606. Weihnachtsschrecken

Weihnachtsschrecken

Im Weihnachtsdorf am Nordpol ging es hektisch zu. Jedes Rentier und jeder Weihnachtself war damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen für das Weihnachtsfest zu treffen. Ein paar Geschenke mussten noch gebaut, die anderen eingepackt und mit bunten Schleifen verziert werden. Der Schlitten wurde geputzt und letzten Sicherheitschecks unterzogen, damit unterwegs nichts passieren konnte. Die Hufe der Rentiere wurden blitzblank gereinigt, die Felle gebürstet und die Geweihe hübsch geschmückt.
Hin und wieder sah auch der Weihnachtsmann durch das Fenster seines Büros nach draußen und überzeugte sich, dass alles nach Plan verlief. Danach richtete er seinen Blick wieder auf die vielen Wunschzettel auf seinem Schreibtisch und bearbeitete die Seiten in seinem goldenen Buch.
Nur wenige Tage vor der Weihnachtsmann kam plötzlich Unruhe in das Dorf. Rentiere und Wichtel rannten in großer Panik auseinander und suchten Schutz, wo sie nur konnten. Die einen liefen in die Ställe, andere schafften es bis hinter eine schützende Tür. Und wieder andere konnten sich nur hinter kleinen Kisten verstecken. Von überall waren ängstliche Schreie zu hören.
Der Weihnachtsmann bemerkte dies recht schnell und verließ augenblicklich sein Haus. Was er dann sah, hatte er noch nie zuvor erlebt. Bisher war der Nordpol immer ein friedlicher und freundlicher Ort gewesen.
Von allen Seiten näherten sich grässliche Gestalten. Sie waren Monster, Vampire, Geister, Zombies und mehr gruseliges Gesindel. Sie scheuchten die Bewohner des Weihnachtsdorfs zusammen und erschreckten sie, wo sie nur konnten.
„Was zum Geier ist hier los?“, dröhnte plötzlich die laute Stimme des Weihnachtsmanns über den großen Dorfplatz.
„Was hat das alles zu bedeuten und wer seid ihr, dass ihr so viel Angst über meine Freunde bringt?“
Ein besonders großes Monster, welches der Anführer sein musste, blieb stehen und sah dem Weihnachtsmann ernst ins Gesicht.
„Wir sind die Halloween Armee.“, erklärte es. „Es ist unsere Aufgabe, in der gruseligsten Nacht des Jahres Angst und Schrecken über die Welt zu bringen. Und du wirst uns auch nicht davon abhalten.“
Der Weihnachtsmann seufzte und kramte in seiner Manteltasche. Er holte sein Handy hervor und öffnete den Kalender.
„Meinst du nicht, dass ihr etwas spät dran seid? In drei Tagen ist Weihnachten. Halloween liegt schon fast zwei Monate hinter uns.“
Das Monster riss entsetzt seine Augen auf.
„Wie? Was? Wir sind zu spät?“
In diesem Moment blieben auch die anderen Halloweengeschöpfe stehen und stellten ihre Jagd ein.
„Aber … ääh … wie kann das denn sein? Das ist uns noch nie passiert.“
Ein verlegenes Lächeln schlich sich in das Gesicht des Monsters.
„Tut uns leid. Das war nicht unsere Absicht.“
Es griff sich an den Kopf und zog ihn hoch. Darunter kam ein anderer Kopf zum Vorschein. Das Monster war nur ein Kostüm gewesen. Darin steckte kein Geringerer als der Osterhase.
„Okay Leute. Halloween ist vorbei. Ihr könnt eure Kostüme ablegen.“
Nach und nach fielen die Masken und ganz andere Wesen kamen zum Vorschein. Mutter Natur, Väterchen Frost und viele andere.
„Du kannst dir ja gar nicht vorstellen, wie anstrengend es ist, mehrere Jobs gleichzeitig zu haben.“, erklärte der Osterhase. „Da kommt man ganz schön durcheinander.“
„Ist schon gut.“, nahm der Weihnachtsmann die Entschuldigung an. „Ist ja nichts Schlimmeres passiert.“
Dann lud er die unerwarteten Gäste auf einen entspannenden Kaffee in sein Haus ein.

