574. Nik und Nele erobern den Mond (Nik und Nele 01)

Nik und Nele erobern den Mond

Es war Abend geworden. Die Sonne war vor ein paar Minuten hinter dem Horizont verschwunden. Die zehn Jahre alten Zwillingsgeschwister Nik und Nele lagen seit ein paar Minuten im Bett und sollten eigentlich bald schlafen. Die tägliche Gute Nacht Geschichte hatten sie bereits von Mama vorgelesen bekommen.
»Ob die beiden schon vor dem Fernseher sitzen?« fragte Nele flüsternd in die Dunkelheit hinein.
Nik sah auf seinen leuchtenden Wecker. »Ist jetzt viertel nach acht. Die schauen jetzt ihre Lieblingsserie. Währenddessen gehen sie nicht mal zur Toilette.«
Er richtete sich im Bett auf und sah in das zweite Bett unter sich. »Hast du noch was vor oder warum hast du gefragt?«
Nele grinste, was ihr Bruder im dunklen Zimmer natürlich nicht sehen konnte.
»Ich will einmal zum Mond und zurück. Papa hat doch letzte Woche erzählt, dass da oben alles aus Käse gemacht ist.«
»Und das glaubst du natürlich nicht.«
Nele schüttelte den Kopf. »Papa erzählt so viel Blödsinn, dass ich das meiste davon gar nicht glauben mag. Also will ich selbst nachschauen, ob er Recht hat oder nicht.«
Nik seufzte und ließ sich zurück auf sein Kopfkissen fallen.
»Wie willst du das denn anstellen? Du bist keine Astronautin. Die werden dich niemals mit einer Rakete ins All schicken.«
Nele zuckte mit den Schultern. »Raketen interessieren mich eh nicht. Viel zu langsam und uncool. Opa hat mir geholfen, was besseres zu bauen.«
Jetzt musste Nik lachen. »Du hast mit Opa ein Raumschiff gebaut? Alles klar. Jetzt verstehe ich. Dann gehst du also Morgen in den Garten und spielst deine Reise zum Mond.«
»Nein.« antwortete seine Schwester entschlossen. »Mein Raumschiff ist echt. Und ich werde damit heute Nacht noch ins All starten. Ich werd es dir schon zeigen.«
Sie knipste ihre Nachttischlampe an und gab ihrem Bruder zu verstehen, dass er nach unten kommen sollte.
»Nimm Decke und Kopfkissen mit und vergiss da oben deine Kuscheltiere nicht.«
Nik war verwirrt. Was hatte das alles nur mit einem Flug ins All zu tun? Aber weil er seiner Schwester nicht den Spaß verderben wollte, machte er erstmal mit.
Nele schob nun ihr eigenes Kopfkissen zur Seite. Darunter war ein großer, roter Knopf versteckt gewesen.
»Es geht los.« flüsterte sie und drückte mit ihrer Hand kräftig darauf.
Wie von Geisterhand geführt, öffneten sich plötzlich die beiden Türen zum Balkon. Wenige Sekunden später schoben sich auf allen vier Seiten des Etagenbetts Glasscheiben nach oben und schlossen die Kinder ein.
»Damit wir im All nicht ersticken. Da oben gibt es nämlich keine Luft.« klärte Nele ihren Bruder auf.
Das Bett begann leicht zu vibrieren, später zitterte es an jedem einzelnen Brett, bevor es sich sanft erhob und durch die offenen Balkontüren nach draußen schwebte und Richtung Mond verschwand.
»Das ist ja völlig irre.« rief Nik begeistert und konnte sich an der schnell kleiner werdenden Erde unter sich kaum satt sehen.
»Wir fliegen wirklich und das auch noch komplett ohne Raumschiff und Raketen. Das wird mir niemand glauben. Hätte ich bloß meine Digitalkamera mitgenommen.«
Sie rasten an der Raumstation vorbei, die seit einigen Jahren ihre Kreise um die Erde zog. Zu gern hätten sie den Astronauten zugewunken, aber dafür war das Bett einfach zu schnell.
»Wir sind gleich da.« Nele zeigte mit dem Finger nach vorn, wo immer mehr Krater der Mondoberfläche erkennbar wurden. »Wir brauchen nur noch einen guten Landeplatz.«
Sie suchten sich eine weite Ebene aus, in der es keine Berge und Hügel gab. Dann landete das Etagenbett zum ersten Mal auf dem Boden des Mondes.
»Los! Aussteigen!« rief Nele begeistert. Sie drückte wieder den roten Knopf und ließ damit die Schutzscheiben um sie herum verschwinden.
Sie sprang nach draußen und landete mehrere Meter vom Bett entfernt.
»Hui.« war sie begeistert. »Auf dem Mond bin ich viel leichter. Ich komme mir vor wie eine Feder.«
Sie setzte sich hin und kramte in der Tasche ihrer Schlafanzugshose, aus der sie ein kleines Taschenmesser hervor holte.
»Wird Zeit für einen Test.«
Vorsichtig schnitt sie in den Mondboden und nahm ein Stück davon zwischen die Finger. Sie roch ein paar Mal daran und steckte es sich schließlich in den Mund.
»Mh, voll lecker. Papa hatte von Anfang an Recht, hättest du das gedacht?«
Nik, der noch immer im Bett saß und das alles um sich herum nicht wirklich begreifen konnte, machte nur ein verwirrtes Gesicht?
»Der Mond besteht tatsächlich aus Käse. Hast du etwa Papas Geschichte schon wieder vergessen?« Nele lachte, schnitt ein weiteres Stück zurecht und warf es ihrem Bruder zu, der nur zögerlich daran nagte.
»Wow. Das stimmt wirklich. Und ich habe immer gedacht, hier oben wäre alles aus Stein und Staub. Das habe ich nämlich mal im Fernsehen gehört.«
Langsam kam Nele zurück und setzte sich wieder auf ihre Matratze.
»Wird Zeit, dass wir nach Hause fliegen.«
Da wurde der vorsichtige Nik traurig.
»Muss das jetzt schon sein? Ich würde gerne noch eine Weile bleiben. Vielleicht entdecken wir auf dem Mond noch mehr Dinge, von denen niemand etwas weiß.«
Aber Nele ließ sich nicht erweichen. »Morgen ist Schule. Wir brauchen unseren Schlaf, sonst können wir uns nicht auf den Unterricht konzentrieren.«
Das Mädchen hatte natürlich Recht. Nik ließ es sich dafür nicht nehmen, selbst für den Start zu sorgen. Er drückte den roten Knopf, lehnte sich zurück und sah der Erde zu, wie während des Rückflugs wieder näher kam.
»Wir werden aber bald wieder ins All aufbrechen.« versprach Nele und schob sich ein letztes Stück Käse in den Mund.

