588. Es soll wieder schneien

Es soll wieder schneien

Nick sah durch das Fenster nach draußen. Vor ein paar Minuten hatte es zu scheien begonnen. Dicke, fette Flocken fielen vom Himmel. Es würde bestimmt nicht lange dauern, bis die Erde unter einer weißen Schneedecke verschwunden war.
Nick jubelte. Dann lief er in den Hausflur, zog sich seine Winterschuhe, die dicke Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe an.
»Ich gehe raus in den Schnee!«, rief er laut durchs Haus, damit Mama und Papa ihn hören konnten. Nur Sekunden später stand er draußen auf dem Gehweg.
»Nanu.«, wunderte sich Nick und sah enttäuscht zum Himmel hinauf. »Wo ist denn der Schnee geblieben?«
Tatsächlich hatte es bereits wieder aufgehört zu schneien. Bis auf ein paar Flocken am Boden sah nichts nach einem ordentlichen Winter aus.
Nick ging wieder zurück ins Haus und warf seine Mütze quer durch den Flur.
»Das Wetter ist doof und blöd.«
Mama lachte. »Warum ist das Wetter doof und blöd?«
Nick verdrehte die Augen. »Weil das Wetter mich nicht leiden kann. Kaum bin ich draußen, schneit es schon nicht mehr. Das ist voll unfair.«
Er wollte sich gerade seine Winterklamotten ausziehen, als Papa aus dem Keller kam.
»Was hab ich da gehört? Der Winter kann dich nicht leiden? Das geht ja mal gar nicht. Ich glaube, ich muss mir da was einfallen lassen.«
Papa zog sich ebenfalls seine Wintersachen an und ging dann grinsend nach draußen in sein Gartenhäuschen. Er kramte ein paar Minuten lang in seinen vielen Geräten herum, bis er das Richtige fand. Zum Vorschein kam er dann mit einem großen Irgendwas.
»Was ist  denn das?«, wollte Nick wissen.
»Das ist mein Laubbläser. Damit puste ich normalerweise das Herbstlaub zu einem Haufen zusammen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man damit auch dem Winter auf die Sprünge helfen kann.«
Gemeinsam gingen sie wieder nach vorn auf den Gehweg. Papa schaltete den Laubbläser ein. Mit einem Ohren betäubenden Lärm pustete er ganz viel Luft aus dem großen Rohr und blies damit die gefallenen Schneeflocken wieder zurück in den Himmel, um erneut herab schneien zu können.
»Juhuu, es schneit wieder!«
Nick war begeistert und sprang immer wieder in den Schneeflocken herum.

(c) 2017, Marco Wittler

576. Ich will ein Schneemann sein

Ich will ein Schneemann sein

Timo stapfte mit seinem Schlitten durch den tiefen Schnee und mühte sich den Berg hinauf. Er wusste schon gar nicht mehr, wie oft er heute schon gerodelt war. Den ganzen Nachmittag hatte er hier verbracht. Doch nun ging langsam die Sonne unter. Es wurde dunkel, kalt und Mama sah immer häufiger auf ihre Armbanduhr.
»Es wird langsam Zeit, dass wir nach Hause fahren. Ich muss das Abendessen kochen.«, sagte sie schließlich.
Timo blieb vor ihr stehen, sah zu Mama hinauf und ließ die Mundwinkel sinken.
»Wirklich? Jetzt schon? Es ist doch noch gar nicht so spät. Ich will hier bleiben und weiter Schlitten fahren.«
Mama schüttelte den Kopf. »Die anderen Familien fahren auch schon nach Hause.«
»Stimmt gar nicht.«, beschwerte sich Timo. »Wir sind bestimmt die ersten, die jetzt gehen.«
Er sah sich um. Der Schlittenhang war leer. Es waren weder Kinder noch Eltern zu sehen.
»Na gut. Wir sind die Letzten. Aber trotzdem möchte ich noch rodeln.«
»An einem anderen Tag. Jetzt wird es Zeit für’s Abendessen.«
Timo ließ die Schultern hängen und folgte Mama schleichend zum Auto. Kurz vor dem Parkplatz fiel sein Blick auf einen Schneemann, der unter einer großen Tanne gebaut worden war.
»Wenn ich ein Schneemann wäre, könnte ich rund um die Uhr hier bleiben. Dann müsste ich nicht nach Hause. Das wäre echt cool.«

