582. Nik und Nele jagen die Raumsonde (Nik und Nele 07)

Nik und Nele jagen die Raumsonde

Die Zwillinge Nik und Nele saßen nach dem Abendessen gemeinsam mit Papa vor dem Fernseher und sahen sich die Nachrichten an. Immer wieder wurde von Politikern berichtet, die mehr Macht haben wollten, von Ländern, in denen das Geld knapp wurde, von Kriegen und Streitigkeiten.
»Gibt es denn gar keine guten Nachrichten?« beschwerte sich schließlich Nele. »Müssen die jeden Tag über schlimme Sachen berichten?«
In diesem Moment erschien ein unscheinbarer, grauer Felsbrocken neben dem Nachrichtensprecher. Zuerst schenkten ihm die Kinder keine Aufmerksamkeit. Doch dann wurden sie hellhörig.
»… nähert sich nach über sieben Jahren Flug die Raumsonde Dawn dem Zwergplaneten Ceres, der sich im Asteroidengürtel hinter der Umlaufbahn des Mars befindet. Unter anderem soll sie die Oberfläche des Himmelskörpers fotografieren und kartografieren. Die Wissenschaftler erhoffen sich unter anderem, mehr über die Zusammensetzung von Ceres herauszufinden. Dabei sollen auch hochauflösende Bilder von einem besonders hellen Fleck gemacht werden, für dessen Existenz es bis heute keine Erklärungen gibt.«
Nik und Nele sahen sich an und bekamen große Augen. »Wir gehen jetzt ins Bett.« sagten sie gemeinsam wie aus einem Munde und flitzten hinauf ins Kinderzimmer.
»Nanu, was ist denn mit den Beiden los?« wunderte sich Papa. »Die gehen doch sonst nicht freiwillig schlafen.«
Er zuckte nur mit den Schultern und machte es sich in den Polstern des Sofas gemütlich.
Im Kinderzimmer waren die Zwillinge ganz aufgeregt und sprangen gemeinsam auf die untere Matratze des Etagenbettes.
»Was macht denn die NASA da oben? Die haben auf Ceres nichts zu suchen. Die machen noch alles kaputt.« regte sich Nele auf.
»Wir müssen ganz schnell etwas unternehmen.« entschied Nik und suchte im Bett nach einem Gegenstand. »Wo ist er denn?«
»Langsam solltest du wissen, wo er sich befindet.«
Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

»Wir müssen unbedingt vor der Raumsonde da sein. Wer weiß, was geschieht, wenn sie ihn dort oben entdecken. Das darf auf keinen Fall passieren.«
Das fliegende raste mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die weite Leere des Alls. Es dauerte nicht lange, bis sie am Mars vorbei flogen und in dann hinter sich ließen. Kurz darauf kam der Asteroidengürtel in Sicht.
»Wir müssen jetzt gut aufpassen.« erklärte Nele, die wieder einmal ihre Nase in das dicke Weltraumbuch gesteckt hatte.
»Hier fliegen über kleinere und größere Felsbrocken herum. Wir dürfen uns keinen Zusammenstoß erlauben.«
Der Flug wurde unruhiger. Das Bett raste mal zur einen, mal zur anderen Seite, nach oben, nach unten, vor und zurück. Ein paar Mal war es sehr knapp geworden, aber schließlich kam ein  Zwergplanet in Sicht, der schnell größer wurde.
»Da vorne ist Ceres. Wir sind gleich da und werden landen. Wir müssen nur auf die Raumsonde achten. Es sollte uns niemand sehen. Das gibt nur Probleme.«
Die Sonde hatten sie schnell gefunden. Sie hielt direkten Kurs auf den Zwergplaneten.
»Soll ich ausweichen? Aber irgendwo müssen wir auch landen. Ich weiß es einfach nicht.« Nele wusste sich keinen Rat.
»Flieg ganz knapp dran vorbei. Ich hab da eine Idee. Du musst nur die Luft anhalten.«
Sie kamen der Sonde näher. Es fehlten nur noch wenige Meter.
»Jetzt!« rief Nik und drückte auf den roten Knopf. Eines der Schutzfenster am Bett öffnete sich und die Luft verschwand ins All.
Unterdessen schnappte sich Nik die Decke und warf sie über die Sonde. Dann schloss er das Fenster wieder.
»Jetzt kann sie nichts mehr sehen.« jubelte er. »Jetzt können wir landen.«
Das Etagenbett landete nur kurz darauf nur wenige Meter neben dem hellen Punkt, der in Wirklichkeit gar nicht so hell war. Viel mehr spiegelte er das Sonnenlicht wieder.
»Da vorn ist es.«
Die Kinder liefen auf ein großes, aus Schnee und Eis gebautes Haus zu. Es hätte eigentlich ein Iglu sein können, aber dafür hatte es die falsche Form und war dafür auch viel zu groß.
Sie klopften und warteten darauf, dass ihnen die Tür geöffnet wurde.
»Nanu? Wer stört mich denn da im Urlaub?« war eine tiefe Männerstimme zu hören. Dann öffnete sich die Tür und ein weißbärtiges Gesicht zeigte sich.
»Das ist ja ein Ding.« freute sich der Mann. »Das sind ja Nik und Nele. Was macht ihr denn hier? Ihr habt mich ja schon lange nicht mehr besucht.«
»Wir kommen leider nicht ohne Grund, Weihnachtsmann. Es gibt da ein Problem.«
Die Kinder erklärten alles, was sie in den Nachrichten gehört und auf dem Weg hierher gesehen hatten.
»Wenn diese Sonde dich hier findet und von dir Fotos macht, dann werden die Wissenschaftler ganz schön überrascht sein. Sie werden dich dann bestimmt noch genauer unter die Lupe nehmen, bis sie wissen, wer hier lebt.«
Der Weihnachtsmann war entsetzt. »Das darf auf keinen Fall passieren. Das hier ist doch mein neuer, geheimer Urlaubsort. Wohin soll ich mich denn sonst zurück ziehen? Der Klimawandel hat mir schon das Wohnen am Nordpol schwer gemacht. Das Eis wird dort immer dünner. In ein paar Jahren taut dort im Sommer alles weg und mein Haus wird im Meer versinken. Ich brauche dieses Versteck hier. Was soll ich denn jetzt machen? Ich war so froh, dass ihr mir diesen Ort letztes Jahr gezeigt habt.«
Doch darauf wussten die drei keine Antwort. Deswegen zogen sie sich in das Wohnzimmer zurück und hielten Kriegsrat bei einer heißen Tasse Kakao.

Ein paar Stunden später standen sie wieder vor dem Schneehaus und hatten breite Grinsegesichter. Die Sonde war inzwischen noch ein ganzes Stück näher gekommen. Die Decke hing nur noch an einer Ecke vor der Kamera. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie herunter fallen würde.
»Gleich ist es so weit.« sagte Nik. »Seit ihr alle bereit?«
Die anderen nickten.
Da fiel die Decke auch schon ab und segelte langsam zu Boden.
»Jetzt alle freundlich lächeln und winken.«
Dann rollte Nik ein selbst gemaltes Plakat auseinander. Darauf stand in großen Buchstaben: ‚Der Weihnachtsmann wünscht frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr. Und immer schön brav sein, denn sonst gibt es keine Geschenke. Das gilt auf für die NASA.‘
»Ich hoffe, dass das funktionieren wird.« sagte der Weihnachtsmann und verabschiedete sich von den Zwilligen, die nun wieder in ihr Bett stiegen und nach Hause flogen.