(c) 2017, Marco Wittler

599. Der sprechende Kürbis

Der sprechende Kürbis

Tim hatte sich dieses Jahr einen ganz besonderen Streich für Halloween ausgedacht. Bisher war er jedes Mal auf Mama herein gefallen. Jetzt wollte er ihr endlich zeigen, dass er was von ihr gelernt hatte.
Am Mittag nach der Schule hatte sie gemeinsam beim Bauern um die Ecke zwei große Kürbisse gekauft. Und nun saßen Tim und Mama schon seit ein paar Stunden in der Kühe, höhlten diese aus und schnitzen ihnen gruselige Gesichter. Am Abend sollten sie dann, durch eine Kerze beleuchtet, vor der Haustür stehen und die Leute erschrecken, die die Straße entlang gingen.
„Das wird wie immer ein großer Spaß.“, freute sich Tim. Insgeheim freute er sich aber noch mehr darauf, Mama zu erschrecken.
Seit einem halben Jahr hatte er alles genau geplant. Es konnte gar nichts mehr schief gehen.
Als es dunkel wurde, stellten sie ihre Kürbisse nach draußen. Sie platzierten sie auf zwei Hockern, stellten die Kerzen hinein und entzündeten die kleinen Feuer. Schon konnte man die schrecklichen Gesichter die ganze Straße hinunter leuchten sehen.
Während Mama schon wieder im Haus verschwand, wartete Tim noch einen Moment auf der Eingangstreppe. Als er sich sicher war, dass ihn niemand sah, legte er sein Handy hinter seinen Kürbis. Dann ging er ebenfalls rein.
Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Ein paar Kinder waren gekommen, um Süßigkeiten zu sammeln. Mama öffnete und schon bekam sie den bekannten Satz zu hören: „Süßes, sonst gibt’s Saures!“
„Oh je. Was habe ich mich erschreckt.“, lachte Mama. „Eure Kostüme sehen wirklich gruselig aus.“
Dann verteilte sie ein paar Bonbons und verabschiedete die Gruppe kleiner Geister.
Sie wollte schon die Tür schließen, als sie eine Stimme hörte. Sie sah sich um, konnte aber niemanden entdecken.
„Hallo? Wer bist du? Und vor allem, wo?“
„Ich liege direkt vor dir. Ich bin der schaurige Kürbiskopf.“
Mama sah sich die zwei Kürbisse an.
„Buh!“, machte einer von ihnen. „Hast du Angst vor mir?“
Mama grinste.
„Nein. Ich habe keine Angst vor dir. Du bist nur ein Kürbis.“
Der Kürbis blieb ein paar Sekunden still, bevor er weiter sprach.
„Aber du hast dich bestimmt kurz erschreckt, richtig?“
Mama lachte.
„Nein, erschreckt habe ich mich auch nicht.“
Dann drehte sie sich zur Tür ging ins Haus und rief:
„Tim, du kannst dir dein Handy abholen. Dein Plan hat nicht funktioniert.“
Mit einem enttäuschten Gesicht kam Tim aus dem Wohnzimmer.
„Aber nächstes Jahr zeige ich es dir. Dann lege ich dich rein.“
Als Tim sein Handy einsteckte, hörte er plötzlich eine Stimme neben sich.
„Und ich werde dir dabei helfen. Deiner Mutter werden wir es beim nächsten Halloween schon zeigen.“
Verwirrt sah Tim auf Mamas Kürbis. Hatte er tatsächlich zu ihm gesprochen?
„Du hast schon richtig gehört.“, bestätigte ihm der Kürbis.
„Ich kann sprechen.“
Tims Augen wurden riesig groß. Ein sprechender Kürbis? So etwas konnte es doch nicht geben. Ängstlich lief er ins Haus, schlug die Tür hinter sich zu und versteckte sich in seinem Zimmer.
Kurz darauf ging Mama noch einmal zur Außentreppe. Mit einem breiten Grinsen holte sie ebenfalls ihr Handy rein. Ihr Halloweenscherz hatte mal wieder funktioniert.
Und dann hörte auch sie eine unbekannte Stimme.
„Deinem Sohn haben wir es aber wieder gezeigt, was?“
Es war eindeutig der Kürbis, der zu ihr sprach. Mama begann zu suchen. Nirgendwo fand sie ein Handy, einen Lautsprecher oder etwas anderes, woraus die Stimme hätte kommen können.
„Da kannst du lange suchen.“, sagte der Kürbis. „Ich spreche wirklich mit dir.“
dann grinste er über sein ganzes, oranges Gesicht und zwinkerte Mama zu.