Am nächsten Morgen war irgendwas anders. Als Timo wach wurde, wehte ihm ein leichtes Lüftchen um die Nase. Auf der einen Seite war es kühl, auf der anderen Seite machte es ihm aber auch nichts aus. Ihm war nicht kalt.
Er wollte sich recken, strecken und laut gähnen, aber das fiel ihm alles andere als leicht. Timo öffnete die Augen und sah sich um. Sofort bekam er große Augen.
»Wahnsinn!«, staunte er. »Das ist ja unglaublich!«
Er stand ganz oben auf dem Rodelhang. Von hier aus brauchte er nur auf seinen Schlitten steigen und den Berg hinab fahren.
»Und ich bin hier der Einzige. Niemand stört mich. Niemand steht mir im Weg. Ich kann fahren wo ich will!«
Timo grinste über das ganze Gesicht. Er wollte aufstehen, den neben sich stehenden Schlitten schnappen und den ganzen Tag Spaß haben. Es gab nur ein Problem. Er konnte nicht aufstehen. Und das war noch nicht das Schlimmste. Nicht nur das Aufstehen funktionierte nicht. Er konnte weder Arme noch Beine bewegen.
Timo sah an sich herab. Er hatte sich in einen Schneemann verwandelt. Und wie das bei Schneemännern nun mal so ist, sie können sich nicht bewegen.
»Oh, nein. Wenn ich nur daran gedacht hätte. Dann hätte ich mir bestimmt nicht gewünscht, ein Schneemann zu sein.«
Die Zeit verging nur langsam. Timo langweilte sich fast zu Tode. Er konnte nicht spazieren gehen, er konnte keine Bücher lesen oder sich vor den Fernseher setzen. Er konnte sich nicht einmal an seiner Mohrrübennase kratzen, wenn es juckte.
Am Nachmittag kamen die Kinder der ganzen Nachbarschaft zum Rodelhang. Für die nächsten Stunden vergnügten sie sich auf ihren Schlitten und hatten ganz viel Spaß. Jeder Junge und jedes Mädchen – bis auf Timo. Als Schneemann stand er auf der Stelle und musste den anderen zusehen.
»Oh man, ist das langweilig. Ich wünschte, ich hätte mir nie gewünscht, ein Schneemann zu sein.«
Traurig wartete er darauf, dass der Tag vorüber ging. Irgendwann gingen die anderen Kinder nach Hause. Timo musste draußen in der Dunkelheit bleiben. Irgendwann schlief er ein und träumte davon, wieder ein ganz normaler Junge zu sein.

Am nächsten Morgen wachte Timo auf. Er reckte und streckte sich. Als er die Augen aufschlug, sah er sich schnell um. Er hatte zwei normale Arme, zwei normale Beine und eine kleine Nase im Gesicht. Er lag in seinem Bett unter der Decke und konnte sich wieder bewegen.
»Juhuu! Endlich bin ich wieder ein normaler Junge.«
Glücklich sprang Timo aus dem Bett und tanzte wie wild in seinem Zimmer herum.
»Ich werde mir nie wieder wünschen, ein Schneemann zu sein. Das ist mir viel zu langweilig.«

(c) 2017, Marco Wittler

550. Der Schneesturm

Der Schneesturm

Es war einmal an einem sehr kalten Weihnachtsabend.
Zuhause hatte Mama bereits alle ihre Vorbereitungen abgeschlossen. Der Baum war festlich geschmückt. An jedem Ast glitzerten und glänzten bunte Glaskugeln, Sterne und Lametta, zwischen denen immer wieder Strohsterne hingen und kleine Weihnachtsfiguren. Rundherum war eine Lichterkette gespannt, die das Wohnzimmer in ein warmes Licht tauchte.
Auf dem Herd dampften die Töpfe und der Ofen wachte über einen leckeren Braten.
Die Kinder saßen aufgeregt in ihren Zimmern. Sie lasen sich noch einmal die Gedichte durch, die sie vor der Bescherung aufsagen wollten.
Der einzige, der jetzt noch fehlte, war Papa.
Papa hatte, nicht wie in den letzten Jahren, frei bekommen. Bis zum Mittag hatte er gearbeitet und war nun mit dem Auto unterwegs nach Hause. Die lange Fahrt quer durchs Land sollte er bald geschafft haben.
Doch dann klingelte im Flur das Telefon.
Max hörte es in seinem Kinderzimmer. Er öffnete die Tür, stürmte die Treppe hinunter und nahm das Gespräch entgegen.
»Hallo, hier spricht Max. Wer ist dort am anderen Ende der Leitung?«
Inzwischen waren auch seine kleine Schwester Lea und Mama hinzu gekommen.
»Wie?«, fragte Max nach.
»Was? … Hm! … Achso! … Ehrlich? … Na gut. … Wann? … In Ordnung.«
Er legte auf und atmete einmal tief durch, bevor er den anderen erzählte, was er gerade gehört hatte.
»Das war Papa. Auf der Autobahn liegt viel Schnee und es geht nur langsam voran. Überall sind lange Staus. Er kommt etwas später nach Hause. Er versucht aber, einen anderen Weg zu finden, damit er rechtzeitig zum Essen da ist.«
Mama warf einen Blick auf die Wanduhr. »Das wird aber knapp. Ich bin mit dem Essen schon fast fertig. Hoffentlich fährt er vorsichtig und braucht nicht mehr zu lange.«