Einen Abend später saßen Nik und Nele wieder mit Papa vor dem Fernseher und sahen sich die Nachrichten an.
»… erklärte nun die NASA die Mission der Sonde Dawn für gescheiert. Über das, was genau geschehen ist, sind sich die Wissenschaftler und Techniker noch uneinig. Aber offensichtlich hat sich jemand in das Steuerungssystem der Sonde gehackt. Statt echte Fotos der Planetenoberfläche zur Erde zu senden, empfing die amerikanische Raumfahrtbehörde Fotomontagen, die zwei Kinder und den Weihnachtsmann mit Grüßen an die NASA zeigen. Da nun auch dem zukünftigen Datenmaterial nicht mehr uneingeschränkt geglaubt werden kann, hat man sich nun dazu entschlossen, die Sonde abzuschalten. Sie wird in den nächsten Tagen auf den Zwergplaneten Ceres abstürzen.«
Nik und Nele grinsten sich an. Sie wussten ganz genau, was da oben im Weltall passiert war. Aber sie würden es niemals jemandem verraten.

(c) 2015, Marco Wittler

570. Weihnachten im Leuchtturm

Weihnachten im Leuchtturm

Mitten im Meer stand ein uralter Leuchtturm. Seine Aufgabe war es, alle Schiffe in der Umgebung vor einem Felsen zu warnen, auf dem er einst zu diesem Zweck gebaut worden war.
Und nun, zur Weihnachtszeit, hatte man das Gefühl, dass sein weisendes Licht noch wärmer, noch festlicher leuchtete.
Trotzdem wollte im Innern des Leuchtturms keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen. Das lag zum Einen daran, dass auf dem Meerwasser keine einzige Schneeflocke liegen bleiben wollte. Sie schmolzen sofort und verschwanden in den Fluten. Zum Anderen lag es aber auch daran, dass der Leuchtturmwärter ganz allein in seiner kleinen Wohnküche saß. Niemand leistete ihm Gesellschaft, niemand kam mal kurz auf einen Kaffee vorbei und hielt ein Schwätzchen mit ihm.
Der Leuchtturmwärter war nicht etwa unbeliebt. Im Gegenteil. Er besaß sehr viele Freunde und Verwandte. Aber eine Fahrt vom Festland bis zum Leuchtturm dauerte einen halben Tag. Viel zu lang für einen kurzen Besuch. Deswegen kam auch nie jemand vorbei. Erst in einem Monat, lange nach Weihnachten, würde das nächste Schiff einen anderen Leuchtturmwärter zur Ablösung vorbei bringen und den Jetzigen nach Hause fahren. Bis dahin würde aber noch sehr viel Langeweile im Leuchtturm herrschen.
Am Weihnachtsabend jedoch, war die Einsamkeit am Größten, denn dann saßen die Familien mit Großeltern, Eltern, Onkeln, Tanten und vielen Kindern um den Weihnachtsbaum herum und sangen besinnliche Lieder. Später würden sie alle im Bett liegen und gespannt darauf warten, dass der Weihnachtsmann durch den Kamin klettern würde, um Geschenke unter den Baum zu legen. Das alles vermisste der einsame Leuchturmwärter und wünschte sich, am heutigen Abend irgendwo, in irgendeinem Wohnzimmer, bei irgendeiner freundlichen Familie sitzen und Weihnachten feiern zu können.
Stattdessen saß er allein an seinem Esstisch, hatte eine einzelne, brennende Kerze vor sich stehen und starrte hinaus in die dunkle Nacht, in der sich hohe Sturmwellen am Felsen brachen.
»Ist das trostlos.«, seufzte der Leuchtturmwärter. »Die ganze Welt feiert heute Abend Weihnachten. Nur ich sitze hier einsam und allein und muss darauf aufpassen, dass das Leuchtfeuer nicht erlischt. Wenn mir wenigstens jemand Gesellschaft leisten würde. Aber bei diesem Schietwetter wird sich niemand auf die lange Fahrt hierher machen. Wahrscheinlich denkt heute nicht einmal jemand an mich.«
Er seufzte noch einmal laut, nahm einen großen Schluck heißen Kakao aus seiner noch größeren Tasse und blickte wieder hinaus auf das Meer und die Wellen.
Sehr spät in der Nacht, die Kerze auf dem Tisch war mittlerweile abgebrannt, schreckte der Leuchtturmwärter aus einem unruhigen Schlaf hoch. Müde rieb er sich seine Augen und gähnte herzhaft. Ein Blick auf die Wanduhr verriet ihm, dass es bereits drei Uhr war.
«Oh je.«, stöhnte er auf. »Jetzt bin ich wieder einmal am Tisch eingeschlafen.«
Er rieb sich mit beiden Händen den Nacken und die Schultern, die ihm mittlerweile wegen des ungemütlichen Schlafplatzes schmerzten, als er ganz hinten am Horizont ein kleines Leuchten sah, das sich langsam auf seinen Leuchtturm zu bewegte.
»Nanu? Was ist denn das? Kommt mich doch noch jemand besuchen? Um diese Uhrzeit? Mitten in der Nacht? Das kann doch gar nicht sein.«
Ein weiteres Mal rieb er sich die Augen und blickte dann wieder nach draußen. Das Licht war nicht verschwunden. Im Gegenteil. Es war ein ganzes Stück näher gekommen.
»Es kann kein Schiff sein.«, murmelte der Leuchtturmwärter. »So schnell kann kein einziges Schiff fahren. Schon gar nicht bei diesem Sturm.«
Gespannt beobachtete er weiter und stellte bald fest, dass das Leuchten nicht über das Wasser zu ihm kam. Es flog in der Luft.
»Nein. Das kann nicht sein. Es ist zu windig. Da kann kein Flugzeug fliegen. Für einen Hubschrauber ist es auch zu gefährlich. Was kann das nur sein?«
Kurz bevor das Licht sein Ziel erreicht hatte, flog es eine Kurve und verschwand auf der anderen Seite des Leuchtturms. Der Leuchtturmwärter sah in alle Richtungen. Das Leuchten tauchte aber nicht wieder auf.
Ein paar Sekunden später klopfte es an der Tür. Verwirrt und überrascht stand der Wärter von seinem Tisch auf, lief die Treppe hinunter und öffnete seinem unbekannten Gast.
»Ho, ho, ho!«, schallte ihm eine tiefe Stimme entgegen. »Fröhliche Weihnachten wünsche ich dir. Darf ich vielleicht herein kommen und mich ein wenig bei dir aufwärmen? Da draußen ist es kalt und ungemütlich.«
Dem Leuchtturmwärter fielen fast die Augen aus dem Kopf.
»Du … du … bist der Weihnachtsmann.« Hinter seinem Besucher sah er in der Dunkelheit den von acht Rentieren gezogenen Schlitten, der dicht über dem Meer schwebte.
»Äh, ja. Komm bitte herein.«
Sie betraten gemeinsam den Leuchtturm, gingen zurück in die kleine Küche und setzten sich an den Tisch.
Der Weihnachtsmann sah auf das verbliebene Stück Wachs, das sich über die Tischplatte verteilt und dort hart geworden war.
»Deine Kerze sieht aber mitgenommen aus. Wie wäre es mit einem neuen Adventskranz?«
Mit einem Grinsen griff er in die Tasche seines roten Mantels, holte einen Adventskranz hervor und zündete die vier Kerzen mit einem Streichholz an.
Der Leuchtturmwärter sah begeistert auf die kleinen Flammen und dann auf seinen Gast. Freudentränen standen ihm in den Augenwinkeln.
»Was machst du denn hier? Warum besuchst du mich in dieser stürmischen Nacht? Musst du nicht Geschenke an die vielen Kinder auf der ganzen Welt verteilen?«
»Ich bin schon fertig.«, kam die Antwort. »Alle Geschenke sind verteilt. Ich habe kein einziges Kind vergessen. Und weil ich heute Nacht nichts anderes zu tun habe und Weihnachten auch nicht gern allein bin, dachte ich mir, dass ich einfach bei dir vorbei schaue. Feiern wir doch gemeinsam Weihnachten.«
Ein weiteres Mal öffnete er seinen Mantel, holte zuerst einen leckeren Weihnachtsbraten hervor und dann ein kleines, verpacktes Geschenk, dass er dem Leuchtturmwärter entgegen hielt.
Und schon kullerten beim Wärter die Tränen. »Ich habe aber kein Geschenk für dich. Ich wusste gar nicht, dass du kommen wirst.«
Der Weihnachtsmann winkte ab. »Macht nichts. Du hast mir bereits ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Du hast mich in deinen Turm und an deinen Tisch eingeladen. Das ist mir schon Geschenk genug.«
Er stand auf, ging um den Tisch herum und drückte den Leuchtturmwärter fest an sich.
Gemeinsam verbrachten sie den Rest der Nacht und feierten bis zum Morgengrauen. Für beide war es das schönste Weihnachtsfest von allen. Von nun an besuchte der Weihnachtsmann den Leuchtturmwärter jedes Jahr, wenn er alle seine Geschenke ausgeliefert hatte.