(c) 2014, Marco Wittler

347. Chiara fliegt ins All

Chiara fliegt ins All

Der Weltraum war endlich zu sehen. Nachdem die Sonne unter gegangen war, leuchteten nun die Sterne auf die Erde herab. Es waren so viele, dass man sie nicht hätte zählen können.
»Dort hinauf soll es gehen.«, sagte Chiara jeden Abend, bevor sie zu Bett ging.
»Ich will andere Planeten besuchen und Freundschaft mit den Außerirdirschen schließen.«
Diesen Traum hatte sie, so lange sie denken konnte. Jeden Abend sprach sie ihn laut aus. Dann zog sie das alte, verwaschene T-Shirt mit den Raumschiffen an und schlüpfte damit unter ihre Decke.
»So eine Reise in den Weltraum stelle ich mir spannend und aufregend vor.«, schwärmte sie ihrem kleinen Bruder vor, während sie durch das Fenster zum unendlichen Sternenmeer hinauf blickte.
Ihr Bruder lachte dann immer. Seiner Meinung nach würde sie niemals die Erde verlassen. Chiara war da aber ganz anderer Meinung.
»Eines Tages werde ich dort hin reisen, selbst wenn ich dafür mein eigenes Raumschiff bauen muss.«
Bei diesen Gedanken schlief sie dann langsam ein.