Die Zeit verging. Immer wieder sahen Mama und die Kinder auf die Uhr. Bei jedem Geräusch auf der Straße sahen sie zum Fenster heraus. Aber Papas Auto war nirgendwo zu sehen.
»Hoffentlich ist er nicht irgendwo im Stau stecken geblieben.«, machte sich Lea große Sorgen. »Im Fernsehen war mal ein Bericht über eine gesperrte Autobahn. Da mussten dann Helfer Decken und warmen Tee an die Autofahrer verteilen, damit sie nicht erfrieren. Die kamen erst drei Tage später zu Hause an. Könnt ihr euch das vorstellen?«
Vorstellen wollten sich Mama und Max so etwas ganz gewiss nicht. Sie wollten Papa zu Hause haben.

Zur gleichen Zeit saß Papa hinter seinem Lenkrad und kam nur noch sehr langsam vorwärts. Wie wild flogen dicke Schneeflocken um sein Auto herum. Die weiße Decke auf der Straße wurde immer dicker. Die Reifen drehten immer wieder durch.
»Mist.«, fluchte Papa. »Wäre ich doch bloß im Stau auf der Autobahn geblieben. Vielleicht wäre ich dann schon zu Hause.«
Stattdessen hatte er eine Abfahrt genommen, um sich einen Heimweg über eine Landstraße zu suchen. Doch hier war das schlechte Wetter, dass mittlerweile ein echter Schneesturm geworden war, noch schlimmer.
Irgendwann war dann Schluss. Zwischen zwei Hügeln kam das Auto zum Stehen. Papa kam nicht mehr vor und nicht zurück. Für die Reifen war es zu glatt. Irgendwo im Nirgendwo war er nun gelandet und kam nicht mehr weiter.
»Oh, nein. Hier wird mich doch niemand finden. Was mache ich denn jetzt?«
Verzweifelt sah er sich um. Aber wegen des dichten Schneetreibens konnte man nur wenige Meter weit sehen.
»Wenn es hier nur ein Haus oder einen Bauernhof gäbe, in dem ich mich warm halten könnte, bis der Sturm sich gelegt hat. Aber bei dem Wetter kann ich auch nicht einfach drauf los marschieren. Dann verlaufe ich mich und werde erfrieren.«
Also wartete Papa. Eine Stunde. Zwei Stunden. Drei Stunden. Regelmäßig hatte er in dieser Zeit auf sein Handy geschaut. Aber hier draußen, weit weg von jeder Stadt hatte es keinen Empfang. Er konnte nicht einmal Bescheid geben, dass er stecken geblieben war.
Irgendwann wurde es Papa zu kalt. Seine dicke Jacke hatte er angezogen, Handschuhe und Mütze auch. Sogar eine Decke hatte er aus dem Kofferraum geholt. Aber das nützte schon lang nichts mehr. Er musste sich Bewegung verschaffen.
Widerwillig verließ er das Auto und hüpfte etwas im Schnee auf und ab, um sich aufzuwärmen.
»Nanu? Was ist denn das?«
Papa kniff die Augen zusammen. Irgendwas stand doch da auf der Straße. War da vielleicht noch ein Auto stecken geblieben?
»Hallo? Ist da wer? Können sie mich hören?«
Papa ging ein paar Meter, bis er überrascht stehen blieb. Mit allem hätte er gerechnet. Damit aber nun wirklich nicht.

Mama sah wieder auf die Uhr. Es wurde immer später. Noch immer konnte sie Papa nicht erreichen. ‚Kein Empfang‘ sagte ihr die Computerstimme im Telefon.
»Wo steckt der denn? Er sollte doch schon längst hier sein. Hoffentlich ist ihm nichts passiert.«
In diesem Moment hörte sie ein Rumpeln vor dem Haus. Sofort sprangen die Kinder von ihren Stühlen auf und liefen zum Fenster. Dort bekamen sie große Augen.
»Mama, komm schnell her!«, rief Max. »Das musst du dir anschauen, sonst wirst du es nie glauben.«
Nun kam auch Mama ans Fenster. Auch wenn sie sah, was dort draußen vor sich ging, wollte sie es nicht glauben.
»Das ist doch nicht möglich.«
Ein Schlüssel wurde in die Haustür gesteckt. Ein paar Sekunden später kam Papa herein. Er war allerdings nicht allein gekommen. Hinter ihm stand ein Überraschungsgast.
»Ich habs geschafft.«, schnaufte Papa glücklich. »Endlich bin ich wieder zu Hause. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schlimm dieser Schneesturm ist. Mein Auto wollte einfach keinen Meter mehr fahren. Zum Glück hat mich der Weihnachtsmann von oben gesehen. Er war so freundlich, mit abzuschleppen. Zum Dank hab ich ihn zum Essen eingeladen.«
Welch eine Überraschung. Der echte Weihnachtsmann. Und vor der Tür stand sein Schlitten und die Rentiere. Einfach unglaublich.
Ich konnte ihren Mann unmöglich da draußen im Schnee stehen lassen. Er irrte schutzlos auf der Straße umher. Wäre ich nicht zufällig vorbei gekommen, hätte er sein Auto niemals wieder gefunden und wäre erfroren.«
Der Weihnachtsmann trat ein, legte seine Mütze, Mantel, Handschuhe und Stiefel ab. Dann ließ er sich von den Kindern ins Wohnzimmer an den Esstisch führen, wo sie gemeinsam einen unvergesslichen Abend verbrachten.