(c) 2016, Marco Wittler

569. Ein schönes, heißes Bad

Ein schönes, heißes Bad

»Ist euch auch so kalt?«, fragte der Weihnachtsmann seine Wichtel und rieb sich mit den dicken Handschuhen über die Arme.
Seine Weihnachtswichtel schüttelten die Köpfe und zeigten auf das große Thermometer an der Wand der Weihnachtswerkstatt. es war über zwanzig Grad warm. Die Heizungen liefen auf vollen Touren.
»Verstehe ich nicht.«, wunderte sich der Weihnachtsmann. »Ich friere schon seit Stunden. Hoffentlich werde ich nicht krank. Eine Erkältung kann ich mir gerade jetzt nicht leisten. Ich muss doch in ein paar Stunden mit dem Schlitten los. Wenn ich keine Geschenke verteilen kann, werden die Kinder ganz schön enttäuscht sein.«
»Leg dich doch in die Badewanne und wärm dich auf.«, machte eine seiner Elfen einen Vorschlag.
»Das ist eine prima Idee. Genau das werde ich machen. Ihr bereitet meinen Schlitten vor und ich lass mir ein schönes, heißes Bad ein. Wir sehen uns in ein paar Stunden, wenn die Tour los geht.«
Mit diesen Worten verschwand der Weihnachtsmann in sein Haus und freute sich schon riesig auf das wärmende Badewasser und einem großen, duftenden Schaumberg.

Ein laar Stunden später stand der große Schlitten abfahrbereit vor der Weihnachtswerkstatt. Die Rentiere waren angespannt, der Sack mit den unzähligen Geschenken aufgeladen.
»Wo bleibt der Weihnachtsmann?«, fragte der Oberwichtel immer wieder in die wartenden Gesichter um sich herum, während er seine Armbanduhr genau im Auge behielt.
»Er sollte dich schon längst hier sein. Wo bleibt er nur. Hoffentlich ist er nicht in der Badewanne eingeschlafen.«
Schnell eilte der Wichtel durch den tiefen Schnee und betrat das Haus des Weihnachtsmanns.
»Chef?«, rief er durch die Flure und Räume. »Bist du hier? Es wird Zeit. Du musst los.«
Es kam keine Antwort. Deswegen suchte er ein Zimmer nach dem anderen ab. Erst am Ende des Flurs wurde der Wichtel fündig. Im Badezimmer brandte Licht. Durch die geschlossene Tür war schiefer Gesang zu hören. Der Wichtel öffnete die Tür und trat ein. Der Weihnachtsmann saß noch immer in der Badewanne und sang vor sich hin.
»Weihnachtsmann! Es ist an der Zeit. Du musst los.«
Der Weihnachtsmann drehte sich zur Seite und grinste.
»Och, nö. Ich bleib hier. Ist grad so schön warm und gemütlich. Kann das nicht einer von euch dieses Jahr übernehmen. Ich steige bestimmt nicht aus der Badewanne.«
Der Wichtel bekam große, entsetzte Augen. Würde Weihnachten dieses Jahr ausfallen? Er musste sich dringend etwas einfallen lassen. Schnell rannte er zur Werkstatt zurück und besprach sich mit den anderen Wichteln und Elfen.

Eine halbe Stunde später flogen die Rentiere durch die Luft Richtung Süden. Der Weihnachtsmann war tatsächlich unterwegs, um die Geschenke zu verteilen. Die Wichtel hatten ihn dich noch überreden können. Den Schlitten hatten sie dazu wieder abspannen müssen. Der blieb in diesem Jahr in der Werkstatt zurück. Stattdessen hing hinter den Rentieren eine Badewanne mit warmem Wasser und einem großen Schaumberg. Darin saß der glückliche Weihnachtsmann und ließ vor Freude sein ›Ho, ho, ho‹ ertönen.

(c) 2016, Marco Wittler

565. Die Geschenke sind weg

Die Geschenke sind weg

Es war mitten in der Nacht, als das Handy klingelte. Es dauerte ein wenig, bis der Weihnachtsmann aus seinem tiefen Schlaf erwachte, auf das Display sah und den Anruf entgegen nahm.
»Hier Weihnachtsmann. Wer spricht?«, fragte er müde.
Er hörte ein paar Sekunden lang zu, nickte immer wieder und bekam dann große Augen.
»Das ist ja eine Katastrophe! Ich komme sofort!«
Er kletterte aus dem Bett, zog seine rote Hose, den Mantel und die schweren Stiefel an und verließ sein Haus. Sein Ziel war seine Spielzeugwerkstatt. Dort warteten bereits seine Wichtel und Weihnachtselfen.
»Ihr erlaubt euch auch keinen dummen Scherz mit mir?«, fragte der Weihnachtsmann, während er durch die große Eingangstür stürmte.
Aber die Frage konnte er sich selbst beantworten, als sein Blick auf den großen Geschenkesack fiel. Er war leer. Völlig leer. Kein einziges Geschenk steckte in ihm.
»Wir wissen auch nicht, wie das passieren konnte.«, entschuldigte sich der Oberwichtel. »Am Abend waren die Geschenke noch an Ort und Stelle. Dann fiel eine der Maschinen aus. Wir haben sie repariert. In dieser Zeit muss jemand alle Geschenke geklaut haben.«
Der Weihnachtsmann nahm seine Mütze vom Kopf und fuhr sich nervös mit einer Hand durch das weiße Haar.
»Aber Morgen ist Weihnachten. Dann warten die Kinder überall auf der Welt auf die Geschenke. Wir müssen schnell etwas unternehmen, sonst fällt das Fest ins Wasser. Etwas Schlimmeres hätte uns nicht passieren können.«
Er teilte seine Wichtel und Elfen in kleine Gruppen auf. Jeder sollte beim Suchen helfen. Der Weihnachtsmann aber blieb in der Werkstatt zurück und wartete auf gute Nachrichten.
Und während er immer wieder im Kreis lief, nervös auf die Wanduhr sah, hörte er plötzlich ein leises Kichern.
»Hm? Wer ist da? Wer lacht da über mich? Sofort raus kommen!«
Er sah sich um, blickte in jede Ecke und unter jede Maschine.
»Ha! Erwischt!«
Mit seinen großen Händen griff er zu und ließ nicht mehr los. Aus einem sonst leeren Holzfass der Weihnachtsmann zwei Engel heraus, denen es jetzt gar nicht mehr zum Kichern zu Mute war. Stattdessen bekamen sie knallrote Gesichter.
»Was macht ihr hier? Was habt ihr hier zu suchen?«
Die Engel sahen verschüchtert zu Boden und brachten kein einziges Wort heraus.
»Entweder ich bekomme sofort eine Antwort oder ich trage euch in mein goldenes Buch ein. Dann bekommt ihr dieses Jahr nämlich kein einziges Geschenk.«
Erschrocken sahen sie den Weihnachtsmann an. »Das kannst du doch nicht machen.«, beschwerten sie sich.
»Kann ich nicht?«
Der Weihnachtsmann ging zum Schreibtisch, schlug das Buch auf und griff zu seinem Füller.
»Halt! Moment!«
Sie flitzten zu ihm. »Ist ja schon gut. Wir haben die Geschenke versteckt. Es sollte nur ein dummer Streich sein. Wir geben sie dir ja zurück.«
Der Weihnachtsmann legte seinen Stift zurück.
»Wo sind sie?«
Die Engel liefen zu einem der großen Fenster und deuteten mit ihren Zeigefingern nach draußen.
»Wir haben sie dort in dem Schneehaufen versteckt.«
Und dann bekamen sie wieder rote Gesichter. »Vorhin war er jedenfalls noch da.«
Dort, wo der Haufen ein paar Stunden zuvor gestanden hatte, lag nun eine hohe, geschlossene Schneedecke. Es hatte kräftig geschneit.
Der Weihnachtsmann bekam einen wütenden Gesichtsausdruck.
»Wisst ihr eigentlich, was ihr da angestellt habt? In wenigen Stunden muss ich mich auf den Weg machen. Wenn wir die Geschenke bis dahin nicht gefunden haben, werden Millionen Kinder auf der ganzen Welt enttäuscht sein und fürchterlich weinen.«
Er überlegte, lief ein paar Mal im Kreis und überlegte weiter. Schließlich holte er sein Handy aus der Tasche.
»Jetzt kann uns nur noch ein absoluter Experte helfen, jemand der sich besser mit Verstecken auskennt, als irgendwer anderes. Ich hoffe für euch zwei, dass er gerade Zeit hat und nicht Urlaub macht.«
Er wählte eine Nummer und wartete.
»Ja, hier Weihnachtsmann. … Ja, ich weiß, dass es gerade eine ungünstige Zeit ist, um mit dir zu Telefonieren. … Ja, ich muss auch noch den Baum aufstellen und schmücken … Ich will mich auch gar nicht unterhalten, denn ich brauche ganz dringend deine Hilfe.«
Er erklärte möglichst schnell, was geschehen war. Dann beendete er das Gespräch und setzte sich auf einen Stuhl.
»Jetzt können wir nur noch warten. Ich hoffe, dass unser Helfer nicht zu lange braucht, um hierher zu kommen.«
Kaum hatte er das gesagt, öffnete sich die Tür und ein langohriges Tier kam herein gehoppelt.
»Osterhase. Gott sei Dank, bist du endlich da. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber freue.«
Der Osterhase grinste.
»Keine Ursache, mein Freund. Ich werde mich auch sofort an die Arbeit machen.«
Gemeinsam verließen sie die Werkstatt.
»Der Osterhase hat die beste Nase für schwer zu findende Verstecke.«, erklärte der Weihnachtsmann den Engeln. »Er wird nicht lange brauchen, dann sind die Geschenke wieder da. Er wird das Versteck riechen.«
Und genau so geschah es dann auch. Der Osterhase hob seine Nase in die Luft, schupperte und hoppelte kreuz und quer über den frischen Schnee. Irgendwann blieb er stehen.
»Hier ist es. Hier muss das Versteck sein. Ich kann es riechen.«
Der Weihnachtsmann schnappte sich eine Schaufel und machte sich an die Arbeit. Schon nach wenigen Minuten tauchten tatsächlich die Geschenke auf. Sie waren vollzählig.
Inzwischen waren auch die Elfen und Wichtel wieder aufgetaucht. Sie halfen, die Geschenke wieder ins Trockene zu bringen.
Die zwei Engel entschuldigten sich für ihren Streich und versprachen, nie wieder das Weihnachtsfest in Gefahr zu bringen.
Den Osterhasen packte der Weihnachtsmann ein paar Stunden später mit auf den großen Schlitten und brachte ihn persönlich nach Hause und übergab ihm die Geschenke für seine große Familie.

(c) 2016, Marco Wittler

564. Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns

Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns

Arne saß mit seiner Freundin Amelie in seinem Zimmer. Gemeinsam sahen sie sich gerade ein Buch mit Weihnachtsbildern an. Auf einem davon war der Weihnachtsmann abgebildet.
Amelie kicherte. »Der hat aber einen dicken Bauch.«
Sie zeigte mit dem Finger auf den Bauch und lachte. »Der ist ja noch dicker als mein Opa.«
Arne lachte auch. »So einen dicken Mann habe ich noch nie gesehen.«
Er kam auf eine Idee. Arne stand auf, nahm das Buch unter den Arm und Amelie an die Hand. Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer.
»Papa!«, stürmte er los und legte sein Buch auf den Tisch. »Warum ist der Weihnachtsmann so dick?«
Papa sah auf das Bild und blickte dann Mama fragend an, die sich gerade um die kleine Schwester Anna kümmerte.
»Das weiß ich leider nicht. Aber dem Papa fällt bestimmt die richtige Antwort noch ein.«
Sie grinste.
Papa bekam einen roten Kopf. Die richtige Antwort? Woher sollte er die nur nehmen?
Schnell griff er nach dem Buch, blätterte ein paar Seiten vor, ein paar zurück, bis er wieder den Weihnachtsmann vor sich sah.
»Also gut. Warum ist der Weihnachtsmann so dick? Schauen wir mal, was hier alles steht.«
Papa glitt mit dem Zeigefinger an ein paar Buchstaben entlang und las.
»Ah! Hier ist auch schon die Antwort.«
Arne und Amelie setzten sich mit an den Tisch, stützten ihre Köpfe mit den Händen auf hörten gespannt zu. Selbst Anna schien zu gefallen, was Papa zu erzählen hatte.

Der Weihnachtsmann war einmal ein großer, schlanker und sportlicher Mann. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit füllte er seinen großen Sack mit Geschenken, legte sich diesen über die Schulter und machte sich zu Fuß auf den Weg zu den Menschenkindern, um ihnen eine Freude zu machen.
Er kletterte an Dachrinnen hinauf auf die Dächer und rutschte durch die Kamine in die Wohnzimmer. Unter jeden Christbaum legte er Geschenke, die er in den Sommermonaten wohl überlegt ausgesucht hatte. Dann ging es weiter zum nächsten Haus.
Der Weihnachtsmann war wirklich sehr sportlich. Er schaffte den Weg zu allen Kindern in nur einer Nacht, so schnell war er zu Fuß.
Doch eines Tages, an einem schon lange zurück liegenden Weihnachtsfest, bekam er großen Hunger.
»Nanu, was ist denn jetzt los?«, wunderte er sich. »Ich habe noch nie Hunger verspürt, wenn ich Geschenke verteilt habe.«
Er dachte kurz nach. Dann fiel ihm ein, dass er sein Abendessen vergessen hatte. Nun war es dafür zu spät.
»Ich muss etwas zu Essen finden, sonst schaffe ich nicht den ganzen Weg.«
Der Weihnachtsmann sah sich um, wo er sich gerade befand, nämlich mitten in einem Wohnzimmer.
»Schau an, schau an. Was haben wir denn da?«
Auf einem Tisch stand eine Schale mit frisch gebackenen Keksen. Ihr Duft lockten den Weihnachtsmann magisch an.
»Wenn ich mich nicht täusche, sind das Weihnachtskekse. Vielleicht sollte ich sie einmal probieren.«
Der Weihnachtsmann hatte noch nie Kekse gegessen. Am Nordpol gab es keinen Laden, wo man sie kaufen konnte. Zum selber backen fehlte ihm die Zeit.
Er stopfte sich einen Keks in den Mund und kaute darauf herum.
»Mmh, ist das lecker«.
Er nahm einen zweiten Keks, dann noch einen, bis schließlich die Schale leer war.
»Wie?« Keine Kekse mehr da? Schade. Na gut, dann mache ich mich wieder auf meinen Weg.«
Der Weihnachtsmann lief zum nächsten Haus und kletterte dort ins Wohnzimmer. Auch hier fand er eine Schale mit Keksen.
»Glück gehabt. Ich kann weiter naschen.«
So ging es dann in jedem Haus. Der Weihnachtsmann brachte Geschenke und nahm sich dafür Kekse.
Als er einige Stunden später wieder auf dem Heimweg war, fiel ihm das Laufen schwer. Nur mit größter Mühe konnte er sich zum Nordpol schleppen.
»Was ist denn nur mit mir los?«, wunderte er sich.
»So schwer ist mir das Laufen noch nie gefallen. Ich bin doch ein guter Sportler.«
Er legte den leeren Geschenkesack zur Seite und sah zu seinen Füßen hinab. Er versuchte es jedenfalls. Denn die Füße waren nicht mehr zu sehen. Sie waren unter einem dicken Bauch versteckt.
»Oh nein. Was ist passiert? Ich bin plötzlich ganz dick geworden. Wie konnte das nur geschehen?«
Dem Weihnachtsmann fielen wieder die vielen Schalen voller Kekse ein, die ihm so gut geschmeckt hatten. Er seufzte laut und schlich sich nach Hause.
»Jetzt muss ich mir etwas Neues überlegen, wie ich im nächsten Jahr meine Geschenke an die Kinder auf der ganzen Welt verteilen kann. Ich glaube, ich sollte mir einen Rentierschlitten anschaffen.«

Arne, Amelie und Anna sahen Papa mit großen Augen an.
»Und das ist wirklich so passiert?«, fragte Arne zur Sicherheit.
»Ganz bestimmt.«, antwortete Papa. »Das steht sogar hier im Buch.«
Arne nahm ihm das Buch aus der Hand und sah sich die Buchstaben an.
»Schade, dass ich noch nicht lesen kann. Aber wenn du sagst, dass es hier steht, dann wird das auch richtig sein.«
Er nahm Amelie wieder an der Hand und ging mit ihr zurück in sein Kinderzimmer.

(c) 2016, Marco Wittler

563. Weihnachtsgewitter

Weihnachtsgewitter

Draußen schneite es dicke, fette Flocken. Die Erde verschwand unter einer weißen Schneedecke. Überall waren die Häuser festlich geschmückt. Die Christbäume erstrahlten in bunten Farben. Lametta, Glaskugeln, Strohsterne und Lichterketten waren an allen Ästen angebracht. Das einzige, was noch fehlte, waren die Geschenke. Und dafür war in dieser heiligen Nacht, wie in jedem anderen Jahr auch, der Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten unterwegs.
»Ist das nicht toll?«, rief er begeistert seinen Zugtieren zu. »Hast du schon mal ein schöneres Weihnachtswetter gesehen als dieses, Rudolf? Ich liebe Schnee.«
Rudolf verdrehte die Augen. »Du musst bei dem Wetter ja auch nicht den Schlitten ziehen. Ich habe Angst, dass ich in diesem dichten Schneetreiben irgendwann gegen einen Baum oder Straßenschild stoße. Das ist nicht wirklich schön.«
»Ho ho ho.«, lachte der Weihnachtsmann und hielt sich den Baum. »Reg dich nicht auf. So schlimm es nun auch wieder nicht.«
Das empfand Rudolf allerdings anders. Deswegen trieb er die anderen Rentiere umso mehr an. Sie flogen so schnell durch die Lüfte, wie niemals zuvor. Sie wollten, so schnell es ging, die Arbeit erledigt haben, um nach Hause in den warmen Stall zu kommen.
»Da kommt die nächste Stadt!«, rief der Weihnachtsmann. »Geht mit dem Schlitten tiefer!«
Die Rentiere gehorchten. Sie flogen mit dem Schlitten tiefer und folgten einer breiten Autobahn, um den Weg besser zu finden.
Plötzlich blitzte es hell auf. Rudolf sah sich verwirrt um, musste sich sogar kurz die Augen reiben, weil er nicht mehr genug sehen konnte.
Dann blitzte es noch mal und noch mal.
»Verdammt!«, rief das Rentier. »Jetzt zieht auch noch ein Gewitter auf. Schlimmer könnte das Wetter wirklich nicht sein. Jetzt müssen wir auch noch aufpassen, nicht vom Blitz getroffen zu werden.«
Die ganze Nacht über blitzte es immer wieder. Egal, welcher Stadt sie sich näherten, das Wetter wollte einfach nicht besser werden. Aber sie hatten Glück. Weder die Rentiere, noch der Schlitten wurden vom Blitz getroffen.
Irgendwann hatte der Weihnachtsmann seine Aufgabe erledigt. Die Rentiere hatten ihn zum Nordpol zurück gebracht, wo schon die Weihnachtselfen warteten. Einer von ihnen trat gleich vor. Er hielt einen Stapel Papiere in der Hand, die er seinem Chef übergab.
»Dieses Jahr seid ihr aber besonders schnell gewesen. Ihr seid insgesamt zweihundertsechsundfünfzig Mal geblitzt worden. Das ist euch vorher noch nie passiert. Das wird ganz schön teuer.«
Der Weihnachtsmann sah sich die Knöllchen an. Die Fotos darauf waren eindeutig.
»Rudolf!«, rief er zum Stall. »Wir müssen dringend mal reden! Wenn ich jetzt wegen dir meinen Führerschein verliere, gibt es Ärger!«

(c) 2016, Marco Wittler

558. Der schnellste Schlitten der Welt

Der schnellste Schlitten der Welt

Weihnachten. Der Weihnachtsmann war schon seit Stunden unterwegs, kletterte durch unzählige Kamine auf der ganzen Welt und verteilte noch mehr Geschenke an die braven Kinder in allen Ländern.
Doch in diesem Jahr war er langsamer unterwegs als sonst. Das lag vor allem daran, dass Rudolf, eines seiner Rentiere, viel zu viel getrunken hatte.
»Chef, wir müssen noch mal anhalten.«, rief er immer wieder. »Ich muss schon wieder.«
Es gab eine Pause nach der anderen. Mal hielten sie mitten in einem Wald, wo sich Rudolf an einem Baum erleichtern konnte, mal an einer Autobahnraststätte, wo die Menschen verwundert auf diese seltenen Gäste sahen. Die Zeit bis zum nächsten Morgen wurde immer kürzer.
»Jetzt müssen wir uns aber beeilen, Rudolf.«, schimpfte mittlerweile der Weihnachtsmann. »Wir schaffen es sonst nicht, alle Geschenke rechtzeitig auszuliefern.«
Das ließ sich Rudolf natürlich nicht zweimal sagen. Er feuerte die anderen Rentiere kräftig an. Von nun an ging es so schnell voran, wie nie zuvor. Der Schlitten flog schneller als ein Blitz durch die Lüfte.
Irgendwann kamen sie an einer Rennstrecke vorbei, auf der sich noch ein paar Autos befanden.
»Nanu?«, wunderte sich der Weihnachtsmann. »Ich dachte, die Menschen schlafen schon lange.«
Er sah verstohlen auf seine Armbanduhr. »Na gut, ein paar Sekunden können wir noch erübrigen.«
Der Weihnachtsmann interessierte sich schon immer für Autorennen. Jedes Wochenende saß er vor seinem Fernseher und sah den schnellen Autos zu, wie sie im Kreis fuhren und der beste von ihnen gewann. Aber noch nie hatte er ein Rennen mit eigenen Augen gesehen.
Er steuerte den Schlitten tiefer und sauste über die Rennstrecke hinweg. Während er die Rennwagen hinter sich ließ, bemerkte er gar nicht, dass ein Mann mit einer schwarz und weiß karierten Fahne winkte.
»Hast du das gesehen, Chef?«, rief Rudolf ihm zu.
»Ich glaube, wir haben gerade das Rennen gewonnen. Wir sind als erste über die Ziellinie geflogen.«
Und so war es auch. Der Weihnachtsmann stoppte den Schlitten, landete neben der Rennstrecke und bekam einen großen Pokal in die Hand gedrückt. Danach machte er sich wieder auf den Weg, um noch rechtzeitig die letzten Geschenke unter den Weihnachtsbäumen zu verteilen.

(c) 2016, Marco Wittler

555. Lukas die kleine Weihnachtslok

Lukas, die kleine Weihnachtslok

Lukas, die kleine Dampflok war wieder mal unterwegs – unterwegs zwischen den zwei kleinen Städten Altenburg und Neuenstadt. Sehr lange war dies seine ganz persönliche Strecke gewesen, doch seit ein paar Jahren war das die Aufgabe der Diesellok Arno. Seitdem drehte Lukas seine Kreise auf einem kleinen Hof einer Grundschule, um den Kindern in der Pause die Zeit zu vertreiben.
Heute war das anders. Arno stand im Lokschuppen. Dafür durfte Lukas mit den Schulkindern zwischen den Städten hin und her fahren. Er durfte es, weil Weihnachten war. Es war sein Geschenk an die kleinen Fahrgäste.
Bei jeder Fahrt saßen neue Kinder in den Bänken. Immer wieder wurde getauscht. Jeder wollte einmal dabei sein. Auch die Eltern ließen es sich nicht nehmen, noch einmal mit der kleinen Dampflok fahren zu können.
Aber als es langsam dunkel geworden war, passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte. Irgendetwas stand da auf den Gleisen. War das ein anderer Zug? Eine Rinderherde? War ein Auto am Bahnübergang liegen geblieben?
Lukas hupte und bremste. Was sich auch immer vor ihm befand, wollte einfach nicht verschwinden. Nur einen Meter davor kam der Zug zum stehen.
Die kleine Dampflok wollte ihren Augen nicht trauen. Sie stand vor einem Schlitten. Es war ein großer Schlitten, auf dem ein noch viel größerer Sack lag. Ein dicker Mann klammerte sich an den Zügeln der Zugtiere fest und zitterte vor Angst, überfahren zu werden.
»Du bist der Weihnachtsmann! Das gibt’s doch gar nicht.«, rief Lukas überrascht.
»Du bist eine sprechende Dampflok! Das gibt’s doch gar nicht.«, rief der Weihnachtsmann noch viel überraschter.
»Was machst du denn hier?«, wollte Lukas wissen.
»Meine Rentiere sind völlig erschöpft. Sie können den Schlitten keinen einzigen Meter mehr laufen. Ich sitze fest. Und das ausgerechnet an Weihnachten. Wie soll ich denn jetzt die Geschenke pünktlich unter die Christbäume legen?«
Lukas überlegte. »Ich würde dir wirklich gern helfen. Aber ich bin nur eine kleine Dampflok. Ich hänge an meinen Schienen fest und kann sie nicht verlassen.
Der Weihnachtsmann grinste und lachte erfreut.
»Du willst mir wirklich helfen? Dann kann ich dir auch helfen.«
Er spannte die Rentiere ab, führte sie an einen nahen Zaun, wo er sie fest band.
»Wenn mir deine Fahrgäste helfen, können wir den Schlitten hinter dich schieben und anhängen. Alles andere kommt von allein. Er wird dir dabei helfen, den Boden zu verlassen und durch die Lüfte zu fliegen.«
Das ließ sich Lukas natürlich nicht zweimal sagen. Er rief alle Eltern zu sich und erklärte ihnen, was zu tun sei. Nach nur wenigen Minuten hing der Schlitten hinter dem letzten Zugwaggon. Der Weihnachtsmann nahm im Führerhaus der kleinen Dampflok Platz.
»Los geht’s, Weihnachtsmann!«, rief Lukas und gab Gas.
Nach wenigen Metern hob die kleine Dampflok ab. Sie verlor den Boden unter den Rädern und flog hinauf in den Himmel. Die Fahrgäste in den einzelnen Waggons wollten ihren Augen nicht trauen.
Die ganze Nacht hindurch flog Lukas von einem Land zum anderen, von Stadt zu Stadt und landete auf jedem einzelnen Dach. Der Weihnachtsmann kletterte durch die Kamine und konnte noch jedes einzelne Paket pünktlich an Ort und Stelle bringen.
Ganz zum Schluss kehrten sie zu den Rentieren zurück, die sich mittlerweile erholt hatten. Während Lukas den Schlitten abkoppelte, verteilte der Weihnachtsmann noch ein paar Geschenke an die Fahrgäste, die eine unglaubliche Nacht erlebt hatten. Dann bedankte er sich bei der kleinen Dampflok und spannte seine Rentiere wieder an.
»Vielen Dank, kleine Dampflok. Du warst mir eine sehr große Hilfe. Ohne dich hätte ich das nie geschafft.«
»Ich habe dir gerne geholfen.«, antwortete Lukas. »Auch ich muss mich bedanken. Ohne dich wäre ich niemals in die Lüfte abgehoben. Ohne dich hätte ich das auch nie geschafft.«
Sie verabschiedeten sich voneinander. Dann machte sich der Weihnachtsmann auf den Weg zurück zum Nordpol. Lukas sah ihm noch eine Weile nach, bevor er seinen Weg zum nächsten Bahnhof fortsetzte. Während der Fahrt lauschte er den Weihnachtsliedern, die die Menschen in seinen Waggons sangen.

(c) 2016, Marco Wittler

553. Das kleine Geschenk

Das kleines Geschenk

Am Nordpol liefen die Weihnachtsvorbereitungen auf Hochtouren. In der Wichtelwerkstatt des Weihnachtsmanns liefen sekündlich große und kleine Geschenke vom Band, die seine Wichtel in liebevoller Arbeit hergestellt und wunderschön verpackt hatten. Nach und nach wurden sie alle in den großen Sack, der sich bereits auf dem Weihnachtsschlitten befand, geladen.
Seit Anfang Dezember gab es kaum noch Pausen. Ständig kamen mit der Post neue Wunschzettel von Kindern auf der ganzen Welt. Jedes von ihnen hatte einen ganz besonderen Wunsch, der erfüllt werden wollte.
Rund um die Uhr lasen die Wichtel Briefe der Kinder und gaben neue Geschenke in Auftrag.
Der Weihnachtsmann saß derweil in einem großen Ohrensessel in seinem Büro und blätterte in seinem goldenen Buch. Dort drin standen die Namen aller Kinder. Jedes von ihnen würde er besuchen. Jedem würde ein Geschenk mitbringen. Die artigen Kinder bekamen große Geschenke, die nicht ganz so artigen Kinder bekamen kleine Geschenke. Bestraft, wie es manche Eltern gern vor Weihnachten erzählten, wurde natürlich kein einziges Kind. Weihnachten sollte auch in Zukunft das Fest der Liebe, der Familie und der Freude sein und kein Fest der Angst.
Ungeduldig warf der Weihnachtsmann einen Blick auf die kleine Uhr, die auf dem Schreibtisch vor ihm stand. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr. Schon in wenigen Stunden musste er sich auf den Weg machen. Also stand er auf, steckte das goldene Buch in seine große Manteltasche und begab sich auf einen Rundweg durch die Wichtelwerkstatt. Alles lief ordnungsgemäß nach Plan. Fast alle Geschenke waren bereits fertig. Das ließ er sich auch noch einmal von seinem Oberwichtel bestätigen.
»Wir liegen voll und ganz im Zeitplan, Chef. Weihnachten kann kommen. In einer Stunde wird der Sack gefüllt sein. Dann spannen wir die Rentiere an und du kannst starten. Es gibt dieses Jahr allerdings ein kleines Problem.«
Er holte hinter sich ein kleines Geschenk hervor.
»Dieses kleine Geschenk ist vom Fließband gefallen und hat wohl seinen Namenszettel verloren. Wir haben bereits alle Listen und Wünsche kontrolliert, finden aber nicht heraus, für welches Kind es bestimmt ist. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als dass du es mit nimmst und schaust, welches Kind am Ende übrig bleibt.«
Der Weihnachtsmann nickte. Leichte Aufgabe. Das sollte er mit Links schaffen. Es hatte noch kein einziges Weihnachtsfest gegeben, an dem er nicht alle Kinder glücklich gemacht hatte. Also machte er sich auf seinen langen und anstrengenden Weg.
Sein Flug ging um die ganze Welt. Von einem Land zum nächsten, von Stadt zu Stadt und von Haus zu Haus. Überall kletterte er durch die Kamine und legte Geschenke für die Kinder unter die Weihnachtsbäume.
Der Geschenkesack wurde von Stunde zu Stunde leerer, bis er zum Ende der Nacht komplett ausgeräumt war. Zufrieden warf der Weihnachtsmann noch einen Blick in sein goldenes Buch. Er hatte jedes einzelne Kind beschenkt. Er war fertig und konnte nach Hause zurück.
Doch dann fiel ihm etwas ein. Da war noch das kleine Geschenk, das keinen Namenszettel trug. Der Weihnachtsmann strich sich nachdenklich über den Bart.
»Du scheinst niemandem zu gehören. Ich habe kein Kind vergessen. Sehr seltsam ist das. Ich nehme dich erstmal mit. Vielleicht haben meine Wichtel mittlerweile etwas über dich heraus gefunden.«

Als der Weihnachtsmann endlich zu Hause war, fand er keinen seiner Wichtel in seiner Werkstatt vor. Sie hatten so lange und viel gearbeitet, dass sie wohl schon alle in ihren Betten lagen. Sie hatten es sich mehr als verdient.
Ein Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Weihnachtsmanns. Er sah wieder auf das kleine Geschenk.
»Weißt du was? Ich nehm dich einfach mit zu mir. Du wirst mein persönliches Weihnachtsgeschenk – das erste, dass ich mir in der langen Zeit als Weihnachtsmann gönne.«
Voll Vorfreude ging er in sein Haus, setzte sich in seinen gemütlichen Sessel und stellte das kleine Geschenk vor sich auf den Tisch. Stundenlang besah er sich die glänzende Verpackung und genoss diesen Anblick. Er bekam nicht genug von den vielen Gedanken, was sich im Innern befinden könnte.
Irgendwann hielt er die Spannung nicht mehr aus. Er öffnete die Verpackung, sah hinein und freute sich über sein Geschenk wie kein Mensch zuvor.
Zur gleichen Zeit wurde er durch ein Fenster beobachtet. Draußen im Schnee stand sein Oberwichtel, der vor sich hin grinste. Sein Plan war aufgegangen. Schon oft hatte er versucht, den Weihnachtsmann zu beschenken. Jedes Jahr hatte dieser aufs Neue sein Geschenk abgelehnt.
»Die Geschenke sind für die Kinder gedacht.«, war immer wieder seine Ausrede gewesen.
Aber nun hatte der Oberwichtel endlich einmal Glück gehabt. Davon musste er gleich den anderen Wichteln erzählen.

(c) 2016, Marco Wittler

549. Der dicke Bauch

Der dicke Bauch

Klaus, der Weihnachtsmann, stöhnte erschöpft, als er mühsam aus dem letzten Kamin heraus kletterte. Er hatte das letzte Geschenk des Jahres abgeliefert und war fix und fertig.
»Ich weiß auch nicht, aber irgendwie wird die Arbeit jedes Jahr anstrengender und die Kamine immer enger. Ich passe da kaum noch durch. Wenn das so weiter geht, kann ich mich nicht mehr heimlich in die Häuser schleichen und muss stattdessen anklingeln. Das ist doch nicht Sinn der Sache.«
Während er in seinen Schlitten kletterte, holte der Weihnachtsmann ein paar Kekse aus seiner Manteltasche, die ihm ein paar Kinder an den Kamin gestellt hatten.
»Mh, sind die lecker. Schade, dass sich die Kinder der Welt beim Backen mehr Mühe geben, als beim artig sein.«
Er nahm die Zügel in die Hände und trieb seine Rentiere zum Abflug an.
»Endlich Feierabend. Endlich Urlaub.«
Der Weihnachtsmann dachte jetzt nur noch an das Flugticket, dass ihn schon Morgen in den Süden an einen warmen Sandstrand bringen würde, wo er unter der Sonne schön braun werden konnte.

Am nächsten Nachmittag, Klaus war gerade, nur mit einer Badehose bekleidet, am Strand angekommen, breitete er sein großes Badehandtuch auf dem Sand aus und ließ sich mit einem lauten Plumps darauf fallen. Mit einem wohligen Seufzer legte er sich auf den Rücken, faltete seine Hände auf dem Bauch und schloss die Augen.
»Jetzt erstmal ein paar Stunden entspannen und nichts tun. Das hab ich mir nach dem anstrengenden Weihnachtsfest mehr als verdient.«
Doch dann fiel ihm ein, dass er sich letzten Urlaub einen äußerst schmerzhaften Sonnenbrand eingefangen hatte. Darauf hatte Der Weihnachtsmann keine Lust mehr. Also holte er eine Flasche Sonnencreme aus seiner Badetasche und begann, seinen Bauch einzucremen.
»Du, meine Güte.«, war Klaus erschrocken. Bin ich wirklich so dick? Mein Bauch war doch sonst nicht so riesig. Kein Wunder, dass ich nicht mehr so gut durch die Kamine mehr passe. Ich glaube, ich muss dringend etwas unternehmen.«
Er sah sich und entdecke zwei andere Männer, die am Strand joggten und ziemlich sportlich und schlank aussahen.
»Hm.«, murmelte der Weihnachtsmann. »Ich kann es ja mal mit Laufen versuchen. Vielleicht werde ich dann auch etwas dünner.«

Einen Tag später hatte sich Klaus ein paar Sportklamotten und Laufschuhe gekauft. Nun stand er startbereit vor seinem Hotel und überlegte, in welche Richtung er laufen sollte. Er entschied sich für den Weg, der nach links führte.
»Hoffentlich ist die Strecke lang genug. Ich will nicht alle paar Minuten hin und her laufen müssen. Das wäre bestimmt zu langweilig.«
Er spurtete los. Schon nach wenigen Minuten blieb er stehen. Der Weihnachtsmann war völlig außer Atem. Ein schmerzhaftes Seitenstechen hatte er auch.
»Und ich kann nicht mehr. Ich bin jetzt schon fix und fertig. Dabei bin ich doch erst zweihundert Meter weit gekommen. Warum ist Sport bloß so anstrengend?«
Enttäuscht ging Klaus zurück zum Hotel, legte sich in sein Bett und schlief vor Erschöpfung sofort ein.

Zwei Tage später versuchte Klaus einen neuen Lauf. dieses Mal er schon ein paar hundert Meter weiter. Darüber war er so glücklich, dass er sich vornahm, von nun an jeden zweiten Tag joggen zu gehen.
»Außerdem werde ich viel weniger Kekse essen, sonst bringt der Sport auch nichts.«
Und so kam es, dass der Weihnachtsmann in den nächsten Monaten regelmäßig Sport trieb, die Finger von den Süßigkeiten ließ und immer schlanker wurde.

Irgendwann kam dann das nächste Weihnachtsfest. Klaus, der mittlerweile sehr sportlich und schlank geworden war, hatte sich einen neuen roten Mantel kaufen müssen, da der Alte mittlerweile viel zu groß war.
Zu seiner Überraschung fiel ihm die Arbeit viel leichter als jemals zuvor. In den Kaminen hatte er nun sehr viel Platz und den schweren Geschenkesack konnte er ebenfalls ohne einen einzigen erschöpfen Schnaufer über der Schulter tragen.
Aber schon beim fünften Geschenk gab es die ersten Probleme. Wie in jedem Jahr hatte sich ein neugieriges Kind hinter dem Sofa auf den Weihnachtsmann gewartet.
»Wer bist du und was machst du in unserem Haus?«, hörte Klaus die Stimme eines Jungen hinter sich.
Er drehte sich um und lächelte. »Weißt du das denn nicht? Ich bin der Weihnachtsmann und bringe gerade die Geschenke.«
»Du bist der Weihnachtsmann? Das Märchen kannst du deiner Oma erzählen. Der Weihnachtsmann ist viel dicker als du.«
Klaus seufzte. Während der letzten Monate hatte er gar nicht daran gedacht, dass ihn kein einziges Kind auf der Welt als schlanken Mann kannte. Kein Wunder, dass ihn der Junge nicht erkannte.
»Ich bin aber trotzdem der echte Weihnachtsmann. Ich habe abgenommen.«
Zum Beweis trat er an den Kamin und pfiff einmal. Nur wenige Sekunden später grinste Rentier Rudolf nach unten und zwinkerte dem Jungen zu.
»Du bist tatsächlich der Weihnachtsmann.«, staunte dieser. »Aber das geht nicht. Du bist schon immer dick gewesen. Du darfst nicht schlank sein.«
Er holte einen Teller Kekse vom Wohnzimmertisch und hielt ihn Klaus unter die Nase.
»Los, aufessen! Du musst ganz schnell wieder dick werden.«
Der Weihnachtsmann schüttelte den Kopf. »Mit einem dicken Bauch passe ich aber nicht mehr durch die engen Kamine. Außerdem ist es dann viel anstrenger die vielen Geschenke über die Dächer zu schleppen. Ich will nicht mehr dick sein.«
Der Junge verdrehte die Augen. »Ein dünner Weihnachtsmann ist trotzdem nicht in Ordnung.«
Er flitzte zum Sofa, nahm eines der Kissen und brachte es Klaus.
»Dann steck dir das unter den Mantel. Dann erkennt man dich wenigstens.«, sagte er grinsend. »Das schenke ich dir.«
»Vielen Dank.«, freute sich Klaus und stopfte sich tatsächlich das Kissen vor den Bauch.
»Du bist ein toller Ratgeber. Wenn ich noch einmal ein Problem habe, komme ich direkt zu dir und frage nach.«
Klaus verabschiedete sich und war glücklich, schlank und sportlich bleiben und trotzdem ganz der Alte bleiben zu können.
»Der Kleine hat absolut Recht. Der Weihnachtsmann muss dick sein, denn nur so kennt man ihn. Dass der dicke Bauch nicht echt ist, muss ja keiner Wissen. Ho, ho, ho!«
Klaus nahm die Zügel in die Hand und flog mit seinem Schlitten zum nächsten Haus.

(c) 2016, Marco Wittler