Eines Tages spielten die beiden Geschwister im Garten. Chiara saß im Sandkasten, während ihr Bruder auf der Schaukel saß.
Plötzlich stieß Chiara mit der Schaufel auf etwas Hartes.
»Huch. Was ist denn das?«, wunderte sie sich.
Vorsichtig buddelte sie weiter. Sie entdeckte ein kleines Kästchen aus Metall. Es blitzte und blinkte im hellen Sonnenschein. Schnell ließ sie es in ihrer Tasche verschwinden, um es vor ihrem Bruder zu verstecken. Doch dieser war viel zu sehr beschäftigt und hatte nichts gesehen.
»Ich gehe hinein in mein Zimmer.«, sagte sie Mama und verschwand im Haus.
Ein paar Minuten später saß sie auf ihrem Bett und besah sich das Kästchen von allen Seiten. Nirgendwo war ein Schloss oder ein Knopf zum Öffnen zu finden.
»Irgendwo muss das doch gehen.«
Sie versuchte es mit allen Tricks. Aber nicht einmal ein Schraubendreher konnte helfen.
»Dabei bin ich doch so neugierig, was darin steckt.«
Genau in diesem Moment öffnete sich das Kästchen und eine sanfte Frauenstimme erklang.
»Die Neugierde des Menschen ist es, die ihn immer wieder zu neuen Abenteuern und Expeditionen aufbrechen lässt. Sie beflügelt seinen Geist und treibt ihn an, Neues zu entdecken. Und weil du ebenfalls ein neugieriger Mensch bist, hast du es geschafft, das Kästchen zu öffnen.«
Chiara bekam große Augen. Sie hatte das Rätsel gelöst, stand dafür aber vor einem Neuen.
»Und was fange ich jetzt mit dir an?«
Das Kästchen wusste natürlich sofort eine Antwort auf diese Frage.
»Mit mir zusammen wirst du alle Grenzen der Menschheit hinter dir lassen und auf eine kleine abenteuerliche Reise gehen. Sieh in mich hinein.«
Chiara sah natürlich sofort hinein und entdeckte im Innern ein winzig kleines Raumschiff, welches zwischen noch kleineren Sternen schwebte.
»Bring das Raumschiff nach draußen und es wird dich dafür zu den Sternen fliegen.«
Die Freude war riesig. Chiara lief zurück in den Garten. Ihr Bruder und Mama waren ins Haus gegangen. Sie war also ganz ungestört. Vorsichtig holte sie das Raumschiff aus dem Kästchen und stellte es auf den Boden. Von diesem Augenblick an vergrößerte es sich. Es wuchs, bis es etwa zwei Meter lang war.
Chiara öffnete die Tür und stieg ein. Um sie herum blinken viele kleine Lichter.
»Oh je, so viele Knöpfe. Was passiert, wenn ich den falschen drücke?«
Aber dann fand sie einen ganz großen, auf dem das Wort ›START‹ in großen Buchstaben geschrieben war.
Ohne zu zögern drückte sie ihn und das Raumschiff hob langsam vom Boden ab. Es schwebte höher und höher. Schon bald war es am Hausdach vorbei. Als es schließlich die Wolken erreichte, blieb es in der Luft stehen.
»Warum geht es denn nicht weiter?«, fragte Chiara enttäuscht.
»Suche ein Ziel aus.«, sagte die sanfte Stimme.
Chiara dachte nach und wählte den Mond.
»Ich möchte einmal um ihn herum fliegen.«
Und so geschah es auch. Das Raumschiff gab nun Gas. Schneller als jedes Auto, jeder Eisenbahnzug oder jede Rakete düste es auf das Ziel zu. In Windeseile, es waren nicht einmal fünf Minuten vergangen, erreichte es den Mond.
»Der Mond.«, sagte wieder diese Stimme.
»Er umkreist in nahezu achtundzwanzig Tagen einmal die Erde. Seine Oberfläche ist von vielen kleinen und großen Kratern übersät, die alle durch Meteoriteneinschläge entstanden sind. Er hat keine Atmosphäre wie die Erde. Daher können Menschen auf ihm nicht atmen. Ein Leben auf ihm ist daher nicht möglich.«
Die Stimme erklärte noch viele andere Dinge. Chiara hörte nur zu gern zu, während sie sich alles ganz genau ansah. Sie flog ganz dicht über der Oberfläche hinweg, sah eine alte, amerikanische Flagge, die Astronauten vor vielen Jahren in den Staub gesteckt hatten und auch ein Auto, mit dem sie dort umher gefahren waren.
Sie sah auf ihre Uhr und erschrak.
»Gleich gibt es Abendbrot. Die Mama wird bestimmt sauer, wenn ich nicht pünktlich zu Hause bin.«
Und schon drehte das kleine Raumschiff um und flog zurück zur Erde. Keine fünf Minuten später landete es dort, wo es vorher gestartet war – hinter dem Haus im Garten.
Als Chiara ausgestiegen war, schrumpfte das Raumschiff. Nach wenigen Sekunden passte es wieder in das glänzende Kästchen.
»Ich werde bestimmt öfter in den Weltraum fliegen.«, sagte Chiara zu sich selbst, während sie das Haus betrat.
»Ich bin schon gespannt, was ich noch alles entdecken werde.«