(c) 2016, Marco Wittler

512. Schlittenfahrt im Sonnenschein (Hallo Oma Fanny 24)

Schlittenfahrt im Sonnenschein

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Ich schreibe dir heute von einem ganz besonderen Erlebnis.
Gestern Abend saß ich mit Papa vor dem Fernseher. Da liefen die Nachrichten und berichteten aus ganz vielen Ländern. Am Ende kam dann das Wetter. Also eigentlich nicht, denn das geht ja nur draußen. Aber ein Mann stand vor einer Deutschlandkarte und hat uns gezeigt, wie das Wetter werden sollte.
Er kündigte an, dass es von Norden bis Süden, also im ganzen Land, kräftig schneien sollte. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich vor Freude gejubelt habe. Ich wollte sofort meinen Schlitten aus dem Keller holen, aber ich durfte nicht. Mama schickte mich ins Bett.
Heute Vormittag, bin ich nach dem Aufstehen sofort an mein Fenster gelaufen. Es war aber keine einzige Schneeflocke zu sehen. Nicht einmal Wolken hatten sich zu uns verirrt. Der Himmel war überall blau und die Sonne schien. Da war ich richtig enttäuscht. Ich wollte doch unbedingt Schlitten fahren.
Ich war zwar traurig, bin dann aber trotzdem in den Keller gegangen, um meinen Schlitten zu holen. Ich habe mich dann in den Garten gesetzt und mit dem blauen Himmel gemeckert, dass er endlich verschwinden und den Schneewolken Platz machen sollte.
Stattdessen stach mir dann die Sonne mit einem Strahl direkt ins Auge.
Da hatte ich plötzlich eine großartige Idee. Ich hab mir meinen Schlitten genommen und bin auf dem Sonnenstrahl nach oben geklettert. Ganz weit oben habe ich mich dann umgedreht und bin mit dem Schlitten zurück in den Garten gefahren. Das war so lustig, dass ich den ganzen Tag nichts anderes mehr gemacht habe.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2015, Marco Wittler

490. Wo ist der Schnee?

Wo ist der Schnee?

Es war Winter, aber es wollte einfach nicht schneien. Der Blick aus dem Fenster zeigte tagtäglich das gleiche Bild: graue Wolken, dicke Regentropfen und matschige Wiesen. Keine Chance für Schlitten und Schneemänner. Die Kinder hatten große Langeweile und enttäuschte Augen.
»So kann das einfach nicht weiter gehen.« entschloss Malte irgendwann. »Dagegen müssen wir etwas unternehmen.«
Er nahm Papa an die Hand und zog ihn mit sich nach draußen.
»Wir steigen jetzt ins Auto und suchen Schnee und Winter. Wenn wir sie gefunden haben, bringen wir sie hierher.«
Papa seufzte. Das hörte sich nach einer ganz verrückten Idee an, die auf keinen Fall funktionieren konnte. Aber er wusste auch, dass sich sein Sohn von seinen Ideen nie abbringen ließ.
Sie stiegen ein und fuhren in irgendeine Richtung los.
»Du weißt doch gar nicht, wo der Winter ist. Wie willst du ihn denn finden?«
Doch auch dafür hatte Malte schon eine Lösung. Er schaltete das Radio ein und suchte durch alle Sender, bis er einen Wetterbericht fand.
»Auch für die nächsten Tage ist kein Schnee in Sicht. Der Winter lässt weiter auf sich warten.« erklärte der Sprecher mit enttäuschter Stimme.
»Nur in den höchsten Höhenlagen könnte die eine oder andere Flocke fallen. Aber auch das ist eher unwahrscheinlich.«
Malte grinste. »Das ist die Lösung. Wir müssen hoch. Nach oben. Wo ist der höchste Berg in unserer Nähe?«
Papa zuckte mit den Schultern. »Schau auf die Karte.«
Und genau das tat Malte dann auch. Er fand im Sauerland den Kahlen Asten. »Komischer Name für einen Berg. Der ist bei Winterberg. Es gibt zwar noch einen höheren Berg, aber Langeberg klingt nicht so cool. Fahren wir da hin?«
Papa blieb wohl nichts anderes übrig. Er programmierte die Strecke in das Navigationsgerät und fuhr los.