(c) 2017, Marco Wittler

598. Die Nacht der Mumie

Die Nacht der Mumie

Es war Halloween, die Nacht der Untoten, Monster, Geister, Gespenster und allem anderen, was den Menschen im Normalfall Angst bereitet. In jedem Jahr war es auch die Nacht, in der die Mumie im Stadtmuseum für wenige Stunden wieder zum Leben erwachte.
Die Uhr schlug zwölf. Die Mumie öffnete von innen ihren Sarkophag und stand auf. Müde streckte sie ihre Glieder von sich und ließ die alten Knochen knacken. Dann begab sie sich auf einen Rundgang durch das Museum.
»So ein Spaziergang durch die einzelnen Säle tut gut. Da werden meine Muskeln endlich wieder mal warm. Wenn ich doch bloß mal wieder Joggen gehen könnte. Aber ich konnte seit viertausend Jahren nicht mehr richtig trainieren. Das schaffe ich nicht mehr.«
Die Mumie schlurfte langsam vorwärts, stöhnte hin und wieder wegen der schmerzenden Beine, die sie seit einem ganzen Jahr nicht mehr bewegt hatte und dachte schon jetzt darüber nach, was sie in den nächsten 52 Wochen in ihrem Sarkophag treiben konnte, um nicht zu viel Langeweile zu bekommen.
Irgendwann hörte sie vor sich ein Geräusch. Das hatte es in all den Jahren im Museum noch nie in der Halloween Nacht gegeben.
»Was ist denn das? Ist da etwa noch jemand im Museum?«, flüsterte sie sich selbst zu, bevor sie weiter ging.
Ein paar Räume und Gänge später sah sie tatsächlich einen Menschen. Eine Frau putzte mit einem Wischmop den Boden. Die Putzfrau war noch da.
»Warum sind sie so spät in der Nacht noch hier?«, wollte die Mumie wissen und fragte ganz ungeniert.
Die Putzfrau sah hoch und erschrak.
»Um Himmels Willen. Die Mumie lebt.«, schrie sie laut. Dann nahm sie ihre Beine und den Wischmop in die Hände und rannte auf schnellstem Wege aus dem Museum.
Die Mumie seufzte. Sie hatte nicht vorgehabt, die Putzfrau zu erschrecken. Sie ging noch ein paar Räume weiter. Ein weitere Putzfrau fand sie aber nicht. Stattdessen sah sie die Uhr in der Eingangshalle. Es war gerade einmal acht Uhr am Abend.
»Du meine Güte. Kein Wunder, dass noch jemand hier war. Es ist viel zu früh für mich. Jemand muss die Uhr in meiner Kammer verstellt haben. Aber wer putzt jetzt das Museum fertig und vor allem womit? Der Wischmop ist weg.«
Die Mumie grübelte kurz. Dann wickelte sie sich die alten Stoffbahnen vom Körper und wischte mit ihnen den Boden fertig. Es brauchte ganze zwei Stunden, bis sie fertig war. Am Ende waren die alten Stoffe schmutzig und nass.
»Die kann ich unmöglich noch einmal anziehen. Was sollen denn Morgen die Leute denken, wenn ich völlig schmutzig in meinem Sarkophag liege. Außerdem bekomme ich in in dem nassen Zeug eine Lungenentzündung. Damit ist nicht zu spaßen. Ich könnte mir den Tod holen.«
Was sollte sie nur machen? Doch dann hatte die alte Mumie die rettende Idee. Sie schlurfte zur nächsten Toilette und wickelte sich mit Klopapier von oben bis unten ein. Dann legte sie sich für die nächsten zwölf Monate zurück an ihren Platz und freute sich schon jetzt auf das nächste Halloweenfest in ihrem Museum.

(c) 2017, Marco Wittler

597. Partydurst

Partydurst

Halloween. Endlich. Darauf hatte sich Fred schon das ganze Jahr gefreut. Endlich wieder mal eine Party mit schaurig, gruseligen Kostümen feiern. Wie in jedem Jahr hatte er Stunden vor dem Spiegel verbracht und sich von oben bis unten geschminkt und verkleidet. Am Ende hatte ihm ein Untoter, ein halb verwester Zombie angegrinst.
Kurz darauf war Fred angekommen. Die Party im Haus seines Kumpels Paul war schon in vollem Gange. Überall standen oder saßen Vampire, Mumien, Skelette, Monster, Menschen ohne Köpfe und mehr.
»Da bist du ja endlich.«, wurde er von Paul begrüßt. »Wir warten schon alle auf dich.«
Er schob Fred ins vor sich her ins Wohnzimmer.
»Leute schaut mal, Fred ist endlich da. Hat sich wieder mal mit seinem Kostüm extrem viel Mühe gegeben. Er sieht wie ein waschechter Zombie aus. Jetzt wartete ich nur noch darauf, dass ihm Arme oder Beine abfallen.«
Alle Gäste lachten. Fred stöhnte nur. Zombies sprachen schließlich nicht.
»Willst du was trinken?«, fragte ihn Paul.
Fred nickte und stöhnte erneut. Tatsächlich hatte er während der letzten Stunden keinen einzigen Tropfen getrunken. Er bekam einen großen Becher, den er sich sofort an die Lippen setzte. Er trank ihn in einem Zug aus. Der Durst wollte aber nicht verschwinden.
Fred füllte sich den Becher wieder auf und trank und trank und trank. Aber es geschah nichts. Der Durst blieb. So etwas hatte er noch nie erlebt. Irgendwas stimmte nicht mit ihm.
Während er Liter um Liter in sich hinein schüttete, wurden immer der anderen Gäste auf ihn aufmerksam. Langsam wurde es still im Wohnzimmer. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Jeder starrte ihn an.
»Stimmt was nicht?«, wunderte sich Fred.
Er folgte den Blicken seiner Freunde, die auf seine Füße sahen.
Fred erschrak. Er stand in einer großen Pfütze. Liter um Liter floss aus unzähligen Löchern seines verwesenden Körpers.
Paul fand als erster seine Worte wieder.
»Puh, man. Das ist echt abgefahren. Deine Kostüme waren jedes Jahr extrem krass. Aber dieses Mal hast du dich wirklich selbst übertroffen.«
Fred wurde rot im Gesicht und wusste gar nicht, was er sagen sollte. Er wusste nicht einmal, wie das Ganze überhaupt funktionierte. Er hoffte jetzt nur noch, dass der Abend schnell vorüber gehen würde und er zu Hause aus dem Kostüm schlüpfen und wieder richtig trinken konnte.

