich?«, fragte sie sich und las die Namensschilder.
Als sie ihr Geschenk gefunden hatte, öffnete sie ganz vorsichtig die Klebestreifen. Unter dem bunten Papier kam ein Schminkset zum Vorschein.
»Sieht ja ganz nett aus, aber da gibt es bestimmt noch was Besseres.«
Sie nahm sich das nächste Geschenk vor. Auf dem Schild stand in großen Buchstaben das Wort ›MAMA‹.
Hannah öffnete es trotzdem und sah hinein.
»Ein Brettspiel. Das ist ja cool. Warum bekommt Mama eigentlich immer die Schönsten Geschenke?«
Während sie die Geschenke behutsam wieder verpackte, dachte sie nach.
»Mama wird eh noch nicht wissen, was sie vom Christkind bekommt. Ich werde einfach die Schilder vertauschen. Dann gehört das Spiel mir.«
Ein paar Minuten später verschwand Hannah grinsend in ihrem Kinderzimmer.

Weihnachten. Endlich war es so weit. Der Baum stand geschmückt im Wohnzimmer und das Fest hatte begonnen. Die ganze Familie saß gemeinsam am Esstisch und aß die letzten Reste der Nachspeise.
»Dürfen wir jetzt die Geschenke aufmachen?«, fragte Hannah ungeduldig.
Endlich nickte Mama. Also standen sie alle auf und versammelten sich vor dem Weihnachtsbaum. Hannah stürzte sich sofort auf das Geschenk, welches ihr Namensschild trug und riss die Verpackung auf.
»Ein Brettspiel.«, rief das Mädchen begeisterst.
»Das habe ich mir schon immer gewünscht. Ich werd es gleich mal ausprobieren.«
Schnell packte sie ihre Beute unter den Arm und lief damit in ihr Zimmer.
Mama grinste, denn ihr Plan hatte funktioniert. Zufrieden öffnete sie ihr eigenes Geschenk und holte ihr neues Schminkset hervor.
»Wenn ich bloß wüsste, warum sie immer meine Geschenke zu Weihnachten haben will.«
Papa stimmte ihr zu.
»Da war es doch eine prima Idee, an Hannahs Brettspiel deinen Namen zu hängen.«

(c) 2010, Marco Wittler