Nach fast zwei Stunden Fahrt waren sie da. Aber auch auf dem Gipfel war kein Schnee zu sehen.
»Das darf doch nicht wahr sein.« fluchte Malte. »Ich dachte, dass wir wenigstens hier Glück haben.«
In diesem Moment hörte er leise Jubelgeräusche. »Hui. Macht das Spaß.«
»Was ist das?« wunderte sich Malte und begann zu suchen. Nach ein paar Minuten fand er einen Höhleneingang. Im Innern lag Schnee. Ganz viel Schnee sogar. Mindestens drei Meter dick lag er auf dem Höhlenboden. Und auf ihm fuhren Schneemänner mit ihren Schlitten einen kleinen Hang hinunter.
»Das glaub ich nicht.« beschwerte sich Malte. »Hier hat sich der Winter also versteckt. Kein Wunder, dass es bei uns nicht schneit.«
Aber dann verflog sein Ärger sofort wieder. Er schnappte sich einen Schlitten und schloss sich den Schneemännern freudig an.
Für die nächsten Tage versprachen sie ihn, es auch bei ihm Zuhause schneien zu lassen, damit die Kinder des restlichen Landes auch etwas Spaß bekommen würden.

(c) 2015, Marco Wittler

489. Matschball

Matschball

Finn sah durch das Fenster nach draußen. Immer noch kein Schnee. Nur dicke graue Wolken, aus denen seit mehreren Wochen unaufhörlich dicke Regentropfen fielen. Das Thermometer zeigte dreizehn Grad.
»Was soll denn das für ein Winter sein?« beschwerte sich Finn. »Wo bleibt der Schnee? Das da draußen ist nur ganz blödes Herbstwetter. Das braucht kein Mensch. Ich will endlich mit meinen Freunden Schneemänner bauen, mit meinem Schlitten den Berg runter brausen und stundenlang Schneeballschlachten machen.«
Er seufzte laut, verschränkte die Arme vor der Brust und ließ sich enttäuscht in das Sofapolster rutschen.
Papa setzte sich zu seinem Sohn und drückte ihn. »So schlimm ist das doch gar nicht. Ihr seid Kinder. Ihr habt ganz viel Fantasie. Euch wird doch bestimmt etwas einfallen, wie ihr euch bei dem Wetter beschäftigen könnt.«
»Und was soll das sein?« beschwerte sich Finn. »Sollen wir etwa im Matsch spielen?«
In diesem Moment erhellte sich Finns Blick. Grinsend sprang er auf und lief in den Flur.
»Wo willst du hin?« fragte Papa überrascht.
»Ich muss meine Freunde anrufen.«

Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Papa öffnete und sah sich fünf Jungs gegenüber, die in ihren ältesten Klamotten steckten. Hier und da waren Löcher in den Hosen und die Jacken hatten auch schon bessere Tage erlebt.
»Was habt ihr denn vor? Wollt ihr eine Bank ausrauben? Ihr seht aus wie Verbrecher, die etwas Geld nötig hätten.«
»Nein, vor uns liegt eine große Schlacht, in der es um alles geht.« antwortete Finn ernst, der gerade die Treppe herunter kam. Er steckte ebenfalls in seinen schlimmsten Sachen.
»Und jetzt tritt zur Seite. Das ist nichts für schwache Nerven.«
Papa grinste, als er das hörte und ließ die Jungs zum Bolzplatz hinter dem Haus ziehen. Vom Wohnzimmerfenster aus sah er zu, was nun geschah.
Die Jungs teilten sich in zwei Gruppen auf. Nun standen sie sich drei gegen drei gegenüber. Grimmig sahen sie sich an. Keiner von ihnen wagte zu blinzeln. Sie wollten ihren Gegnern keine Schwäche zeigen.
»Auf Drei geht es los.« erklärte Finn. Er machte eine kurze Pause, atmete ein paar Mal durch. »Eins!«
In diesem Moment stürmten er und seine Freunde auseinander und suchten sich die besten Schutzplätze aus.
»Das ist unfair.« beschwerten sich die anderen.
»So ist das bei einer Schlacht.«
Und schon griffen sie mit den Händen tief in den Matsch, formten sich daraus Kugeln und warfen sie hin und her. Immer wieder klatschten diese auf Beine, Hintern, Arme. In der ganzen Nachbarschaft war ein lautes Gejohle und Gequietsche zu hören. Den ganzen Nachmittag über dauerte die Schlacht an, bis es schließlich Abend und dunkel wurde.
Als Finns Vater die Haustür öffnete, standen vor ihm sechs glücklich grinsende Matschmänner, die nur noch entfernt wie Jungs aussahen.
»Das ist wohl ein Fall für die Dusche rief er ihnen grinsend entgegen.« Dann versuchte er herauszufinden, welcher Dreckspatz sein Sohn war und nahm ihn mit hinein.