(c) 2010, Marco Wittler

176. Forscher

Forscher

Es war ein Stern, der mitten in der Nacht vom Himmel stürzte. Lukas hatte ihn genau gesehen, als er von dem hellen Licht geweckt wurde.
»Ich dachte, dass Sterne fest am Himmel hängen und nicht herunter fallen können.«, sagte er sich.
»Wie mag ein Stern wohl aussehen?«
Lukas war bei diesem Gedanken sofort hellwach. Er stand auf und zog sich an.
»Ich muss mich beeilen, bevor mir jemand zuvor kommt und den Stern einfach mit nach Hause nimmt.«
Die Absturzstelle war nicht weit entfernt. Es musste am Ende des Gehweges sein, vielleicht lag der Stern im Sand des Spielplatzes.
Lukas betrat das Zimmer seines großen Bruders. Der war schon achtzehn Jahre alt und saß noch wach am Computer. Er lernte für die Schule.
»Was willst du denn hier? Du solltest schon längst schlafen.«, schimpfte Michael.
Aber davon ließ sich Lukas nicht einschüchtern.
»Du musst mir helfen. Ein Stern ist vom Himmel gefallen. Ich darf ja allein nicht so spät draußen herum laufen. Also musst du auf mich aufpassen.«
Michael sah seinen kleinen Bruder abschätzend an.
»Ein Stern ist abgestürzt? Das klingt ja seltsam. Aber irgendwie macht mich das auch neugierig. Wir sollten uns das einmal aus der Nähe anschauen.«
Er nahm seine Jacke vom Haken und gemeinsam gingen die beiden Jungen los.
Keine fünf Minuten später standen sie vor dem Eingangstor des Spielplatzes. Es war absolut still. Nichts war zu hören. Die Grillen zirpten nicht. Selbst der Wind schien den Atem anzuhalten.
»Hier ist nichts.«, sagte Michael.
Doch Lukas wollte sich damit nicht zufrieden geben. Er sah sich genauer um.
»Schau mal. Die Büsche da drüben sind zerdrückt. Dort muss der Stern hinein gerast sein.«
Er lief über den Spielplatz hinweg, kletterte über einen niedrigen Jägerzaun und verschwand im Dickicht.
»Hier leuchtet etwas.«, hörte man nur noch seine Stimme.
Michael lief hinterher und sah es ebenfalls. In einem kleinen Krater lag etwas. Es leuchtete rot, weil es heiß war. Doch langsam schien es abzukühlen.
»Als der Stern vom Himmel fiel, war er so blendend hell. Vielleicht können wir ihn bald anfassen und mit nach Hause nehmen. Dann kann ich ihn morgen meinen Freunden zeigen.«, träumte Lukas bereits vor sich hin.
In diesem Moment geschah etwas Seltsames. Das leuchtende Gebilde erhob sich langsam in die Höhe und schwebte dann vor den beiden Jungen. Der Dreck des Kraters fiel davon herab und zum Vorschein kam ein kleiner Roboter.
»Identifiziert euch.«, befahl dieser.
»Wir sind Lukas und Michael.«
Der Roboter flog um die beidem herum und betrachtete sie.
»Was seid ihr?«
Lukas trat einen Schritt vor.
»Wir sind Menschen vom Planeten Erde.«
Im Innern des Roboters ratterte es.
»Erde, ein von Menschen bewohnter Planet. Technisch uns weit unterlegen. Kontakt ist unbedingt zu vermeiden.«, sprach schließlich die elektronische Stimme.
»Was meint er damit?«, fragte Lukas neugierig.
»Das bedeutet, dass seine Erfinder uns technisch weit voraus sind und sie uns mit einem Kontakt nicht beeinflussen wollen. Wir sollen uns auf unsere eigene Weise entwickeln.«, antwortete Michael.
»Offensichtlich ist dem Blechkameraden hier etwas im Weltraum passiert und es blieb ihm nichts anderes übrig, als hier bei uns eine Notlandung zu machen.«
Es ratterte wieder.
»Das ist korrekt. Aus diesem Grund muss ich mich nun auch selbst zerstören.«
Lukas war entsetzt. Das durfte auf keinen Fall geschehen. Dieses kleine Wunderwerk der Technik war doch bestimmt viel zu teuer, um einfach zu explodieren.
Er schnappte sich den Roboter, drehte ihn in alle Richtungen und drückte dann auf den einzigen sichtbaren Knopf, den er finden konnte. Sofort gingen alle Lichter aus. Er hatte ihn abgeschaltet.
»Wir müssen ihn reparieren, damit er seine Reise fortsetzen kann.«
Die Brüder liefen sofort nach Hause. Im Keller ihres Hauses hatte ihr Vater eine kleine Werkstatt eingerichtet. Dort befand sich genug Werkzeug, um den Roboter zu reparieren.
»Und was machen wir jetzt?«
Michael zuckte mit den Schultern. Er setzte sich eine Schutzbrille auf und besah sich den kleinen Besucher von allen Seiten. Dann fand er, wonach er suchte.
»Schau mal. Das hier ist sein Antrieb. Mit diesen Düsen kann er sich lenken und fliegen.«
Er nahm eine Pinzette von der Wand und holte etwas aus dem Roboter heraus.
»Seine Düsen waren verstopft. Er muss mit einem Kometen zusammen gestoßen sein. Davon ist dieser Dreck hier. Ist doch klar, dass er deswegen abgestürzt ist.«
Lukas grinste über das ganze Gesicht, so sehr freute er sich, dass sie helfen konnten. Er schaltete den Roboter wieder ein.
»Wo bin ich?«, fragte die elektronische Stimme.
»Wir haben dich in unsere Werkstatt gebracht und repariert. Du kannst jetzt bestimmt wieder fliegen.«
Der Roboter hob langsam ab und drehte ein paar Runden durch den kleinen Raum. Es war tatsächlich alles wieder in Ordnung.
»Nun kann ich meine Reise fortsetzen. Ich werde mich nicht zerstören.«
Zum Dank blinkte er in allen Farben des Regenbogens.
»Warum habt ihr das getan?«
Lukas dachte nicht lange nach, bevor er antwortete.
»Wir Menschen helfen uns sehr oft gegenseitig, wenn ein anderer nicht mehr weiter weiß.«
Es dauerte, bis der Roboter wieder sprach.
»Das ist sehr interessant. Ich werde darüber nachdenken, wenn ich euch wieder verlassen habe. Ich werde meine Erbauer darüber informieren. Die Menschen sind viel interessanter, als bisher angenommen. Vielleicht werden wir euch doch eines Tages besuchen.«
Mit diesen Worten schwebte er aus dem Kellerfenster und raste anschließend wieder zu den Sternen hinauf.
»Weg ist er.«, sagte Lukas traurig.
»Ich hätte so gern mehr von ihm erfahren.«
Michael hielt ihm einen kleinen Stein unter die Nase.
»Nicht traurig sein, kleiner Bruder. Dafür hast du als Andenken ein echtes Stück eines Kometen.«
Lukas Augen wurden ganz groß. Die Trauer war vergessen. Dafür freute er sich umso mehr über den kleinen Stein.

