537. Das Leben im Weltall

Das Leben im Weltall

Max saß am Fenster und sah nach draußen in den unendlichen Sternenhimmel. Das machte er jeden Abend. Und wie an jedem Abend, träumte er davon, eines Tages mit einem Raumschiff ins Weltall zu fliegen. Er wollte unbedingt dort leben und arbeiten.
»Irgendwann habe ich genug von meinem Taschengeld gespart, um mir ein eigenes Raumschiff zu kaufen.«
Dabei warf er einen Blick auf sein Sparschwein, in dem sich schon zehn Euro und ein paar Cent befanden.
In diesem Moment kam Papa herein.
»Du schläfst noch nicht?«, fragte er.
»Nein.«, antwortete Max. »Ich muss doch noch zu den Sternen schauen und davon träumen, eines Tages da oben zu leben.«
Papa lachte.
»Willst du das wirklich?«
Max nickte.
»Na, dann komm mal mit in die Garage. Vielleicht habe ich eine Überraschung für dich.«
Gemeinsam gingen sie nach unten. Als sie das Garagentor öffneten, stockte Max der Atem. Neben Papas Auto stand ein kleines, echtes Raumschiff, in dem gerade genug Platz für zwei Personen war.
»Woher hast du das denn?«, fragte Max neugierig.
»Das habe ich selbst gebaut.«, sagte Papa stolz.
»Ich weiß doch, wie gern du zu den Sternen fliegen willst. Nur deswegen habe ich es gebaut.«
Max drückte Papa fest an sich und strahlte über das ganze Gesicht.
»Danke, Papa. Du bist der Beste.«
Sie stiegen ein. Papa startete den Antrieb. Alles begann zu wackeln und zu zittern, bis das kleine Raumschiff vom Boden abhob.
»Unglaublich.«
Max war begeistert. So etwas hatte er noch nie erlebt.
»Können wir überall hin?«
Papa nickte.
»Dann flieg uns rauf zu den Sternen. Und ich will zum Mond und zum Mars und …«
Papa musste lachen.
»Lass uns erstmal ins Weltall fliegen. Dann sehen wir weiter.«
Und schon flogen sie zum Himmel hinauf. Die Stadt, die vielen Autos in den Straßen wurden immer kleiner, bis sie gar nicht mehr zu sehen waren.
»Das ist der Wahnsinn. Das ist so unvorstellbar.«
Max konnte sich einfach nicht satt sehen. Überall waren nun Sterne. Vor ihm, über ihm, unten, links und rechts. Und hinter ihm? Da war die Erde, die immer kleiner wurde. Wie ein blau-grüner Wasserball schwamm sie im dunklen Sternenmeer.
Plötzlich wurde Max ganz leicht. Er fühlte sich, als würde er auf einer Decke liegen, die nur aus Watte bestehen würde. Er fühlte, sich als würde er schweben.
»Oh, nein. Ich schwebe.«
Max saß nicht mehr auf seinem Sitz. Stattdessen hing er unter der Decke des Raumschiffs.
»Ich hier sofort wieder runter. Mach, dass es aufhört.«
Papa grinste.
»So ist das, wenn man im Weltraum lebt. Hier oben wiegt man nichts und man schwebt einfach so durch die Gegend.«
Nein. Das gefiel Max ganz und gar nicht. Er wollte nicht schweben und sich überall stoßen. Er wollte in seinem Sitz sitzen und auch dort bleiben.
»Ich glaube, der Weltraum ist doch nichts für mich. Ich will lieber auf der Erde bleiben und dort leben.«
Papa nickte. Dann steuerte er das kleine Raumschiff wieder zurück nach Hause.

(c) 2015, Marco Wittler

 

480. Eine Schnecke auf dem Mond (Ninos Schneckengeschichten 9)

Eine Schnecke auf dem Mond

Nino stand in seinem großen Haus vor dem Spiegel und putzte mit einem Staubtuch über sein kleines Haus, dass er auf dem Rücken hatte.
Moment mal. Ein Haus auf dem Rücken? Ein echtes Haus zum Tragen? Wer macht denn so etwas, wenn er in einem großen Haus lebt?
Nun ja. Nino machte das so. Und das war für ihn auch nichts Besonderes. Denn Nino war eine Schnecke. Und Schnecken haben nun mal ihr Haus immer mit dabei.
Nino stand also vor dem Spiegel und putzte Staub auf seinem kleinen Haus.
»Da kannst du mal sehen, wie lange wir schon nicht mehr vor der Tür waren, um etwas zu erleben.« sagte er zu seinem Hund Wuschel.
Wuschel, der ihn treu auf einem Skateboard durch die Stadt überall hin zog, bellte zustimmend und hüpfte im Kreis herum, weil auch ihm langweilig war.
»Ist dir etwa auch langweilig? Dann sollten wir etwas dagegen unternehmen. Wenn ich nur wüsste, was das sein soll.«
Ideenlos ließ sich Nino in seinen Sessel fallen und schaltete den Fernseher an.
»Also bleiben wir wohl doch hier und machen, was wir jeden Abend machen.«
Doch an diesem Abend kam kein spannender Krimi im Fernsehen oder eine lustige Spielshow. Dieses Mal wurde darüber berichtet, dass schon bald eine Rakete zum Mond fliegen würde.
»Schau mal Wuschel. Die Astronauten werden Morgen zu einem Flug ins Weltall aufbrechen. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Einmal die Erde von Oben sehen, mit meinen eigenen Augen. Nicht auf einem langweiligen Foto. Und dann will ich meinen Fuß in den Staub setzen und dort die allererste Schleimspur der Geschichte hinterlassen. Was hältst du davon?«
Wuschel war begeistert. Er sprang, er hüpfte, er drehte sich im Kreis und bellte immer wieder.
»Dann ist es also abgemacht. Wir fliegen mit zum Mond.«
Noch am selben Abend bereiteten sie alles Vor. Nino packte seinen Rucksack mit Proviant und verstaute ihn in seinem kleinen Schneckenhaus.
Dann spannte er Wuschel vor das Skateboard und ließ sich durch die Straßen der Stadt ziehen.
»Lauf zum Raumflughafen, Wuschel. Wir haben es eilig. Wir dürfen unseren Flug nicht verpassen. Es ist nicht mehr viel Zeit.«
Wuschel gab ordentlich Gas. Er lief schneller als jemals zuvor, bis er nach einer halben Stunde völlig außer Atem neben einer großen Mondrakete anhielt.
»Wir haben es geschafft.« sagte Nino begeistert.
»Jetzt müssen wir nur noch einen sicheren Platz für uns finden.«
Er stopfte das Skateboard in sein Schneckenhaus und fand dort auch noch einen gemütlichen Platz für Wuschel. Dann setzte er seinen Schneckenfuß vorsichtig auf das kühle Metall der Rakete und schleimte sich an ihr hinauf.
»Verdammt. Nirgendwo gibt es ein Loch oder eine Lücke, in die ich kriechen könnte.«
Also kroch er bis nach ganz oben auf die Spitze und schleimte sich dort richtig fest.
»Es gibt keinen besseren Kleber als Schneckenschleim.« rief er triumphierend.
Kurz darauf begann die Rakete zu wackeln. Es vibrierte in ihr. Dann wurde es laut. Mit einem Ohren betäubenden Krachen, startete sie vom Boden und flog in den dunklen Nachthimmel.
»Wuhuu.«, rief Nino.
»Das ist das aufregenste Abenteuer, das ich je erlebt habe.«

Es dauerte drei Tage, bis die Rakete den Weg zum Mond geschafft hatte. Soeben legte sie die letzten Meter zur Oberfläche zurück und landete sanft.
»Wuschel, wir haben es geschafft. Wir sind auf dem Mond gelandet.«
Nino konnte seine Freude kaum aushalten. Er löste seinen Schneckenfuß von der Rakete und sprang in die Tiefe. Wie in Zeitlupe fiel er nach unten.
»Ein kleiner Schritt für einen Nino, aber ein großer Sprung für alle Schnecken der Erde.« und landete im grauen Mondstaub.
»Ist das nicht unglaublich? Ich bin die erste Schnecke auf dem Mond. Das muss gefeiert werden.«
Bis auf Wuschel war aber niemand da, der ihm zu dieser Leistung gratulieren konnte. Eigentlich war überhaupt niemand in der Nähe. Nur die Astronauten, die noch in der Rakete saßen und ihren blinden Passagier nicht entdecken durften. Ansonsten war der Mond leer. Er war so richtig öd und leer. Es gab nur Staub, Geröll und ein paar einsame Bergspitzen am Horizont. Nicht einmal die Erde konnte man von hier aus sehen. Die Aussicht wurde von einem Gebirge verdeckt.
»Und ich dachte immer, der Mond wäre aus Käse gemacht und wir könnten uns hier mal so richtig den Bauch voll schlagen.«
Nino war enttäuscht.
»Nicht mal den Mann im Mond gibt. Ach Wuschel, kannst du dir einen langweiligeren Ort als diesen vorstellen?«
Nein, auch Wuschel konnte das nicht.
»Ich will wieder nach Hause. Diese Reise hat sich überhaupt nicht gelohnt.«
Also legte Nino seinen Fuß auf das kühle Metall der Mondrakete, kroch an ihr nach ganz oben auf die Spitze und schleimte sich dort fest. Nun musste er nur noch warten, bis es wieder nach Hause ging.
Etwas später öffneten die Astronauten ihre Ausstiegsluke. Sie schwebten der Oberfläche entgegen und genossen erst einmal die Aussicht. Einer von ihnen sah an der Rakete entlang und glaubte, seinen Augen nicht trauen zu können. Saß dort tatsächlich eine Schnecke auf der Spitze?
Verwirrt tippte er seinen Kollegen auf die Schultern . Aber als die drei gemeinsam nach der Schnecke sahen, war diese verschwunden.
»Du leidest wohl an der Weltraumkrankheit und bildest dir Sachen ein, die es gar nicht gibt.« lachten sie ihn aus.
»Du gehst wohl besser wieder rein und schläfst eine Runde, während wir Gesteinsproben einsammeln.«
Nino grinste zur gleichen Zeit über das ganze Gesicht. Er hatte sich gerade noch rechtzeitig an der Rückseite der Rakete verstecken können.

(c) 2014, Marco Wittler

300. Rüpelsterne oder „Papa, wie kommen Sterne in die See?“ (Papa erklärt die Welt 32)

Rüpelsterne
oder ›Papa, wie kommen Sterne in die See?‹

Sofie saß auf ihrem Platz und starrte in das unendliche Sternenmeer. In dieser Nacht war der Himmel klar und unzählige kleine, weiße Punkte waren in allen Richtungen zu sehen.
»Ich bin ja schon so aufgeregt.«, sagte Sofie und wippte die ganze Zeit unruhig hin und her.
Papa hatte diesen Satz jetzt schon mindestens zehn Mal in der letzten halben Stunde gehört. Aber er grinste nur stumm vor sich hin.
Doch seine kleine Tochter hielt es kaum noch aus.
»Dauert das immer so lange, bis die Sonne aufgeht?«
Papa nickte.
»Die Sonne ist sehr groß und schwer. Deswegen kann sie nicht an den Himmel hüpfen.«, erklärte er.
In diesem Moment fuhr ein seltsames Glitzern vom Horizont aus über das Wasser.
»Ui, was ist denn das?«, staunte Sofie.
»Warum leuchtet denn das Meer plötzlich überall?«
Papa kniff die Augen zusammen und sah angestrengt auf das Wasser.
»Das müssen die Seesterne sein.«
Sofie hielt inne. Sie war verwirrt. Hatte sie doch bisher immer gedacht, dass Sterne nur am Himmel hängen würden. Papa fiel sofort auf, was er nun angerichtet hatte. Also bereitete er sich schnell vor.
»Papa, wie kommen denn die Sterne in die See?«
Sofies Neugierde war geweckt.
Papa kratzte sich am Kinn. Er dachte noch nach.
»Das ist eine sehr gute Frage. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich erst kürzlich gehört habe. Sie handelt zufällig von Seesternen. Und die werde ich dir jetzt erzählen.«
Sofie strahlte über das ganze Gesicht.
»Oh ja, eine Geschichte.«
»Und wie fängt eine Geschichte immer an?«, fragte Papa.
Sofie lachte schon voller Vorfreude und antwortete: »Ich weiß es. Sie beginnt mit den Worten ›Es war einmal‹.«
»Ja, das stimmt. Absolut richtig. Also, es war einmal …«

Es war einmal eine Gruppe wilder Sterne, die wie ein Haufen Rüpel durch den Himmel zogen und mit jedem Artgenossen und sogar hin und wieder mit dem Mond Streit anfingen.
»Dein Licht leuchtet aber nicht so hell wie meins.«, war noch einer der harmlosesten Sprüche.
»Du könntest dir auch mal wieder das Gesicht waschen.«, musste sich der Mond anhören.
»Ich hab doch gar keine Flecken im Gesicht. Das sind Krater.«
Über viele Jahrhunderte ging das jede Nacht so. Niemand unternahm etwas dagegen.
Irgendwann hatte aber dann doch jemand die Nase voll.
Ein großer, dicker Wal versuchte im tiefen Ozean zu schlafen. Er wälzte sich auf dem sandigen Boden hin und her. Aber er bekam kein Auge zu. Der Lärm im Himmel war einfach viel zu laut.
»Ruhe da oben. Haltet endlich mal den Mund.«, brüllte er den Sternen entgegen.
»Ich will endlich schlafen.«
Aber der Lärm blieb und an Schlaf war einfach nicht zu denken.
»Wartet ab. Euch werde ich schon helfen.«, knurrte der Wal den Rüpeln entgegen.
Er hob seine riesige Schwanzflosse so hoch er konnte und ließ sie kraftvoll auf das Wasser klatschen. Im hohen Bogen spritzte das Wasser zum Himmel hinauf und fegte die fiesen Sterne vom Himmel.
Sie waren so überrascht, dass sie sich nicht mehr rechtzeitig irgendwo festhalten konnten. Und so fielen sie in den großen Ozean.
Der Wal sah sich um und war zufrieden.
»Jetzt müsst ihr bei mir hier unten bleiben. Und wagt es euch nicht, mich zu ärgern.«
Seit dieser Zeit strahlen ein paar Sterne aus dem Wasser heraus und heißen Seesterne.

Sofie bekam große Augen.
»Das sind ja fiese Sterne. Die hätte ich auch vom Himmel gefegt.«
Papa grinste zufrieden. Hatte er sich nun endlich mal eine Geschichte ausgedacht, die ihm seine Tochter abnahm?
In diesem Moment begann Sofie zu lachen.
»Die Geschichte war schön. Aber trotzdem glaube ich dir kein einziges Wort davon.«
Nur einen Augenblick später ging die Sonne auf und ließ ihre Strahlen über das Meer .
»Ui, ist das schön.«

(c) 2010, Marco Wittler

064. Große Entdecker

Große Entdecker

Kalle Karacho stand im Garten und betrachtete das große Raumschiff. Er hatte es in den letzten Wochen mit seinen Freunden zusammen gebaut. Nun waren sie fertig und bewunderten, was sie gemeinsam geschafft hatten.
Nina Nano, Tom Turbo, Kai Kanone, Ulli Universum und der Baum-Mann Christoph waren nun Besitzer eines richtigen Raumschiffs.
Jedenfalls fast. Denn es war aus einem alten Baumhaus entstanden, das im Garten von Christophs Eltern stand. Der Stamm des Baumes war das Herzstück des Raumschiffs.
»Macht die Maschinen klar, startet den Antrieb. Wir brechen auf.«
Captain Karacho saß in seinem gemütlichen Sessel und gab die ersten Befehle aus.
Auf diesen Tag hatten sie alle lange gewartet und viel dafür gearbeitet. Und nun war es soweit.
Tom Turbo setzte sich an eine Tastatur, die mit dem Baumstamm verbunden war. Er gab ein paar Codes ein. Hinter den Kindern begann es leise zu summen.
»Ulli, überprüf doch noch einmal unseren Kurs.«
Ulli Universum war die Navigatorin. Sie kontrollierte ein letztes Mal den Weg zu den Sternen.
»Alles klar, Captain. Bei mir ist alles in Ordnung.«
Baum-Mann Christoph setzte sich an den Stamm. Er war für alle Maschinen zuständig und passte auf, dass nicht passierte.
»Dann lasst uns starten.«
Nina Nano betätigte einen großen roten Knopf.
Das Summen wurde lauter, das gesamte Raumschiff begann zu vibrieren. Es rüttelte und schüttelte sich. Alle Kinder waren nun gespannt, ob der erste Start gelingen würde.
Kalle stand auf und sah aus dem Fenster. Es knackte und krachte im Baumstamm, bis schließlich die ersten seiner Wurzeln aus der Erde gezogen wurden und das Raumschiff sich langsam in die Luft erhob.
»Es klappt. Wir heben ab. Es funktioniert tatsächlich.«
Er setzte sich wieder in seinen Sessel und beobachtete die Kontrollanzeigen.
Schnell nahm die Geschwindigkeit zu. Schon waren sie in den Wolken verschwunden.
»Ich kann gar nichts mehr sehen.«, beschwerte sich Ulli.
»Wie soll ich denn da den Kurs halten?«
Kalle lachte kurz und sagte: »Das ist doch normal. Wir sind in den Wolken. Das ist fast wie Nebel auf der Erde. Aber das ist gleich wieder vorbei.«
Und er sollte Recht behalten. Kaum hatte er seine Worte ausgesprochen, tauchte die strahlende Sonne in einem blauen Himmel auf. Doch das Blau wurde langsam dunkler, bis es schließlich einem tiefen schwarz wich und die Sterne erschienen.
Auf der Schiffsbrücke wurde es still. Die Kinder sahen sich um. Sie wollte nicht glauben, dass sie es wirklich geschafft hatten.
»Wir sind im Weltraum.«, flüsterte Nina.
Es war ein atemberaubender Anblick. Überall um sich herum glitzerte es. Und die Erde wurde langsam zu einer kleinen blauen Kugel, die von einigen Wolken überzogen war. Ein paar einsame Kometen flogen auf ihrer langen Bahn durch die Unendlichkeit und zogen einen langen leuchtenden Schweif hinter sich her. Hier und da waren die einzelnen Planeten zu sehen. Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus waren kleine helle Punkte in der Ferne. Es sah aus, als hätte jemand in schwarzen Zeltstoff mit einer Nadel kleine Löcher gestochen, durch die nun die Sonne schien.
Noch immer schrumpfte die Erde zusammen, während der Mond immer größer wurde und sie ihm näher kamen.
Kalle fasste sich als Erster.
»Dann wird es jetzt Zeit, dass wir Kurs auf den Mond nehmen. Wir werden die ersten Kinder sein, die ihn betreten. Das wird uns berühmt machen.«
Er lehnte sich zurück und lies die anderen ihre Arbeit machen.
Aber plötzlich wurden alle sehr aufgeregt.
Es war Kai Kanone, der etwas auf seinem Bildschirm entdeckte.
»Captain, da kommt etwas auf uns zu. Ich kann aber noch nicht sagen, was es ist. Allerdings ist es sehr schnell.«
Die Anspannung stieg. Damit hatte niemand gerechnet. Sie hatten sich den Flug zum Mond wie einen Spaziergang vorgestellt. Doch nun änderte sich alles.
»Es ist ein fremdes Raumschiff. Und es ist viel größer als unseres.«
Kai Kanone machte sich bereit. Er war für die Bewaffnung an Bord zuständig. Nun lag es an ihm, die Mannschaft zu retten.
»Sie schießen auf uns.«
Nina drückte ein paar Knöpfe und wendete das Raumschiff. Sie flog hin und her, als wären sie ein kleiner Hase, der auf dem Feld vor einem Fuchs flüchtet.
»Sie kommen hinterher. Ich kann sie nicht abschütteln.«
Alle sahen Kalle an. Er war der Captain und musste die Entscheidungen treffen.
Er saß in seinem Sessel und dachte nach. Er wusste nicht, was er machen sollte. Er durfte seine Mannschaft nicht unnötig in Gefahr bringen. Aber Aufgeben war feige.
Er rang mit sich selbst. Traf dann aber schließlich die einzig mögliche Entscheidung.
»Wir geben auf. Es hat keinen Sinn mehr. Gegen das fremde Raumschiff haben wir keine Chance.«
Er sah zu Nina und gab ihr die letzten Befehle.
»Funk das andere Schiff an und sag, dass wir kampflos aufgeben.«
Nina drückte einige Tasten und wartete ab, bis schließlich ein rotes Lämpchen aufleuchtete.
»Sie antworten uns, Captain.«
Und schon hörten sie alle die Stimme des fremden Raumschiffkommandanten.
»Kinder, kommt endlich runter, das Essen ist fertig. Ihr wollt doch nicht, dass es kalt wird.«
Die Kinder begannen zu jubeln. Kais Mutter war mit dem Essen fertig.
Mit einem Mal verschwand die Schwärze des Alls und die leuchtenden Sterne. Der Baum war wieder das, was er schon immer gewesen war: Ein einfacher Baum, der fest mit allen Wurzeln in der Erde steckte.
Kalle kletterte die Strickleiter hinab, gefolgt von seiner tapferen Mannschaft. Sie alle folgten ihm in das Esszimmer und setzten sich an den Tisch.
Während sie Pommes Frites und Wiener Würstchen aßen, erinnerten sie sich an die vergangenen Minuten.
»Wisst ihr was?«, fragte Kai.
»Das ist der schönste Geburtstag, den ich bisher gefeiert habe. Wollt ihr am Wochenende wieder vorbei kommen? Dann können wir unser Weltraumabenteuer zu Ende spielen.«
Die Mannschaft jubelte und war sich sofort einig. Schon in ein paar Tagen würden sie einen neuen Versuch unternehmen, um die ersten Kinder auf dem Mond zu sein.
Kais Mutter hörte in der Küche mit und grinste.
»Da muss ich wohl für das Wochenende noch einmal Pommes Frites und Würstchen einkaufen, damit die Astronauten gut gestärkt zum Mond finden. Aber so ganz ohne fremde Raumschiffe werdet ihr nicht dort oben ankommen. Dann ist nämlich Papa dran.«

(c) 2007, Marco Wittler