(c) 2015, Marco Wittler

487. Winterspaß im Tierheim (Tierheimgeschichten 9)

Winterspaß im Tierheim

Die kalte Jahreszeit war angebrochen. Jeden Tag wurde es früher dunkel und das Wetter immer schlechter. Dicke Regentropfen prasselten auf das Dach des Katzenhauses nieder. Das Geräusch, welches sie dabei erzeugten, klang wie nicht enden wollendes, viel zu lautes Trommelkonzert.
„Kann das nicht endlich aufhören?“ beschwerten sich die Katzenkinder, die bisher nur den Frühling und den Sommer kennengelernt hatten.
„Warum ist das Wetter bloß so gemein? Hat jemand die Sonne geklaut? Und woher kommen die vielen Wolken?“
Sie konnten sich nicht vorstellen, dass sich das Wetter so stark verändern konnte.
„Solang es draußen so schlimm ist, werde ich unser warmes Haus nicht mehr verlassen.“ schimpfte der kleine Kater Paul. „Und wenn das bis zum nächsten Frühling dauern sollte.“
Aber wollte sich kein besseres Wetter zeigen. Es war sogar das Gegenteil der Fall. Mit jedem Tag wurde es kälter. Die Katzenkinder froren beim Blick auf das Thermometer, obwohl die Heizung ganz aufgedreht war und kräftig heizte. Die kleinen Katzen verkrochen sich immer zu zweit ganz tief in ihre Kuschelhöhlen, um sich gegenseitig zu wärmen.
„Wir kommen erst wieder raus, wenn sich die Sonne zeigt.“ erklärte  Paul. „Ich mache jeden Tag einen großen Bogen um die Badewanne. Da werde ich bestimmt nicht im Regen duschen.“
Irgendwann hörte das stetige Trommeln der Regentropfen auf und es wurde still. Es wurde so still, dass man von draußen kein einziges Geräusch mehr hören konnte.
„Was ist denn jetzt passiert?“ Paul kam neugierig aus seiner Höhle gekrochen und versuchte, einen Blick aus dem Fenster zu werfen. „Ist der Sommer endlich wieder zurück?“
Er sprang auf die Fensterbank, schaute nach draußen und bekam riesig große Augen.
„Was ist den das?“ war er verwundert. „Es regnet nicht mehr. Dafür fällt ganz viel weißes Zeug vom Himmel und bleibt überall liegen.“
Nun drängten sich auch die anderen Katzenkinder an das Fenster und staunten. „Das sieht unglaublich schön aus. So friedlich und freundlich.“
„Das ist bestimmt eine Falle.“ warnte Paul. „Das Wetter legt uns bestimmt rein. Ich wette, dass es sofort wieder regnet, wenn wir nach draußen gehen. Dann werden wir nass und sehen aus wie begossene Pudel.“
„Das musst du uns erstmal beweisen.“ verlangten die anderen Katzen und öffneten ihm die Tür.
Paul zögerte und wurde ganz unsicher. „Das muss man nicht beweisen. Jeder, der das Wetter kennt, kann sich das doch denken.“
Trotzdem hielten sie die Tür weiterhin offen und sahen Paul auffordernd an, der einmal laut seufzte und dann mit hängendem Kopf nach draußen schlich.
„Brrr, ist das kalt an den Füßen.“ rief er zitternder Stimme. „Aber … ich finde es toll.“
Toll? Das wollten die anderen Katzenkinder nicht glauben. Draußen war es dunkel, nass und kalt. Unter dem Wort Toll stellten sie etwas ganz anderes vor.
In diesem Moment flog ein kleiner weißer Ball in das Katzenhaus, der klatschend auf einem Katzenpo landete.
„Hey, was soll das? Das gibt Rache.“
Alle Katzenkinder stürmten in das kalte Weiß hinaus und begannen unter lautem Lachen eine große Schneeballschlacht.
Die älteren Katzen sahen sich das wilde Treiben grinsend an und erinnerten sich daran, dass ihre ersten mit dem Winter und dem Schnee auch so geschehen waren.

(c) 2014, Marco Wittler

473. Winterblumen

Winterblumen

Es war warm. Es war sogar viel zu warm. Es war viel zu warm für einen Januartag. Die Sonne schien, Wolken gab es nur ganz wenige am Himmel und das Thermometer zeigte stolze fünfzehn Grad an. Das verärgerte nicht nur die Kinder, die so gern mit ihren Schlitten die Hänge hinab düsen wollten, sondern war auch sehr ungewohnt für die Natur. Die Schneeglöckchen und die Krokusse blühten bereits auf den Wiesen und in den Vorgärten und alle anderen Blumen und Bäume trugen schon dicke Knospen, die sich in den nächsten Tagen öffnen würden.
»Das ist ja wie im Frühling.« wunderte sich Hannah und sah sich begeistert um.
»Bei so vielen bunten Farben macht es mir auch nichts mehr aus, dass es noch keinen Schnee gegeben hat. Dann bleibt der Schlitten halt im Schuppen. Ich kann auch was anderes machen.«
Sie flitzte ins Haus, holte ihre Fotokamera und knipste ein Bild nach dem anderen.