(c) 2009, Marco Wittler

175. Eilige Fracht

Eilige Fracht

Captain Michel saß in seinem Sessel und sah angestrengt auf den großen Bildschirm am anderen Ende der Kommandobrücke. Draußen im Weltall wimmelte es nur so. Überall flogen Komenten, Asteroiden, Meteoriten und Weltallschrott herum. Das Frachtraumschiff durfte auf keinen von irgendwas getroffen werden.
»Wie ist unsere momentane Position Commander Papa?«
Der Commander stand sofort von seinem Platz auf, salutierte und erstattete Bericht.
»Wir befinden uns jetzt direkt vor dem Trümmerfeld. Etwa eine Million Kilometer dahinter befindet sich unser Zielplanet, den wir innerhalb der nächsten Stunde erreichen sollten. Dazu müssen wir das Feld allerdings durchqueren, da auf unserer Ausweichroute ein gefährlicher Ionensturm wütet.«
Captain Michel dachte angestrengt nach. Sollte er es wirklich riskieren, dass das Raumschiff von einem Felsbrocken getroffen und zerstört wurde? Andererseits ließ ihm der enge Flugplan keine andere Wahl.
»Fliegen sie hinein, Commander Papa. Halbe Kraft voraus.«
Der Commander salutierte ein weiteres Mal und betätigte mehrere Hebel, Knöpfe und Tasten. Das Raumschiff setzte sich langsam in Bewegung und flog an den ersten Asteroiden vorbei.
Von nun an ging es hin und her, rauf und runter, vor und zurück. Die Situationen wurden immer gefährlicher. Die Felsbrocken kamen immer näher. Captain Michel lief bereits der erste Schweißtropfen von der Stirn.
Plötzlich gab es einen lauten Knall.
»Was war das?«
Commander Papa überprüfte seine Anzeigen, ehe er den Captain informierte.
»Wir wurden getroffen. Ein Komet ist an unserer Außenhülle entlang gekratzt. Dabei ist zum Glück nur ein winziges Loch entstanden. Wir verlieren Luft, werden es aber noch rechtzeitig zu unserem Ziel schaffen.«
Sie atmeten beide auf, obwohl sie das Trümmerfeld noch nicht hinter sich hatten.
Sie sahen beide immer wieder auf ihre Monitore, korrigierten ständig die Flugrichtung und hofften, diesen Tag zu überleben.
Und dann war der Weltraum vor ihnen wieder frei. Sie hatten den gefährlichen Teil ihrer Reise hinter sich gebracht.
»Commander Papa, bringen sie uns wieder auf Kurs und beschleunigen sie unser Raumschiff mit voller Kraft.«
»Aye, aye, Sir.«, kam sofort die Bestätigung.
Nur einen kurzen Moment später raste das Raumschiff mit unglaublicher Geschwindigkeit zwischen den Stern dahin, während sie sich ihrem Ziel immer weiter näherten.
»Bremsmanöver einleiten. Wir fliegen sonst noch an dem Planeten vorbei.«
Commander Papa  betätigte die Bremsen und brachte das Raumschiff zum stehen.
»Wir haben es geschafft, Captain. Wir können jetzt unsere Fracht ausliefern.«
Captain Michel sprang von seinem Bürostuhl herunter, mit dem Papa ihn durch die ganze Wohnung geschoben hatte, und stellte sich vor den Laufstall seiner kleinen Schwester.
»Bitte sehr, eure Majestät. Das Prinzessinnenspielzeug ist angekommen.«
Er packte ein paar Kuscheltiere aus und drückte sie dem kleinen Mädchen in die Arme.
»Dann fahre ich mal wieder mit meinem Stuhl zurück in mein Arbeitszimmer.«, sagte Papa und verschwand durch die Tür des Kinderzimmers.