(c) 2017, Marco Wittler

579. Nik und Nele auf Ufo-Jagd

Nik und Nele auf Ufo-Jagd

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich. Genau in diesem Augenblick blitzte ein Lichtschein am dunklen Herbsthimmel auf und verschwand gleich wieder. Sekunden später leuchtete wieder etwas auf und wieder und wieder.
»Was ist das?« Nik kletterte neugierig aus seiner oberen Hälfte des Etagenbetts.
Seine Zwillingsschwester Nele folgte ihm zum Fenster. Gemeinsam sahen sie nach draußen. »Siehst du das? Die Lichter kommen von unten und fliegen ins Weltall hinaus. Das Es können also keine Sternschnuppen sein.«
Nik grübelte. »Aber sehen wir denn dann?«
»Das müssen Ufos sein.«
»Eine Invasion? Greifen uns Außerirdische an, wie ich es gestern in einem Film gesehen habe? Aber dann würden sie doch landen und nicht heimlich in der Dunkelheit verschwinden.«
Nele dachte nach. »Das ist keine Invasion. Wir werden nicht angegriffen. Sie flüchten. Sie haben vor irgendetwas Angst. Große Angst.«
So schien es wirklich zu sein, denn immer mehr Lichtpunkte starteten zu den Sternen hinauf.
»Wir sollten ihnen folgen und heraus finden, was da los ist.«
Sie liefen zurück zum Bett und setzten sich darauf. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu. Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

»Wo sind sie?« fragte sich Nele.
Nik fand die Raumschiffe. Sie waren überall. Egal, in welche Richtung er sah, entdeckte er die Flüchtlinge.
»Hoffentlich können wir sie auch verfolgen. Die scheinen es ganz schön eilig zu haben. Ich bin gespannt, wo es hin geht.«
Die kleinen, rasenden Lichtpunkte hatten alle das gleiche Ziel: Die dunkle Seite des Mondes.
»Ob sie sich dort verstecken wollen, weil ihre Invasion nicht geklappt hat?« wagte Nele eine Vermutung. »Dort kann man sie jedenfalls von der Erde aus nicht entdecken.«
Die Zwillinge folgten den Raumschiffen und landeten schließlich in der Mondnacht.
»Wahnsinn.« war Nik begeistert. »Das sind so viele Raumschiffe, dass ich sie gar nicht zählen kann.«
Die Kinder stiegen aus, näherten sich langsam einem der Raumschiffe und warteten. Als sich nichts tat, öffneten sie die Eingangstür.
Im Innern fanden sie fünf Astronauten, die ihre Raumanzüge angelegt hatten. Die fünf erschreckten sich, als sie die Kinder entdeckten.
»Hilfe! Menschenkinder!« riefen sie entsetzt. »Tut uns bitte nichts.«
Nele lächelte freundlich. »Wir sind nicht gekommen, um euch etwas anzutun. Wir sind nur neugierig, warum ihr in so großer Zahl die Erde verlassen habt. Was ist los?«
Die Astronauten setzten ihre Helme ab. Zur Überraschung der Zwillinge kamen darunter keine normalen Köpfe zum Vorschein. Es waren orange Kürbisköpfe.
»Ihr seid Kürbisse?«
Die Kürbisse nickten.
»Warum seid ihr zum Mond geflogen? Hier oben gibt es nichts als Steine und Felsen.«
»Hier oben sind wir aber in Sicherheit.«
Nik grinste, als er verstand, worum es ging. Er knuffte seine Schwester in die Seite.
»Nächste Woche ist Halloween. Sie wollen nicht gegessen und auch nicht mit Messern zu gruseligen Fratzen verschnitzt werden.«
Wieder nickten die Kürbisse. »Wir wollen diese grausame Fest einfach nur überleben. Außerdem erschrecken wir uns immer vor den vielen Gespenstern, Monstern und Geistern, die in der Nacht unterwegs sind und um Süßigkeiten betteln.«
Dafür hatten die Kinder Verständnis. Sie wünschten den Flüchtlingen alles Gute und verabschiedeten sich wieder. »Wir werden niemandem euer Versteck verraten.«
Dann setzten sie sich wieder in ihr fliegendes Bett und machten sich auf den Heimweg.
»Ich glaube, ich muss Morgen früh mit Papa reden.« dachte Nele nach. »Er wollte mir einen Kürbis zum Schnitzen kaufen. Den möchte ich jetzt doch nicht mehr haben.«

(c) 2014, Marco Wittler

541. Halloween im Weltall

Halloween im Weltall

Die kleine Leonie stand vor dem großen Kalender im Flur und sah sich an, was in den nächsten Tagen alles eingetragen war. Am letzten Tag im Oktober stand ein Wort, dass sie noch nie zuvor gesehen oder gehört hatte: Halloween.
»Was ist denn Halloween?«, fragte sie sich laut.
Ihr großer Bruder Tim hörte sie und kam aus dem Wohnzimmer in den Flur.
»Was? Du kennst Halloween nicht? Das kann ich gar nicht glauben. Halloween kennt doch eigentlich jeder.«
Leonie zuckte mit den Schultern. »Ist nicht meine Schuld. Mir hat halt noch niemand davon erzählt.«
Tim grinste.
»Dann komm mal mit. Wir gehen in mein Zimmer, setzen uns auf mein Sofa und ich erzähle dir, was Halloween ist.«
Die beiden Geschwister gingen die Treppe nach oben und setzten sich in Tims Zimmer. Dort begann dann der große Bruder zu erzählen.
»Schau mal nach draußen. Was siehst du da?«
Leonie sah durch das Fenster.
»Es ist dunkel draußen. Ich sehe gar nichts. Irgendwo da unten steht unser Apfelbaum, aber sehen kann ich ihn nicht.«
»Dann schau doch mal nach oben.«
Leonie legte ihren Kopf in den Nacken und sah nach oben.
»Nein. Du sollst nicht zur Zimmerdecke sehen. Schau nach draußen in den Himmel.«
Leonie lachte und sah dann nach draußen.
»Da sind ein paar Sterne. Die funkeln. Aber das ist ja nichts Besonderes. Das machen sie jede Nacht. Das hat doch nichts mit Halloween zu tun.«
»Das nicht.«, erklärte Tim. »Aber da oben am Himmel gibt es einen ganz besonderen Stern. Er heißt Lich und um ihn herum bewegen sich drei Planeten. Einer von ihnen heißt Poltergeist. Er ist der berühmte Halloweenplanet. Dort wurde das Fest erfunden. Die Außerirdischen feiern es dort das ganze Jahr. Wir nur an einem einzigen Tag.«
»Und was macht man an Halloween?«
»Das ist ganz einfach. Man verkleidet sich als Geist, Gespenst, Vampir, Monster oder etwas anderem, wovor man sonst Angst hat.«
Leonie verdrehte die Augen. »Du willst mich nur auf den Arm nehmen. Das glaube ich dir nicht. Woher willst du das denn wissen? Du bist doch noch nie auf einem anderen Planeten gewesen.«
Tim lachte. »Da stimmt. Ich bin noch nie dort gewesen. Aber ich hab es gesehen.«
Er öffnete seinen Kleiderschrank und holte ein großes Teleskop daraus hervor.
»Damit kann man sich Sterne und Planeten anschauen. Damit habe ich die Außerirdischen von Poltergeist mit ihren Verkleidungen gesehen.
Leonie bekam große Augen. »Du veräppelst mich wirklich nicht? Das ist die Wahrheit?«
Tim nickte.
»Dann will ich das jetzt auch sehen.«
»Na gut.« Tim stellte das Teleskop ans Fenster, richtete es aus und drehte eine Weile an ein paar kleinen Rädchen.
»Jetzt ist es richtig eingestellt. Wenn du jetzt durch schaust, kannst du sie sehen.«
Das ließ sich Leonie kein zweites Mal sagen. Sie drückte ihr Auge auf das kleine Guckloch und sah sich alles ganz genau an. Doch dann war sie ganz enttäuscht.
»Aber wo sind denn die Außerirdischen? Ich sehe nur ganz normale Menschen.«
Tim nickte. »Ist alles richtig.«
»Aber ich denke, die würden sich alle verkleiden.«
»Du hast mir nicht richtig zugehört. An Halloween verkleidet man sich als etwas Schreckliches, als etwas, vor dem man riesig große Angst hat.«
Leonie war noch immer enttäuscht. »Ja, ich weiß. Hast du mir gesagt. Aber ich sehe da keine Verkleidungen. Die sehen alle wie ganz normale Menschen aus.«
Tim lachte ein weiteres Mal. »Ja was dachtest du denn? Auf diesem Planeten leben Außerirdische. Die sehen in Wirklichkeit ganz anders aus als wir und fürchten sich am meisten vor uns Menschen. Deswegen haben sie sich auch so verkleidet.«
Leonie verdrehte die Augen und sah sich das Teleskop noch einmal genauer an. Dabei fiel ihr auf, dass es nicht zu Himmel hinauf zeigte, sondern zur Stadt.
»Du hast mich doch auf den Arm genommen. Und ich hätte es dir fast geglaubt.«
Beleidigt verließ sie das Zimmer. Als sie durch die Tür trat, drehte sie sich noch einmal um.
»Dann muss ich halt irgendwann mit einem Raumschiff zum Poltergeist fliegen. Dann schaue ich selbst nach, wie die Außerirdischen dort aussehen.«