Ein paar Tage später blühte es überall in allen Farben des Regenbogens. Der Winter war eigentlich schon längst vergessen, als es plötzlich merklich kälter wurde. Graue Wolken zogen auf und verdeckten sie wärmende Sonne. Dann begann es zu schneien. Stundenlang fielen unzählige Schneeflocken vom Himmel und bedeckten die Erde unter sich. Die Erwachsenen fluchten, weil sie nun die Schneeschieber aus den Kellern holen mussten. Die Kinder hingegen jubelten. Sie holten ihre Schlitten hervor und düsten die Hügel herunter. Nur Hannah war nicht begeistert.
»Was ist denn jetzt mit den vielen Blumen und Blüten?« fragte sie ihren Opa, der mit ihr am Fenster stand.
»Für die es es jetzt zu kalt. Sie werden erfrieren und dann im Frühling nicht neu wachsen. Das wird erst wieder was im nächsten Jahr.«
»Aber das ist doch traurig. Wovon sollen sich denn die Bienen ernähren, wenn es keine Blüten gibt? Dagegen muss man doch was tun.«
Sofort überlegte Hannah fieberhaft, was sie unternehmen konnte.
»Ich glaube, ich habe da eine Idee. Hilfst du mir?« blickte sie Opa bittend an.

Am Nachmittag kam Mama von der Arbeit. Sie staunte nicht schlecht, als sie nach draußen in den Garten sah.
»Da steht ja ein Zelt. Wer baut denn das im Winter auf? Was für eine verrückte Idee.«
Neugierig ging sie raus, näherte sich dem Zelt und warf einen Blick hinein.
»Hannah? Opa? Was macht ihr denn da?«
Hannah grinste.
»Wir schützen ein paar Blüten vor dem Schnee, damit die Bienen bei uns etwas zum Fressen finden, wenn sie aus dem Winterschlaf erwachen.«
Tatsächlich hatten die beiden bereits den bisher gefallenen Schnee aus dem Zelt geschaufelt.
»Mit dem restlichen Schnee bedecken wir dann das komplette Zelt. Da ist es wie ein Iglu. Dann ist es im Innern wärmer als draußen.« erklärte Opa weiter.
»Die Blumen werden überleben, die Bienen müssen nicht hungern und wir haben eine tolle Beschäftigung für die nächsten Tage.

(c) 2014, Marco Wittler

452. Anna mit dem Rolli

Anna mit dem Rolli

Anna saß am Fenster und sah nach draußen. Es schneite schon seit zwei Tagen ohne Pause. Der Schnee wurde mit jeder Stunde höher und ließ die Welt unter sich verschwinden, als hätte jemand eine riesige, weiße Decke über sie gelegt. Autos fuhren nur noch selten die Straße entlang. Es war einfach zu glatt. Dafür kamen umso mehr Kinder am Fenster vorbei. Sie waren auf dem Weg zur großen Schlittenwiese.
»Wenn ich doch bloß nach draußen könnte. Aber ich komme niemals durch den hohen Schnee.«, schimpfte sie verzweifelt vor sich hin und sah immer wieder an ihrem Rollstuhl hinab, in dem sie seit ihrer Geburt saß.
»Wenn das blöde Ding nicht wäre, könnte ich auch nach draußen und die Schneeflocken auf meinen Kopf fallen lassen.«
In diesem Moment klopfte es an der Tür und der Kopf von Annas Papa kam zum Vorschein.
»Warum siehst du denn so traurig aus? Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?«
Anna wollte eigentlich gar nicht antworten. Aber dann schluckte sie den Kloß in ihrem Hals runter und tat es doch.
»Der Schnee da draußen ist so schön. Ich möchte auch mal darin spielen, wie es die anderen Kinder jeden Tag machen, aber mit dem Rollstuhl geht das einfach nicht. Ich komme nicht einmal richtig vorwärts, weil meine Reifen entweder im Schnee stecken bleiben oder rutschen.«
Dann schüttete sie Papa eine ganze Weile ihr Herz aus und weinte dabei dicke Tränen, bis es ihr wieder etwas besser ging.
»Ich werde mir etwas einfallen lassen.«, versprach Papa.
Als er Anna am Abend ins Bett gebracht hatte, nahm er den Rollstuhl mit aus dem Zimmer und grinste.
»Vielleicht hab ich eine Idee. Schlaf gut.«