(c) 2009, Marco Wittler

064. Große Entdecker

Große Entdecker

Kalle Karacho stand im Garten und betrachtete das große Raumschiff. Er hatte es in den letzten Wochen mit seinen Freunden zusammen gebaut. Nun waren sie fertig und bewunderten, was sie gemeinsam geschafft hatten.
Nina Nano, Tom Turbo, Kai Kanone, Ulli Universum und der Baum-Mann Christoph waren nun Besitzer eines richtigen Raumschiffs.
Jedenfalls fast. Denn es war aus einem alten Baumhaus entstanden, das im Garten von Christophs Eltern stand. Der Stamm des Baumes war das Herzstück des Raumschiffs.
»Macht die Maschinen klar, startet den Antrieb. Wir brechen auf.«
Captain Karacho saß in seinem gemütlichen Sessel und gab die ersten Befehle aus.
Auf diesen Tag hatten sie alle lange gewartet und viel dafür gearbeitet. Und nun war es soweit.
Tom Turbo setzte sich an eine Tastatur, die mit dem Baumstamm verbunden war. Er gab ein paar Codes ein. Hinter den Kindern begann es leise zu summen.
»Ulli, überprüf doch noch einmal unseren Kurs.«
Ulli Universum war die Navigatorin. Sie kontrollierte ein letztes Mal den Weg zu den Sternen.
»Alles klar, Captain. Bei mir ist alles in Ordnung.«
Baum-Mann Christoph setzte sich an den Stamm. Er war für alle Maschinen zuständig und passte auf, dass nicht passierte.
»Dann lasst uns starten.«
Nina Nano betätigte einen großen roten Knopf.
Das Summen wurde lauter, das gesamte Raumschiff begann zu vibrieren. Es rüttelte und schüttelte sich. Alle Kinder waren nun gespannt, ob der erste Start gelingen würde.
Kalle stand auf und sah aus dem Fenster. Es knackte und krachte im Baumstamm, bis schließlich die ersten seiner Wurzeln aus der Erde gezogen wurden und das Raumschiff sich langsam in die Luft erhob.
»Es klappt. Wir heben ab. Es funktioniert tatsächlich.«
Er setzte sich wieder in seinen Sessel und beobachtete die Kontrollanzeigen.
Schnell nahm die Geschwindigkeit zu. Schon waren sie in den Wolken verschwunden.
»Ich kann gar nichts mehr sehen.«, beschwerte sich Ulli.
»Wie soll ich denn da den Kurs halten?«
Kalle lachte kurz und sagte: »Das ist doch normal. Wir sind in den Wolken. Das ist fast wie Nebel auf der Erde. Aber das ist gleich wieder vorbei.«
Und er sollte Recht behalten. Kaum hatte er seine Worte ausgesprochen, tauchte die strahlende Sonne in einem blauen Himmel auf. Doch das Blau wurde langsam dunkler, bis es schließlich einem tiefen schwarz wich und die Sterne erschienen.
Auf der Schiffsbrücke wurde es still. Die Kinder sahen sich um. Sie wollte nicht glauben, dass sie es wirklich geschafft hatten.
»Wir sind im Weltraum.«, flüsterte Nina.
Es war ein atemberaubender Anblick. Überall um sich herum glitzerte es. Und die Erde wurde langsam zu einer kleinen blauen Kugel, die von einigen Wolken überzogen war. Ein paar einsame Kometen flogen auf ihrer langen Bahn durch die Unendlichkeit und zogen einen langen leuchtenden Schweif hinter sich her. Hier und da waren die einzelnen Planeten zu sehen. Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus waren kleine helle Punkte in der Ferne. Es sah aus, als hätte jemand in schwarzen Zeltstoff mit einer Nadel kleine Löcher gestochen, durch die nun die Sonne schien.
Noch immer schrumpfte die Erde zusammen, während der Mond immer größer wurde und sie ihm näher kamen.
Kalle fasste sich als Erster.
»Dann wird es jetzt Zeit, dass wir Kurs auf den Mond nehmen. Wir werden die ersten Kinder sein, die ihn betreten. Das wird uns berühmt machen.«
Er lehnte sich zurück und lies die anderen ihre Arbeit machen.
Aber plötzlich wurden alle sehr aufgeregt.
Es war Kai Kanone, der etwas auf seinem Bildschirm entdeckte.
»Captain, da kommt etwas auf uns zu. Ich kann aber noch nicht sagen, was es ist. Allerdings ist es sehr schnell.«
Die Anspannung stieg. Damit hatte niemand gerechnet. Sie hatten sich den Flug zum Mond wie einen Spaziergang vorgestellt. Doch nun änderte sich alles.
»Es ist ein fremdes Raumschiff. Und es ist viel größer als unseres.«
Kai Kanone machte sich bereit. Er war für die Bewaffnung an Bord zuständig. Nun lag es an ihm, die Mannschaft zu retten.
»Sie schießen auf uns.«
Nina drückte ein paar Knöpfe und wendete das Raumschiff. Sie flog hin und her, als wären sie ein kleiner Hase, der auf dem Feld vor einem Fuchs flüchtet.
»Sie kommen hinterher. Ich kann sie nicht abschütteln.«
Alle sahen Kalle an. Er war der Captain und musste die Entscheidungen treffen.
Er saß in seinem Sessel und dachte nach. Er wusste nicht, was er machen sollte. Er durfte seine Mannschaft nicht unnötig in Gefahr bringen. Aber Aufgeben war feige.
Er rang mit sich selbst. Traf dann aber schließlich die einzig mögliche Entscheidung.
»Wir geben auf. Es hat keinen Sinn mehr. Gegen das fremde Raumschiff haben wir keine Chance.«
Er sah zu Nina und gab ihr die letzten Befehle.
»Funk das andere Schiff an und sag, dass wir kampflos aufgeben.«
Nina drückte einige Tasten und wartete ab, bis schließlich ein rotes Lämpchen aufleuchtete.
»Sie antworten uns, Captain.«
Und schon hörten sie alle die Stimme des fremden Raumschiffkommandanten.
»Kinder, kommt endlich runter, das Essen ist fertig. Ihr wollt doch nicht, dass es kalt wird.«
Die Kinder begannen zu jubeln. Kais Mutter war mit dem Essen fertig.
Mit einem Mal verschwand die Schwärze des Alls und die leuchtenden Sterne. Der Baum war wieder das, was er schon immer gewesen war: Ein einfacher Baum, der fest mit allen Wurzeln in der Erde steckte.
Kalle kletterte die Strickleiter hinab, gefolgt von seiner tapferen Mannschaft. Sie alle folgten ihm in das Esszimmer und setzten sich an den Tisch.
Während sie Pommes Frites und Wiener Würstchen aßen, erinnerten sie sich an die vergangenen Minuten.
»Wisst ihr was?«, fragte Kai.
»Das ist der schönste Geburtstag, den ich bisher gefeiert habe. Wollt ihr am Wochenende wieder vorbei kommen? Dann können wir unser Weltraumabenteuer zu Ende spielen.«
Die Mannschaft jubelte und war sich sofort einig. Schon in ein paar Tagen würden sie einen neuen Versuch unternehmen, um die ersten Kinder auf dem Mond zu sein.
Kais Mutter hörte in der Küche mit und grinste.
»Da muss ich wohl für das Wochenende noch einmal Pommes Frites und Würstchen einkaufen, damit die Astronauten gut gestärkt zum Mond finden. Aber so ganz ohne fremde Raumschiffe werdet ihr nicht dort oben ankommen. Dann ist nämlich Papa dran.«

(c) 2007, Marco Wittler

060. Der Besucher

Der Besucher

Der Himmel war mit grauen Wolken verhangen und dicke Regentropfen fielen auf die Erde. Bei diesem Wetter wollte man keinen Hund vor die Tür jagen. Auf den Straßen war keine Menschensseele zu sehen. Nur das Prasseln des Regens war zu hören.
Tim saß in seinem Zimmer am Schreibtisch, arbeitete an seinen Hausaufgaben und sah zwischendurch immer wieder aus dem Fenster.
»Das ist richtig gemein. Ich wollte mich doch nachher mit meinen Freunden auf dem Spielplatz treffen.«
Er warf einen Bleistift in die Ecke, lief aber sofort hinterher, da er ihn gerade brauchte.
Er setzte sich zurück und blickte in die Wolken.
»Wann hört das denn endlich auf? Ich will nach draußen.«
Er packte seine Schularbeiten in seine Tasche und lief durch sein Zimmer.
»Was mache ich denn jetzt?«
Er holte seine große Spielzeugkiste und suchte darin herum, fand aber nichts, was ihn interessierte. Also setzte er sich wieder an den Schreibtisch und starrte gelangweilt auf die Straße.
Plötzlich blitzte etwas auf.
»Oh, nein. Jetzt gibt es auch noch ein Gewitter.«
Doch das Licht wurde größer und heller und verschwand nicht wieder. Er schien, als würde es näher kommen, bis es schließlich durch die Wolken kam.
Es war so hell, dass es blendete. Tim musste seine Augen mit der Hand bedecken.
Als er kurz darauf erneut hinaus sah, war das Licht verschwunden.
Tim lief schnell nach unten zu seiner Mutter.
»Mama, da draußen ist etwas. Ich habe ein helles Licht gesehen, das aus dem Himmel kam.«
Seine Mutter warf einen kurzen Blick aus dem Fenster und sah dann ihren Sohn ungläubig an.
»Das hast du dir nur eingebildet. Da draußen regnet es im Strömen. Da ist nichts. Du hast bestimmt nur die Scheinwerfer eines Autos oder eines Flugzeugs gesehen.«
Sie winkte ihn aus dem Zimmer, da sie sich ihren Film im Fernsehen weiter ansehen wollte.
Tim war verärgert. Er wusste, dass er sich nichts eingebildet hatte. Das Licht war eindeutig da gewesen, es war aus dem Himmel gekommen und auf die Erde gestürzt.
»Ich muss heraus finden, was es gewesen ist.«
Als Zeichen seiner Entschlossenheit schlug er sich mit der rechten Faust in die linke Hand. So hatte er es oft bei Papa gesehen.
Dann zog er sich Gummistiefel und Regenmantel an und ging wieder nach unten.
»Ich geh noch nach drüben zu Marvin. Wir wollten uns zum spielen treffen.«
Seine Mutter sagte nur, dass er zum Essen zurück sein sollte, was Tim bejahte. Und dann stand er auch schon im Regen auf dem Gehweg.
Er drehte sich einmal im Kreis, sah in jede Richtung und entschied sich dann für den Stadtpark.
Es dauerte ein paar Minuten, bis er vor dem großen Eisengittertor stand und hindurch sah. Nun bekam er doch ein mulmiges Gefühl im Magen.
»Soll ich oder soll ich nicht?«
Er überlegte noch einmal kurz, stieß dann das Tor auf und marschierte den breiten Kiesweg entlang.
Es dauerte nicht lange, bis er fand, was er suchte. Auf einer großen Wiese war ein ein großes Loch im Boden. Was auch immer hier abgestürzt war, hatte einen großen Krater in die Erde gerissen.
»Du meine Güte.«, flüsterte Tim vor sich hin.
»Das muss aber ziemlich schnell gewesen sein.«
Er kletterte hinab und suchte. Doch das war gar nicht so einfach. Der Boden war heiß und es dampfte überall. Man konnte kaum etwas sehen. Aber plötzlich sah er einen großen Schatten.
»Das muss es sein.«
Er lief hin und entdeckte ein silbernes Raumschiff. Es war nur wenige Meter hoch und lang. Er umrundete es einmal und besah es sich von allen Seiten, bis sich schließlich eine Luke öffnete und ein kleiner Mann daraus hervor kam, der gerade einmal so groß, wie Tim selber war.
»Hallo, Fremder, geht es dir gut? Hast du dich verletzt?«
Der Fremde sah erschöpft und traurig aus.
»Ja, es geht mir gut Erdling. Nur ist mir leider auf dem Weg zur Venus der Treibstoff ausgegangen. Deswegen ist mein Raumschiff auf deinen Planeten gestürzt. Und nun komme ich hier nicht mehr weg.«
Tim überlegte, aber es fiel ihm auch nichts ein, wie er dem unfreiwilligen Besucher helfen konnte.
»Was hältst du davon, wenn wir ein wenig hier im Park spazieren gehen und du mir etwas von dir erzählst. Bin so wahnsinnig neugierig darauf. Und vielleicht fällt uns dann gemeinsam eine Lösung ein.«
Der kleine Mann willigte ein. Er wusste auch nicht, was er sonst hätte unternehmen können.

Eine ganze Stunde liefen sie gemeinsam durch den Regen, geschützt durch ein unsichtbares Feld, das die Tropfen abhielt.
»Dein Planet ist so unglaublich schön. Ich habe noch nie einen gesehen, der es mit eurer Erde hätte aufnehmen können. Eure Bäume sind so riesig wunderschön. Auf der Venus gibt es nur Wüste und kleine trockene Pflanzen.«
Plötzlich blieb der kleine Mann stehen. Er sah sich um, kratzte sich am Kopf, sah sich erneut um und rieb sich am Kinn.
»Ja genau, das ist es. Das ist die Lösung.«
Er lief zu einem der Bäume, Tim rannte sofort hinter im her.
Der kleine Mann riss ein paar Blätter von den Bäumen und schnupperte daran.
»Die sind ja viel besser, als ich es mir gedacht hatte.«
Er hüpfte wie wild im Kreis und freute sich so sehr, als hätte er gerade einen wichtigen Preis gewonnen.
»Schau dir das an, Erdling. Das hier ist die Lösung. So werde ich wieder nach Hause kommen. Aber ich brauche diene Hilfe.«
Tim verstand nichts.
»Weißt du, mein Raumschiff, das fliegt mit den Blättern einer kleinen Pflanze von der Venus. Und da es nicht viele von ihnen gibt, ist die Raumfahrt sehr teuer und viele Schiffe machen unterwegs schlapp oder stürzen ab, weil ihr Blättervorrat zu Ende gegangen ist. Und als ich dann diesen Baum hier sah, wusste ich, dass es die gleiche Pflanze ist, nur viel größer.«
Er zeigte mit dem Finger auf eine Kastanie.
»Ich hätte nie gedacht, dass sie bei anderem Wetter so groß werden und so viele Blätter tragen würden.«
Jetzt musste Tim lachen.
»Und wir ärgern uns immer im Herbst, wenn die vielen Blätter herab fallen und wir nicht wissen, wohin damit.«
Er half dem kleinen Mann, einen Sack voller Blätter einzusammeln, mit denen sie den Tank des Raumschiffs füllten.
»Ich danke dir, mein Freund von der Erde. Ohne deine Hilfe, wäre ich nie wieder von hier weg gekommen. Ich verspreche dir, dass ich bald wieder kommen werde. Im Herbst werde ich mit ein paar Freunden zu euch kommen und wir befreien euren Planeten von den vielen Blättern, die von den Bäumen fallen.«
Er schüttelte Tim noch einmal die Hand, stieg in sein Raumschiff und flog davon.

Als Tim nach Hause kam, erzählte er seiner Mutter nichts von seinem Erlebnis. Sie würde es ihm auch niemals glauben.

(c) 2007, Marco Wittler