(c) 2016, Marco Wittler

407. Katze des Grauens

Katze des Grauens

Es war bereits Abend geworden. Die Geschäfte hatten ihre Türen geschlossen und die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden.
Jonas stand mit seinem großen Bruder Tom auf dem Gehweg der Hauptstraße. Autos waren kaum noch unterwegs. Es war den Leuten einfach viel zu kalt.
»Los, beeil dich.«, rief Tom seinem Bruder nach.
»Mama wartet schon auf das Brot.«
Jonas Blick war an einem der Schaufenster hängen geblieben. Darin standen viele beleuchtete Kürbisse, hingen kleine Geister an Fäden von der Decke herab und kleine Monster bevölkerten den restlichen Platz dazwischen.
»Heute ist Halloween.«, murmelte er vor sich hin.
»Was?«, fragte Tom.
»Halloween? Das ist doch alles nur Blödsinn. Den Kindern werden Gruselgeschichten erzählt, obwohl es ein Tag, wie jeder andere ist. Es gibt keine Gespenster, Geister oder Monster. Und nun komm endlich.«
»Bist du dir da sicher?«, wollte Jonas wissen.
»Nur weil du noch keine Monster gesehen hast, bedeutet das doch nicht, dass es sie nicht gibt.«
Aber Tom schüttelte nur lachend den Kopf.
»Alles Märchen. Monster gibt es nicht. Schluss, aus, fertig.«
Sie gingen die Straße weiter entlang, bis sie plötzlich einen riesig großen Schatten vor sich sahen, der aus einer Seitenstraße kam.
»Was ist denn das?«
Die Antwort kam sofort. Sie hörten ein lautes Fauchen.
»Das ist nur eine Katze. Mehr nicht. Die kann uns nichts tun.«, erklärte Tom mit zittriger Stimme.
»Eine Katze? So groß? Bist du dir da wirklich sicher?«
Aber Tom war sich gar nicht mehr sicher. So groß konnte eine Katze doch gar nicht sein. Vorsichtig gingen die Jungs ein paar Schritte weiter, bis sie wieder das Fauchen hörten.
»Kommt das näher? Greift sie uns an?«
Tom bekam es mit der Angst zu tun.
»Ich dachte, es gibt keine Monster. Gilt das auch für Monsterkatzen?«, fragte Jonas.
Aber Tom gab keine Antwort. Er wollte umdrehen und einen anderen Heimweg wählen, als das Fauchen ein weiteres Mal zu hören war.
»Sie will uns nicht gehen lassen. Wenn wir jetzt nicht stehen bleiben, fällt sie bestimmt über uns her und frisst uns auf.«
»Was machen wir denn jetzt?«
Jonas blickte sich um und suchte verzweifelt nach einem Versteck. Doch so schnell ließ sich keines finden.
Das Fauchen kam immer näher. Die Monsterkatze war ganz nah. Es konnte nur noch wenige Sekunden dauern, bis sie um die Straßenecke biegen würde.
Die Jungs zitterten am ganzen Leib, bis das schreckliche Tier zum Vorschein kam.
»Oh, ist die süß.«, freute sich Jonas plötzlich und verlor seine Angst.
Vor ihnen saß ein kleines Katzenbaby, das am ganzen Körper zitterte.
»Schau, Tom. Sie hat selbst große Angst. Sie hat ihre Mama verloren.«
Die Jungs atmeten tief durch. Vorsichtig näherten sie sich der kleinen Katze. Jonas nahm sie auf den Arm, streichelte sie und nahm sie mit nach Hause. Auf dem Heimweg mussten sie noch ein paar Mal über ihr verrücktes Erlebnis lachen. Die kleine Katze fauchte nun nicht mehr. Sie lang glücklich in Jonas Arm und schnurrte zufrieden.

(c) 2012, Marco Wittler

349. Die Nacht der Nächte

Die Nacht der Nächte

Es war dunkel in dieser Nacht. Die fernen Lichter der Sterne und des Mondes waren nicht zu sehen. Die Wolkendecke unter dem Himmel war viel zu dicht. Wenn nicht hier oder da Licht hinter einigen Fenstern gewesen wäre, hätte man gar nichts mehr auf den Straßen sehen können. Eine erdrückende Stille lag über der Stadt. Alle Menschen, denen ihr Leben lieb war, verbargen sich in diesen Stunden in ihren Häusern und Wohnungen.
»Geh nicht zu dicht an das Fenster heran.«, ermahnte eine verängstigte Frau ihren Mann.
»Wenn sie dich sehen, bist du vielleicht für immer verloren.«
In einer anderen Familie hatte man sich bereits mit dem Nötigsten bewaffnet. Alles, was man zur Verteidigung seiner Seele brauchte, lag auf kleinen Tischen in der Nähe der Eingangstüren.
Überall wurde gezittert und gebibbert. Doch der Schrecken, der schon bald durch die verwinkelten Straßen und Gassen ziehen würde, wollte darauf keine Rücksicht nehmen. Doch noch war es still. Es war die Ruhe vor dem Sturm.
Und plötzlich waren sie da. Von überall kamen sie heran. Es war, als wären sie aus tiefen Gräbern und dunklen Grüften entstiegen. Unter ihnen waren Geister, Gespenster, haarige Monster, düstere Schurken, wandelnde Skelette und Vampire. Sogar der Tod wurde immer wieder mit seine großen Sense gesehen.
»Es ist so weit. Jetzt sind wir alle verloren.«, zitterte eine ältere Dame, die sich bereits hinter einem großen Sessel versteckte.
Und dann klingelte es schon an den Türen der Stadt. Mit Fäusten wurde lautstark angeklopft. Überall schlugen die finsteren Wesen zur gleichen Zeit zu. Die Bewohner hatten keine andere Wahl. Es war wie ein magischer Zauber, der sie nun zu den Türen zog. Sie legten ihre Hände auf die Klinken und öffneten den schrecklichen Gestalten.
»Süßes oder Saures.«, riefen die verkleideten Kinder begeistert und hielten bereits ihre Sammelbeutel auf, die sie in den nächsten Stunden mit allerlei Leckereien füllen lassen wollten.
Die grinsenden Erwachsenen, die von diesen kleinen Monstern überfallen wurden, griffen in vorbereitete Schalen und verteilten allerlei Zuckerwerk.
»Aber lasst mich bitte weiter leben.«, bettelte ein Mann zum Scherz.
»Sicher doch.«, riefen die Kinder als Antwort.
»Wir kommen dann nächstes Jahr wieder vorbei.«

(c) 2010, Marco Wittler

266. Falsche Geister

Falsche Geister

Langsam kroch die Dunkelheit von draußen in die große Burg hinein. Die Nacht brach herein.
»Heute ist eine ganz besondere Nacht.«, murmelte König Herbert vor sich hin.
»An Halloween kommen die Geister aus ihren Gräbern und treiben auf der ganzen Welt ihr Unwesen. Darum haltet eure Türen geschlossen und lasst die Kerzen brennen. Dann werden sie euch nicht belästigen.«
Die Söhne des Königs hörten sich diese Warnung gut an. Doch der Jüngste unter ihnen, Adalbert, hatte plötzlich einen Schabernack im Kopf. Er wollte seinen Brüdern einen Streich spielen.
Nachdem sich alle eine gute Nacht gewünscht hatten, schlich er sich in die Waschküche und stibitzte sich ein großes Bettlaken. Mit einer großen Schere schnitt er zwei Löcher für seine Augen hinein. Von dort aus ging es hinab in das Verließ.
Es waren gerade keine Gefangenen oder Soldaten dort zu sehen. Also würde es wahrscheinlich auch niemandem auffallen, wenn eine schwere Metallkugel mit rostiger Kette fehlen würde.
So ausgestattet schlich sich der Prinz in den Flur der Schlafgemächer. Die Kette legte er sich an sein Bein und das Bettlaken warf er sich über den Kopf. Sekunden später sah er wie ein richtiges Gespenst aus.
»Dann will ich doch mal schauen, ob meine großen Brüder wirklich an diese Geistergeschichten glauben.«
Vorsichtig öffnete er die erste Tür und schlich sich in den Raum dahinter. Es brannten tatsächlich alle Kerzen. Hatte Prinz Achim so viel Angst?
Gerade wollte Adalbert zu spucken beginnen, doch da hörte er plötzlich ein lautes und Angst einflößendes ›Huh‹.
Irgendwo rasselte eine Kette und eine schwere Eisenkugel wurde über den steinigen Boden geschleift.
Adalbert bekam Angst. Wer oder was konnte das sein? Vorsichtig schlich er auf den Gang zurück und sah sich um. Doch was er da erblickte gefiel ihm gar nicht. Es jagte ihm einen kalten Schauer über den Rücken.
Nur zu gern wäre der Prinz schreiend in sein Zimmer gelaufen, doch seine Angst nagelte ihn fest.
»Es gibt keine Geister, das weiß ich genau.«
Und doch sah er eine weiße Gestalt vor sich, an deren Bein eine lange Kette mit einer schweren Kugel hing. Es war ein Gespenst.
»Huh.«, machte es wieder.
»Zu Hilfe, helft mir.«
In diesem Moment stürmten die anderen Prinzen lachend auf den Flur und der Geist entledigte sich seines Bettlakens. Darunter kam ein grinsender Prinz Achim zum Vorschein.
»Na, kleiner Bruder, hast du dich auch schön gegruselt?«
Da wurde es Adalbert klar, dass er in seine eigene Falle getappt war. Er wurde rot im Gesicht und legte verschämt seine Verkleidung ab.
»Verdammt, immer seit ihr mir einen Schritt voraus.«, sagte er entschuldigend.
»Aber nächstes Jahr fällt mir etwas Besseres ein.«
Plötzlich hörten sie alle eine rasselnde Kette.
»Huh.«
Ein richtiges Gespenst kam um die Ecke gebogen.
»Ab in die Betten oder es wird euch schlecht ergehen.«
Die Prinzen erschraken und verschwanden sofort in ihre Betten. Bei so viel Schabernack hätten sie daran gedacht, dass es doch noch irgendwo einen echten Geist geben könnte.
Das Rasseln verstummte und unter dem Bettlaken kam König Herbert zum Vorschein.
»Wenigstens bekomme ich diese Bengel als Geist ins Bett geschickt.«
Zufrieden ging er in sein Schlafgemach.

(c) 2009, Marco Wittler

203. Geist sucht Schloss

Geist sucht Schloss

Herr Simon saß in seinem Wohnzimmer und las die Zeitung. Das war seine Lieblingsbeschäftigung. Er kam am Nachmittag von der Arbeit, kochte sich eine Tasse Kaffee und setzte sich dann zum Lesen in seinen Sessel.
»Wie herrlich das duftet.«
Er nahm einen großen Schluck und las weiter. Doch weit kam er nicht, denn er hörte ein verdächtiges Geräusch. Irgendwer schien sich im Haus zu befinden.
»Hallo?«, rief Herr Simon.
»Ist da jemand?«
Die Schritte verstummten. Es war wieder still.
War alles nur eine Sinnestäuschung gewesen? Herr Simon war sich nicht sicher. Aber dann war er sich sicher, dass nur er selbst einen Haustürschlüssel besaß. Er blätterte eine Seite weiter und überflog die Todesanzeigen.
Doch was war das? Schon wieder ein Geräusch? War doch jemand im Haus?
Herr Simon legte die Zeitung leise zur Seite, stellte den Kaffee auf den Tisch und stand auf. Er hielt die Hand ans Ohr und schlich von Raum zu Raum.
In der Küche war nichts zu hören. Auch im Badezimmer war alles still. Im Schlafzimmer war es ganz friedlich und im Büro war niemand zu entdecken.
»Das scheint vom Dochboden zu kommen.«, sagte sich Herr Simon.
Er blickte im Flur zur Decke. Dort war die Einstiegsluke. Er öffnete einen Schrank, holte eine Stange heraus und zog die Bodentreppe herunter. Auf ihr stieg er Stufe für Stufe nach oben.
Vorsichtig steckte er den Kopf durch die Luke und sah sich um.
»Wer ist da?«
Es kam keine Antwort.
»Ich bin bewaffnet und kann mich wehren.«
Doch so sehr er auch in seiner Hosentasche suchte, es war nichts zu findet, womit er einen Einbrecher bedrohen konnte.
Die Geräusche waren nun wieder verstummt. Deswegen stieg Herr Simon den Rest der Treppe hinauf und schaltete das Licht an.
In diesem Moment verschwand etwas hinter einer Kiste und versteckte sich.
»Wer ist da?«
Doch der Fremde antwortete nicht.
Herr Simon sah sich um und fand einen alten Regenschirm, den er sich nun schnappte. Einen Schlag damit würde den Einbrecher zwar nicht verletzen, aber wenigstens etwas verwirren.
Langsam schlich Herr Simon auf die Kiste zu. Als er direkt davor stand, sprang er hoch und wollte dem Fremden einen Hieb versetzen. Doch dann erlebte er eine Überraschung.
»Bitte schlagen sie mich nicht.«, war eine unheimliche Stimme zu hören.
»Du meine Güte.«, rief Herr Simon entsetzt.
»Ich habe einen Geist auf meinem Dachboden.«
Er ließ den Regenschirm fallen und wollte sofort weg laufen, doch dann flog der Geist um ihn herum.
»Haben sie bitte keine Angst. Ich werde ihnen nichts tun.«
Herr Simon beruhigte sich. Nun konnte er eh nicht mehr fort laufen.
»Mein Name ist Theodor von Geisterfels. Ich bin auf der Suche nach einem neuen Heim.«
Sofort schüttelte Herr Simon verzweifelt den Kopf.
»Du kannst auf keinen Fall in meinem Haus bleiben. Was sollen denn die Leute denken. Die werden mich bestimmt für verrückt erklären. Außerdem gehört ein Geist in eine Burg.«
Theodor blickte traurig zum Boden.
»Meine Burg gibt es nicht mehr. Sie ist mit den Jahrhunderten baufällig geworden und wurde vor einer Woche abgerissen. An ihrer Stelle soll ein modernes Hotel gebaut werden. Dort ist man dann als Gespenst völlig unerwünscht.«
Der Geist schniefte leise, nachdem er in sein Bettlaken geschnäuzt hatte.
»Dann werde ich mir wohl eine andere Bleibe suchen müssen.«
Theodor schwebte fort und verschwand durch die Wand. Doch da gab es ein Problem. Seine Geisterkette knallte dabei gegen das Gemäuer und ließ den Putz herab bröseln.
»Was ist denn das?«, fragte sich Herr Simon.
Er sah sich die Beschädigung genauer an. Unter dem Putz tauchten ein altes Wappen und eine Jahreszahl auf.
»1654, Schloss Felsenburg.«
Er kratzte sich am Kinn. Doch dann fiel ihm etwas ein.
»Mein Haus ist Teil des alten Stadtschlosses. Das wusste ich gar nicht. Das ist ja eine Überraschung.«
In diesem Moment tauchte der Geist wieder auf.
»Du lebst in einem alten Schloss? Dann kann ich ja doch auf deinem Dachboden bleiben.«
Herr Simon lachte.
»Es sieht wohl ganz so aus.«
Von diesem Tag an war Herr Simon nicht mehr allein in seinem Haus. Nun saß er jeden Tag nach der Arbeit mit seinem Freund Theodor im Wohnzimmer. Gemeinsam tranken sie Kaffee, lasen zusammen in der Zeitung und rasselten hin und wieder nacheinander an der Geisterkette.

(c) 2009, Marco Wittler