Am nächsten Morgen konnte es Anna kaum erwarten, ihren Rollstuhl zu bekommen. Was hatte Papa wohl daran gemacht? Als er dann schließlich herein kam, fielen Anna fast die Augen aus dem Kopf.
»Hui, was ist denn damit passiert?«, fragte sie neugierig.
»Ich präsentiere!«, rief Papa.
»Das ist der Rollstuhl 2.0 mit eingebauter Winterausstattung.«
Er kniete sich auf den Boden und zeigte auf die Reifen, die er mit einem alten Gummireifen überzogen hatte, durch die er unzählige kurze Nägel gestochen hatte.
»Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr verfügt er nun über Spikes, die nie mehr auf Schnee und Eis rutschen werden.«
Papa drehte den Rollstuhl ein wenig. Es kam das untere Ende eines Schneeschiebers zum Vorschein.
»Der Schnee ist zu hoch und ein Durchkommen auf dem Gehweg nicht mehr möglich? Das ist jetzt vorbei. Mit dem Schieber räumt der Rollstuhl nun selbstständig seinen Weg frei. Ein wenig der weißen Pracht lässt er allerdings liegen, damit die Spikes noch genug Halt finden.«
Anna wusste gar nicht, wie sie sich bedanken sollte. Ihr liefen Freudentränen über die Wangen und sie brachte ein verweintes »Danke, Papa.« heraus.
»Du bist einfach der Beste.«
Papa grinste noch immer.
»Papperlapp. Ich habe nur das getan, was jeder andere auch tun würde.«
Anna drückte Papa an sich und ließ sich dann in den Rollstuhl heben.

Nach dem Frühstück zog sich Anna ihre dicke Winterjacke an, Handschuhe an die Hände und setzte sich eine Pudelmütze auf den Kopf. Mit vor Freude strahlenden Augen öffnete sie die Tür, drückte den Gashebel ihres Rollstuhls nach vorn und rollte auf den schneebedeckten Gehweg hinaus.
»Juhuu, ist das toll hier draußen.«
Der Schieber vor ihren Füßen schob die weißen Massen zur Seite, während sich die Nägel an ihren Rädern tief in den restlichen Schnee bohrten.
In diesem Moment kamen ein paar Kinder mit ihren Schlitten an Annas Haus vorbei. Es waren Schüler aus ihrer Klasse.
»Hey, Anna. Wie cool ist das denn?«, fragte gleich einer von ihnen.
»Du kannst ja doch raus bei dem Wetter.«
»Jaaaa.«, strahlte Anna.
»Und ich kann noch was ganz anderes. Passt mal auf.«
Ein paar Minuten später fuhr Anna mit ihrem Rollstuhl zur Schlittenwiese und zog zwei Kinder mit ihren Schlitten hinter sich her.

(c) 2013, Marco Wittler

434. Schneeglöckchen (Hallo Oma Fanny 7)

Schneeglöckchen

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Ich habe heute wieder etwas Neues gelernt.
So kurz vor dem Frühlingsanfang blühen bei uns die ersten Blumen auf der Wiese und unter der Hecke. Sie sind klein und weiße Glöckchen als Blüten. Meine große Schwester hat mir erklärt, dass sie Schneeglöckchen heißen. Das ist ein komischer Name, meinst du nicht auch?
Also habe ich mich erstmal auf die Wiese gelegt und mir die Blumen ganz genau angesehen. Sie haben die gleiche Farbe wie der Schnee, aber sonst schauen sie aus wie ganz normale Blümchen. Sie fühlen sich nicht einmal kalt an, wenn man sie berührt. Da hat mich dieser komische Name noch mehr gewundert.
Mir ging das alles nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe darüber den ganzen Tag, den Abend und sogar in meinen Träumen nachgedacht.
Erst am nächsten Morgen war mein Kopf wieder mit anderen Sachen beschäftigt, bis ich zum ersten Mal aus dem Fenster geschaut habe.
Du wirst nicht glauben, was ich da entdeckt habe. Die Wiese im Garten, die Blumenbeete, ja sogar die Straße waren alle weiß. Überall lag ganz viel Schnee. Es war so viel, dass man gar nichts anderes auf dem Boden mehr sehen konnte.
Sofort hab ich meine dicke Jacke und die Handschuhe angezogen. Ich bin dann raus gegangen und wollte einen Schneemann bauen, als ich etwas im Schnee stehen sah. Die Schneeglöckchen waren gerade noch zu sehen.
Meine Schwester stand lachend neben mir und erklärte, dass die Blumen Schuld am Schnee sind. Wenn der Wind ihre Glöckchen schüttelt, dann fällt ganz viel Schnee aus ihnen heraus. Schade, dass sie nicht auch im Sommer blühen.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.

Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler